Großes Spektakel beim letzten Heimspiel der Füchse in dieser Saison. Zunächst zum Sportlichen. Für das Spiel gegen den Tabellen-Siebenten dienten den Gastgebern die vorangegangenen Spiele als „Blaupause“. Für kurze Zeit darf der Gegner mitspielen – Gummersbach praktizierte das 13 Minuten lang, war vor allem aus dem Rückraum mit seinen 2,00 m-Shootern Ex-Fuchs Miro Schluroff und Julian Köster erfolgreich und hielt die Partie bis zum 6:6 ausgeglichen. „Nachdem wir dann aber ein paar Paraden von Dejan Milosavljev bekommen haben, ins Tempospiel gehen und das erste Mal mit vier Toren geführt haben, war die Bremse gelöst“, fasst der von den Kollegen und Sportchefs der Liga zum „Trainer des Jahres“ gewählte Jaron Siewert die folgende Spielphase zusammen. Über ein 13:10/20. erhöhten die Füchse bis zur Pause sukzessive auf 22:15. Beteiligt am Torreigen waren neben den „üblichen Verdächtigen“ Gidsel und Andersson auch Wiede, Darj, Freihöfer, Marsenic und Hakun West, der seinen Vertrag bis 2028 verlängert hat.
Im zweiten Abschnitt geht die wilde Hatz weiter. Den Freunden eines gepflegten Abwehrspiels dürften zeitweise die Haare zu Berge gestanden haben. Auf beiden Seiten folgte man mehr dem Text eines Kirchenliedes und machte „die Tor weit“. Den 9000 in der ausverkauften Halle – unter ihnen erneut der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und der norwegische Neuzugang Tobias Gröndahl – jedoch machte die Sache riesigen Spaß. Zumal, um nochmals den Liedtext zu zitieren, wirklich der „Herr der Herrlichkeit“ folgte. Es waren aber natürlich mehreren Herren, die dafür sorgten, dass beim 35:25 nach 42 Minuten erstmals zehn Treffer zwischen beiden Teams liegen. Dieser Abstand hat zumeist auch im Rest der Partie Bestand. Drei Rekordmarken werden noch „nebenbei“ geknackt. Welthandballer Mathias Gidsel überbietet seinen Torrekord aus der letzten Saison (263) und ist am Ende bei +2, Tim Freihöfer er-reicht die 200er Marke. Mit 108 Toren von 7 Meter ist er auch Bundesliga-Rekordler und schließlich sind auch die 45 Treffer der Füchse Saisonrekord. Durch das 45:35 am Ende haben die Berliner vor dem letzten Spiel gegenüber dem SC Magdeburg ein Plus von 55 Toren, sodass wohl ein Remis zum ersten Meistertitel reichen sollte.

Nach der Partie wurden mit einer Musik- und Lichtershow der Abschied von vier „Füchsen“ zelebriert. Manuel Štrlek, Jerry Tollbring und Tobias Reichmann werden nicht mehr im Trikot der Berliner auflaufen. Sie wurden mit viel Beifall und TV-Bildern aus ihrer Karriere verabschiedet. Besonders emotional geriet die Angelegenheit bei Paul Drux, den Präsident Frank Steffel als herausragenden Handballer und großartigen Menschen bezeichnete. Der erst 30 Jahre alte, langjährige Kapitän, der für die Zeremonie auf ein etwa drei Meter hohes Podest gestellt wurde, musste seine Karriere aus Verletzungsgründen vorzeitig beenden. Es sei jedoch kein Abschied, so Steffel zum sichtlich gerührten Drux, sondern der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Der gebürtige Gummersbacher, der als 16-Jähriger zu den Füchsen kam, wird perspektivisch in der Geschäftsführung des Vereins mitarbeiten.
Der Satz des Abends gelang dem Hallensprecher, als er unter dem tosenden Jubel der Zuschauer ausrief, am Sonntag, 8. Juni 2025 krönen wir uns zu (Handball-) Königen bei den Löwen. Diese Aufführung findet nicht auf der Hamburger Musical-Bühne, sondern in der SAP-Arena in Mannheim statt.
Für die Füchse erfolgreich: Wiede (3), Darj (3), Prantner (1), Andersson (6), Lichtlein (4), Gidsel (11), Freihöfer (3), Langhoff (5), Beneke (1), av Teigum (5), Marsenic (3).
Herbert Schalling

