Die ewige Sieben – Frank Hördler im Club der Tausender

Die Nummer Sieben wird den Glückszahlen zugeordnet. Auf die Eishockeyfamilie Hördler trifft das auf jeden Fall zu. Mit der Sieben auf dem Trikot wurde Eisbärenkapitän zum Dauerläufer der DEL. Nur sieben Spieler übertreffen bisher seine Bilanz. Er wird der Achte, mit 1.000 Spielen in der DEL, werden.

Das Eishockey-ABC lernte „Frankie“ Hördler einst im bayerischen Selb. Dort hatte es die Familie nach der politischen Wende hingeführt. Vater Jochen bekam einen Vertrag beim ERC Selb. Seine Leidenschaft für das Eishockey übertrug er auf seine Söhne David und Frank.

Zusammen mit seinem älteren Bruder David spielte er zunächst für den Verein aus dem Fichtelgebirge, nahe der tschechischen Grenze. Sein Bruder, der im Sturm spielte, hat selbst über eintausend Einsätze als Eishockey-Profi absolviert. In Selb, wo er seine Karriere 2019 beendete, trug er, wie sein Bruder die Nummer 7, in Selb wird sie seitdem nicht mehr vergeben und man muss kein Prophet sein, bei den Eisbären wird es nicht anders sein. Es sei den, er übergibt sie nach dem Karriereende an seinen Sohn Eric. So ähnlich war es in Selb, wo Vater Jochen mit der 7 auf dem Rücken auflief.

In der Saison 2003/04 gehörte er erstmals zum Profi-Kader der Eisbären. Sein erstes Tor für die Eisbären erzielte in dieser Spielzeit, der dazugehörige Puck hat einen Ehrenplatz. Die Eisbären unterlagen in der Finalserie den Frankfurt Lions. Der nicht gerade beliebte Titel des Vizemeisters konnte ein Jahr später mit dem Gewinn der ersten Gesamtdeutschen Meisterschaft abgelegt werden. Es folgten noch weitere Titel und jeder einzelne ist für Hördler ein besonderer. Viel zu verdanken hat er seinem ersten Trainer bei den Profis Pierre Page. Er war ein besonderer Förderer des Nachwuchses. Später wurde vom goldenen Jahrgang 1985 gesprochen. Dazu gehören die Namen Florian Busch, Jens Baxmann und Andre Rankel, von dem er das Kapitänsamt übernahm.

Eintausend Spiele, 18 Jahre Profi-Eishockey, als Verteidiger hat er einiges erlebt. Befragt nach dem unangenehmsten Gegenspieler, nennt er seinen Mannschaftskameraden Kevin Clark. Die Duelle linker Verteidiger gegen rechter Flügelstürmer möglichst siegreich zu gestalten ist seine Aufgabe auf dem Eis, die er mit fast 38 Jahren nach wie vor zuverlässig erfüllt.

Sein ein-tausendstes Spiel fand am 11.Dezember 2022 statt, ein Heimspiel gegen Ingolstadt. Geschenke gab es vor dem Spiel, mit dem Eröffnungsbully war es damit sofort vorbei. Ingolstadt spielt ganz oben mit und die Eisbären aktuell ganz unten. In Führung gingen die Eisbären. Der erste Einsatz der 2. Reihe brachte gleich was zählbares, Marco Nowak war der Torschütze. Anschließend kam es, wie so oft in dieser Saison, verpasste Chancen und zu viele Strafen. Ingolstadt traf und drehte das Spiel noch im 1. Drittel. Die Torschützen war Charles Bertrand in der 6. und in der 12. Minute.

Die Gäste entschieden auch den Mittelabschnitt für sich. In den Ingolstädter Reihen spielte auch ein Rekordspieler. Daniel Pietta absolvierte sein 900. Spiel und markierte 15 Sekunden vor der letzten Drittelsirene den Treffer zum 3:1 für die Ingolstädter.

Kurz nach Beginn des Schlussdrittels gelang Leo Pföderl der Anschlusstreffer zum 2:3 und Kevin Clark konnte in der 56. Minute ausgleichen. Beide Tore fielen im Powerplay, wenigstens das funktioniert aktuell bei den Eisbären. Es wurde nur ein Punkt für die Eisbären und ihren Tausender-Kapitän. Die Entscheidung fiel in der zweiten Verlängerung, den entscheidenden Penalty verwandelte Daniel Pietta, das hatte was, in seinem 900 Spiel in der DEL.

Hans-Peter Becker

Fiore erlöst die Eisbären – zwei Punkte gegen Bremerhaven

Eisbären-Kapitän Frank Hördler bestritt sein 999 DEL-Spiel © Foto: Stephan Wenske

Die Partie des 28. Spieltages der DEL zwischen den Eisbären und den Fischtown Pinguins aus Bremerhaven hatte etwas von einem Krisentreffen. Die Pinguine hatten dreimal in Folge verloren, es folgte der Rutsch aus den direkten Playoff-Plätzen und die Misere der Eisbären ist bekannt, der letzte Dreier liegt drei Spieltage zurück. Der letzte Auftritt, auswärts in Frankfurt, machte Hoffnung auf Besserung.

Serge Aubin hatte seine Reihen umgestellt. Der formschwache Leonard Pföderl rückte eine Reihe nach unten, zusammen mit Matt White und dem Center Lewis Zerter-Gossage, der nach seiner Verletzung zu seinem ersten Einsatz in der DEL kam.

Das erste Drittel gehörte den Eisbären, sie brauchten allerdings fast die gesamten effektiven Spielminuten für den Führungstreffer. Es waren nur noch 5 Sekunden auf der Spieluhr, da konnte Giovanni Fiore einnetzen. Es war ein Powerplay, Alexander Friesen saß auf der Strafbank.

Im Mittelabschnitt konnten die Eisbären ihre Führung ausbauen. In der 26. Minute ließ Morgan Ellis es von der blauen Linie krachen, die Vorlage kam von Marcel Noebels. Als Torschütze wurde später Kevin Clark eingetragen. Sein Schläger soll dem fulminanten one timer von Ellis noch eine kleine Richtungsänderung verpasst haben. Ein etwas beruhigender Vorsprung, der Hoffnung auf den langersehnten Dreier machen konnte. Der Vorsprung währte lediglich fünf Minuten, die Gäste verkürzten in der 31. Minute durch Skyler McKenzie. Den knappen Vorsprung nahmen sie mit in die letzte Drittelpause.

Im Schlussdrittel schmolz der Vorsprung dann endgültig dahin. Die Eisbären hatten Überzahl, aber Brendan Guhle vertändelte den Puck, zudem geriet ein Anspiel auf ihn zu kurz. Der Kapitän der Gäste, Alexander Friesen, hatte die Eisschnelllaufschuhe untergeschnallt und vollendete seinen Alleingang mit dem Ausgleichstreffer zum 2:2 in der 47. Minute.

Anschließend hatte beide die Möglichkeit, den Siegtreffer zu setzen. Es war nichts für schwache Nerven. Das sind die Besucher der MB-Arena gewohnt, 9.197 hatten sich am Freitagabend eingefunden. Sie kamen nicht pünktlich zu ihrer Heimfahrt. Im Nachsitzen fiel die Entscheidung über den Zusatzpunkt zugunsten der Eisbären. Die beiden auffälligsten Spieler der Eisbären sorgten für die Entscheidung, Giovanni Fiore erlöste die Eisbären-Fans, na wenigstens zwei Punkte. Bereits am Sonntag geht es weiter, der Gegner heißt Ingolstadt.

Hans-Peter Becker

DEL 28. Spieltag

09.12.2022 19:30 Uhr MB-Arena Berlin
Eisbären Berlin – Fischtown Pinguins Bremerhaven 3:2 n.V. (1:0, 1:1, 0:1, 1:0)

Aufstellungen
Fischtown Pinguins Bremerhaven: Franzreb (Svedberg) – Samuelsson, Alber; Kreutzer, Eminger; Wirth, Bruggisser; Aichinger – Tyrväinen, Vikingstad, Mauermann; Uher, Friesen, Andersen;McKenzie, Verlic, Kinder; Lutz, Wejse, Saakyan – Trainer: Thomas Popiesch

Eisbären Berlin: Ancicka (Hufsky) – Guhle, Hördler (C); Nowak, Müller; Ellis, Melchiori; Bettahar –Fiore, Grenier, Veilleux; Clark, Boychuk, Noebels; Pföderl, Zerter-Gossage, White; Wiederer, Roßmy, Heim – Trainer: Serge Aubin

Tore
1:0 – 19:56 – Fiore (Clark, Boychuk) – PP1

2:0 – 24:03 – Clark (Ellis, Noebels) – EQ2:1 – 30:03 – McKenzie (Wejse) – EQ
2:2 – 46:54 – Friesen – SH1
3:2 – 60:54 – Fiore (Müller, Boychuk) – EQ

Strafen
Eisbären Berlin: 8 (2, 2, 4, 0) Minuten

Fischtown Pinguins Bremerhaven: 10 (4, 2, 4,0) Minuten

Schiedsrichter
Andris Ansons, Sean MacFarlane (Dävis Zunde, Denis Menz)
Zuschauer: 9.197

Füchse: Nach Sieg gegen Aarhus – folgt jetzt das Duell gegen Magdeburg

Stresstest für die Füchse. Innerhalb von fünf Tagen hält der Terminkalender zwei Spitzenspiele bereit. Die erste Aufgabe wurde bravourös gemeistert. In der European League schlugen sie Skanderborg Aarhus mit 30:24. Die Dänen hatten wie die Berliner die ersten vier Gruppenspiele in diesem Wettbewerb gewonnen.

Vom Anpfiff weg entwickelte sich bei wechselnder Führung ein ausgeglichenes Spiel zwischen dem Bundesliga-Spitzenreiter und dem Fünften der ersten dänischen Division. Bei den Gastgebern setzte zunächst Mijajlo Marsenic die Akzente. Drei der ersten vier Treffer konnte der 2,03 große Kreisriese erzielen, der zuletzt in der Bundesliga nicht so erfolgreich gewesen war. Andere hatten nicht so ein „glückliches Händchen. Hans Lindberg und Milos Vujovic vergaben jeweils vom Sieben-Meter-Punkt.

Mit der Einwechslung von Paul Drux kamen dann Druck und Kreativität ins Spiel. Der Mannschaftskapitän warf auch den ersten zwei-Tore-Vorsprung heraus – 10:8 (20.) Dieses Plus verteidigten die Berliner auch bis zur Pause (15:13). Auch in der zweiten Hälfte schenkten sich beide Teams nichts. Bei den Gästen stand Rechtsaußen Hákun West im Blickpunkt. Der 20-jährige Färinger, eines der größten Talente des europäischen Handballs, wird im nächsten Jahr zu den Füchsen wechseln. Diesmal warf er noch vier Tore gegen seinen künftigen Verein. Die für Skanderborg jedoch ebenso wenig zum Sieg reichten, wie die zehn Treffer seines Teamkollegen Morten Balling Christensen. Der 35-Jährige war damit der erfolgreichsten Werfer des Abends. Dank eines starken Schlussspurts in den letzten zehn Minuten gewannen die Gastgeber mit 30:24 und verteidigten somit ihre Tabellenführung in der European League. Am nächsten Dienstag steht das Rückspiel in Aarhus an. Zuvor am Sonntag, 11. Dezember (14 Uhr) empfangen die Füchse in der Bundesliga den Deutschen Meister SC Magdeburg zum Duell.

Für die Füchse erfolgreich: Wiede 2, Darj 2, Holm 5, Lindberg 1, Lichtlein 3, Ende 1, Vujovic 7, Marsenic 6, Drux 3

Herbert Schalling

Zwei Punkte zum zweiten Advent

BBSC Berlin – SC Union Emlichheim  3:2 (23, 23, -14, -21, 18)

Schweres hatten die Damen des BBSC in der 2. Volleyball Bundesliga Nord im Gepäck, als sie am gestrigen Sonntag im heimischen Köpenick den SC Union Emlichheim empfingen. In der Vorwoche hatten die Berlinerinnen um Trainer Jens Tietböhl in Stralsund nicht glänzen können, teilweise desolate Leistung gezeigt. Zu Hause sollten nun wieder Punkte her. Punkten wollte der BBSC beim eigenen Publikum und natürlich auch für die Tabelle.

Die ersten zwei Sätze des Spieles dominierten die Berlinerinnen als aktuelle Tabellendritte dann auch. Am Ende beider Sätze stand mit 25:23 ein knappes Ergebnis, die gezeigten Leistungen auf dem Feld konnten aber überzeugen und nichts deutete ernsthaft darauf hin, dass die Gäste aus Emlichheim um Kapitänin Lona Volkers hier nochmal ernsthaft ins Spiel kommen könnten. Genau das taten diese aber dann eben genauso überzeugend. Das Köpenicker Publikum musste sich – nicht zum ersten Mal in dieser Saison – die Augen reiben und miterleben, wie die heimische Mannschaft den dritten Satz mit 14:25 hergab. Aufschlagfehler, Abstimmungsschwierigkeiten und immer wieder Probleme im Abschluss sorgten also dafür, dass der Nachmittag länger und die Gäste selbstbewusster wurden.

Nach dem aus Berliner Sicht unnötigen dritten Satz witterten die mitgereisten Emlichheimer Fans Morgenluft und durften langsam wieder glauben, dass eventuell eben doch ihr Team hier heute zumindest zwei Punkte für die Tabelle mit nach Hause nehmen würde. Denn auch den vierten Satz entschieden die Gäste für sich (21:25) und konnten den BBSC damit in den ungeliebten Tiebreak zwingen. Beide Mannschaften lieferten sich einen spannenden Entscheidungssatz und wer bis dato sicher war, dass beim Volleyball im Tiebreak bei 15 Punkten Schluss sei, sah sich belehrt. Wehrten sich die Gäste ab 14:13 gegen zwei Matchbälle, überließen sie diese Rolle bei 15:16 dann der Heimmannschaft. Und da hielt es eben keinen in der Halle mehr auf seinem Sitzplatz. Erst bei 20:18 konnten die Berliner Mädels um Kapitänin Katharina Kummer endlich befreit jubeln. Platt waren sie. Aber glücklich. Über ein begeisterndes, spannendes Spiel mit dem glücklicheren Ende für sie und über zwei Punkte für die Tabelle, die dafür sorgten, dass der BBSC seinen dritten Platz in der 2. Bundesliga verteidigen konnte.

Berlins Trainer Jens Tietböhl zollte seiner Mannschaft ein Kompliment: „Das Spiel hat unserer Mannschaft kämpferisch und emotional alles abverlangt, und dem Team ist es gut gelungen, sich nach den verlorenen Sätzen wieder in das Spiel zu beamen – und das gegen eine wirklich gute Emlichheimer Mannschaft.“

Als MVP des Spieles wurden Malin Arens auf Seiten Emlichheims und Annika Kummer auf der Siegerseite ausgezeichnet.

Für den BBSC im Einsatz: Isabel Böttcher, Natalie Sabrowske, Paula Morgenroth, Katharina Kummer, Roxana Vogel, Josepha Bock, Annalena Grätz, Annika Kummer, Antonia Heinze, Katharina Haferkamp, Angelina Meyer, Antonia Lutz, Alina Gottlebe-Fröhlich, Priscilla Gatzsche

Burkhard Kroll

Eisbärenkrise spitzt sich zu – Heimniederlage gegen Straubing

Für die Eisbären, für den amtierenden Meister, läuft es in der aktuellen Saison überhaupt nicht. Zuletzt kassierten sie eine derbe Schlappe in Schwenningen. Nur 48 Stunden später traten sie in der heimischen Arena gegen die Straubing Tigers an. Es war das insgesamt 35 Heimspiel gegen Straubing, von denen bisher lediglich 10 verloren gingen. Ein Lieblingsgegner der Eisbären könnte man sagen, zumindest bis hierhin.

Das Anfangsdrittel war seitens der Eisbären mit Vorsicht gezeichnet. Bloß nicht als erster ein Tor kassieren. So verging das erste Drittel, in dem die Gäste etwas mehr vom Spiel hatten. Etwas Zählbares kam nicht zustande, die Strafbänke blieben leer.

Im Mittelabschnitt änderte sich das Bild. Die Eisbären verstärkten ihre Angriffsbemühungen, riskierten etwas mehr. Trotzdem erzielten die Gäste den ersten Treffer im Spiel, erzielt von ihrer 4. Sturmreihe. Der Torschütze war Travis St. Denis. Die ersten Strafen im Spiel kassierten die Gäste und das kurz hintereinander. Fünf Eisbären erzielten gegen drei Straubinger den Ausgleich. Die Führung für Straubing hielt etwa Minuten. Kevin Clark war der Torschütze, vorbereitet hatten Matt White und Marcel Noebels.

Kurz vor der letzten Drittelsirene lieferten sich Eisbär Marco Nowak und Straubings Yannik Valenti einen Faustkampf, vorangegangen war ein Kniecheck von Nowak. Für ihn war das Spiel beendet, St. Denis durfte nach 7 Minuten in der Kühlbox wieder mitwirken.

Die Statistik nach zwei gespielten Dritteln sprach für die Gäste. Juho Markkanen, der junge Eisbären Goalie konnte 27 Schüsse halten, sein Gegenüber, Florian Bugl brauchte nur 17 zu halten.

Der Schlussabschnitt begann mit einem 4 gegen 4 und nach zwei Minuten waren die Gäste in Überzahl und gingen erneut in Führung durch Ex-Eisbär Parker Tuomie. Sie liefen wieder einem Rückstand hinterher. Der Blick zur Uhr wurde häufiger und banger. Die Crunchtime rückte näher und die Eisbären kämpften, lautstark gefordert von den 9.716 Fans am Freitagabend in der Arena. Die Spieluhr zählte bereits die letzten drei regulären Spielminuten herunter und der Ausgleich war immer noch nicht gefallen. Der Goalie ging vom Eis, Auszeit und nichts. Die Eisbären kassieren eine weitere Niederlage.

Straubing Trainer Tom Pokel sprach von der bisher besten Saisonleistung seiner Mannschaft, während Serge Aubin eine Niederlage zu erklären hatte. Mit der Defensivleistung seiner Mannschaft war er nicht unzufrieden. Er weiß natürlich, dass die Trainerdiskussion lauter werden wird. Aktuell steht er wohl nicht zur Disposition. Am zweiten Adventssonntag müssen die Eisbären beim Aufsteiger in Frankfurt ran. Begleitet werden sie von 1.500 Fans, die per Sonderzug anreisen werden.

Hans-Peter Becker

DEL 26. Spieltag

02.12.2022 19:30 Uhr MB-Arena Berlin

EHC Eisbären Berlin – Straubing Tigers 1:2 (0:0/1:1/0:1)

Aus, Aus Deutschland ist raus!

Aus, Aus das Spiel ist aus – mit diesen Worten kommentierte Herbert Zimmermann 1954 den Gewinn des 1. Weltmeistertitels für Deutschland. Heute bedeuten diese Worte, dass Deutschland erneut, bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten wird. Es sah nach einer machbaren Gruppe aus. Nun gut, Spanien war leicht favorisiert, aber Japan und Costa Rica höchstens auf Augenhöhe.

Dass es wieder nicht funktioniert hat, wirft viele Fragen auf. Unser Chefredakteur sprach von Dummheit im ersten Spiel gegen Japan. Die Mannschaft geht in Führung und dann kommt unweigerlich ein Einbruch, eine Einladung an den Gegner, für euch ist noch was drin. Beides waren Kontrahenten, die zu packen waren. Costa Rica wurde ja geschlagen, trotzdem reichten vier Punkte nicht, weil Spanien seine Hausaufgaben besser löste und sattes Torepolster anlegte. Der zweite Treffer der Japaner war umstritten und wird wohl, wie einst das Wembley-Tor bis in alle Ewigkeiten diskutiert werden. Egal, jetzt muss schonungslos alles auf den Prüfstand. Welche Fehler wurden gemacht und welche Potenziale nicht ausgeschöpft? Ex-Bundestrainer Berti Vogts meinte, da war keine Mannschaft auf dem Platz, jeder wollte nur für sich glänzen. Vielleicht, so meinte Christian Zschiedrich in einem Gespräch, hat die Nationalmannschaft bei den hoch bezahlten Profis nicht mehr den Stellenwert wie früher.

Hans-Peter Becker

Die Wasserfreunde Spandau 04 auf der Suche nach der Wahrheit

Der zweite Spieltag in der Hauptrundengruppe B der Champions League soll für die Wasserfreunde Spandau 04 so etwas wie die Stunde der Wahrheit werden. Beim Auswärtsspiel gegen CN Astralpool Sabadell nahe Barcelona treffen am Mittwoch zwei Teams aufeinander, die die ersten Punkte in der neuen Saison gewinnen möchten. Spandau 04 erzielte daheim in der Schwimmhalle Schöneberg gegen CL-Vorjahres-Vize Novi Beograd (Serbien) coronageschwächt mit mehreren fehlenden Stammspielern ein 5:16, Sabadell verlor zu Hause gegen FTC Telekom Budapest mit 7:10. Wer die Partie am Mittwoch verliert, ist damit bei 14 Spieltagen zwar noch nicht aus dem Rennen um die vier Top-Plätze der Gruppe und das Weiterkommen in die K.o.-Phase, aber doch bereits mit einem deutlichen Handicap versehen.

Spandaus Rekonvaleszenten sind inzwischen gesundheitlich weitgehend wiederhergestellt und haben am vergangenen Sonntag beim 4. Bundesliga-Spieltag in Potsdam gegen die „Orcas“ vom OSC die Generalprobe für den Spanien-Trip mit 19:4 (4:0,3:2,6:0,6:2) gewonnen. Die Wasserfreunde führen damit, dank des beeindruckenden Torverhältnisses von 99:16 mit 8:0 Punkten, vor dem ebenfalls minuszählerfreien ASC Duisburg (8:0) die Tabelle an.

Im Duell mit Potsdam erzielte Bilal Gbadamassi 3:19 Minuten vor dem Ende den 19. Spandauer Treffer. Ein 20., der den 100. in nur vier Spielen bedeutet hätte, wollte dann aber nicht mehr fallen.

Im Spiel konnte das Team von Trainer Athanasios Kechagias mit seiner aktuell breiten Besetzung mit vielen Leistungsträgern erneut beweisen, dass die Akteure schwer auszurechnen sind. Neun der elf eingesetzten Spieler erzielten Tore. Vorneweg Mateo Cuk (4), gefolgt von Gbadamassi, Andrei Prioteasa (je 3), Denis Strelezkij, Zoran Bozic, Dmitri Kholod (je 2) sowie Marek Tkac, Yannek Chiru und Marin Retovic (je 1).

Diese Variabilität und die individuellen Möglichkeiten des Berliner Teams müssen auch während ihres Auftritts in Katalonien zum Tragen kommen, um siegreich die Heimreise antreten zu können.

Über die aktuelle Stärke des spanischen Wasserballs müssen nicht viele Worte verloren werden: Das Team hat 2022 den LEN Euro Cup gewonnen. In der Champions League warenS pandau und Sabadell 2017/18 bereits einmal Gruppen-Gegner. Die Wasserfreunde gewannen am 8. November 2017 daheim mit 11:8, am 29. April 2018 gewannen sie in Spanien 11:9. Im Verlaufe des Wettbewerbs erreichten die 04er sogar das Final 8 des Königswettbewerbs in Genua. Wenn das keine Motivation ist!

Quelle: Peter Röhle/Wasserfreunde Spandau 04

BBSC ohne Chance gegen Aufstiegsaspirant

Stralsunder Wildcats – BBSC Berlin         3:0 (10, 18, 21)

Mit einer klaren Niederlage im Gepäck kehrte der BBSC Berlin vom Samstagausflug an den Strelasund zurück.

Berlins Ex-Trainer und jetziger Stralsunder Trainer Robert Hinz kannte den gestrigen Gegner sehr genau – die Bewegungs- und Schlagabläufe waren ihm nach 3 Jahren Trainertätigkeit für den BBSC bestens bekannt. Zusammen mit aktuellem Scouting waren für die Wildcats die besten Voraussetzungen gesetzt, sich gegen die Gäste durchzusetzen. Von der 1. Minute an diktierten die Stralsunder das Spiel und setzten wie erwartet über die mehr als 300fache Nationalspielerin Kathleen Weiß die Akzente im Zuspiel, während die Kanadierin Erin Corbett im Zusammenspiel mit Madleen Piest und der wie immer kraftvollen und zugleich technisch versierten Anne Krohn mit viel Übersicht dem BBSC die Punkte auf das Parkett hämmerte.

Der BBSC – angetreten mit nur einer etatmäßigen Mittelblockerin – setzte seine gute Abwehr und Annahme dagegen, auch das Aufschlagspiel war stabil. „Aber unsere Angriffsleistung ist derzeit nicht gut genug, um vorne mitmischen zu können. Wir brauchen viel zu viele Versuche, um den Ball auf den Boden zu bringen“ analysierte Berlins Trainer Jens Tietböhl. „Am nächsten Sonntag um 15:00 Uhr in der Hämmerlinghalle gegen Emlichheim werden uns voraussichtlich wieder mehr personelle Alternativen zur Verfügung stehen.“

Zur Berliner MVP wählte der Stralsunder Trainer Libera Annika Kummer.

Für den BBSC im Einsatz: Isabel Böttcher, Natalie Sabrowske, Angelina Meyer, Katharina Kummer, Roxana Vogel, Annalena Grätz, Annika Kummer, Katharina Haferkamp, Antonia Lutz, Alina Gottlebe-Fröhlich, Priscilla Gatzsche, Stephanie Utz

Burkhard Kroll

Eisbären holen nur einen Punkt gegen Nürnberg

Die Eisbären haben mit der Partie gegen die Nürnberg Ice-Tigers 22 von 56 Hauptrundenspiele absolviert. Die Erwartungen der Fans wurden bisher enttäuscht. Das Ziel, Play-off Teilnahme haben sie trotzdem nicht aus den Augen verloren. In Mannheim lieferten sie eine starke kämpferische Leistung ab und belohnten sich mit zwei Punkten. Im folgenden Heimspiel war eine Fortsetzung erwünscht.

Das Spiel begann ganz nach dem Geschmack der Eisbärenfans. Bereits nach vier Minuten brachte Kevin Clark die Eisbären in Führung. Es war ein Überzahltor. Nürnberg Kapitän Patrick Reimer brummte wegen einer Behinderung auf der Strafbank. Ein Doppelschlag in der 9. und 10. Minute brachte die Gäste in Front. Ex-Eisbär Blake Parlett platzierte den Puck über der Fanghand von Juho Markkanen und Shaw Hayden traf zum 2:1 aus ähnlicher Position. Beide Schüsse waren hart und platziert, gewissermaßen unter das Tordach gezimmert. Waren sie haltbar? Nach Ansicht der Fernsehbilder, eher nicht. Trotzdem dürften die Diskussionen über die beiden jungen Goalies weitergehen. Diesem Rückstand liefen die Eisbären bis zur 36. Minute hinterher. Erneut war es ein Tor in Überzahl, vollenden konnte Marcel Noebels. In der 38. Minute hätte Clark das Spiel erneut drehen können, er traf nur das Torgestänge.

Mit einem Paristand ging es in das Schlussdrittel. Es blieb spannend, bis in die Schlussphase, mit Torchancen auf beiden Seiten. Die beiden Torhüter konnten sich einige Male auszeichnen. Spielerisch blieb zwar einiges auf der Strecke, das ist angesichts der Tabellensituation beider Teams nicht verwunderlich. Mit Siegen in Richtung Playoff-Zone, aber erst einmal raus aus dem Tabellenkeller.

In der 52. Minute hätte Giovanni Fiore für die Vorentscheidung sorgen können. Er scheiterte nach Alleingang an Leon Hungerecker. Es wäre ein Unterzahl-Tor gewesen. Die letzten zwei regulären Spielminuten wurden angesagt und die Entscheidung war vor 10.730 Zuschauern immer noch nicht gefallen. Es ging in die Verlängerung.

Das Spiel 3 gegen 3, viel Platz auf dem Eis, einige Torchancen, aber nichts Zählbares. Das Duell Torhüter gegen Stürmer entschieden die Nürnberger für sich.

Bereits am Sonntag, 27.11. geht es weiter, zu Gast in der Arena ist Düsseldorf. Jetzt müssen Siege her, möglichst mit 3 Punkten. Nach unten schauen wollen sie nicht im Lager der Eisbären. Das Ziel, Erreichen der Play-offs, haben sie noch nicht aufgegeben und das Wort Abstieg ist tabu. Das bestätigte nach dem Spiel auch Eisbären-Verteidiger Marco Nowak.

Hans-Peter Becker

BBSC mit Arbeitssieg und Fragezeichen

BBSC Berlin – Eimsbütteler TV Hamburg 3:2 (22, -20, 14, -15, 17)

Laut wurde es in der Köpenicker Ballsporthalle. Den Auswärtssieg hatten die Gäste vom ETV Hamburg fast in der Tasche, doch der BBSC erkämpfte sich am Ende zwei wichtige Punkte zu Hause und die Begeisterung der Anhängerschaft.

Am Samstag, den 19.11.2022, standen sich in Berlin der BBSC und ETV Hamburg in der 2. Volleyball Bundesliga gegenüber. Nach einem zuletzt enttäuschenden Auftritt der BBSC-Damen in Schwerin konnten sich die Gäste einige Hoffnung auf einen erneuten Ausrutscher machen, aber auch das heimische Team um Trainer Jens Tietböhl wollte sich sicher nicht die Blöße geben und wieder in der Erfolgsspur sein Publikum begeistern.

Beinahe überzeugend und doch immer wieder mit Schwächephasen sicherte sich der BBSC den ersten Satz mit 25:22, um den zweiten dann mit ebenjenem Punktestand an die Gäste abzugeben. Beide Teams mit hoher Eigenfehlerquote sorgten bei heimischen wie mitgereisten Hamburger Fans für ein Wechselbad der Gefühle. Und die Geschichte ist bis auf das Ende dann eben auch schnell erzählt. Die Charakteristik des Spieles änderte sich in den folgenden Sätzen nicht. Der BBSC überzeugt in Satz drei mit einem 25:14 und gibt den vierten mit 15:25 wieder ab.

Begeisterung jedenfalls war es, die die Halle beim spannenden Krimi zum Ende des fünften Satzes beben ließ. Der BBSC – scheinbar schon auf der Siegerstraße – wollte es spannend machen. Sogar zwei Matchbälle der Gäste aus Hamburg mussten abgewehrt werden, bevor der Entscheidungssatz mit 19:17 dann doch an die Berlinerinnen ging.

Berlins Trainer Jens Tietböhl freute sich über den Sieg ob der positiven Auswirkungen auf die Moral, war aber wegen der abschnittsweise vielen Eigenfehler bedrückt: „In einem Abschnitt grandios gefighted und auch gut gespielt, danach völlig den Spielrhythmus verloren. Da fehlte uns die Abgeklärtheit und Konstanz, die wir Anfang der Saison präsentiert haben. Also müssen wir in Gesprächen herausarbeiten, was die Mannschaft aktuell hemmt und das Selbstbewusstsein der Spielerinnen stärken.“

Als MVP des Spieles wurden Svea Frobel auf Seiten Hamburgs und die Berlinerin Josepha Bock ausgezeichnet.

Für den BBSC im Einsatz: Isabel Böttcher, Natalie Sabrowske, Katharina Kummer, Roxana Vogel, Josepha Bock, Annalena Grätz, Annika Kummer, Antonia Heinze, Katharina Haferkamp, Angelina Meyer, Antonia Lutz, Alina Gottlebe-Fröhlich, Priscilla Gatzsche

Burkhard Kroll