Union geht durch die Decke und Hertha punktet

Der 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga Saison 2022/23 wird den fußballbegeisterten Berlinern in besonderer Erinnerung bleiben. Hertha scheint auf dem langsamen Weg der Besserung zu sein und holte vor 40.643 Zuschauern im Olympiastadion immerhin einen Punkt. Partie gedreht, die zwischenzeitliche 2:1 Führung hielt nur fünf Minuten. Das Unentschieden wurde den gezeigten Leistungen auf dem Platz gerecht.

Einen Tag später, am Sonntag, 11. September traten die Eisernen aus Köpenick beim 1. FC Köln an. Der FC Bayern hatte im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart Federn gelassen und mit einem Sieg in Müngersdorf wären sie Tabellenführer, wenigstens bis zum Schlusspfiff in Freiburg. Ein durch Sheraldo Becker erzwungenes Eigentor nach nur vier Spielminuten brachte den Sieg. Union verschoss noch einen Elfer und erzielte ein Abseitstor. Mit 14 Punkten sind die Wuhlheider jetzt alleiniger Tabellenführer der Bundesliga. Wer darauf vor der Saison gewettet hätte, könnte davon eine ganze Weile seine zukünftigen Strom- oder Gasrechnungen begleichen. In Berlin, vereinzelt sogar in den Westbezirken, wurden Reste vom letzten Silvesterfeuerwerk verbraten. Das ist mehr als nur eine kleine Sensation. „Das Ding ist durch die Decke gegangen“, so die Worte von Präsident Dirk Zingler.

Für die Liga selbst ist das ein kleines Armutszeugnis. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt. Solide Handwerksarbeit zahlt sich aus. Vor allem kommt es auf die Abwehr an. Nur vier Gegentore in sechs Spielen und noch ohne Niederlage, das ist beachtlich.

Die nächsten Aufgaben lauten FSV Mainz 05 auswärts, für die Hertha und Union spielt zu Hause gegen den VfL Wolfsburg, der Max Kruse ausgebootet hat.

Hans-Peter Becker

Foto: Christian Zschiedrich

Hertha braucht jetzt jegliche Unterstützung

Noch kann Berlins Bundesligist gerettet werden, doch die Lage ist bitterernst. Die Enttäuschung über den selbsternannten Big City-Club kann nach der Horror-Woche hör- und lesbar kaum schlimmer sein. Nicht nur für die eigenen Fans sind die Leistungen und das Auftreten nicht nachvollziehbar, der Image-Verlust ist enorm groß. Wo stünde denn der Hauptstadtclub, wenn Lars Windhorst nicht als großzügiger Sponsor eingetreten wäre?

Selbst die eigenen treuen Mitglieder sind Hertha momentan leid. Einige Ultras stürmten vor dem Bayern-Spiel ein nicht öffentliches Training und wollten dabei einige Spieler zur Rede stellen. Es sollen, wie erst jetzt bekannt wurde, etwa 80 Anhänger aus der organisierten Fanszene gewesen sein. Das sind alles keine guten Nachrichten.

Das 1:4 gegen die Bayern war noch „schmeichelhaft“. Die Pokalschmach im Derby gegen Union und die vorangegangene 1:3-Pleite gegen Köln, da werden böse Erinnerungen wach. Die Kommentare in der Presse. „Chancenlos“ ist zwar treffend, aber noch milde ausgedrückt. „Harmlos“, keine Spielidee, ständig wechselnde Startaufstellungen, wo soll das hinführen.

Geht die Partie gegen den VfL Bochum auch verloren, kommen die Sehnsüchte nach Pal Dardai und Bruno Labbadia hoch. Zwei Trainer von insgesamt 12 in den letzten 10 Jahren. Die Chemie zwischen Fredi Bobic und Pal Dardai stimmte nicht mehr oder noch nie so richtig, geholt wurde Korkut, ein anderer Trainertyp. Intern wird gemunkelt, nachzulesen in einer großen deutschen Sport-Illustrierten, dass es einige Profis geben soll, die den Trainer nicht ernst nehmen.

Beim Aufsteiger VfL Bochum werden Herthas Akteure erneut erfahren, was Kämpfen heißt. Auf dem Papier ist Hertha natürlich auf jeder Position stärker besetzt, es fehlte bisher an Geschlossenheit, zu viele Gegentore wurden bereits in der Anfangsphase kassiert, so konnte ein eigener Matchplan zu selten realisiert werden.

Bleibt Hertha nach dem 21. Spieltag weiter bei 22 Punkten stehen? Ich wünschte, es käme anders. Man könnte sich etwas vom Druck befreien, zumal anschließend der nächste Aufsteiger auf dem Plan steht. Gegen Schlusslicht Fürth, zuletzt mit aufsteigender Formkurve, ist auch noch nicht gewonnen. So ist die Frage berechtigt: Gehört Hertha wirklich noch in die Bundesliga? Warten wir die nächsten Spiele ab, sie sind ein Wahrsager, es muss gepunktet werden.

Letztendlich stehen noch einige Getreue zu ihrer Hertha und drücken dem Club die Daumen. Das ist nach Lage der Dinge mehr denn je nötig. Dass Berlin einen zweiten erfolgreichen Bundesliga-Club hat, ist kein Trost, es tut den Herthanern sogar im Herzen weh.

Christian Zschiedrich

Union holt den ersten Sieg und bei Hertha brennt der Baum

Am 3. Spieltag der letzten Saison musste Hertha in München bei den Bayern antreten, ein knappes Jahr ist seitdem vergangen. Damals bot die Hertha den Bayern Paroli und hätte fast einen Punkt mitgenommen. Ein Elfmeter in der Nachspielzeit rette den Bayern den Sieg und Hertha hatte zweimal einen Rückstand egalisiert. Der Trainer hieß Bruno Labbadia, Hertha hatte immerhin 3 Punkte auf dem Konto und 8 Treffer erzielt. In der Neuauflage waren die Berliner chancenlos. Nicht nur chancenlos, sondern ideen- und kraftlos dazu, sie wirkten wie Zweitligist. Ein schrecklicher Auftritt war es in Münchner Arena. Der Blick auf die Tabelle verdeutlicht die Misere, null Punkte und bereits 10 Gegentore kassiert. Da stand keine Mannschaft auf dem Platz.

Es brennt jetzt schon der Baum im Westend. Der mächtige Mann bei der Hertha Carsten Schmidt sprach zwar in der TV-Sendung Doppelpass dem Trainer das Vertrauen aus, doch Pal Dardai scheint zu ahnen, was kommen könnte.

„Wahrscheinlich sucht Hertha BSC seit langem einen großen Trainer. Pal ist ein kleiner Trainer, ein netter Trainer, er hilft aus so lange, wie es sein soll. Wenn ein ganz großer Trainer hier ist, geht Pal sofort zurück zur U16 und macht seine Sache wie früher“, so seine Aussage in einer Medienrunde am Tag nach der verheerenden Niederlage.

Nach der Länderspielpause muss Hertha beim Aufsteiger VfL Bochum antreten, während der 1. FC Union erneut ein Heimspiel hat und den FC Augsburg empfängt.

Im Sonntagsspiel besiegten die Köpenicker Borussia Mönchengladbach. Die ambitionierte Mannschaft vom Niederrhein hat damit ähnlich wie die Hertha einen Fehlstart hingelegt und nur einen Punkt mehr auf dem Konto.

Bei den Eisernen fehlte Innenverteidiger Marvin Friedrich wegen einer rot-gelben Karte. Ob er wohl weiter für die Köpenicker spielen wird? Das Transferfenster ist noch bis zum 1. September geöffnet und es tauchte am Sonntag das Gerücht auf, Hertha will ihn verpflichten. Oliver Ruhnert wollte sich dazu nicht weiter äußern, nur soviel war ihm zu entlocken. „Wir wissen natürlich, dass Marvin ein interessanter Spieler ist.“ Mal sehen was daraus wird.

Hans-Peter Becker

Ihr enttäuscht uns Berliner seit Jahren immer wieder

Wer könnte, wer ist gemeint? Hertha BSC mit zwei Pleiten zum Bundesligastart, jetzt Tabellenletzter, muss die Realität vorgehalten werden. Kommt mir bloß nicht mit der Ausrede, es seien ja noch viele Spiele zu bestreiten. Im Heimspiel gegen Wolfsburg bekam Hertha die Grenzen ihrer Spielweise (kaum Torschüsse) vom Gast beim 1:2 aufgezeigt und Lars Windhorst wird sich im stillen Kämmerlein fragen, wie konnte ich meine Millionen nur so verpulvern? Im Vergleich zu den Leistungen in den Jahren davor hat sich bis zum heutigen Tage kaum etwas geändert. Heißt, die Anhänger von Hertha BSC müssen weiterhin Geduld haben. Der Trainer und die Verantwortlichen in der Führungsetage können den Fehlstart nicht schönreden.

In dieser Verfassung geht es zum 3. Spieltag ausgerechnet nach München zu den Bayern.

Der 1. FC Union und die Bayern machen heute, am Sonntag, 22.08., den 2. Spieltag komplett. Union spielt in Hoffenheim und Bayern München empfängt den 1. FC Köln.  Union dürfte in Hoffenheim anders zu Werke gehen als Hertha, nach dem 4:0-Auswärtssieg in Helsinki (Play-off Hinspiel in der neu geschaffenen Europa Conference League) das nötige Selbstvertrauen entwickelt haben. Die Tore im Spiel, in Finnland erzielten Taiwo Awoniyi, Max Kruse und Andreas Voglsammer. Bereits am Donnerstag, 26.08., kommt es im Olympiastadion zum Rückspiel, dem Einzug in die Gruppenphase sollte, bei allem Respekt für die Mannschaft aus Finnland, kein Zweifel bestehen. Noch ein Wort zu Max Kruse, bei der Abreise zum Auswärtsspiel war nicht dabei. Statt in den Mannschaftsbus stieg er in seinen privaten PKW, so jedenfalls vermeldet von einem Berliner Radiosender. Mal sehen, ob er in Sinsheim dabei ist? Offiziell ist bisher nichts zu erfahren.

Christian Zschiedrich

Keine Punkte für die Berliner Profifußballer

Was die Ergebnisse angeht, kann von einer Duplizität der Ereignisse gesprochen. Am 20. Spieltag der Saison musste die Alte Dame aus Charlottenburg und die Eisernen aus der Wuhlheide jeweils über eine 0 : 1 Niederlage quittieren.

Den Auftakt am Freitag, 5. Februar machte Hertha, die sich gegen die Bayern achtbar aus der Affäre zogen. Ein Unentschieden wäre nicht ganz unverdient gewesen, das Glück war nicht aufseiten der blau-weißen. Cunha hatte es auf dem Fuß. Das sah schon mehr nach einer Mannschaft aus. Für etwa 10 Minuten durfte auch Neuzugang Sami Khedira ran. Das Spiel begann auf Wunsch der Bayern 30 Minuten früher. Nach Spiel wollten den Flieger nach Katar besteigen, um an der Klub-WM teilzunehmen. Sie kamen etwas zu spät, um das Nachtflugverbot zu umgehen. Da wurde wohl etwas gehandelt, vielleicht war der dafür Verantwortliche ein Hertha-Fan und Rache manchmal süß. Die Mannschaft und der Tross aus München hatte so ausgiebig Zeit, sich den BER ausgiebig anzuschauen.

Hertha steckt jetzt noch tiefer im Abstiegskampf, rangiert nur einen Platz vor der gefährlichen Zone. Die Partie in Bielefeld fiel dem Wintereinbruch zum Opfer, sonst hätte der Aufsteiger im Falle eines Punktgewinns gegen Werder Bremen an Hertha vorbeiziehen können.

Einen Tag später traten die Eisernen beim Tabellenvorletzten in Mainz an und spielten eine schlechte 1. Halbzeit. Ein von Niko Schlotterbeck verursachte Foulelfmeter brachte das goldene Tor der Partie. Besagter Schlotterbeck sah dann auch noch die gelb-rote Karte, so schwanden die Hoffnungen, was reißen zu können. Es fehlte an Kreativität und bringt nur der weiter fehlende Max Kruse ins Spiel. Wie bei der Hertha fehlte gänzlich das Matchglück. Kurz vor Toresschluss hätte es fast den glücklichen Ausgleich gegeben. Die Niederlage tut den Eisernen nicht weiter weh. Das rettende Ufer ist nicht mehr weit und an die Euro-League oder höheres hatten nur Journalisten ihre Gedanken verschwendet.

Der nächste Gegner für die Eisernen ist der Tabellenletzte aus Gelsenkirchen. Hertha fliegt nach Stuttgart.

Hans-Peter Becker

Hertha weiter auf der schiefen Bahn und Union bleibt Eisern

Die Berliner Ausbeute war mager am 19. Spieltag der Bundesliga. In der frostigen Wuhlheide holten die Eisernen einen Punkt, wiederholten das Ergebnis vom Hinspiel und ärgerten erneut einen Champions-League Teilnehmer. Sie liefen wie die Wiesel, spulten über 6 km mehr ab als Mönchengladbach und hatten so das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite. Egal wer spielt, da steht immer eine kompakte Mannschaft auf dem Feld. In den bisherigen 19 Saisonspielen konnten nur in 4 davon nichts geholt werden. Ein Freistoß brachte die Eisernen in Front und mehr als den Ausgleich gestatteten die Eisernen nicht. Ziel war, ist und bleibt der Klassenerhalt, kann da eigentlich noch was schiefgehen?

Ein Blick zur Hertha verheißt dagegen was ganz anderes. Die Entfernung in der Tabelle zwischen den beiden wird immer größer, beträgt inzwischen 12 Punkte. Das Beben in Charlottenburg hat sich Ergebnis technisch nicht oder noch nicht niedergeschlagen. Bei der Eintracht in Frankfurt hielt die neu formierte Truppe von Pal Dardai (6 Neue in der Startformation) lange mit. Die größte Überraschung war, im Tor stand Rune Jarstein und der Routinier zeigte, dass er nichts verlernt hatte. Er hielt in der ersten Halbzeit den Kasten sauber. Hertha ging sogar in Führung. Das kleine Licht der Hoffnung bekam nur eine Minute, länger hielt die Führung nicht und in der Schlussphase wurde es bitter. Hertha verliert weiter und kommt der gefährlichen Zone der Tabelle näher. Der Relegationsplatz ist verdammt nah.

Viel Grund zum Optimismus gibt es rund um das Olympiastadion nicht. Es könnte sogar richtig bitter werden. Der nächste Gegner heißt Bayern München. Die Eisernen müssen nach Mainz und sollten sie dort punkten, käme das dem Ortsrivalen nicht ungelegen.

Hans-Peter Becker

Zur Lage in der Bundesliga

Die zweite Geisterspielrunde am 27. Spieltag und es sieht tatsächlich so aus, als könnte die Saison zu Ende gespielt und die Absteiger und der Meister sportlich ermittelt werden. Das könnte, wie es heißt, auch die Grundlage dafür sein, drohende Insolvenzen zu verhindern. An Spannung fehlt es oben und unten nicht. Weiter geht es mit einer englischen Woche, Dienstagabend, 26.05. Anstoß bereits 18:30 Uhr, wissen wir mehr, wie es mit Dortmund und Bayern München im Meisterschaftskampf steht. Was den Abstieg anbelangt, sind am 28. Spieltag gleich sechs Begegnungen von besonderem Interesse: Frankfurt – Freiburg, Bremen – Mönchengladbach, Hoffenheim – Köln, Düsseldorf – Schalke, Augsburg – Paderborn, 1. FC Union – Mainz 05.

Union konnte in den beiden Geisterspielen bisher keinen Punkt  (0:6 Tore) holen, verlor zuletzt das Stadtderby gegen Hertha und davor das Heimspiel gegen Bayern München. Der nächste Gegener der Eisernen, der FSV Mainz 05 holte sich zu Hause eine 0:5 Klatsche gegen RB Leipzig ab. Paderborn (rein rechnerisch sind noch 21 Punkte zu holen) nutzen keine Remis mehr. Das 1:1 gegen Hoffenheim war – als Schlusslicht mit 18 Punkten – zu wenig.

Düsseldorf führte in Köln bis zur 88. Minute 2:0, um letztendlich das 2:2 nicht verhindern zu können. Bremen, gewinnt glücklich 1:0 in Freiburg und wird beim Ausgleichstreffer der Kölner gejubelt haben, war davor zu Hause gegen Leverkusen beim 1:4 zu Tode betrübt. Der vorletzte Platz mit 21. Punkten läßt bei einem Nachholspiel noch Hoffnung. Gegen die auswärtsstarken Gladbacher muss die letzte Heimpleite vergessen gemacht werden.

Frankfurt befindet sich im rasanten Abwärtstrend, um den Begriff vom tiefen Fall zu vermeiden. Die Eintracht empfängt am Dienstag den FC Freiburg. Mit 1:3 zu Hause gegen Mönchengladbach und dann 2:5 in München verloren, da müssen wieder Punkte her.

Aus Berliner Sicht, Union ist mit 30 Punkten nicht aus dem Schneider. Am Mittwoch, 27.05. kommen die zuletzt verprügelten Mainzer in die Alte Försterei. Eine dritte Niederlage in Folge sollte nicht passieren.

Besser sieht es nun für Hertha mit 34 Punkten aus. Am Mittwoch, bereits ab 18:30 Uhr, heißt es in Leipzig zu bestehen. Das traue ich den Berlinern mit Labbadia sogar zu. Der Kommentator hat allen Grund ein Lob auszusprechen, 3:0 in Hoffenheim und 4:0 gegen Union gewonnen, das sind unter Labbadia 7:0 Tore aus den letzten beiden Spielen. Der neue Trainer ist bisher ein Volltreffer. Er hat bei all seinen Stationen bewiesen, dass er das, was er einst als Torjäger auf dem Platz erfolgreich umgesetzt hat, von der Seitenlinie fortsetzen kann.

Hertha kann für die nächste Saison jetzt wohl erstklassig planen und meiner Überzeugung nach, in der Tabelle eher nach oben schauen! 

Christian Zschiedrich

Es geht dem Ende zu

Neun Partien bis Saisonende und aus Berliner Sicht der glückliche Umstand, dass der SC Paderborn, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf sehr schwächeln und bisher da unten nicht rausgekommen sind. Dennoch könnte noch ein Verein absteigen, an den die Fußballfreunde und er selbst nicht denken. Der Abstiegskampf scheint spannender als der Titelkampf zu werden. Die beiden letzten Clubs in der Tabelle halten erstaunlicherweise an ihren Trainern fest. Düsseldorf und Mainz haben die Coachs bekanntlich bereits gewechselt. Aktuell sieht Augsburg das Ziel Klassenerhalt gefährdet. Trainer Martin Schmidt erhielt zwar viel Lob für gute Spiele, doch die Bilanz vier Punkte aus neun Spielen waren zu wenig, Trainer Martin Schmidt muss gehen…

In Berlin ist die Situation bei Hertha (28 Punkte) zerfahren. Sie könnte sich sogar zum Saisonende zuspitzen. Der 1. FC Union (30 Punkte) ist als Tabellenelfter natürlich noch nicht gesichert und könnte ausgerechnet im Heimspiel gegen Tabellenführer Bayern München großes Pech haben, wenn wegen Corona in der Alten Försterei vor leeren Rängen gespielt werden müsste. Die Köpenicker brauchen die Zuschauer-Unterstützung. Das übrigens auch in der Woche darauf, beim Derby bei Hertha im Olympiastadion.  Unvorstellbar, wenn das anstatt vor Rekordbeteiligung  ohne Zuschauer ausgetragen werden muss. Die sieben Begegnungen danach sehen so aus:

28. Union – Mainz        /    Leipzig – Hertha

29. Gladbach – Union  /   Hertha – Augsburg

30. Union – Schalke     /   Dortmund – Hertha

31. Köln – Union          /    Hertha – Frankfurt

32. Union – Paderb.    /    Freiburg – Hertha

33. Hoffenh. – Union   /   Hertha – Leverkus.

34. Union – Düsseld.   /   Gladbach – Hertha  

Trainer Urs Fischer ist für die Eisernen ein Glücksfall. Von großer Gefährdung ist momentan mit 30 Punkten nicht zu sprechen. Mit einem Blick auf das Restprogramm ohnehin nicht. Am 32. Spieltag zu Hause gegen Paderborn und am letzten zu Hause gegen Düsseldorf dürften eventuell fehlende Punkte für den Klassenerhalt geholt werden können, zumal, Paderborn als Absteiger feststehen sollte. Gegen Bayern München, ob nun mit oder ohne  Zuschauer, darf – nach großem Kampf – ein Punktverlust einkalkuliert werden.

Ja, und sind Voraussagungen überhaupt noch zutreffend? Ich hörte im Olympiastadion den TV-Reporter über Herthas Beginn gegen Werder Bremen „Schlafwagenfußball“ sagen, die Heimmannschaft sei noch im Aufwärmprogramm. Es waren gerade mal fünf Minuten gespielt, als es 0:2 hieß. So geschehen eine Woche zuvor. In Düsseldorf hieß es ja sogar 0:3, um letztendlich Moral zu zeigen und wie gegen Werder dann doch noch einen Punkt zu holen. Hertha schaffte in 25 Spielen 28 Punkte. Ob nach so einem Beginn die Aufholjagd am Samstag in Hoffenheim auch möglich ist, sei dahingestellt.

Christian Zschiedrich

Zum Stand der Dinge in der Bundesliga

Noch drei Spiele, dann geht’s schon in die Rückrunde, in der Hertha in den letzten Jahren immer schlechter aussah, als in der Vorrunde. Ich traue Jürgen Klinsmann zu, Hertha vor dem Abstieg zu retten. Nach 14 Spielen sieht es nicht gut, eher alarmierend, aus. Hertha ist punktgleich mit  Düsseldorf, je 12, auf dem Relegationsplatz. Zum Glück gibt es mit je acht Punkten zwei Clubs die schlechter da stehen, den SC Paderborn und der 1. FC Köln. Seit der Drei-Punkte-Regelung ist das ein schneller änderbarer Zustand, das erlaubt immer wieder nach der Qualität der Teams zu fragen.

Klinsmann redet seinen Spielern Qualität ein. Er muss motivieren. Ich sehe die Qualität bei Hertha etwas kritischer. Individuelle Qualität ist in der Summe nicht gleich mannschaftliche Qualität. Wer hat den Kader zusammengestellt ? Wer hat den bereits nach nur 12 Spielen wieder geschassten Trainer verpflichtet ? Das Plakat in der Ostkurve während des Spiels gegen Dortmund sprach Bände.

Hoffen wir im kommenden Heimspiel gegen Freiburg auf die Wende. Der 1. Union muss zum SC Paderborn. Gegen Mannschaften, denen das Wasser bis zum Hals steht wird es schwer. Paderborn hat mit großem Kämpferherz in der Eliteliga beeindruckt und unglücklich Punkte liegen lassen.

Stolz darf Berlin auf seinen zweiten Bundesliga-Club sein. Nach 14 Spielen sind 19 Punkte auf dem Konto, immerhin sieben mehr, als der ambitionierte Lokalrivale vorweisen kann. Das muss der Hertha einfach wehtun. Noch vor Saison-Beginn trumpfte Michael Preetz immer mal wieder damit auf, dass Hertha sich über die Konkurrenz freue, aber zeigen werde, wer in Berlin die Nummer Eins ist.

Die Bayern dominierten jahrelang die Bundesliga. Meisterschaftsanwärter sind Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig. Zwei Niederlagen in Folge, dass hat sich ja nicht einmal Niko Kovac erlaubt. Die Kaderzusammenstellung bei den Bayern wird kritisiert, fast wie bei der Hertha. Bei den Bayern sind es eher Luxusprobleme. Aktuell sind die Bayern – „nur“ – muss aus Bayern-Sicht gesagt werden, Tabellensiebenter. Clubs wie Bayer Leverkusen, der SC Freiburg, Schalke 04 und Borussia Dortmund sind davor platziert. Man stelle sich das Hohn-Gelächter vor, die Eisernen spielen bis Weihnachten weiter so effektiv und sammeln fleißig Punkte. Überholen sie bald die Bayern ? Ein bisschen träumen ist erlaubt. Das nächste Spiel ist immer das Schwerste. Die Hürde in Paderborn muss erst einmal genommen werden.

Positiv, endlich wieder Spannung in der Bundesliga. Jeder kann jeden schlagen. Fußballfreunde, was wollt ihr mehr…

Christian Zschiedrich  

Sieg und Remis – Punkte für die Berliner Profi-Clubs

Der 1.FC Union hat es schon wieder getan und einen Heimsieg eingefahren. Der achte Heimauftritt brachte den fünften Sieg, nur zwei Teams haben bisher mehr Heimpunkte geholt, Gladbach und Dortmund. Würde nur die Heimtabelle zählen, wären die Eisernen auf Kurs Champions-League. Nur so nebenbei, die Bayern haben aktuell zu Hause erst 13 Zähler auf die Habenseite bringen können. „Für einen kurzen Augenblick werden wir die Situation genießen, dann geht es konzentriert weiter. Wir haben noch nichts erreicht, die 19 Punkte reichen am Ende nicht für den Klassenerhalt“, so äußerte sich Unions Mittelfeldspieler Christian Gentner nach dem 2:0 Sieg gegen den 1. FC Köln am 14. Spieltag der Bundesliga.

Das Stadion war, inzwischen selbstverständlich, restlos ausverkauft. Wer über eine Eintrittskarte verfügte oder auf anderen Wegen unter den Augenzeugen weilen durfte, wusste was geboten wird. Bedingungsloser Kampf, kein Hochglanzfußball und genauso bedingungslose Unterstützung von den Rängen. Es passt im Moment alles beim 1. FC Union. Trainer Urs Fischer hat die optimalen settings gefunden, ein Spielsystem das funktioniert. Für das Spiel gegen Köln musste kurzfristig Neven Subotic in der Innenverteidigung ersetzt werden. Für ihn kam Publikumsliebling Michael Parensen in die Startelf und ein anderer Liebling durfte zum zweiten Mal in der Saison am Spielanfang auflaufen, gemeint ist Sebastian Polter. Die Anfangsphase gehörte etwas mehr den Gästen. In der 14. Minute vertändelten sie einen guten Angriffsversuch und in der 23. Minute musste Rafal Gikiewicz einen Freistoß aus der Torecke kratzen. Weiter ging es in der 26. Minute, da setzte Simon Terodde nach einer Flanke von Dominik Drexler den Ball nur knapp neben den Pfosten. Der Freistoß in der 29. Minute aus aussichtsreicher Position hätte die Führung sein müssen, erneut riesig gehalten. Dann kam es wie es kommen musste, erst hat man kein Glück und dann kommt Pech dazu. Kölns Birger Verstraete rutscht an der eigenen Strafraumgrenze aus, die Plätze werden im Dezember nicht besser, das eröffnete eine Schusschance für Sebastian Andersson. Der Ball wurde von Timo Horn zur Ecke geklärt. Erneut war Andersson zur Stelle und drückte den von seinem Kapitän Christopher Trimmel getretenen Eckball per Kopf in die Maschen.

In der 50. Minute war es erneut Andersson, ein Steilpass von Gentner, Schnelligkeit und technisches Können und der Ball war über der Linie. Anschließend hatten die Eisernen alles im Griff und verwalteten mit gewohntem Einsatz den Vorsprung. Der Mann des Spiels war zweifelsohne der Schwedische Nationalspieler in den Reihen der Eisernen, Sebastian Andersson. Er verdiente sich ein Sonderlob, nicht allein wegen seiner Saisontreffer sieben und acht, jetzt Platz vier der Torjägerwertung zusammen mit Marco Reus von Borussia Dortmund, immer anspielbar und sehr ballsicher.

Nach dem Schlusspfiff gab es Riesenjubel und eine Spitze in Richtung Köln. „Wir brauchen keinen Karneval, Unioner feiern überall.“

Der Spieltag wurde eröffnet mit der Partie des anderen Berliner Clubs. Lange sah nach einem Sieg für die „Alte Dame“ in Frankfurt aus, am Ende wurde es immerhin ein Punktgewinn. In der Tabelle hat der Aufsteiger aus Köpenick vor dem 15. Spieltag sieben Punkte Vorsprung vor den Herthanern.

Ihr Zwischenziel haben die Eisernen vorfristig erreicht, die jetzt noch ausstehenden drei Partien im zu Ende gehenden Jahr ihres Bundesligaaufstiegs, sind wie ein zusätzlicher Bonus. Im Blau-Weißen Lager werden sie ein bisschen neidisch in Richtung Köpenick blicken. Aus wenig bislang viel gemacht wurde bei den Eisernen, während die Alte Dame ihre Unpässlichkeit noch nicht ganz überwunden zu haben scheint. Dass sie nicht auf dem Relegationsplatz der nächsten Aufgabe entgegen schaut verdankt sie der Klatsche, die Fortuna Düsseldorf in Dortmund bezog.

Hans-Peter Becker