Es steht zwar wieder eine Fußball-Weltmeisterschaft vor der Tür. Die kommende Saison wirft bereits ihre Schatten voraus. Das Vorbereitungsspiel der WM-Elf gegen Saudi-Arabien war gewissermaßen das Vorgeplänkel für die Auslosung der 1. Runde des DFB-Pokals. Aus Berlin waren drei Teams im Lostopf. Beginnen wir ganz oben. Der Erstbundesligist Hertha BSC hat keine weite Anreise. Es ist, wie im vergangenen Jahr, eine Mannschaft aus Liga 3, eine ganz frische. Der Überraschungsabsteiger Eintracht Braunschweig wird die Form der „Alten Dame“ testen. Es gibt angenehmere Aufgaben am Beginn der Saison. Trotzdem sollte diese Aufgabe lösbar sein.
Der 1. FC Union hat es ebenso mit einem zwei Klassen tiefer spielenden Gegner zu tun. Man könnte beim zugelosten Gegner fast an die höheren Mächte glauben, die da ihre Hand mit im Spiel hatten. Eine Frage kann jeder Fan des 1. FC Union beantworten. Was war am 9. Juni 1968 ? Da holte sich der Club aus der Wuhlheide seinen bisher einzigen Titel. Im Endspiel um den Pokal der DDR (FDGB-Pokal) wurde in Halle der FC Carl-Zeiss Jena überraschend mit 2:1 geschlagen. Die Eisernen schrieben ein Fußball-Märchen. Das Spiel sollte ursprünglich am 8. Juni stattfinden, wurde kurzfristig auf den 9. Juni verlegt. Wäre am 8. Juni gespielt worden, hätte auf den Tag genau 50 Jahre später das Los sie wieder zu Gegnern im Pokal bestimmt. Diese Geschichte hatte der DFB-Präsident Reinhard Grindel, während der Live übertragenen Auslosung nicht auf Lager. Der 1. FC Union fährt zum Regionalligisten FC Carl-Zeiss Jena. Der Unterschied zu dem Spiel vor nun etwas mehr als 50 Jahren, diesmal sind die Spieler des 1. FC Union eindeutig die Favoriten. Sollte Jena die Revanche gelingen, wäre das eine große Überraschung, die die Eisernen unbedingt vermeiden wollen.
Es hätte ja auch ein Ortsderby geben können, Hertha oder Union gegen den BFC Dynamo. Die weinroten hatten sich ja erneut qualifiziert durch den Sieg über den Berliner SC im Endspiel am Pfingstmontag. Ein attraktiver Gegner kommt trotzdem in den Jahn-Sportpark. Der 1. FC Köln hat viel Tradition und reisefreudige Fans, so dass bestimmt über 10.000 Zuschauer den Weg ins Stadion finden sollten. Vielleicht gelingt dem ambitionierten BFC Dynamo ja eine Überraschung, dafür sind Pokalspiele schließlich bekannt.
Hans-Peter Becker
