Königsklassen-Entscheidung am Bodensee – Auf der Zielgeraden der Saison

Foto: Eckhard Herfet

Für die BR Volleys haben die wichtigsten Wochen dieser Spielzeit begonnen. Nicht nur, dass die Hauptstädter am Donnerstag (22. März um 20.00 Uhr) zum entscheidenden Rückspiel im Playoff-12 der Champions League beim VfB Friedrichshafen antreten, lediglich zwei Tage später folgt das letzte Hauptrundenspiel gegen die Volleyball Bisons Bühl. In diesem Match möchten die Männer von Stelian Moculescu sich für den Playoff-Auftakt 2018 „warmschmettern“, der am 28. März um 19.30 Uhr in der Max-Schmeling-Halle erfolgt. Welche Mannschaft vertritt Deutschland im elitären Kreis der besten sechs Teams Europas? Diese Frage wird am Donnerstagabend (22. März um 20.00 Uhr) in der ZF-Arena am Bodensee endgültig geklärt. Im Rückspiel des Playoff-12 der CEV Champions League benötigen die Berlin Recycling Volleys den ersten Sieg dieser Saison gegen den VfB Friedrichshafen, um eine Runde weiterzukommen. Mit einem Erfolg  könnten die Hauptstädter eine bisher gegensätzlich verlaufende Saison auf den Kopf stellen.

Zwei Spiele, zwei Niederlagen. So ernüchternd liest sich die Bilanz der BR Volleys nach zwei von drei Duellen mit dem VfB Friedrichshafen binnen neun Tagen. Doch der Schein trügt – zumindest ein wenig. Schon im Champions-League-Hinspiel (2:3) am vergangenen Mittwoch war der Deutsche Meister gegen den Pokalsieger statistisch das bessere Team, scheiterte jedoch im Tiebreak an den eigenen Nerven. Beim tabellarisch irrelevanten Bundesligamatch (1:3) vier Tage später diktierten die Berliner sogar fast zwei Sätze lang das Geschehen gegen die ungeschlagenen Häfler, bevor man den zweiten Durchgang und danach das Spiel aus der Hand gab.

Die Mannschaft von Vital Heynen bewies aber auch einmal mehr, mit welch stoischer Gelassenheit sie Rückstände wegsteckt. Die Stärken und Schwächen beider Teams haben sich offenbart, weshalb Stelian Moculescu nun tief in die Volleyball-Materie einsteigt: „Die zwei bisherigen Spiele haben gezeigt, dass Friedrichshafen in Abwehr und Wiederaufbau nach Verteidigung einen Tick stabiler ist als wir. Da hinken wir noch hinterher. In allen anderen Bereichen ist das Niveau pari. Sehr zufrieden bin ich mit unserer Aufschlag-Leistung. Die war schon in Berlin gut und in Friedrichshafen vielleicht sogar ein bisschen besser. Wir benötigen einfach noch mehr Geduld und Präzision nach guten Abwehraktionen, um sie zu schlagen.“

Während in der Partie am Sonntag beide Trainer viel ausprobierten, werden am Donnerstag garantiert die besten Formationen auf dem Court stehen, die der deutsche Herrenvolleyball zu bieten hat, eines königlichen „Duell der Giganten“ würdig eben. Der im CL-Hinspiel bärenstarke Simon Tischer ist genauso wie seine quirligen Außenangreifer David Sossenheimer und Athanasios Protopsaltis wieder in der Startformation zu erwarten. Aufseiten der BR Volleys stand zuletzt hinter der Personalie Paul Carroll, der am Wochenende aufgrund von Knieproblemen geschont wurde, ein Fragezeichen. Moculescu beruhigt die Gemüter der Fans: „Paul ist auf einem guten Weg, am Donnerstag spielen zu können“, und fügt direkt an: „Aber Kyle hat seine Sache am Sonntag sehr ordentlich gemacht, deshalb mache ich mir da keine Sorgen. Auch Egor hat seine Einsatzzeit genutzt. Beide haben mich überzeugt. Ich sage mal: Sie sind einen Schritt dichter an der Spielwiese.“

Fakt ist, die BR Volleys müssen die Siegesserie der Häfler durchbrechen, soll es noch mit dem Einzug ins Playoff-6 klappen. Bei einem klaren Auswärtssieg (3:0, 3:1) sind die Moculescu-Schützlinge direkt eine Runde weiter. Gewinnen die Hauptstädter – wie der VfB in Berlin – mit 3:2, spitzt sich das königliche „Duell der Giganten“ auf einen „Golden Set“ bis 15 Punkte direkt im Anschluss zu. Triumphiert Friedrichshafen, ganz gleich mit welchem Ergebnis, halten sie die deutsche Fahne in der Champions League weiter hoch.

Moculescu, der bei seiner ersten Rückkehr an den Bodensee zwar mit vereinzelten Pfiffen von den Zuschauerrängen empfangen wurde, hofft auf eine ähnliche Atmosphäre wie am Sonntag: „Die Halle war voll, die Stimmung klasse und auch das Spiel gut. Das Gleiche wünsche ich mir für Donnerstag.“ Wenn der 67-Jährige dann ein erstes Mal als Gästetrainer in der ZF-Arena jubeln dürfte, wäre es für ihn ein runder Ausflug an die alte Wirkungsstätte.

Schon seit mehreren Wochen ist sicher, dass die Berlin Recycling Volleys als Zweitplatzierter in die diesjährigen VBL-Playoffs starten. Damit hat der Deutsche Meister den Heimvorteil sowohl im Viertel- als auch in einem möglichen Halbfinale inne. Beide Runden werden im Modus „best-of-three“ gespielt. Es geht also vom ersten Match an um alles und Ausrutscher sind verboten.

Ihren Playoff-Auftakt bestreiten Robert Kromm & Co schon in neun Tagen. Der Kreis der möglichen Gegner hat sich an diesem Wochenende weiter eingegrenzt. Die Berliner treffen auf den Siebtplatzierten der Hauptrunde, der definitiv ein unangenehmer Kontrahent sein wird. Erst am Samstag, nach Beendigung aller Parallelbegegnungen des letzten Spieltags, besteht jedoch absolute Gewissheit. Heißeste Kandidaten sind aktuell die SVG Lüneburg (mit 30 Punkten Siebter) und der TSV Herrsching (mit 31 Punkten Sechster). Lüneburg spielt noch daheim gegen Friedrichshafen, Herrsching empfängt die Dürener Powervolleys.

Gegen beide Teams mussten die BR Volleys in dieser Saison in Meisterschaft und DVV-Pokal bereits empfindliche Niederlagen einstecken. Es gilt also, sowohl für die Mannschaft als auch die Fans sich nun von Beginn an in Bestform zu präsentieren, betont Kapitän Kromm: „Es sind die Matches, auf die man die gesamte Saison über hinarbeitet. Jetzt wollen wir gemeinsam einhundert Prozent geben und die Saison im Idealfall mit einem Titel beenden.“

Den ersten Schritt dazu möchte Berlins Volleyballteam Nr. 1 eben zum Start der Playoffs am 28. März gehen. Dieser wird nicht nur sportlich spannend, sondern auch von einer weiteren großen Aktion von ZEICHEN SETZEN für den Nachwuchs! begleitet, auf die sich alle Besucher im Volleyballtempel freuen dürfen.

BR Volleys haben Chance vertan

Am Sonntagnachmittag haben die Berlin Recycling Volleys eine große Gelegenheit verpasst, die Siegesserie des VfB Friedrichshafen zu beenden. Zwischen den zwei Champions-League-Spielen verloren die Hauptstädter bei den Häflern die Bundesligapartie mit 1:3 (25:22, 25:27, 23:25, 22:25). Topscorer der Begegnung vor über 3.000 Zuschauern in der ZF-Arena waren Aleksandar Okolic und Kyle Russel (jeweils 12 Punkte) sowie Thilo Späth-Westerholt (15) aufseiten der Häfler.  Beide Trainer rotierten zwischen den königlichen Duellen in der CEV Champions League kräftig. Die gastgebenden Häfler mussten weiter auf den verletzten Philipp Collin verzichten. Dazu schonte Vital Heynen unter anderem Simon Tischer und Athanasios Protopsaltis. Bei den BR Volleys reiste Paul Carroll mit Knieproblemen erst gar nicht mit an den Bodensee und so begannen Robert Kromm, Adam White, Pierre Pujol , Kyle Russell, Aleksandar Okolic, Georg Klein und Libero Luke Perry.

Die Berliner starteten sehr fokussiert und konnten sich nach einer ausgeglichenen Anfangsphase (8:7) deutlich absetzen. Das lag zum einen einmal mehr an Adam Whites starkem Service, aber auch an klasse Abwehraktionen, in deren Anschluss Pujol seine Männer gekonnt aus dem Hinterfeld in Szene setzte (15:9). Heimtrainer Vital Heynen war sowohl mit der Leistung seiner Männer, als auch mit der des Schiedsrichters nicht zufrieden und sah Gelb (17:10). Den darauffolgenden Aufschwung des Pokalsiegers stoppte Kromm mit einem Ass und nachdem die Berliner drei Gelegenheiten zum Gewinn des Auftaktsatzes ausließen, knallte der Kapitän den Ball auf den dritten Meter (25:22).

Auch im zweiten Satz schwoll Vital Heynen der Kamm zunächst nicht ab, nachdem Russell die erste Aufschlagserie hinlegte (5:2). Pujol hatte sichtlich Spaß an diesem Spiel. Legte mal den zweiten Ball gekonnt ins Häfler Feld oder glänzte mit einhändigem Zuspiel auf Russell (10:8). Der Amerikaner punktete in dieser Phase verlässlich und hielt die Gastgeber auf Abstand (17:12). Nach einem Ass von Daniel Malescha (20:17) kippte das Momentum zugunsten der Friedrichshafener, aber wiederum Whites Aufschläge stellten den alten Vorsprung wieder her (22:17). Obwohl es Pujol mit der Spielfreude etwas übertrieb und für ihn dann Sebastian Kühner auf den Court kam, hatten die Hauptstädter nach zwei starken Russell-Aufschlägen zwei Satzbälle (24:22). Die große Chance zur 2:0-Satzführung gab der Deutsche Meister aber leichtfertig her. Erst unterlief Kühner ein Regelverstoß, dann wurde er geblockt und abschließend blieb Russell an Thilo Späth-Westerholt hängen (25:27).

Jetzt wechselte auch Moculescu kräftig durch. Kühner blieb drauf, dazu kamen Steven Marshall, Egor Bogachev und auch Nachwuchsakteur Linus Weber zum Einsatz. Das Match war auch in dieser Besetzung eines auf Augenhöhe. Glanzpunkte setzte auf Berliner Seite Marshall mit einem Ass (10:8) sowie einem Block (15:13). Die BR Volleys mussten aber, anders als noch im Champions-League-Spiel vor vier Tagen, wesentlich mehr direkte Blockpunkte (insgesamt 17) der Häfler schlucken (21:21). Als beim Angriff von Bogachev die Blocksicherung fehlte, ging auch der dritte Durchgang an den VfB (23:25).

Der vierte Satz war einer für die Zuschauer. Beide Teams riskierten viel in Aufschlag und Angriff – so zu sehen bei Assen von Okolic oder Weber (4:2) und schönen Punkten von Bogachev. Oftmals fehlte bei den Hauptstädtern jedoch die Feinabstimmung, weshalb der VfB nun dominanter war (11:14). Die BR Volleys kamen zwar noch einmal bis auf einen Punkt heran (18:19), aber als Bogachevs Pipe im Friedrichshafener Block landete, hatte der VfB drei Matchbälle (21:24) und Sossenheimer nutzte den zweiten (22:25).

Der MVP des Spiels, Thilo Späth-Westerholt, den Vital Heynen aus Außenangreifer aufbot, resümierte: „Wir haben den Start verschlafen, später umgestellt und ab dann ein gutes Spiel gemacht. Unser zweiter Anzug kann auch Volleyball spielen. Berlin war im Aufschlag unfassbar gut, damit wollen sie uns sicher auch am Donnerstag schlagen.“ Stelian Moculescu zeigte trotz der Niederlage sich bei seiner Rückkehr an den Bodensee gelassen: „Es war ein Spiel ohne Druck. Wir haben viel probiert und werden sehen, was davon für den Donnerstag zählt. Es hat Spaß gemacht und ich habe es geschafft, dass die Halle hier mal wieder voll ist. Das ist doch eine schöne Sache.“ Ein Lob gab es für die deutschen Youngsters: „Die Jungen brauchen ihre Zeit, aber sie haben ihre Sache heute gut gemacht. Es ist schön zu sehen, dass das ein oder andere deutsche Talent nachkommt und auf diesem Niveau mithalten kann.“ Dennoch wird das besagte Niveau am Donnerstag (22. März um 20.00 Uhr) sicher wieder steigen, wenn es im Playoff-12 der Königsklasse um das Weiterkommen im deutsch-deutschen Duell geht.

Christof Bernier

Veröffentlicht von

Christian Zschiedrich

Er kann von sich mit Fug und Recht behaupten, immer ein Leben für und durch den Sport geführt zu haben. Er spielte Fußball, nicht mal untalentiert, brachte es dabei zu einigen Ehren, studierte Sport in Leipzig, arbeitete als Sportlehrer und trainierte Fußballmannschaften. Zwischendurch erwarb er beim DFB seine Trainerlizenz. Nach und nach entdeckte er dabei sein Herz für den Sportjournalismus, schrieb Artikel für verschiedene Zeitungen und hob in Berlin eine eigene Sportsendung im Lokal-TV aus der Taufe. Über 2.000 Sendungen wurden unter seiner Leitung produziert. An`s Aufhören verschwendet er keinen Gedanken, schließlich bietet das Internet viele neue Möglichkeiten.

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