Pech und Glück im Berliner Profifußball

Am Internationalen Frauentag haben sicherlich auch die weiblichen Anhänger den Weg in die Stadien gefunden. Freuen konnten sich die Herthanerinnen, dagegen bekamen die Unionerinnen kein Geschenk von ihren Profis. Am frühen Nachmittag brachte Hertha alle drei Punkte von den abstiegsbedrohten Preußen aus Münster mit. Zwei späte Tore, jeweils in der Nachspielzeit der Halbzeiten, brachten im LVM-Preußenstadion den Sieg. Für Hertha soll es ein Spiel um die goldenen Ananas gewesen sein. Ich weiß nicht, wie es in einigen Medien zu solchen Formulierungen kommen kann. Selbst wenn dass angestrebte Saisonziel hinterm Horizont entschwunden scheint, es ist bezahlter Fußball, jeder Punkt zählt für die Geldtabelle und die Siegprämie für den Spieltagskader ein zusätzlicher Anreiz. Über die Qualität des Spiels wollen wir größtenteils schweigen. In der ersten Halbzeit war Hertha das aktivere Team, bis zur Strafraumgrenze sah alles ganz manierlich aus. Ein Foulelfmeter, verwandelt durch Kapitän Fabian Reese, sorgte für die Führung. Leider fing Reese sich anschließend die fünfte Gelbe ein und wird im folgenden Heimspiel gegen Bochum fehlen. Das war dann auch der Grund für seine Auswechselung in der 73. Minute. Da wurde bereits probiert, wie es ohne den Käpt`n gehen könnte. Für Reese kam Marten Winkler, da stand es 1:1. Hertha war noch halb in der Kabine, ein Eckball in der 46. Minute bescherte Münster den Ausgleich. Ein Kuriosum hielt das Spiel zusätzlich parat, dem Schiedsrichter Felix Bickel wurde beim Videobeweis der Stecker gezogen. Statt der Videobilder des vermeintlichen Fouls an Michael Cuisance durch Münsters Niko Koulis, (gebürtiger Berliner und ehemaliger Spieler von Hertha II) sah er nur schwarz. Nach der mündlichen Schilderung aus dem Kölner Keller entschied er auf Strafstoß. Eine krasse Fehlentscheidung war es nicht, Koulis ging sehr ungeschickt hin, zuvor war Cuisance auch auf den Ball getreten und so aus dem Tritt gekommen.

Das Hertha-Glück perfekt machte der eingewechselt Marten Winkler. Münster drückte auf den Siegtreffer Hertha konterte und schlug in der Nachspielzeit zu. Ein blinder Elfer und ein Konter brachten den Sieg warum nicht. Es sind noch 27 Punkte zu vergeben und 8 Punkte Rückstand auf die begehrten Plätze. Die Sonne bleibt sichtbar.

Hoffentlich dämmert sie nicht weiter bei den Eisernen. Sie erlebten ein Fiasko im Heimspiel gegen Werder Bremen. Sie gingen zwar durch einen verwandelten Strafstoß durch den Ex-Bremer Derrick Köhn mit 1:0 in Führung. Nur eine Minute später nahm das Unheil seinen Lauf. Andras Schäfer flog mit glatt Rot vom Platz, eine wohl zu harte Entscheidung, erst am Trikot gezerrt und dann dem Dänen Jens Stage auf den Fuß gestiegen. Da es keine deutliche Fehlentscheidung war, griff der Videoschiedsrichter nicht ein. Die Statik des Spiels veränderte sich umgehend. Warum eigentlich, einen Plan B für diesen Fall hatten sie offenbar nicht. Fortan dominierte Werder und drehte das Spiel bis zur Halbzeitpause. Hätte Steffen Baumgart spätestens mit Beginn der 2. Halbzeit reagieren müssen. Es ging nichts, Bremen baute den Vorsprung in der 66. Minute weiter aus und führte mit 3:1. In der Nachspielzeit erhöhte Patrice Covic (ausgebildet bei Hertha BSC) auf 4:1. Auf der Tribüne jubelte der stolze Vater Ante Covic (aktuell Trainer von Herthas U 19) mit.

Union muss jetzt höllisch aufpassen, nicht weiter in einen Abstiegsstrudel zu geraten. Es sind nur vier Punkte Abstand zum Relegationsplatz. Der kommende Gegner SC Freiburg auswärts, hat nichts zu verschenken. Nach Freiburg ist vor dem FC Bayern, mehr muss man dazu nicht sagen.

Hans-Peter Becker

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