Aufbaugegner Union und Hertha lässt wieder Punkte liegen

Der Berliner Profifußball ist leider Mondwelten von dem entfernt, was dem FC Bayern München bereits am 30. Spieltag der Saison 2025/26 gelang. Sie holten sich ihren 35. Meistertitel. Oh, wie spannend war mal wieder der Meisterschaftskampf. Kein Vorwurf an die Bayern langweilig ist es trotzdem.

Der 1. FC Union ist vor dem sicheren Bundesligahafen fürs Erste statt einzulaufen, auf Reede gegangen. Nach der Niederlage gegen die sich verzweifelt gegen den drohenden Abstieg wehrenden Wolfsburger hat sich an der Ausgangslage nicht viel verändert. „Wir haben alles noch selbst in unserer Hand“, so ließ es eine enttäuschte Marie-Louise Eta verlauten. Eine insgesamt gute Leistung bescheinigte sie ihrer neuen Truppe, na ja, das war wohl mehr als interner Mutmacher gedacht. Die eigentliche Hauptperson saß mit sauertöpfischem Gesichtsausdruck auf seinem Stuhl am Spielfeldrand. Der erhoffte Effekt eines Wechsels auf der Trainerposition blieb zunächst aus. 

Kampf- und Einsatzwillen können den Eisernen nicht abgesprochen werden, spielerisch haperte es, wie so oft in dieser Saison. Es wurde diszipliniert verteidigt, was bringt das, wenn der Gegner fast alles an Matchglück auf seiner Seite hat und auf der Gegenseite entsprechend das Pech die Oberhand behält. Beide Tore der Wolfsburger waren sehenswert, ein gekonnter Schuss mit Außenrist des österreichischen Nationalspielers Patrick Wimmer und der Blitzstart mit Beginn der zweiten Halbzeit. Nur 29 Sekunden nach Wiederbeginn bestraften die Wölfe einen Lapsus von Unions Innenverteidiger Danilho Doekhi. Dzenan Pejcinovic schlenzte das Spielobjekt gekonnt ins Tor, Frederik Rönnow streckte sich vergebens. 

Unermüdlich berannten die Eisernen das Tor der Gäste. Pech und ein gut aufgelegter Kamil Grabara verhinderten die Einschläge. Der Anschlusstreffer durch Oliver Burke, der im Sprint Konstantin Koulierakis den entscheidenden Meter abnehmen konnte, kam zu spät. Der Treffer fiel in der 85. Minute. Die restliche Spielzeit reichte nicht mehr, den kostbaren Vorsprung retteten die Wölfe ins Ziel. Die Eisernen waren in der Nachbetrachtung ein Aufbaugegner für den VfL Wolfsburg. In Hamburg werden die Kiezkicker vom FC St. Pauli das Ergebnis betrübt zur Kenntnis genommen haben. Bis auf zwei Punkte sind die Wolfsburger jetzt herangerückt.

Es sind noch vier Spiele bis zum Saisonende. Die Eisernen treten am kommenden Spieltag in Leipzig an und anschließend kommt Köln in die Alte Försterei. Egal, Union braucht Punkte. Der letzte Sieg datiert vom 23. Spieltag, es war der 21. Februar 2026, ein 1:0 Erfolg gegen Bayer Leverkusen. Seitdem warten sie in Köpenick auf einen weiteren Dreier.

Dass bei den Eisernen jetzt eine Frau die sportlichen Geschicke leitet, erregte große mediale Aufmerksamkeit. Schlussendlich zählt nur eins und im Profifußball besonders, Erfolg und nochmals Erfolg. 

Nach den Eisernen waren einen Tag später die Profis von Hertha BSC dran. In Braunschweig wartete eine komplizierte Aufgabe. Für den Traditionsverein aus Niedersachsen ging es um Sein oder Nichtsein in der 2. Bundesliga und für die Hertha? Da ließen sich einige Antworten finden. Die sehr theoretische Chance, weiter mit Punkten zu unterfüttern oder wenigstens in der Endabrechnung der Saison das Optimum an Punkten herauszuholen.  

Das Optimum wurde verpasst. Im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße reichte es, immerhin, für einen Zähler. Wie oft wurde wohl in dieser Saison die Phrase bemüht, die Partie war ein Spiegelbild des bisherigen Saisonverlaufs. Hertha hatte gut angefangen, konnte mit einem Foul-Elfmeter, verwandelt durch Fabian Reese, frühzeitig in Führung gehen. Anschließend gab es gute Möglichkeiten, den Vorsprung auszubauen. Allein Luca Schuler zielte zweimal zu genau und traf Latte und Pfosten. Angesichts der Großzügigkeit der Berliner witterte der Braunschweiger Turn- und Sportverein Morgenluft am Sonntagnachmittag. Hertha kassierte den Ausgleich und musste in Unterzahl den Punkt verteidigen. Es blieb trotz einer turbulenten Schlussphase beim Unentschieden. Das Ergebnis hilft weder dem Einen noch dem Anderen so richtig weiter. Immerhin konnte sich Braunschweig auf den Relegationsplatz schieben. Hertha kann mit noch mehr Ruhe die nächste Saison im Unterhaus der Bundesliga vorbereiten. Unterdessen wurde bekannt, dass Trainer Stefan Leitl und Sportchef Benjamin Weber in der kommenden Saison weiter die Verantwortung behalten werden.

Parallel zur Begegnung in Braunschweig kämpfte eine Klasse tiefer, Energie Cottbus weiter für die Chance, in der nächsten Saison eine Klasse höher zu spielen. Gegen die Mannschaft der Stunde, Rot-Weiß Essen, sieben Spiele in Folge ungeschlagen, konnte nach einem 1:3 Rückstand noch mit 5:3 bezwungen werden. Vielleicht gibt es ja wieder ein Berlin-Brandenburg-Derby in der 2. Bundesliga.

Hans-Peter Becker

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