Die Vogelgrippe breitet sich in Deutschland immer weiter aus – doch ein großer Schwarm verspäteter Zugvögel ließ sich davon am Pokalwochenende in Berlin nicht stoppen. Am Samstagnachmittag (15.11.2025), zur zweiten Halbzeit des Berliner Landespokal-Achtelfinales zwischen dem FC Internationale und dem Berliner AK (BAK), flogen sie über die Sportanlage am Tempelhofer Weg in Schöneberg. Vielleicht hätten manche Auguren diesen Überflug als Vorzeichen gedeutet – wer weiß? Sicher ist nur: Der Tabellenführer der Landesliga überraschte nicht nur mit einer unerwartet starken Leistung, sondern auch mit einem unaufhaltsamen Siegeszug bei hoher Geschwindigkeit.

Die Begegnung gegen den Oberligisten BAK war für Inter bereits die dritte Runde des Berliner Landespokals, und die Schöneberger hatten im Vorfeld der Partie schon für eine Überraschung gesorgt. In der Runde zuvor besiegten sie den Berlin-Ligisten Frohnauer SC mit 3:2. Nun also wartete ein schwerer Brocken aus der Oberliga, ein Klub mit ruhmreicher Regionalliga-Vergangenheit und einem Kader, der auch ohne Profis noch immer entlohnt wird. Im Gegensatz dazu: Bei Inter spielt jeder aus Leidenschaft. Für Geld tut es keiner – der Verein ist bekannt für seine verschlossenen Kassen und seine große Herzblut-Kultur.

Und so überraschte die erste Hälfte: Schon früh zeigte Santiago Henrich Paya, warum er nicht nur gegen Frohnau, sondern auch gegen den BAK ein Schlüsselspieler war. Der flinke Stürmer stibitzte dem völlig überraschten BAK-Keeper Mirjajol Azimov den Ball und vollendete zur Führung – ein Tor, das bei den meisten der etwa 250 Zuschauer Begeisterung auslöste. Die Gäste aus Moabit setzten vereinzelt Akzente, vor allem mit gefährlichen Eckstößen. Doch der größte Aufreger in der ersten Hälfte war eine strittige Szene im Strafraum, als Inter-Innenverteidiger Antonio Boeddinghaus bei einem Zweikampf mit dem BAK-Stürmer nur minimal zuvorkam und damit einen Elfmeter gerade so verhinderte. Der BAK konnte sich in den ersten 45 Minuten kaum durchsetzen – das Tempo, der Spielaufbau und der Wille blieben unter den Erwartungen an einen Oberligisten.
Nach der Pause kam etwas mehr Schwung in das Spiel der Gäste, aber auch Inter hatte weiterhin seine Chancen. Zweimal war es Torwart Del Fierro, der den Sieg seiner Mannschaft sicherte, als er in höchster Not rettete. Doch dann, der große Moment: Paya, der immer wieder für Gefahr sorgte, wurde im Strafraum des BAK von Azimov nur noch durch ein Foul gestoppt. Azimov sah Gelb und musste sich einem Elfmeter stellen – Gaston Nieto verwandelte souverän zum 2:0.

Der Sack war schließlich endgültig zu, als Moreno Schneider einen Heber zum 3:0 anbrachte, und Inter ließ nicht locker. Den Schlusspunkt setzte erneut Paya, der mit einem kraftvollen Schuss zum 4:0 traf, seinem zweiten Treffer. Die Latte und der Torwart verhinderten eine noch höhere Niederlage für den BAK.
Für die Schöneberger war es ein Fest des Amateurfußballs – für den BAK eine herbe Enttäuschung. Kein Wille, keine Haltung, um dem unterklassigen Gegner Paroli zu bieten. Der Favorit enttäuschte auf ganzer Linie. Für Inter-Vorsitzenden Gerd Thomas ist der Pokaltraum damit aber noch lange nicht vorbei. „Vom Double träume ich nicht“, sagt er, „aber ich hoffe, dass wir nächstes Mal nicht gegen den BFC Dynamo spielen (deren Partie war am Samstag noch nicht gespielt, d. Red.). Wenn wir ein Heimspiel bekommen, könnte das hier an der Ella-Barowsky-Straße organisatorisch schwierig werden.“
Die Vogelgrippe mag noch nicht besiegt sein, aber für die Schöneberger steht fest: 2026 wird ein spannendes Jahr – sowohl im Landespokal als auch in der Meisterschaft.
Text und Foto: Frank Toebs

