Klinsi macht’s – Covac nicht mehr Hertha-Coach

Keine schlechte Entscheidung, wie am Mittwochvormittag, am 27.11.2019 bekanntgegeben, ist Ante Covic (44) nach knapp fünfmonatiger Tätigkeit und dem 0:4 in Augsburg freigestellt (beurlaubt), kein Trainer mehr. Die Talfahrt wurde ihm mit nur 11 Punkten zum Verhängnis. Bis zum Ende der Saison übernimmt bei Hertha Jürgen Klinsmann sein Amt. Ausschlaggebend dürfte die Tatsache für den Ex-DFB-Teamchef gewesen sein, dass zum Abschluss seiner Karriere die Trainertätigkeit bei einem Bundesligisten bestimmt eine reizvolle Aufgabe sein wird. Deshalb will ich den Einfluss von Sponsor Lars Windhorst gar nicht hinein interpretieren. Klinsmanns Sitz im Aufsichtsrat bleibt dem Ex-Bundestrainer ja garantiert auch nach seiner Trainertätigkeit, für die ihn ja auch noch andere Angebote ins Haus flatterten. Aus meiner Sicht werde Ich Jürgen Klinsmann nie vergessen, dass er zu Zeiten meiner Sportsendung für den oft geschalteten Trailer sagte: „Berliner schauen TV Sport in Berlin“.

Hintergründe für diese Entscheidung: Wunschtrainer Niko Kovac sagte Nein. Ich selbst erlebte mit ihm einst, was ein Freundeswort bedeutet. Es charakterisiert ihn absolut positiv. Freunde unterstützt man und löst sie nicht ab. Ich erinnere mich genau bei Dreharbeiten bei einem Hertha-Training zu Spielerzeiten des Niko Kovac. Ich fragte ihn nach den Abgangs-Gerüchten zu Bayern, „was ist dran Niko“? Er fragte: „Wann gedenkst du das auszustrahlen?“ – Antwort: „Erst am Sonntagabend“. „Garantiert kein Wort früher?“.  – „Garantiert kein Wort früher!“ – Niko bestätigte mir bereits Anfang der Woche als ersten Reporter seinen feststehenden Abgang ins Mikrofon!

Wer kennt schon die Modalitäten bei seinem Rauswurf in München genau? Vertraglich ist er noch 1 ½ Jahre mit Gehaltsansprüchen bei Bayern verpflichtet. Da kann er sich erholen. Mit seinen Erfolgen bei Eintracht Frankfurt und Bayern München, Deutscher Meister und Pokalsieger, und seinen Erfahrungen hat er keine Schwierigkeiten später wieder einen Verein zu finden. Viele Vereine wären dankbar… Hertha wollte ihn ja auch, hätte wahrscheinlich auch das Gehalt der Bayern übernommen. Es könnte sogar sein, dass Niko eine Abfindung von Bayern bekommt und damit sofort wieder tätig sein kann. Die Absage an Hertha  ist bestimmt darin begründet, dass Ante sein Freund und Antes Sohn Maurice sein Patenkind ist. Niko würde niemals als Nachfolger eines Freundes fundieren.

Zur neuen Saison als Nachfolger von Jürgen Kliensmann könnte es durchaus wieder bei Niko Kovac kribbeln. Co-Trainer Harry Gämperle (51) war ja auch im Gespräch. Er bleibt unangetastet auch den Herthanern erhalten. Soll Klinsi doch beweisen, dass  er auch als Bundesligacoach erfolgsorientiert handeln kann. Ob auch kurzfristig (?), ganz Berlin ist nun gespannt, ob Jürgen Klinsmann sogar derjenige ist, der Lucien Favre in die Wüste schickt.

Bei Hertha überschlagen sich die Ereignisse. Großes Stühlerücken ist angesagt. Im Moment läuft die PK mit der Vorstellung des neuen Trainers Jürgen Klinsmann. Er bringt einen neuen Co-Trainer und TW-Trainer mit. Arne Friedrich wird wohl Masnnschafts-Direktor. Hans-Peter Becker verfolgt die Pressekonferenz. Lieber Hans, bitte übernehme. Was gibt es Neues?

Christian Zschiedrich

Erstes Bundesligator und Punkt

In der 80. Minute war es soweit, der kurz zuvor zusammen mit Sebastian Polter eingewechselte Sebastian Anderson erzielte das erste Bundesligator für den 1. FC Union. Es war der Ausgleich zum 1:1 und bis zum Schlusspfiff änderte sich an dem Spielstand nichts mehr. Ein Riesenklops im Aufbauspiel der Augsburger war der Torpremiere vorausgegangen. Jetzt hat der fünfmalige Nationalspieler Schwedens einen Ehrenplatz in der Vereinschronik der Eisernen sicher. Großen Anteil an dem Treffer hat auch Sebastian Polter, der zusammen mit Andersson in der 71. Minute eingewechselt wurde. Augsburgs Tin Jedvaj spielte den Fehlpass, Polter lief allein auf den Torwart zu und legte quer auf seinen Sturmpartner, der dann keine Mühe hatte, erfolgreich abzuschliessen.

Freudige Gesichter, das Unentschieden ist ein gefühlter Sieg für die Unioner. In der ersten Halbzeit war auf beiden Seiten die Verunsicherung nach den Klatschen zum Auftakt zu bemerken. Urs Fischer brachte vier Spieler in der Startaufstellung. In der Innenverteidigung spielte Neven Subotic für Marvin Friedrich, im offensiven Mittelfeld begannen Marcus Ingvartsen und Sheraldo Becker, zunächst als einzige Sturmspitze durfte sich Anthony Ujah versuchen. Christian Gentner konnte wegen einer Verletzung nicht spielen. Bei Ballbesitz sortierte sich die taktische Formation in einem 4-2-3-1 und gegen den Ball versuchten Ujah und je nach Situation einer der drei offensiven Mittelfeldspieler den ballführenden Augsburger anzulaufen, dahinter formierten sich zwei Viererketten. In der ersten Halbzeit wirkte Union in der Abwehr sehr kompakt, allerdings gab es kaum nennenswerte Aktionen vor dem Augsburger Tor. Die erste halbwegs brauchbare Torchance hatten die Berliner in der 27. Minute durch Ujah und in der 35. Minute verfehlte ein Schuss Marius Bülter nur knapp das Ziel.

Augsburg hatte bis zur Pause mehr vom Spiel. Insgesamt hielt sich spielerische Niveau im unteren Wertungsbereich auf. In der zweiten Hälfte stieg wenigstens der Unterhaltungswert. In der 48. Minute kam Union zu einer Konterchance, allerdings war der entscheidende Pass von Sheraldo Becker zu unsauber. Das erste Tor im Spiel fiel dann in der nach knapp einer Stunde Spielzeit durch den Schweizer U-21 Nationalspieler und Augsburger Neuzugang Ruben Vargas, der von der Vorarbeit durch Florian Niederlechner profitieren konnte. In der Abwehre konnte Keven Schlotterbeck das entscheidende Zuspiel von seinem ehemaligen Freiburger Mannschaftskollegen nicht verhindern.

Sebastian Andersson – Schütze des ersten Bundeligatores © Foto: Hans-Peter Becker

Die Berliner Bank reagierte auf den Rückstand. Zunächst kam Suleiman Abdullahi für den eher enttäuschenden Sheraldo Becker und ab der 71. Minute stellte Fischer im Angriff auf ein 4-2-2 um. Für Ujah kam Sebastian Polter und für Ingvartsen spielte Sebastian Andersson. Die Maßnahme wäre fast ins Auge gegangen. Eigentlich hätte Niederlechner in der 73. Minute für die Entscheidung des Spiels sorgen müssen. Wieder verliert Schlotterbeck den Zweikampf, doch Niederlechner trifft zum großen Glück für die Eisernen das Tor nicht. Der Ausgang ist bekannt. Christopher Lenz traf zunächst in 78. Minute mit einer eher verunglückten Flanke den Pfosten und 80. Minute, nach 170 Bundeliga-Minuten folgte die Torpremiere.

Leider verloren in der 83. Minute die Eisernen Innenverteidiger Schlotterbeck durch eine glatt rote Karte. Es war die negative Krönung der vielen Zweikämpfe zwischen den beiden Ex-Freiburgern. Die Entscheidung des Schiedsrichters Robert Schröder war hart, aber vertretbar. So musst du in der Mittelzone nicht einsteigen, dazu, wenn auch nicht in voller Absicht, mit der offenen Sohle auf die Wade des Gegenspielers. Für die restlichen Minuten rückte Grischa Prömel in die Innenverteidigung. In der Nachspielzeit versuchte Polter einen Elfer zu schinden. Es war es „Trikotzupfer“, aber kein 100%iger Strafstoß, das Spiel lief weiter und mit der letzten Angriffsaktion hätten die Eisernen das Spiel noch unglücklich verlieren können.

Das Unentschieden war dem Spielverlauf entsprechend, der 1. FC Union ist mehr als nur ein Punktelieferant. Nach dem Schlusspfiff konnten sich die Profis zu Recht feiern lassen.

Hans-Peter Becker

Spieldaten: Fußball-Bundesliga 2. Spieltag

FC Augsburg: Koubek – Lichtsteiner, Jedvaj, Khedira, Max – Baier, Gruezo (74. Oxford) – Vargas (66. Richter), Hahn, Gregoritsch – Niederlechner (88. Finnbogason)

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Subotic, Schlotterbeck, Lenz – Prömel, Andrich – Becker (68. Abdullahi), Ingvartsen (71. Andersson), Bülter – Ujah (71. Polter)

Zuschauer: 27.703

Tore: 1:0 Vargas (59.), 1:1 Andersson (80.)

Auswärtspremiere in Augsburg

Am 2. Spieltag der Fußballbundesliga treffen in Augsburg die beiden Mannschaften aufeinander, die die Saison mit einer Klatsche begonnen haben. Der FC Augsburg verlor in Dortmund mit 1:5 und schleppt zudem die Hypothek des Ausscheidens gegen den Regionalligisten SC Verl mit in die Heimpremiere der aktuellen Saison. Auf beiden Seiten ist was gut zu machen.

Auf Seiten der Augsburger werden die beiden aktuellen Neuzugänge, der Ex-Schweizer Nationalspieler Stefan Lichtsteiner sowie der 20fache kroatische Nationalspieler Tin Jedvaj mit von der Partie sein. Sie verstärken die Defensive der bayerischen Schwaben. „Alles auf Anfang“ das ist die Devise der Augsburger, die wie der Neuling aus Berlin von einem Schweizer trainiert werden.

Die Eisernen müssen in diesem Spiel alles daran setzen, wenigstens durch eine gute Leistung, nachzuweisen, dass sie in der Bundesliga nicht chancenlos sind. Es wird dabei auf die Mentalität ankommen. Die Fehlleistung aus dem ersten Spiel muss aus den Köpfen. Vielleicht hilft es, sich jetzt in der Fremde beweisen zu müssen. Auf keinen Fall werden die Eisernen die Flinte ins Korn werfen. Allerdings räumte Urs Fischer auf der Pressekonferenz zum bevorstehenden Spiel ein, „dass das Adaptieren uns noch eine Weile begleiten wird“ mit anderen Worten, Union ist noch nicht in der Bundesliga angekommen.

Für das Spiel am Samstag, 24.08. wurden aktuell 2.517 Karten für den Gästeblock verkauft. Damit sind die Stehplätze vergriffen, Sitzplätze allerdings sind noch einige zu haben. Es wird in Bayern eine kleine Hitzeschlacht, der Wetterbericht sagt 27 Grad während des Spiels voraus, angenehme Bedingungen für die Zuschauer.

Es stehen 33 Profis im Kader des Neulings. Nicht einsatzfähig sind Innenverteidiger Florian Hübner und Mittelfeldmann Maurice Opfermann Arcones, der zuletzt für Unions Nachwuchs im Baltic Sea Cup spielte und einen sogenannten Pferdekuss abbekam. Ein Fragezeichen steht hinter Christian Gentner, der sich im Training eine leichte Blessur zuzog. Entsprechend der Philosophie des Trainers wird sich in der Mannschaftsaufstellung nicht viel ändern. Beginnt er mit zwei oder wie gegen Leipzig mit drei defensiven Mittelfeldspielern ? Kommt in der Innenverteidigung Neven Subotic zu seinem ersten Einsatz für die Berliner ? Die Abwehr könnte dringend mehr Stabilität gebrauchen, gegen Leipzig war dort jede Position eine Problemzone. Allerdings ist es im modernen Fußball so, dass alle Mannschaftsteile in der Defensive mitwirken müssen. Werden sie schnell überspielt, kommt es auf die letzte Verteidigungslinie an.

Urs Fischer, so wird spekuliert, könnte mit einer ähnlichen Taktik wie zuletzt gegen Leipzig die Aufgabe angehen. Als einzige Sturmspitze könnte Anthony Ujah für Sebastian Andersson in die Startelf rücken. Sollte Gentner nicht spielen, bietet sich eine Chance für Manuel Schmiedebach. Ein besonderes Spiel wird es für Marvin Friedrich, der ja eine Vergangenheit in Augsburg hat. In der vergangenen Saison spielte er auf Leihbasis für die Eisernen und wurde erst vor Kurzem in Berlin fest verpflichtet.

Der Druck liegt mehr auf Seiten des FC Augsburg. Unions Trainer bemühte sich auf der Pressekonferenz diesen Eindruck zu verstärken. „Augsburg hatte ebenfalls keinen perfekten Start, für sie ist das kommende Spiel ein Pflichtsieg. Das ist ein Verein, der seit zehn Jahren in der Bundesliga spielt.“ Das Spiel in der WKK-Arena am 24.08. wird um 15:30 Uhr angepfiffen und steht unter der Leitung des Hannoveraner Schiedsrichters Robert Schröder.

Hans-Peter Becker

Was tut sich bei Hertha im Fall Alexander Esswein?

Im Sommer 2016 holte Hertha Esswein vom FC Augsburg. Das in der Überzeugung, dass der schnelle und torgefährliche Spieler, der für Augsburg mit seinen Toren und Torvorlagen sogar Spiele entschied, eine Fortsetzung in Berlin finden möge. In zweieinhalb Jahren kam er zu 45 Einsätze in der Bundesliga. Verständlicherweise waren vier Tore Hertha BSC zu wenig. Daraufhin wurde Esswein an den VfB Stuttgart ausgeliehen. Es lang danach aus, als würde das Leihgeschäft in eine feste Anstellung münden. Hertha rechnete sich 2 Millionen Ablöse für Esswein aus. Doch Stuttgart stieg ab. Esswein kehrte zwangsläufig, wie es schien nur geduldet und ohne Erwartungen, nach Berlin zurück.

Nicht nur im Trainingslager in Stegersbach überraschte Esswein, sondern insgesamt in der Vorbereitung als schneller Mann für exzellenten Konterfußball, viel Laufbereitschaft und dazu mit erstaunlich großem Aktionsradius und dazu scheint er wieder zu wissen, wo das Tor steht. Er trifft wieder, so wie es sich für einen guten Offensivspieler gehört.

Angeblich muss ihm der Trainerwechsel von Dardai zu Covic beflügelt und gut getan haben. Was das doch in der Tat ausmachen kann. Bei Dardai stand er in der gesamten Hinrunde nur einmal im Kader, ohne Einsatz. Zwei Pflichtspiele hat Hertha in dieser Saison absolviert. Esswein durfte in beiden auflaufen. Im DFB-Pokal in Eichstätt kam er zur zweiten Halbzeit, bereitete ein Tor vor und traf selbst zum 5:1. Ante Covic wechselte ihn dann gegen Bayern München als ersten Spieler, vor Davie Selke, ein. Wenn das nicht als Vertrauen und ein gutes Signal zu werten ist. Trainer Ante Covic schaut nicht auf Vergangenes zurück, sondern nach vorn und auf das, was er in den Trainingseinheiten und Vorbereitungsspielen sah.

Am 2. September schließt in Deutschland erst die Transferperiode. Sollte nun noch ein Angebot für Alexander Esswein kommen, wie verhält sich Hertha BSC? Man darf gespannt sein.  

Christian Zschiedrich  

Randnotizen zum Spiel der Hertha in Stuttgart

Christian Zschiedrich. Foto: Sportick

Mein Kollege Hans-Peter Becker wird „seinen“ 1.FC Union total berechtigt infolge der Festigung des 3.Tabellenplatzes und dem 2:0-Sieg über Bochum loben. Ich kann es, was die Leistung von Hertha BSC anbelangt, nicht! In meiner Tipprunde „BL-besser-wisser“ hatte ich zwar überzeugt auf Sieg für Hertha getippt, wurde aber sehr enttäuscht. Wahrscheinlich hatte ich meine Tipps zu früh in der Annahme geschrieben, Marko Grujic werde (am Sprunggelenk verletzt) für die Begegnung schon noch fit werden… Aus dem Hertha-Lager klang die Kunde doch recht positiv, auch ohne ihn die nächsten drei Punkte einzufahren. Und ich sagte mir, dummerweise, Hertha scheint im Vergleich zur Vergangenheit aktuell gelernt zu haben. Die erste Halbzeit bestätigte mich in meinen Erwartungen.

Maximilian Mittelstädt erzielte in der Mercedes-Benz-Arena vor 45.000 Zuschauern in der 38. Minute Herthas 1:0-Führung. Der VfB Stuttgart spielte ausgesprochen schwach. Mario Gomez sah und bekam keinen Ball. Er hatte seit ewigen Gedenken nicht mehr getroffen und versiebte oft allein vor des Gegners Gehäuse Großchancen. Mein Urteil: Der ist über seinen Zenit! Vor dem Spiel schlussfolgerten Funktionäre aus dem VfB-Vorstand, doch einen bundesligatauglichen Kader zu haben. Mein Urteil: Dass ich nicht lache! Den Leistungen zufolge gehören die nicht in die Bundesliga! Die Heimmannschaft wurde zwar nicht auseinander genommen, kam aber zu keinem nennenswerten Torschuss. Bei 0:1 wurden die Seiten gewechselt. Nun Stuttgarts neuer Coach Weinzierl schlich mit weiterhin schlechter Bilanz in die Kabine.

Mit Beginn des zweiten Durchganges machte ich mir Hoffnung, Hertha werde knapp, aber auch ohne Marko Grujic gewinnen. Es bedeute doch viel, endlich mal aus der Mittelmäßigkeit herauszutreten und oben ein Wörtchen mitzureden. Wenn ich Hauptstadtclubs international und erst recht in Europa vergleiche, kommt mir in den Sinn, welche unattraktive Stadt Berlin wohl ist. Das ist zynisch gemeint. Ich liebe Berlin und halte Berlin für eine äußerst attraktive Hauptstadt. Also frage ich mich, wer mauert denn da im Volkssport Nr.1 in der Entwicklung bei den Fußballern?

Chronistenpflicht auch in einem solchen Kommentar: Mario Gomez glückte in der 64. Minute der Ausgleich und in der 76. Minute der Siegtreffer. Herthas 7. Platz und Stuttgart weiterhin abstiegsgefährdet, muss in der Rückrunde keinen Bestand haben. Hertha empfängt am Dienstag, 18.12.,  den FC Augsburg und muss am Samstag, 22.12, zum  17. Spieltag, nach Leverkusen. Bei Hertha reift vielleicht doch die Erkenntnis, was mitunter ein einziger Spieler für den Verein und für den Erfolg einer Mannschaft ausmacht.

Christian Zschiedrich

1. FC Union bleibt weiter sieglos

Nach dem Spiel skandierten die mitgereisten Nürnberger Fans Spitzenreiter, Spitzenreiter. Für den Freitagabend stimmte es, nicht ganz 24 Stunden später zogen die Düsseldorfer nach einem 3:1 Auswärtssieg in Kaiserslautern wieder an den Nürnbergern vorbei. Im Lager der Eisernen war betretenes Schweigen. Erneut setzte es eine Heimniederlage. 90 Minuten arbeiteten sich die Eisernen ab. Gab es in der 1. Halbzeit durchaus einige Chancen, den frühen Führungstreffer durch Ewerton zu egalisieren, so wurde es in der 2. Halbzeit immer trostloser. Gegen die gut gestaffelten Gäste war kein Durchkommen. Es blieb bei der 0:1 Niederlage. Kurzfristig war Steven Skrzybski ausgefallen. Über das A-Wort braucht jetzt nicht weiter geredet zu werden. Das nächste Etappenziel kann nur lauten, endlich mal wieder einen Sieg zu holen.

Toni Leistner (gelb-rote Karte) und Philipp Hosiner (rote Karte) stehen Andre Hofschneider für das nächste Spiel nicht zur Verfügung. Ob die Sperre von Toni Leistner die Verpflichtung eines weiteren Innenverteidigers beschleunigt hat ? Jedenfalls melden die Eisernen einen Tag nach der Niederlage die Verpflichtung des 22jährigen Innenverteidigers Marvin Friedrich. Er stand zuletzt beim FC Augsburg unter Vertrag. „Mit Marvin Friedrich haben wir einen jungen Innenverteidiger für uns gewinnen können, der bereits viele Erfahrungen auf hochklassigem Niveau gesammelt hat. Aufgrund seiner inzwischen auskurierten Verletzung hat er zuletzt in der Regionalliga gespielt, kommt aber aus dem vollen Mannschaftstraining des FC Augsburg. Wenn es ihm gelingt, sein Potenzial auszuschöpfen, wird er unsere Mannschaft verstärken“, äußerte sich Helmut Schulte, Leiter der Lizenzspielerabteilung des 1. FC Union Berlin, zu der Verpflichtung.

Der 1,90 Meter große Innenverteidiger schaffte bei Schalke 04 den Sprung zu den Profis und feierte in der Rückrunde 2014/15 sein Debüt in der Bundesliga unter Trainer Jens Keller. Im Sommer 2014 hatte Friedrich mit der U19-Nationalmannschaft zuvor den Europameistertitel in Ungarn gewonnen. Beim 1. FC Union erhält er einen Vertrag bis zum 30.06.2021, gültig für die 2. Bundesliga und die Bundesliga. Er spielt mit der Rückennummer 5.

Das nächste Spiel ist die Auswärtspartie am 5. Februar bei der Arminia in Bielfeld. Etwas mehr Zeit, um den Neustart vorzubereiten.

Pal Dardai: „Die Spielkultur war nicht in Ordnung“

Christian Zschiedrich kommentiert. Foto: Sportick

Hertha BSC kommt in Augsburg in der Nachspielzeit zu einem überaus glücklichen und schmeichelhaften 1:1. Der Punkt allerdings ist ja so wichtig. Mit nur 17 Punkte wären die Berliner bereits in der Hinrunde gewaltig in Bedrängnis gekommen. Inzwischen hängen die Trauben in Augsburg hoch. Cajuby trifft (74.) – nach Eckball von Max – wuchtig unter die Querlatte zum 1:0. Augsburg ist, nach anfänglichen Saison-Startschwierigkeiten, gefestigt, lässt aber zu viele Großchancen liegen. So etwas rächt sich oft im Fußball. Die Spielweise seines Hertha-Teams behagt dem Trainer Pal Dardai überhaupt nicht. Es finden zu wenig Aktionen nach vorn statt. Hertha reagiert nur. Die Offensivarbeit wirkt harmlos. Das bemängelte der Coach unmittelbar nach Spielschluss. Der Doppelwechsel – Dardai früh (58.) Esswein für Lecki und Lazaro für Ibisevic – bleibt ohne sichtbare Verbesserung. Der Standard bei 90 + 1 lässt Hertha jubeln. Eine Ecke für Hertha, der Torwart Jarstein ist mit vorne. Einen zunächst abgewehrten zweiten Ball bringt Esswein zurück in den Strafraum, Stark legt per Kopf ab, Kalou, eingewechselt in der 79. Minute für Mittelstädt, trifft von drei Augsburgern umgeben, aus kürzester Distanz zum 1:1. Soviel Dusel hat man nicht immer. Mal schau’ n, was das Gekicke gegen Hannover (13.12.) und in Leipzig (17.12.) im alten Jahr noch  bringt.

Christian Zschiedrich

Hertha kann doch noch gewinnen

Grafik: Sportick

Allerdings stellte sich der FC Augsburg wie ein Absteiger Nr.1 mutlos und harmlos vor. Die Gäste waren wirklich in allen Belangen das schwächste Bundesliga-Team – aktuell Schießbude genannt – was in dieser Saison in Berlin aufgetreten ist. Nach 33 Minuten tauchten sie das erste Mal im gegnerischen Strafraum auf. Bei herrlichstem Fußballwetter kamen am Sonntag-Nachmittag – es geht ja schließlich um Europa – 43.451 Zuschauer. Die Befürchtungen, dass Hertha nach drei Niederlagen in Folge, wie in der letzten Saison, in der Rückrunde absackt, bestätigte sich also nicht. Dennoch Herthas Aufbauspiel war mir zu lahm und bedächtig. Ich war drauf und dran zu schreiben, warum schießt ihr so wenig aus der zweiten Reihe. Ihr beraubt euch sogenannter zweiter Bälle, wenn der Torwart einen Schuss nicht festhalten kann oder vom Gegner abgefälscht wird. Es lief gerade Minute 12, ein nicht weit genug abgewehrter Ball kam genau auf Stocker, der fackelte nicht lange, zog mittig außerhalb des Strafraums ab, John Brooks hielt die Glatze hin. Natürlich wollte Stocker direkt aufs Tor ballern. Was soll’s, es stand 1:0. Das 2:0 durch Stocker, war nach guter Vorarbeit einfacher zu erzielen. Ibisevic setzte sich in imponierender Manier gegen zwei Augsburger durch, legte den Ball auf Kalou in die Gasse, dessen flache Eingabe brauchte Stocker nur noch einzuschieben. Ein herauskombiniertes Tor mit viel Übersicht. Was zu loben ist, muss auch gelobt werden. Was danach kam, riss kaum einen im weiten Rund vom Hocker. Was nicht heißt, dass Augsburg nun alles auf eine Karte setzte. Rune Jarstein bekam so gut wie Nichts zu halten; er hätte auch in seinem Heimatland Urlaub machen können. Zehn Schüsse aufs Augsburger Tor ist mir gegen die Schießbude der Liga einfach zu wenig. Ende gut alles gut. Köln hat – aus Berliner Sicht zum Glück – 2:3 gegen Gladbach verloren. Hertha jetzt auf Tabellenplatz 5 hat 43 Punkte bei 6 ausstehenden Spielen. Mainz (A), Wolfsburg (H), Bremen (A), RB Leipzig (H), Darmstadt (A) und das letzte Spiel der Saison am 20.Mai Leverkusen (H). Darida ist wegen der 5.Gelben Karte gesperrt

Christian Zschiedrich