Wenig Fußball, viel Leidenschaft – Rot Weiß gewinnt das Hauptstadtderby

Es war ein Derby, mit einem glücklichen Sieger. Die Eisernen investierten einfach mehr in dieses Spiel. Die Alte Dame war eine Stunde lang völlig indisponiert. Viel zu spät fingen sie an ihre Qualitäten einzubringen. Packende Torraumszenen gab fast nicht. Die Entscheidung fiel durch einen Strafstoß. In der 88. Minute versuchte sich Christian Gentner nach einer gelungenen Kombination mit einem Torschuss, den kann er ungehindert ausführen, der Ball geht daneben, Dedryck Boyata, Herthas Innenverteidiger will den Ball noch blocken und rauscht in den Schützen. Es war ein Foul nach vollzogener Aktion. Den verhängten Strafstoß nach Videobeweis verwandelte der eingewechselte Sebastian Polter. Das Derby war entschieden. Eine andere Entscheidung war in diesem qualitätsarmen Spiel nicht möglich. Den Eisernen wird das alles herzlich egal sein, wenigstens für eine Woche ist breites Grinsen angesagt.

Für den Zuschauer, sofern er nicht Fan der Eisernen ist, war das Spiel eine Zumutung. Die Gäste aus Berlin-Charlottenburg begannen mit einer 4-4-2 Staffelung. Gegenüber dem Pokalspiel gegen Dynamo Dresden veränderte Ante Covic seine Startelf auf sechs Positionen. Den Analysten von Hertha BSC war natürlich nicht entgangen, dass Union die letzten Siege durch Spiegelung der gegnerischen Taktik errungen hat. Hinzu kam eine große Laufbereitschaft und damit verbunden, die ständige Bereitschaft zum Gegenpressing. Urs Fischer veränderte seine Truppe gegenüber dem Pokalerfolg auf fünf Positionen hielt aber an dem 3-4-2-1 System fest. In der 1. Halbzeit erwies sich das als richtige Maßnahme. Man traute seinen Augen nicht, spielbestimmend waren die Rot-Weißen . Vor dem Strafraum der Herthaner waren sie allerdings mit ihrem Latein am Ende. Bis auf die Riesenchance durch Christopher Lenz in der 3. Spielminute, sein Kopfball prallte vom Innenpfosten wieder zurück, hatten die anderen insgesamt sechs Torschüsse bis zur Halbzeitpause keinerlei Torgefahr.

Was war mit der Alten Dame in Halbzeit 1 ? Es kam nichts, kein Zugriff, ganze zwei mickrige Torschüsse, genauso harmlos wie auf der anderen Seite. Die massive Mittelfeldpräsenz der Eisernen zwangen Herthas Aufbauspieler zu langen Pässen und da fehlte die Präzision. In der 42. Minute kam Hertha zu zwei Eckbällen. Union erkämpfte nicht einen einzigen. Es war bis zur Halbzeitpause eine Nullnummer auf der ganzen Linie.

Herthas Trainer reagierte, brachte Eduard Löwen für Per Skjelbred einen neuen Aufbauspieler und stellte die taktische Formation um. Hertha versuchte Unions Erfolgsrezept aus den Freiburgspielen zu kopieren. Sie spiegelten Unions taktische Formation und kamen etwas besser in das Spiel. Bei den Eisernen ersetzte Joshua Mees den indisponierten Marius Bülter. Viel besserer Fußball wurde in der 2. Halbzeit nicht gespielt. Die Entscheidung fiel folgerichtig durch einen Strafstoß, den Sebastian Polter in der 88. Minute verwandelte. Etwas glücklich gewinnt der 1. FC Union das erste Bundesliga Stadtderby, vor allem deshalb, weil sie mehr in das Spiel investierten und durch den gewohnt hohen läuferischen Aufwand – liefen über 5 km mehr – Hertha den Schneid abkauften.

Leider gab in dieser Halbzeit unschöne Szenen aus den Blöcken der Ultras. Der Schiedsricher Deniz Aytekin unterbrach in der 49. Minute das Spiel und schickte die Mannschaften vom Feld. Aus dem Block der Herta-Anhänger wurden Leuchtraketen abgefeuert. Es wird empfindliche Geldstrafen für beide Vereine geben. Das Derby hatte so einen negativen Höhepunkt, den keiner braucht.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

Union Berlin: Rafal Gikiewicz – Marvin Friedrich, Keven Schlotterbeck, Neven Subotic – Christopher Trimmel, Robert Andrich, Christian Gentner, Christopher Lenz – Marcus Ingvartsen (90.+6 Julian Ryerson), Sebastian Andersson (80. Sebastian Polter), Marius Bülter (46. Joshua Mees). Trainer: Urs Fischer 3-4-2-1

Hertha BSC: Rune Jarstein – Lukas Klünter, Niklas Stark, Dedryck Boyata, Maximilian Mittelstädt (90.+2 Davie Selke) – Marius Wolf, Per Ciljan Skjelbred (46. Eduard Löwen), Marko Grujic, Javairo Dilrosun – Dodi Lukébakio, Vedad Ibisevic (82. Salomon Kalou). Trainer: Ante Covic 4-4-2/3-4-2-1

Tore: 1:0 Sebastian Polter (87.)

Gelbe Karten: Keven Schlotterbeck (Union Berlin), Dedryck Boyata (Hertha BSC)

Schiedsrichter: Deniz Aytekin

Zuschauer: 22.012 im Stadion An der Alten Försterei

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