Volle Punktzahl für den Berliner Profifußball am vorletzten Spieltag der Saison, geht doch, wenn es um nichts mehr geht. Hertha besiegt vor der immer noch stattlichen Kulisse 44.621 Zahlenden die Spielvereinigung Greuther Fürth, trotz Unterzahl seit der 32. Spielminute mit 2:1. Der Spezialist für unbeabsichtigte glatt rote Karten Josip Brekalo bescherte seinen Mannschaftskameraden den einen oder anderen Laufweg mehr. Daumen hoch für die Moral der „Alten Dame“ im letzten Heimspiel der Saison, so darf man sich verabschieden. Vor dem Spiel wurden fünf Spieler verabschiedet, die kein neues Vertragsangebot erhalten hatten. Darunter auch Toni Leistner, der zunächst skeptisch von den Hertha-Fans beäugt, wegen seiner Vergangenheit beim 1. FC Union, nun als Gesamtberliner Idol emotional verabschiedet wurde. Er selbst wäre wohl gern geblieben. Im August wird er 36 Jahre alt, Hertha setzt mehr auf jüngere Spieler.
Der Sieg über die stark abstiegsgefährdeten Fürther ist hoffentlich ein positives Signal für die Zukunft. Am letzten Spieltag müssen die Herthaner in Bielefeld ran, die ebenfalls noch für den Klassenerhalt kämpfen. Mal sehen, was das wird. Für die nächste Saison kann ich mich nur Frank Lüdecke anschließen, „Hertha muss mehr Schalke wagen“!
Mehr wagen muss auch der 1. FC Union. Urs Fischer und seine Mainzer ermöglichten der Trainerin Marie-Louise Eta den ersten Sieg in der Bundesliga. Nennen wir ihn historisch. Neben den Fußbällen brachten die mitgereisten Ultras der Eisernen Tennisbälle ins Spiel und sorgten für eine Spielunterbrechung. Sie protestierten gegen Spielansetzungen am Sonntag und der späten Anstoßzeit 19:30 Uhr. Der Löwenanteil für die Vereinskasse wird nun einmal über die TV-Gelder eingenommen. Wer das Geld gibt, bestimmt eben welche Musik gespielt wird. Insgesamt sechsmal mussten die Eisernen in dieser Saison auswärts antreten und dabei kamen die Schlachtenbummler auf 7.000 Kilometer im Auto, Bus oder Bahn.
Wenigstens wurden die Auswärtsfahrer mit einem Sieg belohnt, das war in der laufenden Saison schließlich nicht oft der Fall. (5 Siege und 2 Unentschieden bei den 17 Auswärtsauftritten) Noch ein Spieltag, der FC Augsburg kommt in die Alte Försterei, dann regiert wieder einmal das Prinzip Hoffnung, es kann nur besser werden. Nach der Saison ist vor der Saison.
Hans-Peter Becker
