BR Volleys – Grankin übernimmt das Kapitänsamt

Sergey Grankin hat im internationalen Volleyball alles gesehen und nahezu jedes große Finale gespielt. Diese geballte Erfahrung soll der Russe bei den BR Volleys zukünftig noch stärker einbringen und so wird er die Berliner in der Saison 2020/21 als Kapitän auf das Spielfeld führen, erstmals am Sonntag (11. Okt) beim Supercup in Frankfurt und dann sechs Tage später (17. Okt) im Volleyballtempel zum Heimauftakt gegen die SWD powervolleys Düren.

Auf dem Court ist Sergey Grankin der Mann für die besonderen Momente. Seitdem der 35-Jährige im Januar 2019 nach Berlin kam, gibt er den Takt im Spiel des zehnmaligen Deutschen Meisters vor. Zu Beginn abseits des Parketts noch zurückhaltend ist der Russe inzwischen längst aufgetaut, hat sein Englisch verbessert und zählt zu den Wortführern der Mannschaft. Aus diesen Gründen hat Trainer Cedric Enard ihn nun als Kapitän auserkoren. Der 259-fache russische Nationalspieler übernimmt das Amt von Moritz Reichert, mit dem er im Februar auf dem Siegerpodest in der Mannheimer SAP Arena noch gemeinsam die DVV-Pokaltrophäe in die Höhe streckte.

„Sergey ist mit seiner Erfahrung und seiner Vita prädestiniert für diese wichtige Aufgabe. Er genießt in der Mannschaft, aber auch bei den Gegnern große Anerkennung“, begründet Enard seine Wahl. Die Berliner Nummer Sechs reiht sich damit in die Liste bekannter Spielerpersönlichkeiten ein, welche die Berlin Recycling Volleys in den vergangenen Jahren anführten. Vor Reichert waren dies Sebastian Kühner (2018/2019), Robert Kromm (2015-2018) und Scott Touzinsky (2012-2015). Der Amtsnachfolger kennt das Anforderungsprofil für einen Mannschaftskapitän bestens: „Ich weiß, was von mir in dieser wichtigen Position erwartet wird. Bei Dynamo Moskau war ich viele Jahre der Spielführer. Zuallererst möchte ich aber weiterhin sportlich überzeugen.“

Auch für Geschäftsführer Kaweh Niroomand ist Grankin die logische und richtige Wahl: „Sergey ist hier bei uns in Berlin angekommen und fühlt sich wohl. Mit Leistung ging er von Anfang an voran. Jetzt ist es für ihn an der Zeit, noch mehr Verantwortung zu tragen.“ Mit dem obligatorischen Strich unter der Trikotnummer besitzt der Zuspieler nun auch die Legitimation, während des Matches verstärkt Kontakt zum Schiedsrichter aufzunehmen. In der jüngeren Vergangenheit handelte sich der Russe im Eifer des Gefechts dafür schon die eine oder andere gelbe Karte ein.

Unterstützt wird Grankin in dieser neuen Funktion von seinem Zuspielkollegen Pierre Pujol. Der 36-jährige Franzose übernimmt das Amt des Vize-Kapitäns. Coach Enard erklärt diese Entscheidung wie folgt: „Pierre ist nicht minder qualifiziert und auf diese Weise steht immer eine Führungsfigur auf dem Spielfeld.“ Grankin freut sich, dass er von seinem Freund Pujol begleitet wird: „Ich verstehe mich ganz wunderbar mit Pierre. Gemeinsam werden wir das gut managen.“

Seinen ersten offiziellen Auftritt in neuer Rolle hat Grankin schon vor dem Pflichtspielauftakt am Sonntag in der Frankfurter Fraport Arena, wo der erste Titel der Saison vergeben wird.

Quelle: BR Volleys/Christoph Bernier

BR Volleys – Beginn der Kür

Nachdem der VfB Friedrichshafen am Wochenende das Verfolgerduell gegen die Hypo Tirol AlpenVolleys Haching mit 3:1 für sich entschied, haben die BR Volleys Gewissheit: Der DVV-Pokalsieger geht schon vor dem Match bei den SWD powervolleys Düren (25. Feb um 18.30 Uhr) als Tabellenerster in die Playoffs 2020. Damit werden die verbleibenden vier Spiele in der Normalrunde zur Kür, was dem Siegeswillen der Berliner allerdings keinen Abbruch tut.

Die spielfreien BR Volleys – das Match gegen Düren wurde aufgrund der SPORT1 Free-TV-Übertragung auf Dienstag verlegt – konnten am Samstagabend von der Couch aus beobachten, wie die AlpenVolleys als bis dahin ärgste Verfolger das Topspiel des 18. Spieltags am Bodensee verloren. Damit sind die Berliner nun nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Zwar könnten die drei punktgleichen Teams aus Frankfurt, Haching und Friedrichshafen (alle 38 Zähler) noch mit dem Hauptstadtclub (50) gleichziehen, doch dann wird als nächstes Kriterium die Anzahl der Siege gewertet und hierbei liegen die ungeschlagenen Spitzenreiter mit 18 Erfolgen uneinholbar vorn.

Damit verfügen die BR Volleys jetzt garantiert über ein hohes Gut, welches ihnen in den letzten drei Jahren verwehrt blieb: Den Heimvorteil in den Playoffs. Zuletzt hatte nach der Hauptrunde dreimal in Folge der VfB unter Trainer Vital Heynen die Nase vorn. „In dieser Saison haben wir uns diese Ausgangsposition mit unseren Leistungen redlich verdient. Dass uns das schon jetzt keiner mehr nehmen kann, fühlt sich gut an. Wir können ohne Druck spielen, wollen aber unsere Siegesserie weiter aufrechterhalten“, sagt Mittelblocker Jeffrey Jendryk und lässt vor dem schnellen Wiedersehen mit Düren kein Gefühl von Spannungsabfall aufkommen.

Der 24-jährige US-Amerikaner weiß, dass die Powervolleys in ihrer Arena nach dem deutlichen Ergebnis im Pokalfinale ein anderes Gesicht zeigen wollen: „Düren wird darauf brennen, sich zu revanchieren, aber wir werden diese Challenge annehmen. Auswärts wird es sicher schwieriger, doch in unserem Spiel passt aktuell vieles und das wollen wir bestätigen.“ So war es auch im Endspiel von Mannheim, als man zwei Sätze eindrucksvoll aufspielte und die Rheinländer auch in Durchgang drei noch abschütteln konnte (25:12, 25:18, 25:22). Die Gastgeber werden im Rennen um die Playoff-Plätze nun vor ihrem Publikum garantiert um jeden Ball kämpfen, denn nach dem Sieg der Netzhoppers gegen Lüneburg am Wochenende ist Düren nur noch Achter und benötigt dringend Punkte, um die Playoff-Runde zur erreichen.

Cheftrainer Cedric Enard weiß das und macht für das Match klare Vorgaben: „Ich möchte von meiner Mannschaft wieder mehr taktische Disziplin sehen, so wie wir es im Pokalfinale umgesetzt haben. Das hat mir zuletzt gegen Kemerovo gefehlt. Wir haben nun nicht mehr diesen engen Spielrhythmus, also wird es in den kommenden Begegnungen die größte Herausforderung, die Spannung bis zum Playoff-Start hochzuhalten.“ Erschwerend kommt hinzu, dass die Berliner in der Arena Kreis Düren auf zwei Spieler verzichten müssen. Pierre Pujol fällt mit einem Knochenmarködem im linken Sprunggelenk voraussichtlich für zwei Wochen aus und Kyle Ensing konnte aus dringenden privaten Gründen nicht mit der Mannschaft ins Rheinland reisen. Doch auch der Gegenseite geht es nicht besser. Coach Stefan Falter fehlen mit Blair Bann, Lukas Maase und Niklas Seppänen wichtige Akteure. Dennoch dürfen sich die SPORT1-Zuschauer auf ein attraktives Spiel vor schöner Kulisse freuen, denn die Gastgeber werden ihre Arena mit einer besonderen Charity-T-Shirt-Aktion in ihre Vereinsfarben hüllen.

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

BR Volleys – Saisonstart in der „Brandenburghölle“

„Wenn wir zum Auftakt schon kein Heimspiel haben können, so ist es wenigstens das schönste Auswärtsspiel der Saison!“ Bei Georg Klein und den BR Volleys ist die Vorfreude auf die am Samstag beginnende Spielzeit 2019/20 spürbar. Auf den Tag genau fünf Monate nach dem Gewinn der zehnten Deutschen Meisterschaft stehen die Hauptstädter endlich wieder in der Volleyball Bundesliga am Netz.  Zum Saisonstart gibt es das 29. Berlin-Brandenburg-Derby gegen die Netzhoppers KW-Bestensee in der Landkost-Arena (12. Okt | 18.00 Uhr |

Das Lokalduell zwischen den Berlinern und den Brandenburgern ist die erste von insgesamt 132 Partien der Bundesliga-Hauptrunde und gibt somit den Startschuss für die neue VBL-Saison. Auch wenn das BR Volleys Team beim Anpfiff von Schiedsrichter Tobias Markfeld nicht so richtig weiß, was es von sich selbst erwarten kann, ist zumindest der Gegner ein guter Bekannter. „Wir haben in der Vorbereitung mehrfach miteinander trainiert und gegeneinander getestet. Der Kern der Mannschaft ist zusammengeblieben, die Startformation gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Insgesamt präsentierten sich die Netzhoppers schon ziemlich gut eingespielt“, weiß Georg Klein, der als einer der wenigen Akteure die gesamte Vorbereitungsphase beim Titelverteidiger absolviert hat, über den ersten Kontrahenten. Das bedeutet, der Berliner Block muss erneut insbesondere auf Netzhoppers-Topscorer Casey Schouten ein Auge haben. Stolze 389 Punkte erspielte der Kanadier in der letzten Hauptrunde und ist neben Routinier Dirk Westphal die Konstante beim letztjährigen Tabellenneunten, der in seine zwölfte Erstligasaison geht.

„Ein wenig Bauchkribbeln ist immer dabei“, gibt Klein vor dem Auftaktmatch in der „Brandenburghölle“ zu. Dies hat zum einen mit der stimmungsvollen Kulisse zu tun, zum anderen mit der Ungewissheit, in welcher Form sein Team vor hoffentlich vielen Auswärtsfans aufschlagen wird. Die Saisonvorbereitung der BR Volleys kann man nämlich getrost als zäh bezeichnen, wie der 28-Jährige verdeutlicht: „Erst war die Trainingsgruppe lange Zeit klein, dann war Pierre bei den letzten Testspielen gesundheitlich angeschlagen und nun hatte Kyle Knieprobleme. Außerdem kann Cedric nicht bei uns sein. Alles in allem sicher nicht optimal. Jetzt freuen wir uns dennoch, dass es endlich wieder losgeht und ernst wird.“

An der Seitenlinie wird in der Landkost-Arena voraussichtlich Assistenztrainer Lucio Oro stehen, der seinen Headcoach Cedric Enard (aus dringenden privaten Gründen nach Frankreich abgereist) vertritt. „Lucio hat die Mannschaft über weite Strecken der Vorbereitung geführt und das sehr gut gemacht. Wir kennen also die Situation und ich bin überzeugt, Lucio ist der Aufgabe gewachsen“, spricht Klein seinem Interimstrainer im Namen der Mannschaft das Vertrauen aus. Viel taktischer Spielraum bleibt dem Brasilianer bei seinem Zehn-Mann-Kader zum Auftakt nicht. Im Zuspiel (Pierre Pujol), Diagonalangriff (Kyle Ensing) und Mittelblock (Nicolas Le Goff und Klein) stellt sich das Team quasi von allein auf. Trotz dieser komplizierten Vorzeichen ist für Klein klar: „Wir wollen in Bestensee drei Punkte zum Start einfahren. Ich bin sicher, viele Fans werden uns dabei unterstützen und wollen uns in den neuen, schicken schwarzen Trikots siegen sehen!“

Quelle: BR Volleys/ Christof Bernier

Der kleine Magier kehrt zurück

Das Beste kommt oftmals zum Schluss und so ist es in den Augen vieler Fans wahrscheinlich die Nachricht des Transfersommers: Auch zur Saison 2019/2020 findet ein ehemaliger BR Volleys Spieler den Weg zurück an die Spree und will den Hauptstädtern helfen, ihre ehrgeizigen Ziele zu verfolgen. Der Deutsche Meister von 2018, Pierre Pujol, verteilt nach einer Spielzeit in Frankreich bei GFC Ajaccio wieder in Berlin die Bälle.

Führungsqualitäten sind im Volleyball wohl auf kaum einer Position mehr gefragt als im Zuspiel. Mit Sergey Grankin verfügen die BR Volleys bereits über einen Dirigenten allererster Güteklasse, jetzt kommt mit dem 35-jährigen Pierre Pujol ein weiterer hinzu. Geschäftsführer Kaweh Niroomand sieht die Mannschaft damit in der Schaltzentrale hervorragend aufgestellt: „Wir haben den Markt lange sondiert und danach geschaut, wer hinter Sergey unserem Team weiterhilft. Am Montag fiel dann die endgültige Entscheidung. Durch das Karriereende von Kapitän Sebastian Kühner brach uns viel Erfahrung weg, mit Pierre fangen wir diese auf. Sergey ist die eindeutige Nummer eins, aber beide Zuspieler werden unsere ansonsten junge Mannschaft anführen können. Über die Qualitäten von Pierre brauchen wir nicht reden. Die hat in der Saison 2017/2018 hoffentlich jeder gesehen.“

Denn schon bei seinem ersten Engagement für die BR Volleys konnte Pujol überzeugen. Im November 2017 nachverpflichtet verzückte der 1.85-Meter-Mann die Berliner Fans und führte die Mannschaft als eine der prägenden Figuren zum damals neunten Titelgewinn. Ob mit seinem feinen Händchen, listigen Aufschlägen oder wieselflinken Abwehraktionen – der Franzose war eine echte Verstärkung.

Entsprechend glücklich ist auch Coach Cedric Enard über die Verpflichtung seines Landsmannes: „Ich kenne Pierre lange und gut. Er bringt einfach alles mit, ist ehrgeizig, erfahren und ein wirklicher Teamplayer. Seine Rolle hier ist ihm bewusst und in den Gesprächen zeigte er sich hochmotiviert. Pierre bildet eine erstklassige Alternative zu Sergey, die uns bei den großen Herausforderungen in drei Wettbewerben helfen wird.“

Zuletzt war Pujol in Ajaccio auf Korsika aktiv und spielte sich mit seinem Verein bis in das Playoff-Halbfinale. Enard weiß: „Er hat dort eine richtig gute Saison gespielt und nachdem er damals hier in Berlin von unserem Teamarzt behandelt wurde, gab es zwei Jahre lang auch keine Probleme mehr mit seinem Rücken.“ Der fröhliche Franzose selbst fiebert seiner Rückkehr entgegen: „Ich freue mich unheimlich, wieder zurück nach Berlin und in die Max-Schmeling-Halle zu kommen. Die Fans hier waren fantastisch. Ich bin gespannt darauf, mit Cedric zusammenzuarbeiten, und denke, dass mit unserem Team einiges möglich ist. Wir müssen nur hart dafür arbeiten“, blickt Pujol optimistisch auf die anstehende Spielzeit.

Pujol bestritt bisher über 220 Länderspiele, wurde 2015 Europameister und war 2016 Olympia-Teilnehmer mit der französischen Nationalmannschaft. Aktuell zählt er nicht zum Aufgebot der Auswahl, sodass er noch in dieser Woche in der Hauptstadt erwartet wird und die bisher kleine BR Volleys Trainingsgruppe verstärkt.

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

Fünf Leistungsträger und der Trainer sind weg

Nach dem Titelgewinn in Friedrichshafen wurde in Berlin ausgiebig weiter gefeiert. Tags darauf landeten die BR Volleys wieder in Berlin, ab 19.00 Uhr wurde in der Max-Schmeling-Halle mit den Anhängern die Deutsche Meisterschaft gefeiert. Die BR Volleys bedanken sich bei allen Partnern, Helfern, Freunden und Mitarbeitern für ein unvergessliches Meisterjahr! Fünfmal wurde gegen Rekordmeister Friedrichshafen in dieser Saison verloren. Das entscheidende Duell gewannen die Berliner. Es ist, so wurde immer wieder betont, das Werk von Trainer Stelian Moculescu, der mit Friedrichshafen 13 Mal Deutscher Meister wurde. Im Februar wurde er als „Feuerwehrmann“ aus dem Ruhestand von Kaweh Niroomand an die Spree geholt – eine Meistertat. Galten sie doch „Erzfeinde“. Moculescu verstand es in 3 Monaten aus dem „Trümmerhaufen“ wieder eine Mannschaft zu machen. Vor über 400 Gästen im VIP-Bereich des Volleyballtempels ging es sehr emotional zu. Im Rückblick auf die Saison wurden Höhen und Tiefen vor Augen geführt. Durch die Meisterfeier führte der Manager Kaweh Niroomand selbst.

Die BR Volleys hatten den sechsten Titel innerhalb von sieben Jahren geholt. Natürlich stand die Frage mit im Raum, wie geht’s weiter? Wer geht, wer kommt, wer bleibt?

So viel war zu erfahren: Trainer Stelian Moculescu setzt seinen unterbrochen Ruhestand fort. Ob es das endgültige Karriereende sein wird, sei dahingestellt. Seine Familie wohnt in Friedrichshafen. Moculescu hat in den drei Monaten, „Berlin richtig lieb gewonnen“. Seinen Abschied bedauerten an diesem Abend unüberhörbar die anwesenden über 400 Fans. Weiter emotional wurde es bei der Verabschiedung einiger namhaften Spieler, die das Gesicht der BR Volleys geprägt haben. Viel Applaus bekamen Triple-Hattrick Kapitän Robert Kromm (Karriereende) und Paul Carroll (Wechsel nach Russland). Paul Carroll (34) sammelte sogar einen Titel mehr (sechs Meistertitel, sowie einen Pokal- und Europacup-Sieg) als sein langjähriger Weggefährte Robert Kromm. Der Erfolgsgarant war beim Abschied nach sieben Jahren sichtlich gerührt.

Ebenso schmerzlich, dass  die „back-to-back“ Champions Graham Vigrass und Luke Perry die Berliner verlassen und leider auch der „französischen Magier“ Pierre Pujol. Mit Stolz verkündete Manager Niroomand, dass der ehemalige SCC Junior Sebastian Kühner ein weiteres Jahr für den Hauptstadtclub die Bälle zuspielt. Mit Adam White, Kyle Russell, Steven Marshall, Aleksandar Okolic, Egor Bogachev und Georg Klein laufen die Gespräche für die kommende Spielzeit.Beim Deutschen Meister 2018 findet zwangsläufig ein großer Umbruch statt.

Christian Zschiedrich

 

Friedrichshafen schlägt zurück

Foto: Eckhardt Herfet

Im Finale um die Deutsche Meisterschaft mussten die Berlin Recycling Volleys das dritte Spiel an den VfB Friedrichshafen abgeben. In der ZF Arena unterlag der Titelverteidiger dem Pokalsieger mit 1:3 (23:25, 16:25, 25:22, 23:25). Damit steht es in der Playoff-Serie nun 2:1 und die Hauptstädter wollen am Sonntag (06. Mai um 15.00 Uhr) vor ihrem Publikum unbedingt den nötigen dritten Sieg einfahren. Wohlwissend, dass er jede Menge Energie von der Bank bringen kann, setzte Stelian Moculescu auf die Erfahrung von Paul Carroll, Pierre Pujol, Robert Kromm, Graham Vigrass, Adam White, Aleksandar Okolic und Libero Luke Perry. Aber die Berliner Ersatzspieler hatten zunächst erst einmal Grund, die Blockstärke ihrer Mitspieler zu feiern. Ein Dreierblock eröffnete den Reigen und als die BR Volleys bereits zum dritten Mal durch Pujol zupackten, stand es 11:9. Die Häfler kamen in diesem dritten Finale aber mit deutlich höherem Aufschlagdruck daher und belohnten sich nach gutem Service von Collin mit einem Günthör-Block (13:16). Die Hauptstädter ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und blieben stets auf Tuchfühlung (19:20). Moculescu brachte Steven Marshall für Kromm ins Spiel und der Kanadier konnte den ersten Satzball des VfB abwehren. Im Side-out ließ Malescha sich die Chance nicht nehmen und verwandelte zur Führung (23:25).

Friedrichshafen spielte weiter stark auf, während die Männer in Orange – nun wieder mit Kromm auf der Platte – den dritten Satz mit wackelnder Annahme begannen. Logische Konsequenz war das 2:7 aus Berliner Sicht. Nachdem Malescha die nächste Aufschlagserie folgen ließ und Günthör Okolic im direkten Duell den Zahn zog, kamen Kyle Russell und Georg Klein ins Spiel (5:12). Zuspieler Kocian, der den Vorzug vor Kapitän Tischer erhielt, harmonierte aber weiter prächtig mit Malescha und vor allem Protopsaltis (9:18). Auch der an diesem Abend nicht souveräne Adam White bekam von Moculescu vor der erhofften Aufholjagd noch eine Pause. Friedrichshafen gewann den zweiten Durchgang deutlich (16:25).

White, Carroll und Okolic kehrten zurück, aber die Probleme blieben: Die BR Volleys platzierten zu wenig Bälle in des Gegners Feld (4:7). Die Entschlossenheit aus den ersten zwei Siegen hatten an diesem Abend die Häfler im Gesicht, das nächste Ass von Kocian war Beleg dafür (7:12).  Aber durch gute Okolic-Aufschläge und leichte Fehler der Häfler waren die Moculescu-Schützlinge plötzlich zurück im Spiel (17:16). White schoss sich aus dem Hinterfeld warm und Vigrass setzte den wichtigen Block gegen Protopsaltis (21:17). Das Momentum kippte und nach zwei vergebenen Satzbällen war Collins Service zu lang (25:22).

Dass die Berliner jetzt im Spiel waren, belegten zwei lange Rallys, die White für seine Farben entschied (3:4). Die passende Antwort waren jedoch zwei Blockpunkte der Gastgeber gegen eben jenen White und Carroll.  Vigrass hielt die Hauptstädter mit seinem vierten Block und einem Ass im Match (11:13). Obwohl längst nicht alles gelang, kämpften die Gäste weiter um jeden Punkt. Den nächsten Rückstand (12:17) konnte White mit seinem Service noch einmal verkürzen (15:17). Nun wurde es hitzig wie selten zwischen den beiden ewigen Rivalen, gelbe Karten und ein Pfeifkonzert nach Russells Punkt waren die Folge (18:23). Vigrass Aufschläge sorgten noch einmal für Spannung und Nervenflattern beim VfB (22:23), aber Sossenheimer konnte den Sieg für die Gastgeber eintüten (23:25). Protopsaltis war mit 20 Punkten schließlich Topscrorer und MVP, Adam White (silberner MVP) und Paul Carroll verbuchten je 12 Zähler.

Diagonalangreifer Kyle Russell analysierte: „Wir legten einen Fehlstart hin und haben dann lange gebraucht, um in dieses Spiel zu finden. Als wir bei 100 Prozent angekommen waren, hat unser Druck gestimmt und wir waren dicht an einem Comeback“, und schwor sowohl Mannschaft als auch Fans sofort auf Spiel vier am Sonntag ein: „Jetzt haben wir zuhause die nächste Chance und wissen unsere Fans hinter uns. Das wird uns Kraft geben und ich bin überzeugt, wir werden dort unseren besten Volleyball spielen.“ Das Berliner Publikum im Volleyballtempel kann dazu einen gewichtigen Beitrag leisten.

Christof Bernier

Die Ruhe bewahrt und am Bodensee gewonnen

Na bitte, geht doch! Foto: Eckhardt Herfet

Die BR Volleys haben den VfB Friedrichshafen geknackt! Pünktlich zum Playoff-Finale um die Deutsche Meisterschaft schlugen die Berliner den Pokalsieger vom Bodensee in der ZF Arena mit 3:1 (22:25, 25:21, 25:22, 25:19) das erste Mal in dieser Spielzeit. Trotz zuvor fünf Saison-Niederlagen und einem Satzrückstand zeigten Kapitän Robert Kromm & Co eine formidable Auswärtsleistung, an die man nun schon am Sonntag (29. Apr um 15.00 Uhr) im heimischen Volleyballtempel anknüpfen möchte. Sowohl der VfB als auch die BR Volleys liefen in ihren erwarteten Topformationen auf. Bei den Berlinern zählten zu dieser Aleksandar Okolic, Robert Kromm, Graham Vigrass, Adam White, Paul Carroll, Pierre Pujol und Libero Luke Perry. Beide Mannschaften begannen mit hoher Intensität und ließen nahezu keinen Ball den Boden berühren. Bei den BR Volleys waren insbesondere Vigrass und Okolic mit drei direkten Blockpunkten eine unüberwindbare Mauer (8:8). Leider fand Carroll nur sehr schwer ins Match, machte seinen verpatzten Angriff aber mit einem starken Aufschlag direkt wieder gut (13:13). Die geduldige Spielweise der Häfler zahlte sich Mitte des ersten Satzes – trotz guter Annahme vom unter Dauerbeschuss stehenden White – aus (14:16). Die zwei Breakpunkte zum erneuten Ausgleich sammelte Kromm mit je einem Block und einem Ass ein (22:22). Aber Carroll konnte auch die letzten zwei Berliner Angriffe dieses Satzes nicht in Punkte verwandeln, sodass Friedrichshafen vorlegte (22:25).

Nach mäßigem Start in den Folgedurchgang reagierte Stelian Moculescu mit einer frühen Auszeit und der Einwechslung von Kyle Russell auf der Diagonalposition (2:6). Auch mit dem Amerikaner auf dem Court stimmte das Verhältnis von Aufschlagdruck zu Fehlern zunächst nicht. Dadurch verteidigten die Gastgeber ihre Führung bis zum 8:12 aus Berliner Sicht souverän. Doch dann war der BR Volleys-Block gleich dreimal innerhalb kürzester Zeit zur Stelle, wobei sich wieder Okolic hervortat (13:13). Adam White wurde zum absoluten Fixpunkt in Annahme und Angriff. Dank des Australiers drehten die Gäste den Satz nach der zweiten technischen Auszeit (18:16). Mit dem Zuspieler-Wechsel beim VfB (Kocian kam im Satzendspurt für Tischer) wendete sich das Blatt noch einmal kurzzeitig (18:19), bevor die „Blockparade“ beim Stand von 20:21 ihren Lauf nahm. Mit Okolic am Aufschlag blockte Russell sein Team fulminant zum Satzausgleich (25:21).

Die BR Volleys spielten jetzt klasse gegen die bis dato national ungeschlagenen Gastgeber, belohnten sich immer wieder für gute Abwehraktionen und waren im Block das bessere Team (10:10). Weil Russell zwei Bälle ins Aus setzte (11:13), mussten die an einem Donnerstagabend nach Friedrichshafen gereisten Fans des „7. Mann“ lange auf die nächste Wende warten (16:18). Pierre Pujol glänzte mit Hybridaufschlägen und White verwandelte die Breakchancen konsequent (22:18). Als der Australier dann die 2:1-Satzführung für seine Farben perfekt machte, dominierten die „BRV“-Rufe der Fans in Orange die ZF Arena (25:22). Letztgenannter blieb die Konstante in der Berliner Annahme und Russell lief spätestens im vierten Durchgang heiß. Erst griff er mit viel Finesse an, dann blockte er wieder, bevor Okolic es ihm gleichtat (6:2). Wie von Kapitän Kromm gefordert, waren die Berliner nun in den Köpfen des Gegners, der plötzlich leichte Fehler machte (11:6, 14:9). Ohne entscheidend zu wackeln brachten die Moculescu-Schützlinge den Auswärtssieg ins Ziel, wobei ein Ass von Kromm und ein „Leger“ von Pujol die letzten Glanzpunkte blieben (19:25).

„Das war der erste und vielleicht wichtigste Sieg. Auch wenn wir den ersten Durchgang verloren haben, haben wir die Ruhe bewahrt und nie aufgehört zu kämpfen. Wir hatten die richtige Spielanlage und eine sehr starke Blockarbeit“, zeigte sich Manager Kaweh Niroomand äußerst zufrieden und ergänzte: „Adam White war unser überragender Mann heute. Auch Pierre, Luke und Kyle haben einen klasse Job gemacht. Aber wir müssen weiter Schritt für Schritt und Satz für Satz denken. Gewinnen wir das Heimspiel am Sonntag nicht, war das heute für die Katz“, ist nicht nur Niroomand bewusst, dass in diesem Finale noch lange nichts entschieden ist. Wohlwissend, dass die bisher so dominanten Häfler jederzeit in der Lage sind zurückzuschlagen, setzt man am Sonntag voll auf den Heimvorteil in der Max-Schmeling-Halle.

Christof Bernier

BR Volleys stehen im Meisterschafts-Halbfinale

Foto: Eckhardt Herfet

Mit einem 3:0-Erfolg (25:23, 25:20, 25:22) gegen die SVG Lüneburg haben sich die Berlin Recycling Volleys am Sonntagnachmittag für das Playoff-Halbfinale qualifiziert. Vor 3.534 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle gelang ein im Endergebnis deutlicher Sieg. Wie im Vorjahr treffen die Hauptstädter nun in der Runde der letzten Vier auf die United Volleys Rhein-Main. Spiel eins der „best of three“-Serie steigt am Samstag (14. Apr. um 18.30 Uhr) im Volleyballtempel. Stelian Moculescu verzichtete nach der verdienten 1:3-Niederlage in Hamburg auf Wechselspiele und setzte auch im Volleyballtempel wieder auf die Dienste von Robert Kromm, Adam White, Aleksandar Okolic, Graham Vigrass, Paul Carroll, Pierre Pujol und Luke Perry. Die BR Volleys fanden von Beginn an den nötigen Druck im Aufschlag und konnten so immer wieder erfolgreich aus der Block-Abwehr punkten. Reihenweise schulbuchmäßige Angriffe durch Carroll, White oder Kromm waren die Folge (8:4). Mitte des ersten Durchgangs packte dann der Block, allen voran Graham Vigrass, auch mit direkten Punktgewinnen zu (12:5, 17:10). Insbesondere mit Okolic‘ Aufschlägen hatte die Lüneburger Annahme große Probleme (21:11), sodass kurze Zeit später gleich acht Satzbälle zu Buche standen. Jeder einzelne Zähler dieses Vorsprungs war auch bitter nötig, denn als Adam Kocian zum Service antrat, begann das Nervenflattern und White konnte erst die achte Gelegenheit zum Satzgewinn nutzen (25:23).

Beflügelt von ihrer Aufholjagd legten die hochmotivierten Gäste von Trainer Stefan Hübner im zweiten Satz vor, weil Kromm mehrfach in der Annahme patzte (1:4). Aber der Deutsche Meister fing sich schnell wieder. Okolic vermeintlicher Ausgleich wurde zwar zunächst von Schiedsrichter Joachim Mattner als „gehoben“ weggepfiffen (6:8), doch nach der technischen Auszeit machte es der Serbe dann eben gleich zweimal im Block besser (9:8). Anders als noch im letzten Aufeinandertreffen hatten die Moculescu-Schützlinge Ryan Sclater deutlich besser im Griff. Sein Angriff ins Aus bescherte den nächsten Breakpunkt (13:11). Nach einem Servicewinner von Kromm (15:12) schlug die Stunde von Pujol. Der kleine Franzose war ein ums andere Mal in der Abwehr zur Stelle und belohnte sich dann auch noch mit einem Block (23:18). Deutlich weniger Anläufe benötigen die Hauptstädter nun, um den nächsten Satzgewinn perfekt zu machen (25:20).

Auch wenn den Berlinern bis dato kein Annahmefehler unterlief, war genau die die Achillesferse im dritten Durchgang. Lange gaben die Lüneburger den Ton an, weil Carroll zweimal im Block hängen blieb (6:8). Erst ein krachender Block von White küsste die Gastgeber wach, die sich nach einer Aufschlagserie von Pujol zurückmeldeten (11:11). Die Niedersachsen gaben sich aber noch lange nicht geschlagen, da mussten erst weitere direkte Aufschlagpunkte von Carroll und Kromm herhalten, um ein Punktepolster zu schaffen (19:17). Nach einer letzten Moculescu-Auszeit waren es der gute Okolic sowie MVP Kromm, die den Heimsieg und Halbfinal-Einzug perfekt machten (25:22).

Der “silberne MVP“ Adam Kocian bilanzierte: „Es war in meinen Augen ein enges Spiel. Wir haben uns nach dem Sieg gut auf dieses Match vorbereitet. Wir wollten mit Herz und Leidenschaft spielen. Was uns noch zu einem Topteam fehlt, ist die Konstanz in der „Crunchtime“. Die Playoffs haben uns noch einmal Freude bereitet. Wir hätten gern in der Hauptrunde noch eine bessere Platzierung erreicht, dann wäre vielleicht noch mehr möglich gewesen. Dennoch können wir zufrieden sein.“

Anders ergeht es den BR Volleys, die natürlich in dieser Saison noch mehr erreichen wollen als den nun geschafften Halbfinaleinzug. „Wir haben das gesamte Spiel über gut aufgeschlagen und dabei wenig Fehler gemacht. Es gab dennoch viele längere Ballwechsel, wovon wir die meisten für uns entscheiden konnten. Man hat heute wiedergesehen, was der Heimvorteil für uns ausmacht. Wir werden auch am Samstag gegen Frankfurt mit unseren Fans alles geben“, schwor der Co-Kapitän Paul Carroll seine Männer und die Zuschauer bereits auf das nächste Playoff-Heimspiel gegen Frankfurt ein.

Christof Bernier

Entscheidung fällt in Berlin

Foto: BR Volleys

Am 08. April um 16.00 Uhr kämpfen die BR Volleys im dritten und entscheidenden Viertelfinalspiel in der Max-Schmeling-Halle um den Einzug in die nächste Playoff-Runde. Nach einer 1:3-Niederlage (22:25, 25:22, 25:21, 25:27) bei der SVG Lüneburg am Samstagabend müssen die Männer von Cheftrainer Stelian Moculescu nun vor heimischem Publikum die Wende schaffen. In der Hamburger CU Arena verloren die Hauptstädter gegen wie verwandelt auftretenden „LüneHünen“ absolut verdient. Unverändert gegenüber dem ersten Spiel der Viertelfinalserie starteten Adam White, Robert Kromm, Paul Carroll, Pierre Pujol, Graham Vigrass, Aleksandar Okolic und Luke Perry für die Berliner. In dieser Besetzung hatte man die „LüneHünen“ zunächst auch ähnlich gut im Griff wie im ersten Aufeinandertreffen. Nahezu jeder BR Volleys Akteur entfachte Druck im Aufschlag und auch die Blockarbeit war konzentriert. So zogen die Hauptstädter über 8:5 und 11:7 auf 17:12 davon. Dann brachte Ryan Sclater, der von Stefan Hübner dieses Mal wieder als Diagonalangreifer aufgeboten wurde, die Hausherren zurück ins Spiel (17:16). Vorerst konnten die Berliner dem nun steigenden Druck der Lüneburger vor ihrer Kulisse standhalten (21:19), doch dann blieben zweimal White und einmal Carroll im Block hängen (21:23). Zwar konnte der für einen Punkt eingewechselte Steven Marshall direkt mit einem Block antworten, dennoch ging Satz eins unnötig verloren (22:25).

Euphorisiert von diesem Resultat gaben im zweiten Durchgang die Niedersachsen zunächst den Ton an (6:4). Erst zwei Aufschlagserien von Aleksandar Okolic brachten die BR Volleys wieder in die Spur (7:7, 14:11). Dieser Vorsprung wurde trotz des ein oder anderen Annahme-Wacklers verteidigt (21:19). Plötzlich drohte dennoch das gleiche Szenario wie in Satz ein, aber ein Zuspielfehler von Nationalspieler Noah Baxpöhler sowie ein ganz entscheidender Block von Vigrass ließ die mitgereisten Fans aufatmen (23:21). Carroll gelang der Satzausgleich (25:22).

Auf Augenhöhe ging es auch im dritten Satz weiter (3:3, 9:9). Mit Georg Klein für Aleksandar Okolic wollte Moculescu seinem Team, das weiter hart für jeden Punkt arbeiten musste, neue Impulse geben. Breakpunkte blieben aber Mangelware. Erst übereinander stolpernde „LüneHünen“ ermöglichten den BR Volleys das 17:15. Doch von diesem Moment an spielte wieder nur noch das Heimteam. Eine Aufschlagserie von Adam Kocian drehte den Spielstand (17:19) und auch ein Ass von White brachte die Hauptstädter nicht mehr auf Kurs. Annahmeschwächen machten es den Gastgebern leicht erneut mit einem Satz vorzulegen (21:25).

Nun wieder mit Okolic auf der Platte starteten die Moculescu-Schützlinge gut in den vierten Durchgang (8:4), gaben diese Führung aber auch genauso fahrlässig wieder ab (11:13).  Das Spiel wog hin und her, wobei die Gastgeber dabei stets größere Energie ausstrahlten (17:15, 18:20). White Aufschlagserie wurde von Schiedsrichterin Sabine Witte gestoppt (21:21). Nach dieser zum wiederholten Mal fragwürdigen Entscheidung betete Moculescu zweimal gen Himmel, doch es sollte nichts helfen. Die BR Volleys hatten zwar den ersten Satzball (Kromm setzte den Float-Aufschlag ins Netz), doch Lüneburg war oben auf und Szeto nutzte den zweiten Matchball zum Ausgleich in dieser Viertelfinal-Serie (25:27).

Manager Kaweh Niroomand konnte der Leistung seiner Mannschaft wenig abgewinnen: „Das war von uns nicht annährend Normalform. Wenn du im ersten Satz mit vier oder fünf Punkten führst, musst du den nach Hause bringen. So haben wir Lüneburg aufgebaut und sie dann auch gut gespielt.“ Kapitän Robert Kromm richtete den Blick indes direkt nach vorn: „Lüneburg war einfach besser. Die Sätze waren knapp und sie haben sie vor ihrem Publikum eben gewonnen. Ich bin aber optimistisch, dass uns das daheim auch wieder gelingt!“ Das Entscheidungsspiel findet in neun Tagen im Berliner Volleyballtempel statt.

Königsklassen-Entscheidung am Bodensee – Auf der Zielgeraden der Saison

Foto: Eckhard Herfet

Für die BR Volleys haben die wichtigsten Wochen dieser Spielzeit begonnen. Nicht nur, dass die Hauptstädter am Donnerstag (22. März um 20.00 Uhr) zum entscheidenden Rückspiel im Playoff-12 der Champions League beim VfB Friedrichshafen antreten, lediglich zwei Tage später folgt das letzte Hauptrundenspiel gegen die Volleyball Bisons Bühl. In diesem Match möchten die Männer von Stelian Moculescu sich für den Playoff-Auftakt 2018 „warmschmettern“, der am 28. März um 19.30 Uhr in der Max-Schmeling-Halle erfolgt. Welche Mannschaft vertritt Deutschland im elitären Kreis der besten sechs Teams Europas? Diese Frage wird am Donnerstagabend (22. März um 20.00 Uhr) in der ZF-Arena am Bodensee endgültig geklärt. Im Rückspiel des Playoff-12 der CEV Champions League benötigen die Berlin Recycling Volleys den ersten Sieg dieser Saison gegen den VfB Friedrichshafen, um eine Runde weiterzukommen. Mit einem Erfolg  könnten die Hauptstädter eine bisher gegensätzlich verlaufende Saison auf den Kopf stellen.

Zwei Spiele, zwei Niederlagen. So ernüchternd liest sich die Bilanz der BR Volleys nach zwei von drei Duellen mit dem VfB Friedrichshafen binnen neun Tagen. Doch der Schein trügt – zumindest ein wenig. Schon im Champions-League-Hinspiel (2:3) am vergangenen Mittwoch war der Deutsche Meister gegen den Pokalsieger statistisch das bessere Team, scheiterte jedoch im Tiebreak an den eigenen Nerven. Beim tabellarisch irrelevanten Bundesligamatch (1:3) vier Tage später diktierten die Berliner sogar fast zwei Sätze lang das Geschehen gegen die ungeschlagenen Häfler, bevor man den zweiten Durchgang und danach das Spiel aus der Hand gab.

Die Mannschaft von Vital Heynen bewies aber auch einmal mehr, mit welch stoischer Gelassenheit sie Rückstände wegsteckt. Die Stärken und Schwächen beider Teams haben sich offenbart, weshalb Stelian Moculescu nun tief in die Volleyball-Materie einsteigt: „Die zwei bisherigen Spiele haben gezeigt, dass Friedrichshafen in Abwehr und Wiederaufbau nach Verteidigung einen Tick stabiler ist als wir. Da hinken wir noch hinterher. In allen anderen Bereichen ist das Niveau pari. Sehr zufrieden bin ich mit unserer Aufschlag-Leistung. Die war schon in Berlin gut und in Friedrichshafen vielleicht sogar ein bisschen besser. Wir benötigen einfach noch mehr Geduld und Präzision nach guten Abwehraktionen, um sie zu schlagen.“

Während in der Partie am Sonntag beide Trainer viel ausprobierten, werden am Donnerstag garantiert die besten Formationen auf dem Court stehen, die der deutsche Herrenvolleyball zu bieten hat, eines königlichen „Duell der Giganten“ würdig eben. Der im CL-Hinspiel bärenstarke Simon Tischer ist genauso wie seine quirligen Außenangreifer David Sossenheimer und Athanasios Protopsaltis wieder in der Startformation zu erwarten. Aufseiten der BR Volleys stand zuletzt hinter der Personalie Paul Carroll, der am Wochenende aufgrund von Knieproblemen geschont wurde, ein Fragezeichen. Moculescu beruhigt die Gemüter der Fans: „Paul ist auf einem guten Weg, am Donnerstag spielen zu können“, und fügt direkt an: „Aber Kyle hat seine Sache am Sonntag sehr ordentlich gemacht, deshalb mache ich mir da keine Sorgen. Auch Egor hat seine Einsatzzeit genutzt. Beide haben mich überzeugt. Ich sage mal: Sie sind einen Schritt dichter an der Spielwiese.“

Fakt ist, die BR Volleys müssen die Siegesserie der Häfler durchbrechen, soll es noch mit dem Einzug ins Playoff-6 klappen. Bei einem klaren Auswärtssieg (3:0, 3:1) sind die Moculescu-Schützlinge direkt eine Runde weiter. Gewinnen die Hauptstädter – wie der VfB in Berlin – mit 3:2, spitzt sich das königliche „Duell der Giganten“ auf einen „Golden Set“ bis 15 Punkte direkt im Anschluss zu. Triumphiert Friedrichshafen, ganz gleich mit welchem Ergebnis, halten sie die deutsche Fahne in der Champions League weiter hoch.

Moculescu, der bei seiner ersten Rückkehr an den Bodensee zwar mit vereinzelten Pfiffen von den Zuschauerrängen empfangen wurde, hofft auf eine ähnliche Atmosphäre wie am Sonntag: „Die Halle war voll, die Stimmung klasse und auch das Spiel gut. Das Gleiche wünsche ich mir für Donnerstag.“ Wenn der 67-Jährige dann ein erstes Mal als Gästetrainer in der ZF-Arena jubeln dürfte, wäre es für ihn ein runder Ausflug an die alte Wirkungsstätte.

Schon seit mehreren Wochen ist sicher, dass die Berlin Recycling Volleys als Zweitplatzierter in die diesjährigen VBL-Playoffs starten. Damit hat der Deutsche Meister den Heimvorteil sowohl im Viertel- als auch in einem möglichen Halbfinale inne. Beide Runden werden im Modus „best-of-three“ gespielt. Es geht also vom ersten Match an um alles und Ausrutscher sind verboten.

Ihren Playoff-Auftakt bestreiten Robert Kromm & Co schon in neun Tagen. Der Kreis der möglichen Gegner hat sich an diesem Wochenende weiter eingegrenzt. Die Berliner treffen auf den Siebtplatzierten der Hauptrunde, der definitiv ein unangenehmer Kontrahent sein wird. Erst am Samstag, nach Beendigung aller Parallelbegegnungen des letzten Spieltags, besteht jedoch absolute Gewissheit. Heißeste Kandidaten sind aktuell die SVG Lüneburg (mit 30 Punkten Siebter) und der TSV Herrsching (mit 31 Punkten Sechster). Lüneburg spielt noch daheim gegen Friedrichshafen, Herrsching empfängt die Dürener Powervolleys.

Gegen beide Teams mussten die BR Volleys in dieser Saison in Meisterschaft und DVV-Pokal bereits empfindliche Niederlagen einstecken. Es gilt also, sowohl für die Mannschaft als auch die Fans sich nun von Beginn an in Bestform zu präsentieren, betont Kapitän Kromm: „Es sind die Matches, auf die man die gesamte Saison über hinarbeitet. Jetzt wollen wir gemeinsam einhundert Prozent geben und die Saison im Idealfall mit einem Titel beenden.“

Den ersten Schritt dazu möchte Berlins Volleyballteam Nr. 1 eben zum Start der Playoffs am 28. März gehen. Dieser wird nicht nur sportlich spannend, sondern auch von einer weiteren großen Aktion von ZEICHEN SETZEN für den Nachwuchs! begleitet, auf die sich alle Besucher im Volleyballtempel freuen dürfen.

BR Volleys haben Chance vertan

Am Sonntagnachmittag haben die Berlin Recycling Volleys eine große Gelegenheit verpasst, die Siegesserie des VfB Friedrichshafen zu beenden. Zwischen den zwei Champions-League-Spielen verloren die Hauptstädter bei den Häflern die Bundesligapartie mit 1:3 (25:22, 25:27, 23:25, 22:25). Topscorer der Begegnung vor über 3.000 Zuschauern in der ZF-Arena waren Aleksandar Okolic und Kyle Russel (jeweils 12 Punkte) sowie Thilo Späth-Westerholt (15) aufseiten der Häfler.  Beide Trainer rotierten zwischen den königlichen Duellen in der CEV Champions League kräftig. Die gastgebenden Häfler mussten weiter auf den verletzten Philipp Collin verzichten. Dazu schonte Vital Heynen unter anderem Simon Tischer und Athanasios Protopsaltis. Bei den BR Volleys reiste Paul Carroll mit Knieproblemen erst gar nicht mit an den Bodensee und so begannen Robert Kromm, Adam White, Pierre Pujol , Kyle Russell, Aleksandar Okolic, Georg Klein und Libero Luke Perry.

Die Berliner starteten sehr fokussiert und konnten sich nach einer ausgeglichenen Anfangsphase (8:7) deutlich absetzen. Das lag zum einen einmal mehr an Adam Whites starkem Service, aber auch an klasse Abwehraktionen, in deren Anschluss Pujol seine Männer gekonnt aus dem Hinterfeld in Szene setzte (15:9). Heimtrainer Vital Heynen war sowohl mit der Leistung seiner Männer, als auch mit der des Schiedsrichters nicht zufrieden und sah Gelb (17:10). Den darauffolgenden Aufschwung des Pokalsiegers stoppte Kromm mit einem Ass und nachdem die Berliner drei Gelegenheiten zum Gewinn des Auftaktsatzes ausließen, knallte der Kapitän den Ball auf den dritten Meter (25:22).

Auch im zweiten Satz schwoll Vital Heynen der Kamm zunächst nicht ab, nachdem Russell die erste Aufschlagserie hinlegte (5:2). Pujol hatte sichtlich Spaß an diesem Spiel. Legte mal den zweiten Ball gekonnt ins Häfler Feld oder glänzte mit einhändigem Zuspiel auf Russell (10:8). Der Amerikaner punktete in dieser Phase verlässlich und hielt die Gastgeber auf Abstand (17:12). Nach einem Ass von Daniel Malescha (20:17) kippte das Momentum zugunsten der Friedrichshafener, aber wiederum Whites Aufschläge stellten den alten Vorsprung wieder her (22:17). Obwohl es Pujol mit der Spielfreude etwas übertrieb und für ihn dann Sebastian Kühner auf den Court kam, hatten die Hauptstädter nach zwei starken Russell-Aufschlägen zwei Satzbälle (24:22). Die große Chance zur 2:0-Satzführung gab der Deutsche Meister aber leichtfertig her. Erst unterlief Kühner ein Regelverstoß, dann wurde er geblockt und abschließend blieb Russell an Thilo Späth-Westerholt hängen (25:27).

Jetzt wechselte auch Moculescu kräftig durch. Kühner blieb drauf, dazu kamen Steven Marshall, Egor Bogachev und auch Nachwuchsakteur Linus Weber zum Einsatz. Das Match war auch in dieser Besetzung eines auf Augenhöhe. Glanzpunkte setzte auf Berliner Seite Marshall mit einem Ass (10:8) sowie einem Block (15:13). Die BR Volleys mussten aber, anders als noch im Champions-League-Spiel vor vier Tagen, wesentlich mehr direkte Blockpunkte (insgesamt 17) der Häfler schlucken (21:21). Als beim Angriff von Bogachev die Blocksicherung fehlte, ging auch der dritte Durchgang an den VfB (23:25).

Der vierte Satz war einer für die Zuschauer. Beide Teams riskierten viel in Aufschlag und Angriff – so zu sehen bei Assen von Okolic oder Weber (4:2) und schönen Punkten von Bogachev. Oftmals fehlte bei den Hauptstädtern jedoch die Feinabstimmung, weshalb der VfB nun dominanter war (11:14). Die BR Volleys kamen zwar noch einmal bis auf einen Punkt heran (18:19), aber als Bogachevs Pipe im Friedrichshafener Block landete, hatte der VfB drei Matchbälle (21:24) und Sossenheimer nutzte den zweiten (22:25).

Der MVP des Spiels, Thilo Späth-Westerholt, den Vital Heynen aus Außenangreifer aufbot, resümierte: „Wir haben den Start verschlafen, später umgestellt und ab dann ein gutes Spiel gemacht. Unser zweiter Anzug kann auch Volleyball spielen. Berlin war im Aufschlag unfassbar gut, damit wollen sie uns sicher auch am Donnerstag schlagen.“ Stelian Moculescu zeigte trotz der Niederlage sich bei seiner Rückkehr an den Bodensee gelassen: „Es war ein Spiel ohne Druck. Wir haben viel probiert und werden sehen, was davon für den Donnerstag zählt. Es hat Spaß gemacht und ich habe es geschafft, dass die Halle hier mal wieder voll ist. Das ist doch eine schöne Sache.“ Ein Lob gab es für die deutschen Youngsters: „Die Jungen brauchen ihre Zeit, aber sie haben ihre Sache heute gut gemacht. Es ist schön zu sehen, dass das ein oder andere deutsche Talent nachkommt und auf diesem Niveau mithalten kann.“ Dennoch wird das besagte Niveau am Donnerstag (22. März um 20.00 Uhr) sicher wieder steigen, wenn es im Playoff-12 der Königsklasse um das Weiterkommen im deutsch-deutschen Duell geht.

Christof Bernier