NOFV-Oberliga-Duell wird erst nach Abpfiff hitzig
Kellerduell in der Oberliga auf Kunstrasen. Ein Sechs-Punkte-Spiel zwischen den Gästen vom Aufsteiger SD Croatia und dem FC Viktoria 89 fand mit 0:8 (0:3) einen denkwürdigen Ausgang. Nicht ganz zweistellig, doch ein Kantersieg, der die Hausherren ins Land der Tränen stürzen dürfte auf alle Fälle. Dabei war nach dem Heimsieg vor einer Woche gegen Hansa Rostock II (4:2) die Hoffnung auf einen weiteren Dreier bei den Himmelblauen sicher groß.

Ein Elfmeter (19.) brachte für den SD die Sache ins Rollen. Mittelfeld-Allrounder Bene Brecht verwandelte sicher. Weil es sich so gut anfühlte, legte er in Hälfte eins noch zweimal nach. Ein echter Hattrick, des früheren Kapitäns bei Berlin-Ligist Berliner SC. Chancenlos waren die Gastgeber im ersten Abschnitt aber keineswegs. Es fehlte bei einigen Gelegenheiten nur an Präzision und energischem Nachsetzen. Croatia-Torwart Pascal Kühn ließ derweil in keiner Phase Unsicherheit erkennen. Sein Gegenüber Laurenz Pohlmann hatte an allen acht Gegentreffern keinen Anteil. Bereits in den ersten 45 Minuten spielte der Tabellenvorletzte im Verlauf deutlich überlegen. Der Stand bei den herausgeholten Eckstößen war hier zusätzlich offensichtlich. Statt ballsicher und ohne Schnickschnack im zweiten Abschnitt noch eine Chance zu suchen, verzettelten sich die Viktoria-Spieler in Einzelaktionen. Weder Trainer Haydar Hinisli noch Kapitän Enes Küc auf dem Spielfeld gelang es, die richtigen Worte und Einstellung zur Stabilisierung zu finden. Letztlich wäre ein zweistelliger Sieg für den Tabellennachbarn Croatia durchaus möglich gewesen.
Ein deprimierender Schlagabtausch, der die ohnehin schon geringe Zuschauerzahl beim einstigen Drittligisten in den nächsten Partien kaum in die Höhe treiben wird. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird sich der FC Viktoria 89 – mit einer weiterhin großartigen Jugendabteilung – im nächsten Jahr in der Berlin-Liga wiederfinden. Zum Trost ist die Mannschaft der Frauen, mit ihrer ausgegliederten Gesellschaft (nach eigener Formulierung GAME CHANGER CLUB), am Sonntag im Auswärtsspiel der 2. Bundesliga erfolgreicher gewesen. 3:2 war der Endstand beim VfR Warbeyen.)

Nach dem Abpfiff entfernten sich einige Spieler und Zuschauer abseits des Spielfeldes sehr weit vom sportlichen Ideal. Von einer verbalen Auseinandersetzung ausgehend, bildeten sich plötzlich schlagkräftige Gruppen mit Akteuren und Anhängern beider Klubs. Ein Viktoria-Ordner versuchte noch den Tumult zu schlichten, bekam dabei aber selbst einen Schlag ab. Von wem, muss sich erst klären. Das unrühmliche Ende des Advents-Nachmittags war die Ankunft von sechs Polizeifahrzeugen mit Blaulicht und Sirene.


Das Durcheinander wird einerseits noch eine Meldung des Schiedsrichter-Gespannes an den Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) nach sich ziehen. Auf der anderen Seite kann eine Aufklärung wohl eher im Sinne einer Strafverfolgung der Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung und Beleidigungen erfolgen. Da wir der Meinung sind, dass die Initiative zum Konflikt von Viktorias Kapitän und Ex-Drittliga-Spieler Enes Küc ausging, sieht es nach dieser deftigen Niederlage des Tabellenletzten in mancherlei Hinsicht nicht gut aus für den noch vor kurzem ambitionierten Traditionsverein. Die Weisheit der alten Fußballkenner „ehrlich ringen, bescheiden siegen, lächelnd verlieren“ – auch wenn’s beinahe zweistellig ist – bleibt ein Ideal, das so manche Mannschaft noch in der Praxis bestätigen muss. Zu befürchten ist: eine Menge Akteure werden sie lebenslang nicht erfassen.
Text und Fotos: Frank Toebs

