Eisbären holen sich die 12. Meisterschaft und brauchen einen neuen Trainer

Es gibt Titelgewinne, die entsprechen den Erwartungen und solche die überraschend kommen. Der Gewinn der Meisterschaft 2026 war den Eisbären nach der Hauptrunde nur von den kühnsten Optimisten zu getraut worden. Diese nunmehr zwölfte Meisterschaft der Eisbären darf mit dem Prädikat „unerwartet“ versehen werden. Mit einem Kantersieg gegen Dresden begann die Hauptrunde, anschließend geprägt von unsäglichem Verletzungspech. Die Leistungskurve war stark schwankend.

Foto:© Stephan Wenske

Im letzten Moment konnten die Pre-Playoffs vermieden werden. Der Auftakt im Viertelfinale, eine 1:5 Niederlage in Straubing, war alles andere als verheißungsvoll. Dann geschah ein kleines Eishockeywunder, drei Spiele in Folge wurden gewonnen, lediglich im Spiel fünf unterlagen sie in Straubing in der Verlängerung. Im sechsten Spiel wurde der Einzug ins Halbfinale erreicht, die Saison war bereits gerettet. Jetzt wartete Köln, der souveräne Sieger der Hauptrunde und die Eisbären hatten weiter Lust am Gewinnen. Die Kölner mussten den Berlinern das erste Heimrecht überlassen und die Eisbären nutzten das weidlich. Die Haie gewannen zwei ihrer Heimspiele und im dritten buchten die Eisbären das Ticket für das Finale.

Das Finale war für die Freunde des Spiels mit der schwarzen Scheibe ein Leckerbissen. Das „El Clásico“ der DEL, der Zweite der Hauptrunde, die Adler Mannheim erwartete die Eisbären aus Berlin. Beide Fanlager sind sich in herzlicher Abneigung zu getan. Bereits in der Hauptrunde hatte es mächtig geknistert. Im ersten Aufeinandertreffen, am 19.09.2026 in Mannheim, dauerte es nur 3 Sekunden, nicht Minuten und es flogen die Fäuste. Insgesamt kamen 73 Strafminuten ins Protokoll.

Die Finalrunde war hart, am Ende setzten sich die Eisbären mit 4 zu 1 Siegen durch und blieben auf dem Thron des Meisters sitzen. Dass sie die Meisterschaft in Mannheim feiern konnten, kam als kleines Schmankerl obendrauf. Mittendrin und sichtlich gerührt, der Meistertrainer Serge Aubin. Er hatte gerade die Eisbären zum 5. Titel während seiner siebenjährigen Amtszeit geführt. Was unmittelbar nach dem Spielende in der SAP-Arena zu Mannheim niemand ahnte, er stand ein letztes Mal für die Eisbären hinter Bande. Schade aus Sicht der Eisbären, der Erfolgstrainer geht auf eigenen Wunsch von Bord und wird zukünftig den SC Bern in der Schweizer Liga trainieren. Genügend Erfahrung was die Schweiz betrifft, kann er als Spieler und Trainer vorweisen und ein Gehaltssprung wird wohl zusätzlich eine Rolle gespielt haben.

Aubin, der damit als ein Trainer in die Geschichte der Eisbären eingehen wird, der keine einzige Playoff-Serie verloren und was die Anzahl der Titel betrifft, mit dem legendären Don Jackson gleichgezogen hat. Mal abwarten, ob eines Tages auch sein Banner zum Hallendach hochgezogen wird. Allein für sein Wirken in der Saison 2025/26 wäre es fast verdient.

Standen Playoff-Spiele vor der Tür, hat er es als General hinter der Bande meisterhaft verstanden, seinen Spielern die richtigen taktischen Hinweise zu geben. Das Erzielen eines Tores in einem Eishockeyspiel ist wie ein kleines Kunstwerk. Beispielgebend soll hierfür der Treffer zum 1:0 im letzten Finalspiel in Mannheim stehen. Frederik Tiffels stibitzt im Angriffsdrittel den Puck von Mannheims Verteidiger Tobias Fohrler. Jetzt müsste der Querpass auf Ty Ronning kommen, Tiffels stürzt, blitzschnell ist Ronning da, schnappt sich die Scheibe, Mathias Plachta und John Gilmour sind zu spät dran und zu guter Letzt wird noch der Goalie ausgespielt. Es gibt wahrscheinlich nur ein Spieler in der DEL, der so etwas in sekundenschnelle kann. Das Tor fiel kurz vor der ersten Drittelpause, mit besten Grüßen an die Adler. Die Hydra, eine Wortschöpfung von Basti Schwele, hatte wieder zugeschlagen. Jeder Spieler der Eisbären, egal ob Verteidiger oder Stürmer, war torgefährlich. Es waren 18 Spieler, die sich in die Liste der Torschützen eintragen konnten. Diese Tugend hatten die Eisbären in jeder Playoff-Serie exklusiv.

Es bleibt ein Rätsel für Straubing, Köln und Mannheim, wo haben die Eisbären die zusätzlichen Körner hergeholt, hatten sie sich nicht gerade mit letzter Kraft ins Viertelfinale geschleppt? In der Finalserie erzielten die Eisbären 24 Tore und das gegen die Adler Mannheim, die in der Hauptrunde die wenigsten Gegentreffer hinnehmen mussten.

Vor allem durch die Playoffs getragen hat die Mannschaft der Goalie Jonas Stettmer. Dass er die MVP Auszeichnung der Playoffs überreicht bekam, war mehr als gerechtfertigt. Er stand in 16 von den 19 Begegnungen im Tor, in den 967 Minuten wehrte er 453 Schüsse ab. Dabei strahlte er eine unglaubliche Ruhe aus, wie einst Petri Vehanen, der aktuell als Trainer der Torhüter bei den Adlern Mannheim arbeitet.

Hans-Peter Becker

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Fotonachweis: PENNY DEL/City-Press

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