Geplante Stadionkapazität scheitert am Verkehrskonzept – Baukörper bleibt

Es wird viel gebaut rund um den S-Bahnhof Köpenick. Der Bahnhof ist eine einzige Baustelle, die Union-Tanke musste einem Wohnbauprojekt weichen und weiter gehts im Slalom bis zum inzwischen legendären Waldweg, der an der Waldseite endet. Das Stadion, eingebettet zwischen der Wuhlheide und der Straße an der Wuhlheide, lässt nicht viel Platz. Hinter der Gegentribüne, wo vorher ein Trainingsplatz war, drehen sich drei Baukräne. Die Erdarbeiten sind im Gange. 

Eigentlich kaum vorstellbar, dass hier das Stadion mal auf 40.500 Zuschauer erweitert werden soll. Das Stadion in seinem aktuellen Zustand darf für die Bundesliga nur mit einer Ausnahmeregelung genutzt werden. Die DFL fordert eine Mindestanzahl von 8.000 Sitzplätzen, das ist an der Alten Försterei nicht erfüllt. Mit dem geplanten Stadionausbau sollte dieses Problem beseitigt sein. Allerdings tut sich sofort ein neues auf.  

Union Präsident Dirk Zingler hatte die Presse zu einem Gespräch eingeladen, nachdem Tags zuvor die Mitglieder des Vereins in einem Brief darüber informiert wurden, dass der geplante Ausbau, mit einer Kapazität von 40.500 Zuschauern, am vorgelegten Verkehrskonzept gescheitert ist.

Hinter der Gegentribüne drehen sich schon die Baukräne Foto: © Becker

Zum Spielbeginn wollen alle Eintrittskartenbesitzer pünktlich im Stadion sein und nachher ohne größere Umstände wieder die Heimreise antreten können. Wie ist das für alle möglichst bequem zu gestalten? Die Eisernen hatten dafür ein Konzept vorgelegt, das vorsah, Shuttle-Busse an den S-Bahnhöfen Karlshorst und Schöneweide einzusetzen. Der S-Bahnhof Köpenick soll entlastet werden. Solch ein Shuttleservice wurde in der Vergangenheit bereits praktiziert. Angesichts der mehr als verdoppelten Zuschauermenge setzte die für den Verkehr zuständige Senatsverwaltung ein Stoppzeichen. Das Konzept überzeugte nicht. Man möchte seitens des Landes Berlin, eine schienengebundene Lösung. Für Erhöhung des Taktes der S-Bahn in Richtung Köpenick fehlt es am nötigen Bahnstrom. Dafür wären Investitionen in Millionenhöhe nötig.

Dirk Zingler machte deutlich, dass er wegen der Ablehnung nicht etwa sauer sei, vielmehr sei sofort nach einer neuen Lösung bzw. Kompromiss gesucht worden. Keine Skandalisierung, bitte, so seine Äußerung dazu. Die Ablehnung erreichte die Verantwortlichen am 19. September 2025 und so sei entschieden worden, die geplante Kapazität von ursprünglich 40.500 Zuschauern auf 34.500 zu begrenzen. An dem Ziel, einmal 40.500 Zuschauer im Stadion begrüßen zu können, wird aber festgehalten. So werden bei der geplanten Eröffnung im Jahre 2027 18.800 Steh- und 15.700 Sitzplätze zur Verfügung stehen.

Fotos: © Hans-Peter Becker

Der Baukörper für die Erweiterung des Stadions wird wie geplant errichtet. Die vorbereitenden Arbeiten dafür wurden begonnen, man will im vorbereiteten Zeitplan bleiben. Mit dem Ende der Saison 2025/26 wird begonnen, die Tribünen zu erweitern. „Eine weitere Verzögerung können wir uns nicht leisten“: so Zingler. Gespielt wird dann im Olympiastadion. Daher ist es notwendig, dass bis dahin alle Verfahren abgeschlossen sind, denn auch die Betreiber des Olympiastadions brauchen Planungssicherheit.

Da es bei dem geplanten Baukörper bleibt, verzichtet der Verein durch die freiwillige Reduzierung von den geplanten 40.500 auf 34.500 Zuschauer auf Einnahmen. Das deckt zunächst nicht die geplanten Baukosten. Auf die Dauer wäre das nicht hinnehmbar. Das Land Berlin muss seinen Teil dazu leisten.

Hans-Peter Becker

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