Eine Trainer-Ära geht zu Ende

Serge Aubin ist bei den Eisbären Berlin inzwischen Geschichte. Sein Amt trat 2019 an. Einen möglichen Meistertitel verhinderte die Corona-Epidemie. Die Hauptrunde schlossen die Eisbären mit 94 Punkten als Tabellenvierter ab. Das war nicht schlecht zum Einstand. Der erste Meistertitel folgte ein Jahr später. Die Epidemie hatte die DEL weiter im Griff, so wurden die Finalrunden im best-of-three Modus und als Geisterspiele ausgetragen. Mit Mundschutz saßen die akkreditierten Journalisten auf der Pressetribüne und beobachteten den ersten Titelkampf unter Serge Aubin. Es war der 7. Mai 2021, mit einem 2:1 über Wolfsburg wurde die Finalserie beendet. Sweet Caroline, ein Lieblingslied von Serge Aubin, erklang aus den Boxen und nur die Mannschaft feierte einsam auf dem Eis die Meisterschaft. Wenn ich mich recht erinnere, waren wenigstens die engsten Familienangehörigen zugelassen. 

Die Corona-Epidemie ebbte langsam ab, es durften, wenn auch anfangs reduziert, wieder Zuschauer in die Hallen. Alle Playoff Serien wurden im Modus best of five ausgetragen. Die Meisterschaft wurde am 4. Mai 2022 mit einem 5:0 Sieg in München perfekt gemacht. Dem folgte eine Seuchensaison 2022/23, die Eisbären schlossen die Hauptrunde mit 76 Punkten als Elfter der Tabelle ab. Die Playoffs wurden ohne den amtierenden Meister gespielt. Trotzdem hielt die Organisation der Eisbären am Trainer fest. Das Vertrauen wurde zurückgezahlt. Es folgte der Titel-Hattrick, vollendet am 3. Mai 2026 mit dem 4:1 Sieg in der Arena in Mannheim.

Bereits einen Tag später, brachte das Schweizer Nachrichtenportal die Meldung, Aubin werde die Eisbären verlassen. Die Bestätigung seitens der Eisbären ließ nicht lange auf sich warten. Serge Aubin wird in der kommenden Saison in der Nationalliga der Schweiz den SC Bern betreuen. Genügend Erfahrung für das Eishockey in der Schweiz bringt er, sowohl als Spieler und als Trainer mit. Es muss ihn gewurmt haben, sein Trainer Engagement in der Schweiz bei den Zürich Lions endete nach knapp 7 Monaten mit einer Entlassung aus dem Amt. Im Januar 2019 wurde er in Zürich entlassen und heuerte in Berlin an. Es war für ihn die erste Entlassung in seiner Trainerkarriere. Nach dem Rückzug der Hamburg Freezers aus der DEL unterschrieb Aubin einen Vertrag in Österreich bei den Capitals in Wien. Bereits in seiner ersten Saison holte er für den Verein den Meistertitel. 

Nun ist er wieder zurück in der Schweiz, wo er nach eigenen Angaben noch nicht fertig ist. Bereits Ende 2025 sind die Schweizer an ihn herangetreten. Von dem Wechselwunsch wussten nur Sportdirektor Stephane Richer und Geschäftsführer Thomas Bothstede. Dass kein Lichtspalt davon durchgesickert ist, spricht für die gute Organisation der Eisbären. In einer Presserunde erklärte Richer die Entscheidung. “Serge hat große Verdienste für die Eisbären, da wollten wir seinem Wunsch entsprechen. Er hat uns erklärt, dass er eine neue Herausforderung sucht.”  

Der aktuelle Meistertitel, der nunmehr insgesamt zwölfte in der DEL, darf wohl als der “Unerwartete” im Rückblick gekennzeichnet werden. Auch dazu gab es in der Journalistenrunde Äußerungen. Jede Meisterschaft war anders. Die Mannschaft hatte die Fähigkeit, sich immer wieder an ein neues System anzupassen. Es wurde viel Wert darauf gelegt, dass die Reihen in den unterschiedlichsten Besetzungen funktionieren. Aus der Not der Verletzungsmisere musste eine Tugend gemacht werden. Alle Kontrahenten in den Playoff-Spielen hatten ihre Probleme mit den Systemwechseln.

Die Eisbären suchen jetzt einen Trainer, der in diese großen Fußstapfen seines Vorgängers treten muss. Der Sportdirektor schaut sich neben dem Spielermarkt jetzt natürlich sehr intensiv den Marktplatz der Trainer an.

Hans-Peter Becker

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Fotos: © Stephan Wenske

Der aktuelle Eisbären-Kader für die Saison 2026/27:
Tor: Lennart Neiße
Abwehr: Adam Smith, Mitch Reinke, Kai Wissmann, Eric Mik, Jonas Müller, Korbinian Geibel, Markus Niemeläinen, Moritz Kretzschmar

Sturm: Ty Ronning, Lean Bergmann, Patrick Khodorenko, Manuel Wiederer, Markus Vikingstad, Yannick Veilleux, Andy Eder, Eric Hördler, Leo Pföderl, Liam Kirk, Frederik Tiffels

Stand: 08.05.2026

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