Herthas Blindenfußballer feiern ersten Saisonpunkt

Das lange Warten hat ein Ende: Am dritten Bundesliga-Spieltag belohnten sich die Blindenfußballer von Hertha BSC erstmals für ihren Aufwand mit Punkten – und das fast dreifach. Gegen den FC Schalke 04 trennte sich das Team von Yasin Talay am Samstagmittag, 18.09. mit 1:1-Unentschieden. In der Anfangsphase brachte Fatih Talay unsere Farben nach einem schnell ausgeführten Eckball in Führung. Kurz nach der Pause glichen die ‘Königsblauen‘ in einer umkämpften Partie aus. Ein Pfostenschuss von Edis Veljković stand am Ende dem ersten Saisonsieg im Weg. In vier Wochen wartet auf die Herthaner gegen BSV 1958 Wien (16.10.21, 15:00 Uhr) und den noch ungeschlagenen FC St. Pauli (17.10.21, 12:00 Uhr) ein Doppel-Spieltag in Hamburg.

Während es in der Fußball-Bundesliga „Ha, Ho, He!“ von den Rängen des Olympiastadions schallt, herrscht beim Blindenfußball höchste Konzentration. Denn die Spieler verlassen sich ausschließlich auf ihr Raumgefühl und ihr Gehör. Torhüter, Feldspieler und Guides machen sich durch akustische Signale bemerkbar und in dem Fußball sind Rasseln integriert. Daher sind während der Partien Anfeuerungsrufe der Zuschauerinnen und Zuschauer tabu, damit die Spieler den Ball und die Anweisungen genau hören können. „Blindenfußball ist körperlich eher keine große Herausforderung, sondern psychisch. Man hört die Spieler, den Ball, die Umgebung, manchmal fährt eine Tram am Sportplatz vorbei. Man muss sehr konzentriert sein“, sagt Nasser Alwan. Der 18-Jährige spielt seit sieben Jahren Fußball und seit knapp anderthalb Jahren für Hertha BSC als Feldspieler.

Die Anforderungen beim Blindenfußball sind genauso hart wie in jedem anderen (Profi-)Sport und verlangen neben Konzentration auch Kondition und Schnelligkeit. Diese können sowohl durch Ernährung und Training als auch durch Schlaf und den Biorhythmus beeinflusst werden. Besonders bei völlig blinden Menschen läuft der natürliche Biorhythmus oder auch innere Uhr nicht immer parallel zum 24-Stunden-Tag. Das kann zu Schlafproblemen während der Nacht und extremer Müdigkeit am Tag führen. Eine besondere Herausforderung für Betroffene, denkt man an die Trainings- und Wettkampfzeiten, teilweise am frühen Morgen und/oder am späten Abend. Besonders anspruchsvoll sind Spieltage mit zwei Spielen nacheinander, da durch personelle Engpässe beim zweiten Spiel nur wenige Wechsel möglich sind.

Hertha BSC erhofft sich, dass der Blindenfußball eine noch größere Aufmerksamkeit in der Gesellschaft erfährt und neue Spieler sowie Fans hinzugewonnen werden. Dafür setzt sich auch unser Hauptsponsor VANDA Pharmaceuticals ein. „Wir sind stolz, zwei Top-Partner an unserer Seite zu haben. Das unterstreicht das Interesse an sowie die Relevanz für den Sport und ist eine große Bestätigung für uns“, betont Herthas Blindenfußballer Patrick Küppers (49) zufrieden.

Quelle: Hertha BSC/Markus Jung

Am Schluss alles verloren

Schiedsrichter Guido Winkmann, Polizeibeamter aus Kerken ist für die Eisernen in dieser Saison wahrlich kein Glücksbringer. Er kann natürlich nichts dafür dass er, wie im Pokalspiel gegen Dortmund, in der Nachspielzeit, einen Foulstrafstoß verhängen musste. Suleiman Abdullahi zerrte oben und berüherte Paulis Christopher Buchtmann unten, direkt neben dem Schiedsrichter. Der hätte mehr als nur großzügig sein müssen, um das zu übersehen. Den Elfer verwandelte Alex Meier, der Sieg für St. Pauli war perfekt. So ist das manchmal im Fußball, da gewinnt nicht immer das bessere Team, sondern es entscheidet das Matchglück.

Die Eisernen egalisierten innerhalb von 85 Sekunden einen 0:2 Rückstand, das Unentschieden war fast eingebucht, da kam der Elfer mit dem nervenstarken Neuzugang Alex Meier. Die Unioner, lautstark unterstützt vom mitgereisten Anhang, boten ein gutes Auswärtsspiel und mussten trotzdem mit leeren Händen die Heimreise antreten. Sie insgesamt mehr Ballbesitz und Torschüsse. Es fehlte die letzte Präzison beim Abschluss. Felix Kroos, der für den gesperrten Christopher Trimmel, die Mannschaft als Kapitän anführte, hatte zwei Riesengelegenheiten.

Urs Fischer beorderte Carlos Mane gleich in die Startformation. Ihm fehlte noch die Bindung zum Team. Leider kassierte Manuel Schmiedebach seine fünfte Gelbe. Für das kommende Spiel am Samstag, 9. Februar gegen den SV Sandhausen ist Urs Fischer erneut zu Umstellungen gezwungen. Etwas länger ausfallen wird Sebastian Polter, auf Grund der erlittenen Verletzung im Heimspiel gegen Köln.

Diese Niederlage tut weh, das Saionziel ist nicht Gefahr, mit drei Punkten Rückstand auf Platz zwei. Auf dem Relegationsplatz liegen jetzt die Kölner allerdings mit einem Spiel Rückstand.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

FC Sankt Pauli:
Himmelmann – Kalla, Carstens, Avevor, Buballa – Flum, Knoll – Möller Daehli (84. Miyaichi), Allagui (76. Buchtmann), Sobota – Meier (90.+5 Hoogma) 

1. FC Union Berlin:
Gikiewicz – Ryerson (78. Taz), Friedrich, Hübner, Lenz – Rapp, Schmiedebach (65. Abdullahi), Kroos – Mané (69. Gogia), Andersson, Hartel

Schiedsrichter: Guido Winkmann, Christian Bandurski, Nikolai Kimmeyer, Henry Müller

Zuschauer: 29 546 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Allagui (23.), 2:0 Meier (62.), 2:1 Prömel (84.), 2:2 Abdullahi, 3:2 Meier (90.+4)


Entern die Eisernen die Piraten ?

Der 1. FC Union wird erneut den Spieltag abschließen, zuletzt war es das Heimspiel gegen den Mitfavoriten 1. FC Köln, jetzt ist es das Auswärtsspiel beim FC St. Pauli. Vor dem Spiel drängeln sich vier Mannschaft mit 34 Punkten auf den Tabellenplätzen vier bis sechs. Hat das Spiel einen Sieger, so würde der auf Platz zwei springen und vorübergehend am 1. FC Köln vorbeiziehen. Das Spiel der Kölner in Aue fiel ja der Witterung zum Opfer. „Wir fahren zum FC St. Pauli um dort zu gewinnen..“. Das ist eine klare Ansage von Urs Fischer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Die Partie am Montagabend, 4. Februar dürfte ähnlich kampfbetont werden, wie das Spiel gegen die Kölner. Auf Seiten der Eisernen werden Ken Reichel und Kapitän Christopher Trimmel fehlen. Beide sind gewissermaßen Opfer der bereits angesprochenen kampfbetonten Spielweise. Reichel kassierte Gelb-Rot und Trimmel seine Gelbe Nummer 5. Auf der rechten Außenbahn der 4er Abwehrkette könnte Julian Ryerson zum Einsatz oder Nicolai Rapp. Christopher Lenz wird Reichel ersetzen. Fehlen wird aller Voraussicht nach auch Sebastian Polter, so wird Sebastian Andersson in die Startelf rücken.

St. Pauli Trainer Markus Kauczinski drücken vor dem Spiel einige Verletzungssorgen. Trotzdem werden sie alles versuchen, sich den Relegationsplatz zurückzuholen. Das wird eine schwere Aufgabe. Auf St. Pauli sprechen sie von den besten Berlinern aller Zeiten, noch nie hatte Union nach 19 Spieltagen 34 Zähler auf dem Konto (2016/17 waren es 32 Punkte).

Zum Spiel am Montagabend werden 2.800 Fans der Eisernen nach Hamburg fahren. Die Leitung des Spiels liegt in den Händen von Schiedsrichter Guido Winkmann. Er pfiff in dieser Saison den Pokalauftritt der Eisernen in Dortmund.

Hans-Peter Becker

Union startet mit einem Sieg ins neue Punktspieljahr

Was für ein Beginn, nur 25 Sekunden waren vergangen, da stand es bereits 1:0 für die Eisernen. Wer den Fußball liebt war begeistert, Marcel Hartel demonstrierte die selten gezeigte Kunst des Fallrückziehers. Mit dem Rücken zum gegnerischen Tor, mit der Brust den Ball vorgelegt und gleich ab in die Rücklage. Wo waren die Verteidiger ? Ausgerechnet Hartel werden sich die Kölner gedacht haben. In Köln geboren, im Nachwuchs der Geißböcke gespielt, dort zum Profi geworden und jetzt haut der uns so ein Ding rein. Seine Familie – eigentlich Efzeeh-Fans – war sogar unter den Augenzeugen. Für dieses eine Spiel waren sie mal Unioner.

Florian Hübner traf zum 2:0 Foto:© Hans-Peter Becker

Der Auftakt nach Maß schmeckte den Favoriten aus der Domstadt überhaupt nicht. Sie kamen schwer in das Spiel und wurden nach einer halben Stunde erneut erwischt, als Florian Hübner nach einer Freistoß-Hereingabe per Kopf sogar das 2:0 erzielte. Ein weiterer Treffer der Unioner fand wegen einer Abseitsstellung zu recht keine Anerkennung. Die Kölner hatten eine Riesenmöglichkeit durch Simon Terodde. Wäre der drin gewesen, ja vielleicht, hätte wenn und aber. Köln versuchte alles und die Eisernen hielten dagegen.

Die zweite Halbzeit war eher zerfahren. Köln hatte viel Ballbesitz und nur wenige Chancen. Das wurde auch nicht viel besser als sich die Eisernen selbst reduzierten. Ken Reichel sah die Gelbe zum zweiten Mal und durfte in der 67. Minute duschen gehen. Mehr als zwei Großchancen für die Kölner gab es nicht. Es blieb beim 2:0 Sieg für die effizienteren Berliner. Das Spiel war nicht hochklassig, angesichts eines solchen Tores spielt das keine Rolle. Es war ein Tor für die Geschichtsbücher, mindestens ein Tor des Monats. Für Marcel Hartel war es der erste Treffer in dieser Saison.

Das Spiel war geprägt von vielen Fouls, so begingen die Eisernen 20 Fouls an ihren Gegenspielern, bei den Kölnern waren 14. Christopher Trimmel sah seine fünfte Gelbe und wird gegen St. Pauli fehlen. Mit dem Sieg zogen die Eisernen wieder mit dem kommenden Gegner nach Punkten gleich und sind Dank des besseren Torverhältnisses aktuell auf Platz 3 der Tabelle.

Kleine Notiz am Rande, nicht im Kader stand Torwart Jakob Busk. Er war in Vertragsverhandlungen. Die Sache hat sich zerschlagen. Busk bleibt in Berlin und gehört weiter zum Kader.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

1. FC Union Berlin:
Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Hübner, Reichel – Prömel, Schmiedebach, Kroos (68. Lenz) – Abduallahi (83. Parensen), Polter (44. Andersson), Hartel

1. FC Köln:
Horn – Schmitz (79. Sörensen), Meré, Czichos – Risse (62. Clemens), Drexler, Geis, Hauptmann (67. Horn), Kainz – Terodde, Cordoba

Schiedsrichter: Tobias Welz, Rafael Foltyn, Mark Borsch, Florian Lechner

Zuschauer: 22 012 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Hartel (1.), 2:0 Hübner (30)


Mit viel Mut gegen Köln

Für den 1. FC Union beginnt am Donnerstag, 31. Januar das neue Fußballjahr. In der laufenden Spielzeit sind noch 16 Spiele zu absolvieren. „Nach der Pause braucht es so eins, zwei, drei bis vier Spiele um zu wissen, wo die Mannschaft steht und das geht allen so:“ Dieser Äußerung von Urs Fischer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel ist nicht zu widersprechen. Leider sind die ersten beiden Spiele nach der kurzen Weihnachtspause gleich richtungsweisend für den weiteren Saisonverlauf. Erst kommt der 1. FC Köln und anschließend, nur vier Tage später, wartet der FC St. Pauli auf die Eisernen. Beide stehen in der Tabelle vor den Eisernen.

Das Transferfenster ist geöffnet und es hat Veränderungen im Kader gegeben. Der 1. FC Köln hat sich im Angriff mit dem österreichischen Nationalspieler Florian Kainz, bisher in den Diensten von Werder Bremen und im Mittelfeld mit Johannes Geis vom FC Schalke verstärkt. Um die erneute Verpflichtung von Anthony Modeste findet gerade ein juristisches Tauziehen statt. Er wird bis zum Donnerstag wohl keine Spielgenehmigung für die Geisböcke erhalten.

In dem Duell trifft die bisher stärkste Offensive (47 Tore) auf die beste Verteidigung (15 Gegentore). Beide Trainer haben keine größeren Verletzungssorgen. Bei den Kölnern müssen Jonas Hector (Gelbsperre), Louis Schaub,Marco Höger und kurzfristig Salih Özcan ersetzt werden. Angesichts der Kadertiefe sollte das kein großes Problem darstellen.

Urs Fischer kann fast aus den vollen schöpfen. Fragezeichen stehen noch hinter den Personalien Joshua Mees und Nicolai Rapp. Bei Mees könnte es klappen, während Rapp wohl sein erstes Pflichtspiel für die Eisernen verpassen wird. Gespannt darf man sein, ob es für Neuzugang Carlos Mane bereits für die Startelf reicht. Im letzten Test gegen Basel, vor knapp vier Tagen, stand er bereits für 30 Minuten auf dem Platz. Die Tatsache, dass ein Spieler dieser Qualität geholt wurde, zunächst auf Leihbasis, zeigt, die Eisernen wollen Platz drei und ernsthaft um den Aufstieg mitspielen. Mane, der am liebsten auf der rechten Außenbahn spielt, ist für Zweitligaverhältnisse ein sogenannter „Unterschiedsspieler“. Das berühmte Quäntchen mehr, das vielleicht fehlen könnte und in der Vergangenheit öfter gefehlt hat. Der Trainer ist sehr angetan: „Er ist topfit, spielbereit. Das haben wir jetzt auch in den einzelnen Trainings gesehen.“ Ausdrücklicher Dank geht seinerseits an Oliver Ruhnert, dass ihm diese Verpflichtung gelungen ist.

Urs Fischer lässt gern mit einer zentralen Spitze spielen, so ist der aktuelle Kader der Eisernen inzwischen auf ein 4-3-3 oder 4-2-3-1 ausgerichtet. Egal mit welcher Taktik, die Eisernen sind auch die Könige des Unentschieden in dieser Saison. Insgesamt endeten 10 Spiele für die Fischer Elf mit einer Punkteteilung. Das dürfte für die kommenden Aufgaben zu wenig sein. „Wir müssen den Mut haben, auch was zu zeigen“, diesen Worten des sympathischen Schweizers ist nichts hinzuzufügen.

Das Spiel am Donnerstagabend, Anpfiff 20:30 Uhr ist ausverkauft. Sollten die Eisernen das Spiel siegreich gestalten können dürfte die Phantasie vieler Fans beflügelt werden.

Hans-Peter Becker

Der Ungeschlagene und die Unbesiegbaren !

Der VfL Bochum war vor einem Jahr das Schicksal für Jens Keller. Nach einer 1:2 Niederlage im Ruhrstadion musste er gehen. Die Eisernen standen mit 26 Punkten auf Tabellenplatz vier. Anschließend rutschten sie ab, kassierten am letzten Spieltag der Hinrunde eine Heimniederlage gegen Dynamo Dresden und boten in der Rückrunde wenig überzeugende Auftritte.

Ein Jahr später sieht die Welt in der Wuhlheide nicht soviel anders aus. Der Trainer allerdings ist meilenweit von einer möglichen Entlassung entfernt. Er scheint die Mannschaft in Drachenblut gebadet zu haben. Der 1. FC Union kann einfach nicht verlieren, obwohl sie es im letzten Heimspiel des Jahres gegen den VfL Bochum wirklich probiert haben. In der ersten Halbzeit war der VfL das bessere Team, von den Unbesiegbaren kam nicht viel. So einige Male mussten die Fans tief durchatmen, weil der Ball glücklicherweise wieder nicht den Weg über die Torlinie fand. So traf in der 14. Minute Lee im Anschluss an eine Ecke nur den Pfosten. Nur drei Minuten später war, erneut nach einem Eckball, das Streitobjekt so gut wie über der Linie. Nach seiner Rettungstat musste Unions Keeper Gikiewicz behandelt werden, konnte zum Glück weiter spielen. Nach 35 Minuten sah sich das Stadion veranlaßt, die Mannschaft mit Aufwachen-Rufe zu unterstützen. Immerhin sprangen bis zur Halbzeitpause drei halbgare Tormöglichkeiten heraus.

Der sympathische Schweizer Urs Fischer ist sonst eher mit dem Temperament eines Graubündner Almbewohners ausgerüstet. Vorstellbar, dass er in der Kabine  eine ganz andere Seite zeigen musste. Jedenfalls steigerte sich seine Mannschaft in Hälfte zwei. Bochum wurde bitter für die in Halbzeit eins vergebenen Chancen bestraft. Nach einer Stunde Spielzeit war es so weit. Schicksal spielte der Schiedsrichter der Partie Dr. Matthias Jöllenbeck, Arzt aus Freiburg, er zeigte auf den Punkt, Foulelfmeter. Ganz nebenbei, Dr. Jöllenbeck war auch der Schiedsrichter beim letzten Spiel von Jens Keller in Bochum vor einem Jahr. Der erste Eindruck von der Pressetribüne, ganz klar, denn muss man geben, auf den Videos war es nicht mehr so eindeutig. Der Kicker fand die richtige Formulierung: „Sebastian Polter zog einen Elfmeter…“ Von diesem Schock erholten sich die Bochumer nicht mehr und bekamen in der 87. Min. durch Zulj den endgültigen Ko. Schlag verpasst. Die Eisernen agierten im Stile einer Spitzenmannschaft, sie gewinnen Spiele, die eigentlich nicht zu gewinnen sind. Die Bochumer hatten ihr Mitleid umsonst, dazu die alte Fußballweisheit: „Wer keine Tore schießt, kann nicht gewinnen.“

Große Erleichterung nach dem Schlusspfiff, „man bin ick froh, dat wa dit gewonnen haben.“ Urs Fischer hat mit seiner Mannschaft einen Rekord aufgestellt, noch nie ist es einem Zweitliga-Trainer gelungen, eine ganze Halbserie lang ungeschlagen zu bleiben. Sieben Siege und zehn Unentschieden, bedeuten Platz drei mit 31 Punkten, punktgleich mit dem FC St.Pauli. Dank des besseren Torverhältnisses sind die Eisernen weiter der „Leader of the Rest“. Ein Spiel ist vor den Weihnachtsferien noch zu absolvieren. Am vierten Adventssonntag reisen sie zum FC Erzgebirge Aue. Das Weihnachtssingen wurde dafür extra auf 19:00 Uhr verlegt.

Hans-Peter Becker

Grüße aus Sandhausen

Der 1. FC Union muss am 4. Spieltag in Sandhausen ran. Seit 2012 steht diese Auswärtstour an und sechs Begegnungen haben bereits im BTW-Stadion am Hardtwald stattgefunden. Erst ein Mal konnten die Eisernen dort gewinnen, am 27. November 2016 hämmerte in der 12. Minute Felix Kroos einen zunächst abgewehrten Eckball aus 17 m Volley in die Maschen. Alle anderen Partien gingen bis auf ein Unentschieden verloren. Sandhausen war bisher kein gutes Pflaster für den 1. FC Union.

Die Vorzeichen sind in dieser Saison etwas anders. Der SV Sandhausen hat bisher noch keinen Punkt holen können und selbst erst einen Treffer erzielt und ziert zusammen mit dem MSV Duisburg das Tabellenende. Sandhausen Trainer Kenan Kocak fehlen zudem mit Abwehrspieler Tim Knipping, Mittelfeldspieler Nejmeddin Daghfous sowie den beiden Stürmern Rurik Gislason (WM Teilnehmer für Island) und Neuzugang Karim Guede vom SC Freiburg wichtige Spieler. „Union hat gute Leute geholt, sie stehen nicht umsonst da oben. Wir spielen zu Hause und werden nicht mit zittrigen Knien in das Spiel gehen“, so äußerte sich Kocak vor dem Spiel. Trotz der Verletztenmisere werden die Sandhauser auf dem Transfermarkt nicht mehr tätig werden.

Der 1. FC Union hofft, dass die Wende den Sandhausenern nicht ausgerechnet Spiel am kommenden Sonntag gelingt. Vielmehr hoffen sie darauf, dass sie weiter ungeschlagen bleiben und im günstigsten Fall einen weiteren Auswärtssieg in die Bilanz schreiben können.

Außerhalb des Platzes hat der 1. FC Union mit den Folgen des Brandes eines Kühlschranks im Gebäude der Haupttribüne zu kämpfen. Bei den Löscharbeiten ist wohl mehr kaputt gegangen, jedenfalls stehen umfangreiche Sanierungsarbeiten an, so war es in einer Pressemitteilung zu lesen. „Das Ausmaß der durch den Brand und die Brandbekämpfung verursachten Schäden innerhalb der Haupttribüne ist erheblich größer, als unmittelbar nach dem Brand erkennbar war. Deren Beseitigung wird uns mehrere Wochen, wahrscheinlich sogar Monate beschäftigen. Die nun begonnene Grundsanierung des Gebäudes ist jedoch zwingend notwendig, um das Risiko für Folgeschäden so gering wie möglich zu halten“, so Dirk Thieme, Vorstandsvorsitzender der „An der Alten Försterei“ Stadionbetriebs AG. So fand die obligate Pressekonferenz vor dem Spiel in Sandhausen nicht im Medienraum Raum statt. Der Spielbetrieb wird nicht beeinträchtigt sein. Die Lizenzspielerabteilung hatte Glück, diesbezügliche Räumlichkeiten sind nicht betroffen, so kann auch der Trainingsbetrieb ungehindert stattfinden.

Die Eisernen sind bereit für dieses Spiel und der aktuelle Tabellenstand ist nur eine schöne Momentaufnahme. Trotzdem ist Vorsicht geboten, Sandhausen ist angeschlagen und daher gefährlich. „Du weißt nicht so richtig, was dich da erwartet,“ so ein O-Ton von Trainer Urs Fischer.

Für das Spiel in Sandhausen stehen neben den bereits länger verletzten Sebastian Polter, Fabian Schönheim und Marc Torrejon aktuell auch Neuzugang Joshua Mees wegen muskulärer Probleme nicht zur Verfügung. Es könnte exakt die Startelf beginnen, wie zuletzt gegen den FC St. Pauli.

Für das Spiel in Sandhausen, das am kommenden Sonntag, 2. September beginnt werden etwa 6.000 Zuschauer erwartet. Trotz der weiten Anreise wollen bis zu 800 Schlachtenbummler der Eisernen dabei sein. Abwehrspieler Florian Hübner ließ sich zu einem Tipp hinreißen: „Hinten steht die Null und vorne macht der Seb (gemeint ist Sebastian Andersson) zwei Buden.“

Es ist mehrfach geurteilt worden, dass der 1. FC Union einen sehr großen Kader hat, insgesamt 30 Profis. Am letzten Tag der Transferperiode kam die Mitteilung, dass Abwehrspieler Lars Dietz bis zum Saisonende an die Sportfreunde Lotte ausgeliehen wird. Der 21jährige, der selbst seine Stärken im defensiven Mittelfeld sieht, hofft auf mehr Spielpraxis in der 3. Liga. Sein Vertrag bei den Eisernen läuft noch bis 2021. Er kam im Januar 2018 aus dem Nachwuchs von Borussia Dortmund zum 1. FC Union. Angesichts der Konkurrenz im defensiven Bereich eine gute Entscheidung.

Hans-Peter Becker

Geglückter Saisonstart und wieder kein Losglück

Erster Startelfeinsatz für Florian Hübner Foto: Hans-Peter Becker

Der Start in die neue Saison ist bei den Eisernen geglückt. Nach drei Spieltagen sind sie zusammen mit dem 1. FC Köln Tabellenführer, wie immer ist das eine hübsche Momentaufnahme und abgerechnet wird am Schluss. Gegen den FC St. Pauli war das Ergebnis besser als das Spiel. Der Doppelschlag vor der Halbzeitpause (44. und 45. Minute) war die Vorentscheidung in einer bis dahin offenen Partie. Die Handschrift von Urs Fischer wird immer deutlicher. Er will mehr Dominanz und Kontrolle. Der Kader scheint gerüstet für den Kampf um die oberen Tabellenplätze. Zusammen mit der neuen Nummer 1 im Tor Rafal Gikiewicz standen fünf Neuzugänge in der Startformation. Gegen St. Pauli kam Florian Hübner zu seinem ersten Einsatz und machte seine Sache, laut seinem Trainer, sehr gut. Erstaunlich, es sah aus als würden Marvin Friedrich und Florian Hübner bereits länger zusammenspielen.  St. Pauli hatte elf Torschüsse, davon waren drei hochkarätig. Das war eine Abwehrleistung der Eisernen, die sich sehen lassen konnte. Von den anderen Neuzugängen spielte Ken Reichel auf der Position des linken Außenverteidigers souverän. Einen deutlichen Qualitätsgewinn bringt auch Manuel Schmiedebach auf der Sechser-Position in das Spiel. Es ist fast verwunderlich, dass Hannover 96 keine Verwendung mehr für ihn hatte. Neben defensiven Stärken, er schont sich in keinem Zweikampf, ist er sehr wertvoll für den Spielaufbau.

Das Ergebnis gibt den Spielverlauf nicht korrekt wieder. Der FC St. Pauli wurde unter Wert geschlagen, der 4:1 Sieg für den 1. FC Union fällt etwas zu hoch aus. Über weite Strecken der ersten Halbzeit wurde deutlich, woran weiter gearbeitet werden muss. Den Fans im ausverkauften Stadion „An der Alten Försterei“ skandierten „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ und was will man mehr, als vier Tore von der eigenen Mannschaft.

Unterdessen wurde die 2. Hauptrunde im DFB-Pokal aus gelöst. Im Lager der Eisernen hatten sie so auf ein Heimspiel gehofft. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Zu Hause gegen Schalke 04, das war der heimliche Wunsch der Fans, Steven Skrzybski hätte sich auch gefreut. Stattdessen wurde es der Konkurrent, oh nein, wie im vergangenen Jahr, müssen sie nach Dortmund und sind wieder nur der krasse Aussenseiter. „Borussia Dortmund ist natürlich ein attraktiver, aber zugleich auch schwieriger Gegner. Wir haben uns vor zwei Jahren dort sehr gut präsentiert, das ist auch jetzt unser Ziel. Es wird ein interessantes Spiel mit einer besonderen Atmosphäre, die unsere Spieler genießen sollen und werden. Unsere Aufmerksamkeit darf allerdings nicht nur auf dem Pokalspiel liegen. Wir müssen auch weiterhin die Spiele in der Liga konzentriert angehen“, so äußerte sich in einer ersten Reaktion Oliver Ruhnert, der Geschäftsführer Profisport des 1. FC Union.
Hans-Peter Becker

Duell der Kultvereine

Bereits der 3. Spieltag hält für den 1. FC Union das Duell mit dem FC St. Pauli bereit. Die Mannschaft vom Millerntor ist die einzige, die ihre ersten beiden Auftaktspiele gewinnen konnte. Dafür lief es im Pokal umso bescheidener, bereits in der 1. Runde war nach einer Niederlage in der Verlängerung beim Drittligisten SV Wehen Schluss. So ist beim 1. FC Union Wiedergutmachung angesagt, allerdings kein leichtes Unterfangen. St. Paulis Trainer Markus Kauczinski muss seine Abwehr umbauen. In der Innenverteidigung steht Christopher Avevor wegen einer Verletzung nicht zur Verfügung. Für ihn dürfte der defensive Mittelfeldspieler und Neuzugang aus Regensburg Marvin Knoll neben Philipp Ziereis in der Viererkette in die Innenverteidigung rücken. Knoll, (gebürtiger Berliner, spielte bis 2013 für Hertha BSC) der in den ersten drei Saisonspielen auf der 6er Position spielte, ist einer der gefährlichsten Freistoßschützen der Liga. In Magdeburg erzielte er durch einen direkt verwandelten Freistoß den Siegtreffer zum 2:1. Im Sturm wird der Ex-Herthaner Sami Allagui ersetzt werden müssen, er zog sich beim Pokalspiel in Wehen einen Rippenbruch zu.

Viel weniger Sorgen, was die Aufstellung betrifft, hat dagegen Urs Fischer. Eher im Gegenteil, ihm steht ein Riesenkader zur Verfügung. Verletzt oder im Reha-Training sind Sebastian Polter, Fabian Schönheim, Marc Torrejon, Joshua Mees und Neuzugang Suleiman Abdullahi. Große Veränderungen gegenüber dem Pokalspiel in Jena wird es nicht geben. Felix Kroos kann wohl wieder spielen, hat seit Mittwoch alle Trainingseinheiten absolviert, ob er in der Startelf stehen wird ? Ebenso offen ist die Entscheidung auf der linken Außenverteidiger-Position, beginnt wieder Christopher Lenz oder Ken Reichel ? Einsatzfähig ist der bisher letzte Neuzugang, Robert Zulj, er saß beim Pokalspiel noch für die TSG Hoffenheim auf der Bank. Urs Fischer drückte sich auf der Pressekonferenz vor dem Spiel orakelhaft aus, es spricht genauso viel dafür wie dagegen und am Sonntag wissen wir mehr. Aktuell sind bei den Eisernen jetzt 30 Profis unter Vertrag, eine Reduzierung ist sicherlich bis zum Transferschluss zu erwarten.

Am kommenden Sonntag, 26.08. wird das Spiel pünktlich um 13:30 Uhr durch Schiedsrichter Sven Jablonski angepfiffen werden. Auflaufen werden die Mannschaften vor vollbesetzten Rängen, bereits am Freitag wurde ausverkauftes Haus vermeldet. Ein ganz wichtiger Hinweis, der Brand in einem Raum der Haupttribüne in der Nacht zum Freitag wird keine Auswirkungen auf den Spieltag haben. Ursache war ein defekter Kühlschrank. Die Feuerwehr war mit einem Aufgebot von 40 Einsatzkräften vor Ort.

Der letzte Sieg des FC St. Pauli in der Alten Försterei liegt schon eine Weile zurück, am 28. Oktober 2011 konnten sie letztmalig drei Punkte mit nach Hamburg nehmen. In der vorigen Saison gelang ein glücklicher 1:0 Sieg durch einen Kopfballtreffer in der Nachspielzeit von Sebastian Polter.

Hans-Peter Becker

Berliner Proficlubs erreichen 2. Hauptrunde

Mit dem 1. FC Union und Hertha BSC sind die beiden Berliner Profi-Vereine mehr oder minder souverän in die 2. Hauptrunde des DFB-Pokals eingezogen. Beide mussten auswärts bei einem Dritt-Ligisten bestehen. Die Eisernen waren am Sonntag in Jena erfolgreich. Das Spiel stand natürlich auch im Zeichen des Jubiläums des bisher einzigen Titels in der Vereinsgeschichte der Unioner. So sahen auch einige Helden und Unterlegene des Pokalendspiels von 1968 den 4:2 Sieg des 1. FC Union gegen den FC Carl-Zeiss Jena. Das tradionsbeladene Ernst-Abbe Sportfeld war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Jenaer oder Jenenser (Jenenser ist nur derjenige, der in Jena geboren wurde, alle anderen sind Jenaer) leisteten großen Widerstand, mussten sich am Ende dem größeren spielerischen Potential der Wuhlheider beugen. Leider musste Felix Kroos nach einem Zusammenstoß des Spielfeld vorzeitig verlassen. Zum Glück war es nicht ganz so schlimm, wie es zunächst aussah, gegen St. Pauli wäre er wieder zu einem Einsatz bereit. Jetzt hoffen die Wuhlheider auf ein Heimspiel, am Besten gegen Schalke 04. Es wäre ein Wiedersehen mit Steven Skrzybski, der ja unter Tränen seinen Herzensverein verlassen hat.

Am Montag, 20.08. war Hertha BSC in Braunschweig dran. Aller Anfang ist schwer und ohne Wettkampfpraxis zum Saisonauftakt zu einem Drittligisten, der zudem bereits durch vier absolvierte Punktspiele voll Geschäft ist, da gibt es angenehmere Aufgaben. Es lief zunächst recht zäh an, bis Marvin Plattenhardt in der 38. Minute ein Traumtor schoss. Er schickte einen vom Braunschweiger Torwart weggefausteten Ball postwendend zurück, der dann unhaltbar im Kasten landete. Braunschweig war zunächst geschockt. Nach der Halbzeitpause schaltete die Alte Dame zu sehr in den Verwaltungsmodus. Die Braunschweiger Eintracht kämpfte und wurde in der 81. Minute mit dem Ausgleich belohnt. Hertha war gnadenlos effektiv, sie ließen die Braunschweiger etwas feiern und erzielten vom Anstoß weg den erneuten Führungstreffer. „Der alte Mann und das Tor“, so beschrieb der TV-Kommentator den Treffer von Vedad Ibisevic. Der Kapitän behauptete den Ball perfekt gegen einen Verteidiger und schob ihn aus kurzer Distanz ein. Eine drohende Verlängerung blieb der Hertha erspart. Die erste Aufgabe in der Saison wurde erfüllt. In der Bundesliga steht jetzt der 1. Spieltag bevor, Hertha erwartet am Samstag, 25.08. im Olympiastadion Aufsteiger Nürnberg und am Sonntag, 26.08. kommt der FC St. Pauli in die Alten Försterei.

Hans-Peter Becker