Zwei zu eins-Sonntag für den Berliner Profifußball

Sowohl die „Alte Dame“ und die Eisernen konnte ihr Ligaspiel gewinnen. Hertha musste zum ersten Punktspiel im neuen Jahr beim SC Paderborn antreten. Das Spiel begann denkbar schlecht für die Hertha. Kaum auf dem Platz zappelte der Ball im Tornetz, glücklicherweise gibt es die imaginäre Linie und es war hauchdünn abseits. In der 16. Minute brachte ein Schuss am frühen Sonntagnachmittag von Derry Scherhant die Führung, die Hertha bis zur Halbzeitpause geschickt verteidigte. In Halbzeit zwei versuchten sich die Paderborner vergeblich am Ausgleich. Ein Foulelfmeter in der 69. Minute stellte die Weichen in Richtung Sieg. In der Nachspielzeit musste gezittert werden. In der vierten Minute der Nachspielzeit traf Sven Michel zum Anschluss. Nach einer umstrittenen Szene knapp zwei Minuten später, ein Luftzweikampf zwischen Zeefuik und Michel, wurde vehement ein Elfmeter gefordert. Es gab sogar eine rote Karte für einen Paderborner Verantwortlichen.

Ärger bekommen wird Paderborns Trainer Lukas Kwasniok. Er konnte sich selbst bei der Pressekonferenz nach dem Spiel nicht beruhigen. Unmittelbar nach dem Spiel machte er seinen Ärger vor der TV-Kamera gehörig Luft. Wenn der Schiedsrichter das nicht richtig sieht, hätte der VAR eingreifen müssen. „Wir müssen gucken, dass alle bei der Sache sind und sich nicht nebenbei die Wiederholung der ‚Lindenstraße‘ anschauen“, so spottete er über Katrin Rafalski, die wohl Siesta gemacht habe. In der Pressekonferenz äußerte er sein Unverständnis über die Ansetzung von Schiedsrichter Florian Heft. Er stammt aus Osnabrück, dem Erzrivalen der Paderborner, „da kann man nicht völlig neutral sein.“ Die Entscheidung, keinen Elfer zu geben, war vertretbar. Für die Hertha ein gelungener Start in die zweite Halbserie, jetzt kommt der HSV ins Olympiastadion. Der aktuelle Spitzenreiter ist nur sechs Punkte entfernt.

Weiter entfernt von der Tabellenspitze, eine Liga höher, ist der 1. FC Union. Der neue Trainer Steffen Baumgart hat den Abstiegskampf ausgerufen. Um mehr als den Klassenerhalt dürfte es in dieser Saison nicht mehr, oder? Das Spiel optimal in der Wuhlheide. Einen katastrophalen Fehler in der Mainzer Verteidigung nutzte Bendict Hollerbach für den ersten Treffer im Spiel. Mainz konnte mit einem Elfer nur wenig später noch ausgleichen. Die Führung der Gastgeber fiel dann auch durch einen Elfer. Das Endergebnis stand bereits zur Halbzeitpause fest. Es war ordentlich, was da geboten wurde. Mainz bleibt ein Lieblingsgegner, in Berlin konnten sie letztmalig 2002, damals in der 2. Liga gewinnen.

Trainer Baumgart nahm, zumindest in diesem Spiel, Abschied von seiner geplanten generellen Taktikumstellung. Er gewann wohl das Spiel, weil er die Mannschaft Baumgart untypisch spielen ließ und von der 4er-Abwehrkette Abstand nahm. Es war ein flexibles 3-4-1-2 System. Es wurde zudem nicht ganz so hoch verteidigt. Die Sicherheit wurde großgeschrieben, dabei kam den Eisernen entgegen, dass sie bereits ab der 24. Minute in Führung lagen und die Mainzer nicht ihren besten Tag erwischten. Schmerzlich vermisst wurde Kapitän und Torjäger Jonathan Burkardt, der wegen einer Oberschenkelverletzung ausfiel.

Union bekommt es am kommenden Spieltag mit dem FC St. Pauli im Millerntor-Stadion zu tun. Zweimal Hamburg für den Berliner Profifußball.

Hans-Peter Becker

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