Aufarbeitung der Vergangenheit – Berliner Fußballverband stellt sich weiter seiner Verantwortung

Die beiden Herausgeber Daniel Küchenmeister (links) und Dr. Thomas Schneider (rechts), BFV Präsident Bernd Schultz (Mitte) nach der Buchpräsentation.

Rechtzeitig zum Verbandstag am 22. November 2025 stellten Daniel Küchenmeister und Thomas Schneider im Haus des Fußballs eine weitere Publikation zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des deutschen Fußballs vor. In Berlin hatte bereits 2007 Hertha BSC den Historiker Daniel Koerfer mit einer entsprechenden Studie beauftragt. Mit der Eröffnung der Fußball-Route Berlin im Jahre 2015 zog der BFV nach, speziell die Route 3 führt an Orte mit den Schwerpunkten Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus.

Das aktuell vorgestellte Buch mit dem Titel „Eine Stütze des Systems? – Der Berliner Fußball im Nationalsozialismus“ beschäftigt sich in acht Einzelbeiträgen mit der Verdrängung der jüdischen Vereine und Sportler aus dem Fußball in der damaligen Zeit. Dabei geht es nicht allein um die akribische Rekonstruktion der historischen Vorgänge, darüber hinaus sollen Orientierungen für heutige Zeit abgeleitet werden. „…das Agieren des Einzelnen als auch von Gruppen in einem sich stets verändernden Kontext, insbesondere in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und Krisen zu erklären.“ Leider häufen sich wieder antisemitische Vorfälle auch bei Sportwettkämpfen. Aktuell sind die Ursachen andere, als zuzeiten der Weimarer Republik und der NS-Zeit. Ein Rückblick kann trotzdem hilfreich sein.

Der Berliner Fußballverband setzt mit dieser Neuerscheinung die bewährte Zusammenarbeit den Herausgebern und Autoren Daniel Küchenmeister und Thomas Schneider fort. Erinnert sei an die Publikationen „125 Jahre Berliner Fußball“ und „Fußball-Einheit in Berlin“. Während der Buchvorstellung wurde angedeutet, dass es eine Fortsetzung geben könnte. Ein Aspekt konnte in dem vorliegenden Buch nicht berücksichtigt werden. Welche Unterschiede hat es bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, speziell im Fußball, nach 1945 in Ost und West gegeben? Gab es Kontinuitäten bei den Funktionären (beispielsweise Carl Koppehel) auch im Osten? Der Fußball hat nach Walter Jens auch immer eine politische Geschichte, die Texte liefern dazu einen wichtigen Beitrag. Dem sorgfältig editierten Buch fehlt nur ein Personenverzeichnis.

Das Buch, über 300 Seiten stark, enthält zusätzlich zahlreiche Fotos, Tabellen sowie umfangreiches Kartenmaterial zu Orten des einstigen Sports der jüdischen Sportvereine in Berlin. Das Buch ist erschienen im Arete-Verlag und kostet 28 EUR.

Hans-Peter Becker

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Pressefoto: Berliner Fußballverband

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