Hertha BSC mit erstaunlichem Saisonstart

Zum Auftakt hieß es auswärts in Bochum zu bestehen. Und der VfL hatte sich unter Uwe Rösler gut auf den Beginn der Spiele in der Zweiten Liga vorbereitet. Hertha dagegen prophezeiten, aufgrund der namhaften Abgänge, Anhänger und Experten den Kampf im unteren Tabellenteil mit der Gefahr der Tendenz des Abstiegs in Liga Drei. Bochum hatte in der vergangenen Saison 29 Punkte im heimischen Stadion geholt, keine schlechte Bilanz.

Hertha ging aufmerksam und schonungslos in Zweikämpfen zu Werke. Ich staunte über die Körpersprache. Das Team zeigte sich, vergleichsweise zur Vorsaison, kämpferischer und mannschaftlich geschlossener. Fast alle Spieler waren die erforderliche Sekunde früher als die Platzherren in den Duellen am Ball. Erstaunlich bei Eckbällen, da kamen die körperlich größeren Abwehrspieler mit nach vorn. In den Standards zeigte sich Hertha verbessert. Mitunter brannte es lichterloh bei den hohen Flanken im dicht besiedelten Strafraum, sogar im 5-m-Raum. Doch auch in der Luft gewann Hertha viele Kopfballduelle. Torwart Gersbeck bot obendrein eine fehlerfreie, konzentrierte Partie. Er hielt seinen Kasten sauber.

Christian Zschiedrich
Chefredakteur

In dieser kaum erwarteten Art und Weise belohnte sich Hertha in der 39. Minute mit dem 1:0 durch Sebastian Grönning. Ohne Gegentreffer ging es in die Halbzeitpause. Mir war klar, dass sich Bochum keineswegs geschlagen geben wird, sondern alles in die Werkschale werfen und versuchen wird, das Spiel zu drehen. Demzufolge wechselte Uwe Rösler dreimal bei den Offensivkräften. Doch der Spielstand konnte auch mit verstärkten Angriffsbemühungen nicht geändert werden.

Als nur noch 10 Minuten zu spielen waren, erinnerte ich mich an Herthas Gangart gegen Spielende. In der letzten Saison ließen sich die Herthaner öfter abschießen, mitunter kassierten sie in der Verlängerung noch Gegentore. Sie scheinen daraus gelernt zu haben, schmissen sich in jedem Zweikampf Ball und Mann entgegen. Hielten nicht nur den in der ersten Halbzeit den gelobten Stil, sage und schreibe bis zur 90. Minute, ungewohnt sogar noch in der Nachspielzeit. Hertha entführte aus Bochum drei Punkte. Wer hätte das den Berlinern zugetraut? Man erinnerte sich an goldenen Zeiten eines gelobten Hauptstadtclubs.

Folgt nun nach einem guten ersten Spiel bei der Heimschwäche aus der vergangenen Saison im zweiten Match eine schwache Leistung? Das Treffen mit Heidenheim zur Heimpremiere überraschte alle. Heidenheim, der BL-Absteiger, war für sein Aufbäumen am Ende in der 1. Liga über alle Maßen für die Aufholjagd gelobt worden. Mit der Erfahrung und den Ambitionen, trotz der Veränderungen im Kader, sollten Hertha in die Schranken weisen können. Falsch gedacht, zur Halbzeit führte Hertha bei tropischen Temperaturen mit 3:0. Sicherlich spielte es der Mannschaft in die Karten, dass das 1:0 durch Sebastian Grönning bereits nach 91 Sekunden fiel. Marten Winkler und Deyovaisio Zeefuik legten nach.

Heidenheims Trainer war stinksauer und wechselte bereits zur Pause vier Spieler aus. Mehr Kritik an der gezeigten Leistung seiner Mannschaft ging wohl nicht. Nach dem Spiel äußerte er: „Ich hätte noch viel mehr auswechseln müssen, das geht aber nicht.“

Was ist denn auf einmal mit Hertha los? Sie präsentieren sich ja ganz anders. Noch können wir zwar nicht schreiben „bei Hertha ist jetzt alles ganz anders“, die sportliche Leistung erfreut den Anhang. Heidenheim kam zwar noch zum Anschlusstreffer, in der 49. Minute durch Jan Schöppner. Leider holte sich Zeefuik Tätlichkeit mit dem Ellenbogen, kurz vor dem Spielende eine Rote Karte ab. Für zwei Spiele muss er jetzt aussetzen. Für das Pokalspiel in Saarbrücken ist er nicht gesperrt.

Das 4:1 in Unterzahl durch Neuzugang Oluwaseun Adewumi machte den Deckel drauf. Ja, neuerdings schießt Hertha gegen Ende des Spiels das Tor und das in Unterzahl.

Am Samstag, 22. August 2026 geht’s in der 1. Hauptrunde im DFB-Pokal-Hauptrunde. Gegner ist der 1. FC Saarbrücken, 2023 hatten sie überraschend den FC Bayern aus dem Wettbewerb gekegelt.

In der 2. Bundesliga wird wieder am Freitag, dem 28.8.2026 gespielt und die 3. Paarung heißt Eintracht Braunschweig – Hertha BSC. Bedauerlicherweise ohne Marten Winkler. Unverständlich aber wohl nötig, Hertha braucht das Geld und Winkler wäre nur im Falle eines Aufstiegs zu halten gewesen. Sein Vertrag lief nur bis 2027, nach der Saison hätte er ablösefrei wechseln können. Als Ersatz ist ein weiterer Leihspieler im Gespräch. Farid Alfa-Ruprecht von Bayer 04 Leverkusen soll kommen, so laut Bildzeitung. Er war in der vergangenen Saison an den VfL Bochum ausgeliehen und konnte dort überzeugen, absolvierte 26 Spiele.

Der Weggang von Winkler tut weh, die Fehler der Vergangenheit wirken nach. Zu gern hätte ich meinen Bericht geschlossen „bei Hertha ist jetzt alles anders“ Leider nicht so ganz. Immer wieder die leidigen Finanzen. Sind denn die kolportierten 4 Millionen an Fredi Bobic bereits beglichen?

Christian Zschiedrich

Foto: © Hans-Peter Becker

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