D-Jugend-Champion 2025/26 des BFV heißt Frohnauer SC
Holger Kraft hat in den letzten Monaten einige Wendungen und Ungereimtheiten erleben müssen. Sieg durch Elfmeterschießen, Aberkennung am grünen Tisch, erneuter Sieg nach Einsprüchen, das war die Reihenfolge im Pokal-Halbfinale zwischen Viktoria Mitte und seiner Mannschaft vom Frohnauer SC (2:3). Bevor es am 10. Juni 2026 doch ins Endspiel gegen Hertha BSC (0:3) ging, wuchsen dem Trainer der Frohnauer U13 vorzeitig eine Menge weiterer grauer Haare. Am Ende wird nicht die Niederlage im Pokalendspiel 2025/26 für den renommierten Jugend-Trainer des FSC in Erinnerung bleiben. Krafts jahrzehntelanges Treiben und Wirken in Nordberlin ist eine Bestätigung für die nicht unbekannte Weise und die Forderung nach den besten Trainern für die Jugend. „Ich bin in einem Trainerteam seit der U6 mit diesen Jungen zusammen. Auch mein Sohn spielt in dieser Mannschaft, die nun für Furore sorgt“, sagte der Coach, der lange auch Stützpunkttrainer des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) war.

Das Finale um die D-Jugend-Meisterschaft des BFV am letzten Sonntag (05.07.2026) vor den Schulferien in Berlin dürfte so für viele (unverschuldete) Ärgernisse entschädigt haben. 3:1 hieß es nach zweimal 30 Minuten plus obligatorischer Nachspielzeit für den Tabellenführer aus der Verbandsliga Staffel 1. Für dieses Endspiel – nun beinahe auf den letzten Drücker – gegen den FC Hertha 03 (Sieger Staffel 2) im Stadion Rehberge in Mitte musste auch erst einmal der passende Termin und Ort gefunden werden. Das ursprünglich am 28. Juni 2026 terminierte Finale auf dem Gelände der Fortuna Biesdorf war bekanntlich der Hitzewelle zum Opfer gefallen. Dementsprechend waren Aufbau und Organisation auf diesem Platz in den Weddinger Rehbergen nicht optimal. Bei freiem Eintritt verfolgten etwa 250 Besucher das Finale. Unter denen wunderten sich einige über die verspätete Durchsage der Mannschaftsaufstellungen. Bevor die Liste abgearbeitet war, stand es bereits 1:0 für Frohnau. Die nicht gekreideten Außenlinien und der Strafraum (bei einem Berliner Meisterschafts-Finale!) waren ein weiteres Ärgernis. Nur Hütchen standen zur Markierung bereit; auch für die Unparteiischen nicht unbedingt ideal. Nach der Partie wurde bekannt, dass der gesamte Platzaufbau von den Mannschaften erledigt werden musste.
Der spätere Sieger der Partie konnte seinen ersten Treffer bereits in Minute eins bejubeln. Kurz und bündig hatte Trainersohn Kraft zur Führung abgezogen. Der war nur einer der Aktivposten in einer Acht, in der bei zahlreichen Wechseln keiner besonders überragend spielend musste, um erfolgreich zu sein. Ein derartig ausgeglichenes Team machte es den körperlich unterlegenen Zehlendorfern nicht leicht, selbst ins Spiel zu finden. Doch zunächst konnte die Mannschaft von Trainer Christian „Kiki“ Broßmann bereits nach drei Minuten ausgleichen. Die erneute Führung der Nordberliner kurz darauf durch Damian Bade – der einzige in der offiziellen Aufstellung genannte Spieler – war aufgrund der Wucht im Spiel gegen die „kleine“ Hertha folgerichtig. Fast schon vorentscheidend schien der nächste Treffer zum 3:1. „Unser Mittel sollte nicht sein, die Bälle lang nach vorn zu geben. Wir wollten bei physischer Unterlegenheit unsere kombinierende Spielweise nutzen, um zum Erfolg zu kommen. Das ist leider nicht richtig gelungen“, bemerkte H03-Trainer Broßmann nach Abpfiff. Immerhin haben seine Spieler und die der Siegermannschaft aber den Nachwuchs der Platzhirsche in Berlin in der Tabelle hinter sich gelassen. Hertha BSC wurde zwar Pokalsieger, die D-Jugend des 1. FC Union derweil nur Fünfter (weit hinter dem Frohnauer SC) in der Abrechnung.
So weit muss ein Amateurverein wie der FSC, dessen 1. Herrenmannschaft in der Berlin-Liga dem Abstieg jüngst gerade so entgehen konnte, in seiner Ausbildung der Jugend erst einmal kommen. Die „Großen“ wollen zwar in erster Linie nur ausbilden, nicht Meisterschafts- und Pokaltrophäen zwangsläufig sammeln, aber es soll niemand behaupten, dass die Spieler dort das nicht anders sehen. Selbst als Nachwuchsspieler eines Profivereins steht man nicht an jedem Saisonende in einem Finale. Holger Kraft ließ das Jubeln mit freiem Oberkörper im Kreis der Mannschaft daher nicht aus. Auch auf dem Mannschaftsfoto des Siegers zeigte er als eine Art „Aggressive Leader“ (aber von der Bank) seinen Stolz über den Gewinn der Meisterschaft. Sein Trainerteam mit Malek Abou-Daher und Maik Vandersee wird sicher ebenfalls genügend Anteil am Erfolg des Frohnauer SC haben. Wer weiß, welches Talent man in fünf bis sechs Jahren in der Männermannschaft der Frohnauer erleben wird – dann vielleicht sogar schon ein paar Klassen höher. Die Aufmerksamkeit ist den Spielern jetzt schon sicher. Einer aus der Meistermannschaft allerdings tritt zur kommenden Saison bereits für Hertha BSC in der C-Jugend an.
Frank Toebs

Foto: © Bezirksamt Reinickendorf
