Die Fußball-Woche hat neue Eigentümer

So sah es aus, das letzte Titelblatt. Die beliebte Fachzeitung Fußball-Woche („FuWo“) stellte am 13. Oktober 2025 das Erscheinen ein. Besonders viele ältere Leser atmeten tief durch, denn das Ende kam plötzlich. Die Mehrheit der Mitarbeiter war ebenfalls zuvor nicht informiert worden. Der Berliner Amateurfußball hatte sein Sprachrohr über Nacht verloren. Es sah lange nicht nach einer Idee zu einer Neuauflage aus. Print? Ist das überhaupt noch zeitgemäß? So fragten sich manche, die selbst auch schon länger keine Ausgabe mehr kauften. Das wäre aber unbedingt nötig gewesen, um ein interessantes E-Paper und eine moderne Webseite zu finanzieren. Noch günstiger (3,50 Euro) konnte bei wenig Printwerbung das Blatt nicht erstellt werden. Bekannt wurde nach der Einstellung leider, dass die „Paywall“, also die Bezahlschranke, in der Online-Präsenz inhaltlich leicht umgangen werden konnte. So etwas hätte nicht passieren dürfen. Es war dabei nur ein weiteres Steinchen im Mosaik mit dem Titel „Unzeitgemäße Form der Berichterstattung“.

Nun wurde bekannt, dass am Montag der Woche zu einem Treffen in den alten Redaktionsräumen gebeten wurde. Gastgeber waren nach der Abwicklung des Insolvenzverfahrens zwei mutige Kaufleute. Vater und Sohn aus der Familie Loest, die sonst vor allem als (Vorstands-) Mitglieder beim Oberligisten Eintracht Mahlsdorf bekannt sind. Sie sind die neuen Eigentümer des Traditionsblattes. Etwa zwanzig Teilnehmer berieten und tauschten sich dort zu einem Neustart aus. Die Loests sind dazu bereit. Ein Teilnehmer formulierte es so: „Sie brennen. Wenn jemand eine Neuauflage möglich macht, dann sie.“

Der Titel, das Archiv und die Redaktionsräume am alten Standort in der Tiergartener Lützowstraße sind gesichert. Die neuen Eigentümer haben vor, im April eine Art Crowdfunding zu starten. Die Fußball-Verbände aus Berlin (BFV) und vom Nachbarn, dem NOFV, sollen erneut um Unterstützung gebeten werden. Gleiches gilt für den Landessportbund, der bis zur Abwicklung eine Seite mit eigenen Berichten in der FuWo platzierte. Es sollen eine App und neue Webseite in Bearbeitung sein. In den Druck gehen soll mindestens ein Sonderheft, die traditionelle Einstimmung zum Saisonstart mit Fotos und Kadern der Klubs. Zum Beginn der Spielzeit 2026/27 möchte man dann auch wieder ein modernisiertes Blatt am Montagmorgen in den Verkaufsregalen sehen. Zunächst aber spricht man von Arbeitsgruppen, die noch einzelne Stufen in der Vorbereitung abgleichen sollen.

Was mit der aufwändigeren Erstellung (Print und Online) und der weiteren Redaktionsarbeit der vorherigen Mitarbeiter geplant ist, scheint bisher noch im Ungewissen zu liegen. Wie stets, wird es wohl auch um Bezahlung und überhaupt Kosten gehen – und um Sicherheit eines Arbeitsplatzes. Im Moment soll nach Aussage eines weiteren Teilnehmers deshalb die Suche nach redaktioneller Leitung des Projekts noch in vollem Gange zu sein. Viele der bisherigen freien Mitarbeiter würden sicher in ähnlicher Form wie bis zum 13. Oktober vergangenen Jahres wieder dazu stoßen.

Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Ein Anfang scheint gemacht. Die Möglichkeit, wieder ein Sprachrohr für den Amateurfußball Berlins zu sichern, scheint nicht völlig utopisch. Wobei: werden auf Influencer-Content geeichte jüngere Leser und Leserinnen noch mit guter Berichterstattung und klassischen Interviews – ohne vordergründige Sensationen – zum Kauf gelockt werden können? Spätestens im August dieses Jahres – wenn der Ball wieder überall rollt – wissen alle mehr. Bereits jetzt hofft auch ein ehemaliger Mitstreiter wie ich, dass es zu einem Neustart kommt.

Frank Toebs

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