Zwei Neue für den 1. FC Union

Zum Saisonende wurden 8 Profis aus dem Kader verabschiedet. Zwei Planstellen konnten bereits neu besetzt werden. Nachdem Sebastian Griesbeck, bisher FC Heidenheim, als erster Neuzugang gemeldet wurde, folgte nur einen Tag später Niko Gießelmann von Fortuna Düsseldorf. Beides sind Spieler für die Defensive. Griesbeck könnte in der kommenden Saison zusammen mit Robert Andrich im defensiven Mittelfeld spielen. Gießelmann, der erst wenige Tage vorher mit Fortuna Düsseldorf an der Alten Försterei abgestiegen war, ist ein Linksverteidiger. Auf dieser Postion musste Ersatz für Ken Reichel geschaffen werden. Er wird sich mit Christopher Lenz um den Platz in der Stammelf bewerben.

„Ich kehre schneller an die Alte Försterei zurück als gedacht und freue mich darauf. Der Abstieg mit der Fortuna war ein sehr schmerzhafter Moment. Dass ich nun die Chance bekomme, mich weiterhin in der Bundesliga zu beweisen, ist ein riesen Ansporn für mich. Ich bin überzeugt davon, dass ich der Aufgabe gewachsen bin und werde alles dafür geben, mit meinen neuen Kollegen die Ziele des Vereins zu erreichen“, so Niko Gießelmann nach seiner Unterschrift.

Der 1. FC Union setzt mit den Verpflichtungen auf Erfahrung. Beide sind mit 28 und 29 Jahren im erfahrenen Fußballeralter. Die neue Veträge gelten sowohl für die erste und die zweite Bundesliga.

„Wir hatten Sebastian Griesbeck schon länger im Visier und sind überzeugt, dass er unseren Kader verstärken kann. Er ist robust, kopfballstark und verfügt über eine enorme Erfahrung. Seine Qualitäten werden uns in der Bundesliga helfen, daher freuen wir uns, dass wir Sebastian von unserem Weg überzeugen konnten“, so Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, nach der Verpflichtung.

„Wir haben mit Niko einen sehr flexiblen, bundesligaerfahrenen Spieler ablösefrei unter Vertrag nehmen können und sind von seinen Qualitäten überzeugt. Ich bin sicher, dass er sich schnell bei uns zurechtfinden und seine Erfahrungen einbringen wird“, so sein Kommentar nach der Vertragsunterschrift von Niko Gießelmann.

Hans-Peter Becker

Daumendrücken für Hertha BSC

Das letzte 34. Saisonspiel ging in Gladbach zwar 1:2 verloren, dennoch gibt es viele positive Signale beim Hauptstadtclub für die Zukunft. Neuer Sportdirektor ist Arne Friedrich (41), der im November 2019 von Jürgen Klinsmann zu Hertha, von 2002 bis 2010 in 231 Erstligapartien, davon sechs Jahre als Kapitän und der mit Trainer Bruno Labbadia in Bielefeld ein Jahr gemeinsam spielte, geholt. Er hat den Vertrag mit BSC bereits unterschrieben. Hertha hat also mit dem Geschäftsführer Sport Michael Preetz einen namhaften und fachkundigen Sportdirektor und einen erstklassigen Trainer. Dank Labbadia schaffte Hertha BSC nicht nur mit 41 Punkten den Klassenerhalt, sondern seit undenkbar vielen Jahren erstmals wieder in der Rückrunde mehr Punkte als in der Hinrunde.

In den Gazetten steht auch noch geschrieben, mit sechs Toren besser als der siegreiche Aufsteiger  1. FC Union (3:0 über Düsseldorf), ebenfalls 41 Punkte, holten sie die inoffizielle Stadtmeisterschaft. Was Stadtmeister  in der Eliteliga auch sein mag. Das Husarenstück am letzten Spieltag schaffte Werder Bremen mit dem 6:1 über den 1.FC Köln, den umjubelten, nicht mehr für möglich gehaltenen Relegationsplatz, dank auch Unions Sieg gegen Absteiger Düsseldorf. Bereits am Donnerstag, 2. Juli, kommt es zur Relegationsbegegnung  Werder Bremen – 1. FC Heidenheim, weil der Hamburger SV sein Heimspiel 1:5 gegen Sandhausen verlor und nur Vierter wurde – Heidenheim verlor zwar ebenfalls – 0:3 in Bielefeld – schaffte aber hinter Aufsteiger Arminia Bielefeld und VfB Stuttgart trotz Niederlage die Relegation. Am Montag, 06. Juli, findet, ebenfalls um 20.30 Uhr, das Rückspiel in Heidenheim statt. Favorit dürfte der Bundesligavertreter sein.

Dresden und Wiesbaden steigen in Liga 3 ab. Der 1.FC Nürnberg muss mit 37 Punkten in die Relegation. Die punktgleichen Karlsruher retteten sich mit dem besseren Torverhältnis (2 Tore besser). Hochinteressant werden auch in Corona-Zeiten die Trainer- und Spielerwechsel. Wir bleiben natürlich dran an den Transfers. Totalschaden beim HSV und auf Schalke ist die Clubführung in der Kritik. Aufsichtsrat Clemens Tönnies wird ebenfalls die Schlagzeilen beherrschen. Dabei nicht zu vergessen, in vielen Clubs laufen zahlreiche Verträge aus.

Christian Zschiedrich

Erfolgreicher Saisonabschluss für den 1. FC Union

In einen Interview äußerte kürzlich der ehemalige DDR Nationaltrainer Bernd Stange, „vor dem 1. FC Union ziehe ich meinen Hut“. Eine Meinung, der man sich anschließen muss. In einem Spiel, wo es für die Eisernen um nichts mehr ging, dafür für den Gegner buchstäblich um alles, fuhren sie einen überraschend klaren Sieg ein. Das 3:0 gegen die Düsseldorfer Fortuna schraubte in der Endabrechnung den Punktestand auf sehr beachtliche 41 Zähler, übrigens der Lokalrivale aus Charlottenburg kann auch nicht mehr vorweisen. An der Wuhlheide haben sie aus wenig viel gemacht. Der Star war immer die Mannschaft. Einer ackerte für den Anderen, das sorgte bis zur Coronakrise in der stimmungsvollen Alten Försterei für einige Favoritenstürze. Hertha BSC, Dortmund und Gladbach haben die Auswärtsspiele in Köpenick in keiner guten Erinnerung.

Im letzten Saisonspiel schubsten sie Fortuna Düsseldorf direkt in die 2. Liga. Als hätten sie vor dem Spiel die Rollen getauscht, den Sommerfußball in der schwül-heißen Wuhlheide lieferten die Gäste aus Düsseldorf ab. Dabei hatten sie im Abstiegsduell gegenüber Werder Bremen die bessere Ausgangsposition. Ein Unentschieden hätte reichen können. Köln ließ sich in Bremen versenken. Gibt es da nicht eine rheinische Rivalität, ein Schelm, der böses denkt.

Die Eisernen wurmte die Niederlage am vorletzten Spieltag in Hoffenheim. Das war zusätzliches Pech für die Fortuna. Bis auf die Anfangsphase hatten die Wuhlheider das Spiel im Griff. Urs Fischer zog aus der Hoffenheim-Pleite insgesamt fünf personelle Konsequenzen. Torhüter Gikiewicz, der sein letztes Spiel für die Eisernen bestritt, kehrte zwischen die Pfosten zurück und ersetzte Nicolas (Innenbandanriss). Andrich (nicht im Kader) Subotic Malli (beide Bank) und der gesperrte Andersson (5. Gelbe Karte) wurden durch Kroos, Gentner, Mees und Bülter ersetzt.

Das Führungstor in der 26. Minute durch Anthony Ujah war bereits ein Wirkungstreffer. Die Düsseldorfer wollten zwar, konnten aber nicht. Die Eisernen blieben konzentriert und nutzten die Fehler im Spielaufbau der Gäste eiskalt aus.

Nach dem Spiel äußerte sich Urs Fischer: „Wir wollten in erster Linie auf uns schauen. Wir sind nicht für die Situationen anderer Vereine verantwortlich. Meine Mannschaft hat heute nochmal bewiesen, dass sie Charakter hat. Nach dem Spiel gegen Hoffenheim waren wir unzufrieden und die Jungs sind selbstkritisch genug, um zu sehen, dass solche Leistungen nicht ausreichen. Wir haben uns heute näher am Limit bewegt, auch wenn es spielerisch nicht gut war. Wir waren präsent, laufstark und aggressiv in den Zweikämpfen.“

Hans-Peter Becker

1.FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Schlotterbeck, Reichel – Prömel (66. Becker), Gentner, Kroos (61. Schmiedebach) – Bülter (81. Parensen) , Ujah (61. Abdullahi), Mees (61. Malli)


Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier – Ayhan, Zanka (29. Hoffmann), Gießelmann (61. Suttner) – M. Zimmermann, Stöger, Bodzek (61. Morales), Thommy – Skryzbski (61. Kownacki), Hennings, Karaman (73. Zimmer)

Tore: 1:0 Ujah (26.), 2:0 Gentner (54.), 3:0 Abdullahi (90.)

Hertha trudelt aus und Union ist fast am Ziel

Die Saison wird für beide Berliner Proficlubs ein verhältnismäßig gutes Ende nehmen. Die Hauptstadt wird in der kommenden Saison als einzige Bundesligastandort mit zwei Vereinen vertreten. Vor dem 32. Spieltag mag beim 1. FC Union noch ein kleines Fragezeichen stehen, die Restzweifel sollten recht schnell beseitigt sein. Ohne überheblich zu werden, ein Sieg gegen die faktisch abgestiegenen Paderborner ist Pflicht. Im Falle einer großen Überraschung, einer Niederlage gegen Paderborn, könnte die Partie am letzten Spieltag daheim gegen Düsseldorf nicht nur für die Gäste große Bedeutung erlangen. Von Austrudeln kann in Köpenick nicht die Rede sein, ganz im Gegensatz zum Ortsrivalen.

Jetzt hat es auch Hertha erwischt, gegen Frankfurt war nichts zu holen. Die Blau-Weißen liefen förmlich auf der Felge. Die komplette Halbzeit zwei mussten mit 10 Mann absolviert werden. Boyata sah in der Nachspielzeit glatt rot, für ein geschicktes Foul im Strafraum. Da musste schon die Lupe bemüht werden. Jetzt hoffen sie bei der Hertha nach der 1:4 Klatsche wenigstens auf eine milde Bestrafung des Rotsünders. Zum letzten Heimspiel kommt Leverkusen ins Olympiastadion, gewissermaßen zur Generalprobe für das Pokalfinale. Die Bayer-Elf will in die Champions-League und hat nichts zu verschenken. Zum nächsten Spieltag muss die Alte Dame weit reisen, bis in den Schwarzwald. Das Spiel beim SC Freiburg hat lediglich Bedeutung für die Geldtabelle.

Die Eisernen besannen sich in Köln auf ihre alten Tugenden. Sie wollten einfach den Sieg etwas mehr als der Mitaufsteiger. Spielerisch lief auf beiden Seiten nicht viel zusammen, zum Glück gibt es Eckbälle, hochgewachsenen Innenverteidiger und den ausgebufften Christian Gentner. Sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 war nicht nur sehenswert, es zu 99,8 % der Klassenerhalt und ein Empfehlungsschreiben für ein weiteres Jahr im Trikot der Eisernen. Oliver Ruhnert darf sich über seinen Schachzug freuen. Zu Beginn der Saison hatte die Verpflichtung des Ex-Stuttgarters für Verwunderung gesorgt. Mit dem VfB hatte er vor einem Jahr die bitteren Minuten des Abstiegs erleben müssen, stand vom Anpfiff bis Ende auf dem Rasen der Alten Försterei und stellte sich im Anschluss in der Mixed-Zone noch den Fragen der Journalisten. In seiner fußballerischen Heimat wollten sie ihn nicht mehr – so griffen die Eisernen zu. Er würde gern noch weiter spielen, am liebsten in Berlin.

Hans-Peter Becker

Hertha ist durch und Union braucht noch Punkte

Fußball gespielt wird in der laufenden Saison lediglich in den ersten drei Ligen. Ab der Regionalliga ist die Saison beendet. Mal sehen, wie es hier im Herbst weitergeht. Die beiden Berliner Bundesligisten haben sich am 30. Spieltag nicht gerade mit Ruhm bekleckert. In Dortmund riss Herthas Siegesserie. Das 0:1 war die erste Niederlage unter dem neuen Hertha-Trainer Bruno Labbadia. Ein kleiner Fehler zu viel, ansonsten war die Alte Dame mit dem Meisterschaftsanwärter auf Augenhöhe. Ein Auswärtspunkt wäre nicht unverdient gewesen. Die Niederlage tut nicht weiter weh, nach der Corona-Siegesserie ist Hertha jenseits von gut und böse. In der nächsten Saison, wann immer sie auch beginnen wird, die blau-weißen aus Charlottenburg werden weiter erstklassig dabei sein. Die 10 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz bei 12 noch zu vergebenden Punkten sollten reichen.

Beim zweiten Berliner Vertreter sieht die Sache leider anders aus. Das Gröbste ist geschafft, die Ausgangslage könnte schlechter sein. Fakt ist, die bisher erreichten 32 Punkte werden nicht reichen. Die Knochenmühle Relegation wollen sich die Eisernen ersparen. Das Heimspiel gegen den FC Schalke 04, war – mal abgesehen von den ersten zwanzig Minuten – sportliche Not gegen das Elend der Umstände. Es sah bis zur 28. Minute so aus, als würden die rot-weißen aus dem Berliner Osten endlich mal einen ungefährdeten Heimsieg einfahren können. Robert Andrich hatte mit seinem ersten Bundesligatreffer nach nur 11 Minuten für die Führung gesorgt und der zweite Treffer schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Es kam anders, die Knappen glichen aus, mit einem Tor aus dem berühmten Nichts. Robert Andrich ist bei den Eisernen etwas mehr für das Verhindern von Toren zuständig. Der gebürtige Potsdamer, aus dem Hertha-Nachwuchs stammend und zu Beginn der Saison aus Heidenheim gewechselt, hat sich bei Urs Fischer einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld erspielt. Für eine filigrane Spielweise ist er nicht bekannt. Gerade von einer gelb-rot Sperre zurückgekehrt, kassierte er gegen Schalke die zehnte Gelbe der Saison. Schalkes Torschütze Jonjoe Kenny, Leihgabe vom Premier-Ligisten FC Everton, wie Andrich mit 28 Saisoneinsätzen, bringt es erst auf vier gelbe Karten. Seine ausgefeilte Schusstechnik beendete die Hoffnung der Eisernen auf den ersten Sieg in der Corona-Runde. Gegen die ersatzgeschwächten Schalker, sie konnten nur mit 16 Spielern nach Berlin reisen, fanden die Gastgeber in der Alten Försterei keine spielerischen Mittel, um die kriselnden Schalker ernsthaft gefährden zu können.

Die Heimspiel ohne Zuschauer sind für den Aufsteiger bisher eher ein Fluch. Es stehen in der Wuhlheide deren zwei noch auf dem Plan. Der zukünftige Zweitligist Paderborn mit Trainer Steffen Baumgart und zum Saisonabschluss kommen die Düsseldorfer mit Steven Skrzybski. Da sollte doch was gehen.

Hans-Peter Becker

Nordostdeutscher Fußball-Verband bricht die Saison ab

Die Anzeichen hatten sich zuletzt mehr und mehr verdichtet. Die Saison in der Regionalliga Nordost wird nicht auf sportlichen Weg entschieden. Das Präsidium beschloss am Freitag, 05.06.2020 in einer digitalen Sitzung, dass die durch Corona unterbrochene Spielzeit nicht fortgesetzt wird. Die Abstimmung darüber wurde einstimmig gefällt. Aus Berliner Sicht besonders bitter, Tabellenführer Altglienicke hat nicht die Chance aufzusteigen. Angewendet wurde zur Ermittlung des Meisters die sogenannte Quotientenregel. Dabei werden die Punkte durch die absolvierten Spiele geteilt. Demnach ist nicht Tabellenführer VSG Altglienicke Meister der Regionalliga Nordost, sondern Lok Leipzig. Die Sachsen stehen zwar mit 47 Zählern punktgleich hinter den Berlinern auf Rang zwei, haben aber ein Spiel weniger absolviert. Dadurch ergab sich für Lok Leipzig ein Quotient von 2,14, für Altglienicke einer von 2,04. „Es ist nicht schön, aber wir müssen das jetzt so hinnehmen, wie es ist“, kommentierte Altglienickes Geschäftsführer Marco Schröder die Entscheidung gegenüber dem rbb.

Lok Leipzig steht nun vor zwei Aufstiegsspielen in die 3. Liga gegen den Vertreter der Regionalliga West. Im Westen ist noch keine Entscheidung über Wertung und/oder Abbruch der Saison getroffen. Allerdings gilt hier der SC Verl als Favorit. Die konkreten Termine für die Aufstiegsspiele stehen noch nicht genau fest. Die Spiele sollen aber noch im Juni stattfinden.

Schade, nicht nur für die VSG Altglienicke, auch Energie Cottbus hatte noch gehofft. „Wir bedauern diese Entscheidung des NOFV, die Saison auf diese Art und Weise zu beenden“, sagte Präsident Matthias Auth im Interview mit dem rbb. „Nach reiflicher Überlegung und Abstimmung mit den Gremien unseres Vereins sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass wir keine weiteren Schritte unternehmen werden“, so Auth weiter.

Die Anträge von Altgglienicke, den Meister in einem Finalspiel zu ermitteln, sowie vom Drittplatzierten Energie Cottbus, den Titelträger in einem Turnier auszuspielen, wurden nicht angenommen. Absteiger wird es nicht geben, lediglich Rot-Weiß Erfurt muss die Liga aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Mit maximal vier Absteigern aus der 3. Liga, zwei Aufsteigern aus der Oberliga und beim Nicht-Aufstieg von Lok könnte die Regionalliga Nordost in der kommenden Saison auf 23 Teams anwachsen.

Während für Altglienicke und Cottbus die Aufstiegsträume enden, profitieren andere Vereine von der Entscheidung des NOFV. Der SV Babelsberg 03, der sich auf Rang 16 in akuter Abstiegsnot befand, bleibt dank des Beschlusses etwa in der Regionalliga. Auch Optik Rathenow, das sich sportlich ebenfalls noch im Abstiegskampf befand, bleibt Viertligist.

Aus Berliner und Brandenburger Sicht noch erfreulich, Tennis Borussia aus der Oberliga Nord und der FSV Luckenwalde aus der Oberliga Süd werden in die Regionalliga aufsteigen.

Hans-Peter Becker

Licht und Schatten im Berliner Profifußball

Wer hätte das gedacht, nachdem die Alte Dame in der laufenden Saison auf und neben dem Rasen so einige Lachnummern abgeliefert hat. In der Geisterspielserie läuft es bisher, da werden auch Spiele gewonnen, wo der Faktor Glück eine größere Rolle spielt. Am Pfingstsamstag siegten sie zufrieden und glücklich mit 2:0 gegen den FC Augsburg. Sah es in Halbzeit eins so aus, als wäre das eine klare Angelegenheit, so gerieten die drei Siegpunkte in der zweiten Hälfte mächtig in Gefahr. In der 89. Minute schien der verdiente Ausgleich für die Gäste zu fallen. Pech für die einen ist dann Glück für die anderen, der Ball ging nur an die Latte des Tores und war nicht drin. In der Nachspielzeit machten Darida und Piatek in einer tschechisch-polnischen Koproduktion alles klar. Das Spiel unter Woche in Leipzig hatte Körner gekostet und zum Ausfall von Plattenhardt und Matheus Cunha geführt. Die grandiose Serie seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs – 10 von 12 möglichen Punkten geholt – könnte in der Endabrechnung sogar einen Platz in Euro-League bedeuten. Allerdings heißt die Aufgabe, auswärts bei Borussia Dortmund zu bestehen.

Ein gegensätzliches Bild bietet der Rivale aus Berlin-Köpenick. Dem Aufsteiger ist der Re-Start bisher überhaupt nicht gut bekommen. Ein einziges Pünktchen von den zwölf möglichen wurde geholt. Das Abstiegsgespenst schwebt über der Alten Försterei. Es wird sich in den drei noch ausstehenden Heimspielen vertreiben lassen. Schalke, Paderborn und Düsseldorf müssen ihre Visitenkarten in der Alten Försterei erst abgeben und Köln und Hoffenheim stehen auswärts an. Die Ausgangsbasis sind 31 Punkte und die werden definitiv nicht reichen für eine zweite Saison im Oberhaus. Auf den Relegationsplatz, der aktuell nur vier Punkte entfernt ist, hat keiner in Köpenick Lust in diesem Jahr.

Zu Pfingsten – neudeutsch an Pfingsten – sind die Geschenke am geringsten spricht der Volksmund. Ein Lied davon kann der 1. FC Union Berlin singen. Am Pfingstsonntag unterlagen sie zwar nicht ganz sang- und klanglos bei Borussia Mönchengladbach mit 1:4, der Einsatz stimmte, es reichte nicht, der Unterschied zwischen den Teams war zu groß. Ein Glück, dass sie von dem Punktepolster aus der Hinrunde zehren können.

Der Champion-League Aspirant, die Borussia aus Gladbach ging schnell in Führung und legte bis zur Halbzeitpause nach. Ihr beste Phase hatten die Eisernen mit Beginn der 2. Halbzeit. Sebastian Andersson gelang per Kopf der Anschlusstreffer zum 1:2. Groß beeindrucken ließen sich die Gladbacher nicht legten bis zum Spielende noch zwei Treffer nach. „In der ersten Hälfte der Partie haben wir zu ängstlich agiert, zu viele Abspielfehler gemacht und die Duelle nicht gesucht. Nach der Pause kamen wir besser ins Spiel, haben gezeigt, dass wir es können und haben den Anschlusstreffer erzielt.“ so sah Unions Trainer Urs Fischer das Spiel.

Das Spiel in Gladbach bedeutete leider das Saisonaus für Julian Ryerson. In einer Pressemitteilung des Vereins hieß dazu: „Im gestrigen Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach zog sich der 22-Jährige nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung bei einem Foul eine Verletzung im rechten Knie zu und konnte die Partie nicht fortsetzen. Julian Ryerson wird konservativ behandelt und wird den Eisernen in den kommenden Wochen nicht zur Verfügung stehen. Ein weiterer Einsatz in der laufenden Saison ist damit ausgeschlossen.“

Marius Bülter © Foto: Hans-Peter Becker

Die Kaderplanung für die kommende Saison läuft auf Hochtouren. Einen Tag nach dem Spiel meldete die Vereinsführung die Verpflichtung von Marius Bülter. „Außenstürmer Marius Bülter wird auch in der kommenden Saison das Trikot des 1. FC Union Berlin tragen. Die Köpenicker zogen die im Leihvertrag zwischen Union und dem 1. FC Magdeburg vereinbarte Option und verpflichten den 27-Jährigen damit fest.“ Der Vertrag gilt für die 1. und 2. Bundesliga. „Der Schritt zu Union im letzten Sommer war genau der richtige. Ich wurde super von der Mannschaft aufgenommen und habe mich bei diesem besonderen Verein sofort wohlgefühlt. Für mich persönlich ist es ein unglaubliches erstes Bundesligajahr, in dem ich viele neue Erfahrungen sammeln und meinen Teil zum bisher guten Abschneiden in dieser Saison beitragen konnte. In den nächsten Wochen werde ich alles dafür geben, zusammen mit meinen Teamkollegen die Klasse zu halten, um auch in der neuen Saison wieder in der Bundesliga zu spielen“, so Marius Bülter.  

Hans-Peter Becker

Sebastian Polter kommt nur zum Training

Sebastian Polter, der Derby-Held vom vergangenen Herbst – verwandelte in der Alten Försterei einen Elfer gegen Hertha BSC – wird nicht mehr für den 1. FC Union Berlin auflaufen. Seine weitere fußballerische Zukunft hat er bereits seit einiger Zeit nicht mehr in Berlin-Köpenick gesehen. Der gebürtige Wilhelmshavener kam kurz nach dem Beginn der Saison 2014/15. Er wechselte auf Leihbasis vom FSV Mainz 05 zu den Eisernen. Wurde zum Stammspieler in der 2. Bundesliga und erzielte bei 29 Einsätzen 14 Tore. Er blieb, obwohl inzwischen zum Publikumsliebling avanciert, nicht Berlin. Sein neuer Arbeitgeber wurden die Queen Park Rangers. In der zweiten englischen Liga erzielte er in 51 Spielen 10 Tore und schloss sich am 10. Januar 2017 erneut dem 1. FC Union an. Seine Torgefahr stellte er erneut unter Beweis. Sein Schicksalsmoment wurde der 2. März 2018, als er sich beim Aufwärmen vor dem Spiel in Kaiserslautern einen Achilessehnenriss zuzog. Erst im September kehrte er auf den Rasen zurück. Im Heimspiel gegen Holstein Kiel wurde er in der 76. Minute eingewechselt und traf in der Nachspielzeit mit einem spektakulären Fallrückzieher zum 2:0. In der Aufstiegssaison gelangen ihm noch 8 Tore und dazu 2 Treffer im Pokalspiel in Dortmund. In der laufenden Bundesligasaison nach dem Aufstieg wurden es lediglich 13 Einsätze. Hinter Sebastian Polter und Anthony Ujah war er als Mittelstürmer nur die Nummer drei bei Trainer Urs Fischer.

Sebastian Polter © Foto: Hans-Peter Becker

Bis zum Auslaufen seines Vertrages am 30.06.2020 darf Polter lediglich aus arbeitsrechtlichen Gründen am Training teilnehmen. Der 1. FC Union wirft ihm unsolidarisches Verhalten vor. Auf der Homepage des Vereins war dazu folgendes zu lesen: „Es gehört zu den elementaren Werten des 1. FC Union Berlin, dass wir Unioner eine solidarische Gemeinschaft bilden, in der wir füreinander und für unseren Verein einstehen. Sebastian tut das als einziger Spieler der gesamten Lizenzspielerabteilung mit Mannschaft, Trainer- und Betreuerteam leider nicht. Das ist für uns nicht nachvollziehbar und sehr enttäuschend. Es ist meine dringlichste Aufgabe, gerade in schwierigen Zeiten, den Zusammenhalt aller Clubmitarbeiter und Spieler zu schützen, um unsere sportlichen Ziele nicht zu gefährden. Wir haben deshalb entschieden, dass Sebastian ab sofort nicht mehr Teil unseres Spieltagskaders sein wird“, erklärt Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, die Entscheidung der Vereinsführung.“

Was ist geschehen ? Nur einen Tag später sah sich die Vereinsführung genötigt, eine Erklärung nachzuschieben. Sie endet mit einer Erklärung der Anwälte von Sebastian Polter. „Sebastian Polter bedauert die ihm am 28.05.2020 mitgeteilte Entscheidung des 1. FC Union Berlin. Sebastian Polter weist den Vorwurf des unsolidarischen Verhaltens jedoch ausdrücklich zurück. Wahr ist, dass sich der 1. FC Union Berlin und Herr Polter wechselseitig Vereinbarungen zur Handhabung des Gehaltes aufgrund der Corona-Pandemie unterbreitet haben. Keine Vereinbarung hat die Zustimmung beider Seiten gefunden. Sebastian Polter betont, dass er sich nicht verweigert hat, seinem Herzensverein während der Corona-Pandemie wirtschaftlich entgegen zu kommen und zu helfen.“

In den Medien hat sich Polter bisher nicht geäußert. Nach Informationen der Berliner Boulevard-Zeitung BZ soll Polter ein Saison-Gehalt von ca. 1,5 Millionen EUR bekommen haben und sicher einer der am höchsten bezahlten Profis. War es nötig, jetzt diese Baustelle aufzumachen ? Der Aufsteiger hat den Klassenerhalt nicht sicher und braucht jetzt alle Konzentration, um in den verbleibenden 6 Spielen die fehlenden Punkte zu holen. In gut 4 Wochen ist Polter mindestens vereinslos und die Moral von der Geschicht ?

Hans-Peter Becker

Unentschieden Spieltag im Berliner Profifußball

Der nunmehr dritte Spieltag der Geisterrunde (insgesamt der 28. der Saison) brachte den Berliner Teams jeweils einen Punkt. Im frühen Spiel des Abends wird sich Hertha BSC mit gemischten Gefühlen wieder auf den Heimweg gemacht haben. Das 2:2 in Leipzig hört sich gut an, es war sogar mehr möglich. Der Alten Dame scheinen die Geisterspiele gut zu bekommen. Bereits nach 9 Minuten gelang der Führungstreffer durch Grujic, Klosterman glich für die Leipziger in der 24. Minute aus. In der streckenweise sehr hart geführten Auseinandersetzung sah der Leipziger Halstenberg in der 63. Minute die gelb-rote Karte. Trotzdem gelang den Haussherren die Führung in der 68. Minute, allerdings unter tätiger Mithilfe des Hertha-Keepers, der den Schuss unterschätzte und sich den Ball selbst einlegte. Es war eine äußerst unglückliche Aktion, des ansonsten tadelsfrei agierenden Jarstein.

Hertha schaffte den Ausgleich durch einen von Piatek verwandelten Foulstrafstoß in der 82. Minute. Alles in allem entsprach das Ergebnis dem Spielverlauf von zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Kompliment an den neuen Trainer, wie schnell er die kriselnde Hertha wieder in die Spur gebracht hat. Am 29. Spieltag kommt der FC Augsburg ins Olympiastadion. Während Hertha aus dem Niemandsland der Tabelle weiter nach oben klettern könnte, brauchen die Bayerischen Schwaben noch ein paar Punkte für den Klassenerhalt.

Etwas später am Abend empfingen die Eisernen des FSV Mainz 05 zu Abstiegsduell in der coronabedingten stimmungsleeren Alten Försterei. Im Gegensatz zum Ortsrivalen haben die Köpenicker so ihre Probleme. Ohne ihre Fans im Rücken scheinen die spielerischen Defizite deutlicher hervorzutreten. Das 1:1, übrigens auf den Tag genau zum einjährigen Jubiläum des historischen Bundesligaaufstiegs, war glücklich. In einem kampfbetonten Spiel auf überschaubaren Niveau gingen die Gäste früh in Führung. Baku gelang in der 13. Minute die Führung. Ein bisschen Pech war dabei, denn die Balleroberung von Barreiro gegen Friedrich hätte auch als Foul gewertet werden können.

Die Eisernen waren bemüht, verteidigten aufopferungsvoll, ihre Angriffsversuche bleiben meist bereits im Ansatz stecken. Der Ausgleich fiel so folgerichtig durch einen ruhenden Ball, einen Freistoß, den Ingvartsen in der 33. Minute in die Maschen setzte. Der Mainzer Torwart hatte gepennt und davor seine Mauer schlecht gestellt. In der 42. Minute wurde die Aufgabe komplizierter, Andrich sah zum zweiten Mal und sorgte für Unterzahl seiner Mannschaft.

Die zweite Hälfte des Spiels war gekennzeichnet durch ein verzweifeltes Anrennen der Gäste. Die Eisernen verteidigten den einen Punkt, der ihnen wohl ein bissel mehr nützt als den Mainzern. Beide müssen weiter mit der Gefahr des Absteigens leben. Der nächste Gegener für die Fischer-Truppe ist die Borussia in Mönchengladbach, am Pfingstsonntag. Ob dort wenigstens ein weitere Punkt zu holen sein wird oder gar mehr, ist fraglich.

Hans-Peter Becker

Zur Lage in der Bundesliga

Die zweite Geisterspielrunde am 27. Spieltag und es sieht tatsächlich so aus, als könnte die Saison zu Ende gespielt und die Absteiger und der Meister sportlich ermittelt werden. Das könnte, wie es heißt, auch die Grundlage dafür sein, drohende Insolvenzen zu verhindern. An Spannung fehlt es oben und unten nicht. Weiter geht es mit einer englischen Woche, Dienstagabend, 26.05. Anstoß bereits 18:30 Uhr, wissen wir mehr, wie es mit Dortmund und Bayern München im Meisterschaftskampf steht. Was den Abstieg anbelangt, sind am 28. Spieltag gleich sechs Begegnungen von besonderem Interesse: Frankfurt – Freiburg, Bremen – Mönchengladbach, Hoffenheim – Köln, Düsseldorf – Schalke, Augsburg – Paderborn, 1. FC Union – Mainz 05.

Union konnte in den beiden Geisterspielen bisher keinen Punkt  (0:6 Tore) holen, verlor zuletzt das Stadtderby gegen Hertha und davor das Heimspiel gegen Bayern München. Der nächste Gegener der Eisernen, der FSV Mainz 05 holte sich zu Hause eine 0:5 Klatsche gegen RB Leipzig ab. Paderborn (rein rechnerisch sind noch 21 Punkte zu holen) nutzen keine Remis mehr. Das 1:1 gegen Hoffenheim war – als Schlusslicht mit 18 Punkten – zu wenig.

Düsseldorf führte in Köln bis zur 88. Minute 2:0, um letztendlich das 2:2 nicht verhindern zu können. Bremen, gewinnt glücklich 1:0 in Freiburg und wird beim Ausgleichstreffer der Kölner gejubelt haben, war davor zu Hause gegen Leverkusen beim 1:4 zu Tode betrübt. Der vorletzte Platz mit 21. Punkten läßt bei einem Nachholspiel noch Hoffnung. Gegen die auswärtsstarken Gladbacher muss die letzte Heimpleite vergessen gemacht werden.

Frankfurt befindet sich im rasanten Abwärtstrend, um den Begriff vom tiefen Fall zu vermeiden. Die Eintracht empfängt am Dienstag den FC Freiburg. Mit 1:3 zu Hause gegen Mönchengladbach und dann 2:5 in München verloren, da müssen wieder Punkte her.

Aus Berliner Sicht, Union ist mit 30 Punkten nicht aus dem Schneider. Am Mittwoch, 27.05. kommen die zuletzt verprügelten Mainzer in die Alte Försterei. Eine dritte Niederlage in Folge sollte nicht passieren.

Besser sieht es nun für Hertha mit 34 Punkten aus. Am Mittwoch, bereits ab 18:30 Uhr, heißt es in Leipzig zu bestehen. Das traue ich den Berlinern mit Labbadia sogar zu. Der Kommentator hat allen Grund ein Lob auszusprechen, 3:0 in Hoffenheim und 4:0 gegen Union gewonnen, das sind unter Labbadia 7:0 Tore aus den letzten beiden Spielen. Der neue Trainer ist bisher ein Volltreffer. Er hat bei all seinen Stationen bewiesen, dass er das, was er einst als Torjäger auf dem Platz erfolgreich umgesetzt hat, von der Seitenlinie fortsetzen kann.

Hertha kann für die nächste Saison jetzt wohl erstklassig planen und meiner Überzeugung nach, in der Tabelle eher nach oben schauen! 

Christian Zschiedrich