Zuspieler-Comeback in neuer Arena

Das „Duell der Giganten“ zwischen dem VfB Friedrichshafen und den Berlin Recycling Volleys schreibt seit Jahren die spannendsten Geschichten im deutschen Volleyball und am Samstag (21. Nov um 14.00 Uhr) kommen definitiv neue hinzu: Nicht nur, dass es im Berliner Aufgebot ein Überraschungscomeback gibt, das Match der beiden Rivalen eröffnet auch die neue Heimspielstätte der Häfler, die Zeppelin CAT Halle A1, und das live im Free-TV auf SPORT1.

Wohl dem, der solche treuen, ehemaligen Spieler hat: Keine sechs Stunden nachdem am Montag bei Sergey Grankin ein Muskelfaserriss diagnostiziert wurde, stand BR Volleys Ex-Kapitän Sebastian Kühner bereits im Horst-Korber-Sportzentrum auf dem Court. Zunächst sollte der 33-Jährige die dezimierte Trainingsgruppe nur als zweiter Zuspieler auffüllen, jetzt reist Kühner sogar als Backup für Pierre Pujol mit an den Bodensee. Also genau dorthin, wo er 2019 mit dem Gewinn seiner sechsten Deutschen Meisterschaft ein gelungenes Karriereende feierte.

An jenem 12. Mai 2019 gewannen Kühner und die Hauptstädter ihren vorerst letzten Titel in der ZF Arena, denn inzwischen ist die geschichtsträchtige Spielstätte des VfB baufällig und geschlossen. Zur Erleichterung der Friedrichshafener und der gesamten deutschen Volleyball-Gemeinde konnte aber zügig eine Alternative gefunden werden. So schließt sich am Samstag ein Kreis, wenn das ewige Duell zwischen Friedrichshafen und Berlin die neue Zeppelin CAT Halle A1, eine aufwändig umgebaute Messehalle, vor leeren Rängen live im Free-TV einweiht.

„Die Friedrichshafener konnten diese Woche zwar in der neuen Arena trainieren, aber ich glaube nicht, dass sie unter den aktuellen Voraussetzungen damit einen richtigen Heimvorteil haben“, sieht BR Volleys Trainer Cedric Enard annähend Chancengleichheit beim Premierenspiel. Viel mehr beschäftigen den Franzosen die rein sportlichen Voraussetzungen: „Der VfB hat definitiv einen wesentlich stärkeren Kader als in der letzten Spielzeit, allein in der Breite mit beispielsweise vier Mittelblockern auf Topniveau. Auch ihr Mix aus Jugend und Erfahrung stimmt. Bei dieser individuellen Qualität wird das eine richtig schwierige Aufgabe.“

Der VfB-Kader wurde im Sommer nämlich gewaltig umgekrempelt. Cheftrainer Michael Warm und der neue Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt konnten gleich mehrere international renommierte Namen an den Bodensee lotsen. Der Slowene Dejan Vinčić ist ein erfahrener Zuspieler erster Güteklasse, Nicolas Maréchal lief schon für zahlreiche europäische Topvereine auf und wurde mit Frankreich im Jahr 2015 Europameister, der Kubaner David Fiel nahm mit Belchatow beispielweise an der FIVB Klub-Weltmeisterschaft teil. Dazu ist die Kombination im Diagonalangriff mit Linus Weber und dem umgeschulten Lukas Maase (zuvor in Düren als Mittelblocker) höchstinteressant. Zuletzt konnten sogar noch unverhoffte Nachverpflichtungen getätigt werden. Nationalspieler Marcus Böhme hielt sich beim VfB zunächst nur fit, jetzt steht er im Aufgebot und erhält regelmäßig seine Einsätze. Mit dem US-Amerikaner Avery Aylsworth ergab sich vor zehn Tagen noch die Vertragsunterzeichnung eines zweiten Liberos. 14 Spieler zählt Warms Team somit und alle sind für den Bundesliga-Klassiker am Wochenende einsatzfähig.

Obwohl beide Mannschaften einen Monat nach Saisonstart gewiss noch nicht zu ihrer Bestform gefunden haben, ist – wie immer bei diesem Match – ein Volleyball-Leckerbissen zu erwarten. Sebastian Kühner, der sich seit seinem Karriereende unter anderem mit Tennis fit hält, hat in dieser Woche eine intakte BR Volleys Mannschaft vorgefunden und sieht die Hauptstädter für den Schlagabtausch gewappnet: „Die Atmosphäre im Team ist gut und das Potenzial ohnehin riesig. Es ist noch immer früh in der Saison und ohne die letzten Automatismen vieles von der Tagesform abhängig.“

Ob Kühner zum Einsatz kommt oder nicht, für Trainer Enard ist das Interimsengagement seines ehemaligen Spielführers vor allem auf emotionaler Ebene wertvoll: „Basti gibt dem Team dank seiner Art direkt positive Energie. Für einen Block oder ein Ass ist er sowieso immer gut. Das hat er nicht verlernt.“ In Abwesenheit von Grankin wird, wie schon beim 3:0-Erfolg gegen Giesen, Pierre Pujol die BR Volleys als Kapitän auf den Court führen und das mit voller Überzeugung: „Ich brenne für diese Matches gegen Friedrichshafen. Jeder weiß um diese besondere Rivalität. Ich brauche zwar keine Extra-Motivation, aber klar würde ich gern auch gegen meinen guten Freund Nicolas Marechal gewinnen.“

Eine positive Neuigkeit gab es vor der Abreise noch aus dem BR Volleys Lazarett: Robin Baghdady fährt mit dem BR Volleys Team nach Friedrichshafen und freut sich unweit seiner Heimat, der Deutsch-Schweizer ist auf der anderen Seite des Bodensees in Münsterlingen geboren, nach fünfwöchiger Verletzungspause auf seine Rückkehr.

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Der kleine Magier kehrt zurück

Das Beste kommt oftmals zum Schluss und so ist es in den Augen vieler Fans wahrscheinlich die Nachricht des Transfersommers: Auch zur Saison 2019/2020 findet ein ehemaliger BR Volleys Spieler den Weg zurück an die Spree und will den Hauptstädtern helfen, ihre ehrgeizigen Ziele zu verfolgen. Der Deutsche Meister von 2018, Pierre Pujol, verteilt nach einer Spielzeit in Frankreich bei GFC Ajaccio wieder in Berlin die Bälle.

Führungsqualitäten sind im Volleyball wohl auf kaum einer Position mehr gefragt als im Zuspiel. Mit Sergey Grankin verfügen die BR Volleys bereits über einen Dirigenten allererster Güteklasse, jetzt kommt mit dem 35-jährigen Pierre Pujol ein weiterer hinzu. Geschäftsführer Kaweh Niroomand sieht die Mannschaft damit in der Schaltzentrale hervorragend aufgestellt: „Wir haben den Markt lange sondiert und danach geschaut, wer hinter Sergey unserem Team weiterhilft. Am Montag fiel dann die endgültige Entscheidung. Durch das Karriereende von Kapitän Sebastian Kühner brach uns viel Erfahrung weg, mit Pierre fangen wir diese auf. Sergey ist die eindeutige Nummer eins, aber beide Zuspieler werden unsere ansonsten junge Mannschaft anführen können. Über die Qualitäten von Pierre brauchen wir nicht reden. Die hat in der Saison 2017/2018 hoffentlich jeder gesehen.“

Denn schon bei seinem ersten Engagement für die BR Volleys konnte Pujol überzeugen. Im November 2017 nachverpflichtet verzückte der 1.85-Meter-Mann die Berliner Fans und führte die Mannschaft als eine der prägenden Figuren zum damals neunten Titelgewinn. Ob mit seinem feinen Händchen, listigen Aufschlägen oder wieselflinken Abwehraktionen – der Franzose war eine echte Verstärkung.

Entsprechend glücklich ist auch Coach Cedric Enard über die Verpflichtung seines Landsmannes: „Ich kenne Pierre lange und gut. Er bringt einfach alles mit, ist ehrgeizig, erfahren und ein wirklicher Teamplayer. Seine Rolle hier ist ihm bewusst und in den Gesprächen zeigte er sich hochmotiviert. Pierre bildet eine erstklassige Alternative zu Sergey, die uns bei den großen Herausforderungen in drei Wettbewerben helfen wird.“

Zuletzt war Pujol in Ajaccio auf Korsika aktiv und spielte sich mit seinem Verein bis in das Playoff-Halbfinale. Enard weiß: „Er hat dort eine richtig gute Saison gespielt und nachdem er damals hier in Berlin von unserem Teamarzt behandelt wurde, gab es zwei Jahre lang auch keine Probleme mehr mit seinem Rücken.“ Der fröhliche Franzose selbst fiebert seiner Rückkehr entgegen: „Ich freue mich unheimlich, wieder zurück nach Berlin und in die Max-Schmeling-Halle zu kommen. Die Fans hier waren fantastisch. Ich bin gespannt darauf, mit Cedric zusammenzuarbeiten, und denke, dass mit unserem Team einiges möglich ist. Wir müssen nur hart dafür arbeiten“, blickt Pujol optimistisch auf die anstehende Spielzeit.

Pujol bestritt bisher über 220 Länderspiele, wurde 2015 Europameister und war 2016 Olympia-Teilnehmer mit der französischen Nationalmannschaft. Aktuell zählt er nicht zum Aufgebot der Auswahl, sodass er noch in dieser Woche in der Hauptstadt erwartet wird und die bisher kleine BR Volleys Trainingsgruppe verstärkt.

Quelle: BR Volleys/Christof Bernier

BR Volleys – Meisterlich gefeiert

Zwei Tage nach dem Gewinn der zehnten Deutschen Meisterschaft kamen Fans, Partner und Unterstützer der BR Volleys am Dienstagabend zusammen, um den Saisonabschluss 2018/19 zu zelebrieren. 580 Gäste feierten ausgiebig und lauschten gespannt den Lippen von Geschäftsführer Kaweh Niroomand, der zum einen verdienstvolle Spieler – allen voran Kapitän Sebastian Kühner – verabschiedete und zum anderen die BR Volleys Anhängern mit einigen spruchreifen Vertragsverlängerungen begeisterte.

Bevor der stimmungsvolle Abend in der Max-Schmeling-Halle seinen Lauf nahm, war das BR Volleys Team am Nachmittag schon zu Gast beim Regierenden Bürgermeister Michael Müller und durfte sich einmal mehr in das Goldene Buch der Stadt Berlin eintragen. Kaweh Niroomand sprach aus diesem Anlass von einer „fast schon schönen Tradition, die aber aufgrund ihrer Bedeutung garantiert nie zur Gewohnheit werden würde“, während Müller die BR Volleys als „ein herausragendes Aushängeschild der Sportmetropole“ lobte. Wenige Stunden später wurden die Meistermannschaft unter dem tosenden Applaus der Fans des Hauptstadtclubs gefeiert und die Trikots von Sebastian Kühner und Co zugunsten der SCC JUNIORS versteigert – mit dem Rekorderlös von 12.800 €. Zuvor wurde ausführlich bei den Fanclubs, Volunteers und Partnern „Dankeschön“ für eine in jeder Hinsicht erfolgreiche Jubiläumssaison „10 Jahre Volleyballtempel“ gesagt.

Trotz der Partystimmung standen natürlich auch diesmal schmerzliche Abschiede auf dem Programm. Nach zwei Titeln mit den BR Volleys sagen Kyle Russell und Adam White „Goodbye“. Die Liberos Nicolas Rossard (nach Frankreich) und Dustin Watten (nach Polen) verlassen den Verein. Auch Nationalspieler Linus Weber sucht sein Volleyballglück zukünftig im Ausland. Mehr Spielpraxis und wichtige Erfahrung will Egor Bogachev in der kommenden Saison sammeln. Der Außenangreifer wird in der Spielzeit 2019/2020 für einen anderen Bundesligisten schmettern, soll danach jedoch seinen Vertrag in Berlin fortsetzen.

Besonders emotional wurde es bei der Verabschiedung des Meisterkapitäns Sebastian Kühner. Nach sieben Jahren mit insgesamt acht Titeln für die Berliner beendet der 32-jährige Zuspieler seine äußerst erfolgreiche Karriere und widmet sich zukünftig dem Familienleben sowie einer beruflichen Laufbahn abseits des Sports. „Es fühlt sich gerade für mich genau richtig an. Meine Entscheidung habe ich aus persönlichen und privaten Gründen getroffen. Ich möchte einfach mehr Zeit mit meiner kleinen Familie verbringen. Das Ende mit dem Titel in allerletzter Sekunde hätte gar nicht schöner sein können“, sagte der frühere SCC JUNIOR. Niroomand verabschiedete ihn mit einem Sonderlob: „Sebastian ist in große Fußstapfen getreten und hat überragende Arbeit als Kapitän in dieser turbulenten Saison geleistet.“

Der Geschäftsführer verkündete jedoch auch erfreuliche Personalentscheidungen: „Die Startformation des letzten Playoff-Finalspiels bleibt uns erhalten“, erklärte Niroomand zur Freude der Fans. Das bedeutet: Der “Anführer“ Samuel Tuia und der „Matchwinner“ Moritz Reichert erfüllen ihre bestehenden Verträge. Dazu wird der BR Volleys Mittelblock in der Saison 2019/20 unverändert bleiben: Nicolas Le Goff, Jeffrey Jendryk und Georg Klein bilden weiterhin die „Berliner Mauer“. Auch Benjamin Patch schlägt im neuen Spieljahr für den Deutschen Meister auf. Tosender Jubel brannte im bis auf den letzten Steh- und Sitzplatz gefüllten Saal auf, als Niroomand zum Abschluss verlauten ließ, dass auch Zuspieler Sergey Grankin weiterhin das orange Trikot des Hauptstadtclubs tragen wird.

Die BR Volleys sagen „Danke“ für jedwede Unterstützung in der Spielzeit 2018/2019!

Quelle: Christoph Bernier/BR Volleys

Der zehnte Titel für Berlin!

Die Mission ist erfüllt! In einem unfassbar dramatischen Spiel haben die Berlin Recycling Volleys ihre vierte Meisterschaft in Folge und den insgesamt zehnten Meistertitel der Vereinsgeschichte gewonnen. Mit einem 3:2-Tiebreaksieg (25:17, 25:21, 19:25, 23:25, 16:14) in der Friedrichshafener ZF Arena bekam die turbulente Jubiläumssaison ihr perfektes Ende. 10 Jahre. 10 Highlights. 10 Titel.

In absolut würdiger Finalatmosphäre vor ausverkauftem Haus begannen Sergey Grankin, Benjamin Patch, Jeffrey Jendryk, Georg Klein, Moritz Reichert, Samuel Tuia und Nicolas Rossard für den Titelverteidiger – und der erwischte einen Blitzstart! 4:0 führten die Gäste nach Aufschlägen von Klein, da kam VfB-Mittelblocker Takvam, offenbar angeschlagen, erst die Treppe aus dem VIP-Bereich herunter. Als Klein dann zum Monsterblock gegen Günthör ansetzte und Reichert kurz darauf ein Ass nachlegte, brachte Vital Heynen den Norweger ins Spiel (11:5). Auch er konnte nichts daran ändern, dass die Berliner am Drücker blieben (16:10). In der Abwehr waren die BR Volleys extrem agil und machten den Häflern das Punkten richtig schwer. Dazu punktete Patch aus schier unmöglichen Lagen (20:13) und auch der Block stand weiterhin (23:16). Jendryk beendete einen nahezu perfekten Auftaktsatz (25:17).

Nun waren die Hausherren natürlich gefordert und meldeten sich, angeführt von Sossenheimer, im Spiel an (5:8). Wieder waren es ein Reichert-Ass und ein Jendryk-Block, welche den BR Volleys wichtige Breakpunkte bescherten (9:9). Grankin patzte anschließend zwar im Zuspiel, blockte danach aber krachend gegen Sossenheimer (14:13). Wieder wurde Kleins Aufschlagserie zum Schlüssel, weil Jendryk & Co es vorn am Netz für den Gegner dunkel werden ließen (20:16). Grankins nächster Block brachte die Vorentscheidung in Satz zwei (23:18) und den dritten Satzball nutzte Reichert für seine Farben (25:21).

Ob Boladz oder Malescha, die Hauptstädter hatten die Hauptangreifer in Blau bis zu diesem Zeitpunkt gut im Griff und waren so auch in Satz drei ebenbürtig. Wieder konnte man vorlegen (8:6), aber Friedrichshafen entschied in der Folge die langen Rallys für sich (10:11). Zwar blockte Grankin zum Ausgleich (13:13), doch die Häfler waren trotzdem oben auf (15:18). Adam White war im Spiel und Enard griff zum Doppelwechsel mit Kyle Russell und Sebastian Kühner. Friedrichshafen machte aber nun jeden wichtigen Punkt (18:22) und konnte auf 2:1 verkürzen (19:25).

Die Hausherren und ihr Publikum machten nun mächtig Alarm, aber wie die mitgereisten Fans der BR Volleys, er waren rund 100, stemmte sich auch Berlins Volleyballteam Nr. 1 dagegen (4:6). Es war das Nervenspiel, das zuvor erwartet wurde, und Nicolas Le Goff und abermals White sollten frischen Wind bringen (8:12, 13:16). Der VfB war auch dieses Mal gegen Satzende fokussierter und erspielte sich drei Satzbälle (21:24). Ein Aufschlagfehler von Grankin trieb diese Finalserie auf die absolute Spitze (23:25).

Tiebreak also und in diesem servierte Patch früh einen Servicewinner mit der Netzkante und verbuchte direkt einen weiteren Breakpunkt für sich (4:2). Mit 8:5 wurden die Seiten gewechselt und der orange Fanblock war in Ekstase. Berlin ließ nach starkem Aufschlag des eingewechselten Egor Bogachev die Chance auf das 12:8 liegen und stattdessen legte Takvam sein Service genau ins Eck (11:10). Alles stand spitz auf Knopf (13:13) und dann machte Patch zweimal die ganz wichtigen Punkte (15:14). Reichert ging zum Aufschlag und die Bank erhob sich, als wüsste sie, was kommt: Der Nationalspieler verwandelte den zweiten Match- und Championship-Point für die BR Volleys, den alten und neuen Deutschen Meister (16:14).

Benjamin Patch, mit 29 Punkten überragender Angreifer seiner Mannschaft, brachte es auf den Punkt: „Hier ging ein Traum in Erfüllung. Wie unser Team nach dieser Saison dieses Spiel gezogen hat, war überragend.“ Kapitän Sebastian Kühner, der sich den sechsten Meistertitel mit den BR Volleys sicherte, sprach von einem „Riesenspiel von beiden Mannschaften, bei dem am Ende zwei Punkte den Unterschied ausmachten.“ Kühner war sichtlich ergriffen: „Es war mental extrem anstrengend und einfach der perfekte Abschluss einer für den Volleyball großartigen Serie. Friedrichshafen hat nach dem 0:2 unglaublich gefightet, aber es war stark, wie wir als Team im Tiebreak losgelegt haben. Wir dürfen stolz sein, denn wir sind einfach wieder Deutscher Meister!“

Quelle: Christof Bernier/BR Volleys

Alles ist möglich

Das Finale um die Deutsche Meisterschaft erreicht seinen Höhepunkt und der steigt am Sonntag, wie schon in den Jahren zuvor, in der Friedrichshafener ZF Arena (12. Mai um 14.30 Uhr live auf www.sport1.de). Nachdem die BR Volleys vor ausverkauftem Haus den erneuten Ausgleich erzwingen konnten, kommt es nun zur „Nervenschlacht“, wie Berlins Spielführer Sebastian Kühner das fünfte und entscheidende Duell der „best of five“-Serie beschreibt – mit jedem denkbaren Ausgang.

Und jährlich grüßt das Murmeltier: Auch die Entscheidung um die Meisterschaft 2019 fällt in einem finalen Showdown zwischen Berlin und Friedrichshafen. In den vergangenen zwei Jahren gewannen die BR Volleys jeweils das letzte Match am Bodensee, siegten unter Roberto Serniotti 2017 mit 3:1 und Stelian Moculescu 2018 sogar 3:0. Kann Cedric Enard der dritte Berliner Trainer sein, der mit seinen Spielern dieses Kunststück vollbringt? Auch nach vier kampfbetonten Finalspielen zwischen den beiden Dauerkontrahenten ist es noch immer kaum vorstellbar, dass sich Weltmeistertrainer Vital Heynen seine dritte Titel-Chance nehmen lässt. „Natürlich wird Vital nichts unversucht lassen. Aber es geht ja nicht nur um ihn. Es gibt zahlreiche Spieler, für die es der dritte Anlauf mit Friedrichshafen ist“, sagt Sebastian Kühner. Der Kapitän des Hauptstadtclubs weißt genau, was ihn und sein Team jetzt erwartet: „Man kann wirklich sagen, dass es eine Nervenschlacht wird. Wir sind vielleicht mental oben auf. Friedrichshafen hat aber erneut den wichtigen Heimvorteil.“

Den konnten die Häfler in der aktuellen Finalserie ebenso wie in allen anderen Playoff-Spielen bisher immer nutzen, ebenso wie die BR Volleys in ihrem Volleyballtempel. Auch darum haben sich beide Fanlager dieses große Match am Sonntag absolut verdient. Nachdem das „Duell der Giganten“ in den bisherigen vier Partien insgesamt 20.901 Zuschauer begeisterte und zuletzt mit 8.553 Besuchern in der Max-Schmeling-Halle den größtmöglichen Rahmen bekam, wird garantiert auch das letzte Saisonspiel die Volleyballfans elektrisieren. Die Gastgeber erwarten ebenfalls eine ausverkaufte Arena, in der mehr als einhundert Fans in Orange alles geben wollen.

Wen die Zuschauer in der ZF Arena von Beginn an auflaufen sehen werden, ist eine spannende Frage. Bei den Hauptstädtern hatte Kyle Russell zuletzt mit einer Magenverstimmung zu kämpfen und wurde deshalb durch Benjamin Patch gut vertreten. Aufseiten der Friedrichshafener ersetzte Daniel Malescha im jüngsten Aufeinandertreffen frühzeitig Bartlomiej Boladz. Zudem musste Philipp Collin in Berlin verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Beim Zuspiel müssen sich die BR Volleys wohl weiterhin auf eine Rotation zwischen Jakub Janouch und Rafael Redwitz einstellen. Die sprichwörtlichen Karten werden also noch ein letztes Mal bunt und neu gemischt.

Um am Bodensee erstmals in der Finalserie erfolgreich zu sein, müssen die BR Volleys allerdings gegenüber ihren zwei bisherigen Auswärtsauftritten eine Leistungssteigerung zeigen. „Der Beginn wird wieder wichtig. Gelingt uns ein guter Start, muss Friedrichshafen mit dem Druck umgehen. Wenn wir es tatsächlich schaffen vorn zu sein, müssen wir es allerdings auch durchziehen“, sagt Kühner, der mit seinem Heimatverein nach bereits fünf Titelgewinnen nur zu gern noch einen sechsten holen würde. Ob Berlins Volleyballteam Nr. 1 dies gelingt, ist im Livestream auf www.sport1.de und beim Public Viewing im in der Knesebeckstraße 38 zu sehen. Mit der Gewissheit, dass nicht gewiss ist: Denn jetzt ist alles möglich!

Quelle: Christoph Bernier/BR Volleys

Zusammen alles geben!

Am morgigen Mittwochabend (08. Mai um 18.30 Uhr) schlagen die BR Volleys zum letzten Mal in der Saison 2018/2019 in ihrem Volleyballtempel auf. Das letzte Match dieser Spielzeit soll es aber noch nicht sein! Vor heimischer Kulisse muss in der Finalserie gegen den VfB Friedrichshafen erneut der Ausgleich erzwungen werden, um den Meisterschaftskampf offen zu halten. Dann würde das „Duell der Giganten“ seinen Sieger erst in Spiel 5 am Bodensee finden.

Schon zum zweiten Mal steht das BR Volleys Team im Playoff-Finale 2019 vor der Herausforderung, in seiner Max-Schmeling-Halle einen Rückstand gegen den VfB Friedrichshafen ausgleichen zu müssen. Obwohl man den Schwung aus dem 3:2-Heimerfolg am Sonntag mit in die Arena des Rivalen nehmen konnte, gab es kein glückliches Ende für Kapitän Sebastian Kühner und Co. Die Männer von Cheftrainer Cedric Enard waren von Beginn an deutlich besser in der Partie als noch beim ersten Aufeinandertreffen (0:3), zu einem Erfolg sollte es dennoch auch in Spiel 3 nicht reichen (1:3).

Ein Grund dafür war, dass man den fast schon sicher geglaubten Auftaktdurchgang trotz sieben Satzbällen noch mit 29:31 verlor. „Das war ein Satz, den wir wirklich nicht mehr abgeben dürfen. In diesen Momenten waren wir einfach nicht konsequent genug“, macht Co-Kapitän Moritz Reichert unmissverständlich klar und erinnert sich, mit wie viel Mut und Leidenschaft man im letzten Heimspiel gegen den starken Kontrahenten aufgetreten ist. Zu Hause konnten die BR Volleys einen richtungsweisenden dritten Satz in ähnlicher Weise drehen und damit das Publikum auf dem Weg zum Sieg mitreißen. Gleiches gelang nun dem VfB. Jetzt werden die Berliner versuchen, im nächsten SPORT1 Free-TV-Match das berühmte Momentum wieder auf ihre Seite zu ziehen. Ein Blick in die Statistik macht Hoffnung.

Die Annahme war zuletzt zweimal das Prunkstück im Spiel der BR Volleys, doch schlug man daraus zu wenig Kapital. „Die Friedrichshafener sind insbesondere im Block-Abwehr-Verhalten extrem stark. Das wissen wir. Aus diesem Grund müssen wir im Angriff noch konsequenter agieren“, weiß der 24-jährige Nationalspieler. Allen voran Reichert lieferte in der Annahme jüngst einen hervorragenden Job, musste in den beiden letzten Duellen jeweils mehr als 40 VfB-Aufschläge entschärfen, schaffte dies mit guten Quoten und konnte zudem regelmäßig mit seinem eigenen Service punkten. Bringen Reichert und seine Mitstreiter ihre Qualitäten auf das Parkett und bilden erneut eine Einheit mit den Zuschauern, kann man die erste Meisterfeier der Häfler im Volleyballtempel hoffentlich abwenden.

Reichert zeigt sich entschlossen: „Wir werden alles geben und wenn es uns jetzt tatsächlich gelingt, auf 2:2 zu stellen, wird es ein Nervenspiel am Bodensee.“ Um dieses entscheidende Match zu erreichen, ist jedoch am Mittwochabend in der Max-Schmeling-Halle ein Heimsieg und dafür eine überragende Energieleistung von Mannschaft und Publikum erforderlich.

Quelle: Christoph Bernier / BR Volleys

Mit Tiebreaksieg zurückgemeldet

Die Kulisse sollte das BR Volleys Team zum Ausgleich tragen und sie hat es getan! Vor 7.309 Zuschauern gelang den BR Volleys gegen den VfB Friedrichshafen ein knapper 3:2-Tiebreakerfolg (17:25, 25:22, 28:26, 21:25; 15:13) und somit der Ausgleich in der Finalserie. Damit haben die Berliner definitiv ein weiteres letztes Heimspiel der Saison am 08. Mai.

Während auf der Gegentribüne 3.000 Fans mit einer Zuschauer-Choreografie für Gänsehaut-Atmosphäre sorgten, schickte Cheftrainer Enard Sergey Grankin, Benjamin Patch, Georg Klein, Jeffrey Jendryk, Samuel Tuia, Moritz Reichert und Nicolas Rossard auf den Court.

Die Zuschauer waren aufgerufen nach dem ersten Berliner Punkt die über 7.000 Luftballons auf den Plätzen platzen zu lassen, doch ehe das geschah, hatte Protopsaltis den Gästen bereits einen guten Start beschert (0:3). Und auch als der Grieche das zweite Mal zum Aufschlag geschickt wurde, setzte er den zunächst unsicheren Gastgebern schwer zu (6:14). Inzwischen war Kyle Russell für den nahezu wirkungslosen Patch im Spiel und die BR Volleys arbeiteten sich allmählich in die Partie (10:16). Friedrichshafen schnappte sich dennoch überlegen Satz eins und spätestens jetzt war eine Reaktion der BR Volleys in dieser Finalserie gefordert (17:25).

Sie folgte. Für die schon im ersten Durchgang sehr gute Annahme belohnte man sich nun regelmäßig mit Punkten aus dem Sideout (7:3). Auch das Blockspiel wurde deutlich verbessert, Jendryk war gemeinsam mit Grankin zur Stelle (10:6). Angetrieben vom Publikum reduzierte der Titelverteidiger die Fehlerquote und verteidigte seine Führung (17:13, 20:16). Enard schickte, als es spannend wurde, auch Egor Bogachev zum Service. Der Jungnationalspieler zwang die Häfler zu einer spektakulären Abwehr, bei der Auswechselspieler Redwitz für Sossenheimer sogar die Bande abräumte. Den Punkt- und Satzgewinn verbuchten aber die Hausherren für sich (23:19, 25:22).

Im dritten Satz hielten die Hauptstädter ihren Spielfluss und legten wiederum vor (6:3, 9:6). Friedrichshafen zeigte sich aber unbeeindruckt und fand mit ihrem Aufschlag-Ass Boladz den Weg zurück in das Match (10:10). Es kam Hektik in den Coachingzonen beider Teams auf und Schiedsrichter Robert Ließ hatte alle Hände voll zu tun (16:15). Russell patzte zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt (20:22), konnte dann aber selbst beide VfB-Satzbälle abwehren (24:24). Und so verschaffte Kapitän Sebastian Kühner mit seinem gefürchteten linken Hammer den Vorteil und Russell stellte auf 2:1 (28:26).

Friedrichshafen antwortete mit einer frühen und deutlichen Führung in Durchgang vier (1:5), an der die BR Volleys lange zu knabbern hatten (10:14). Erst mit dem Doppelwechsel (Kühner und Weber kamen ins Spiel) pirschte man sich heran (16:18). Reichert blockte zum Anschluss und Tuia erzielte aus dem Hinterfeld den Ausgleich (19:19). Die Häfler agierten aber unbeeindruckt, glänzten wieder in der Block-Abwehr und nach Tuias Schlag an die Antenne ging es in den Tiebreak (2:2).

Weiter ohne einen einzigen Annahmefehler und mit nun wieder sehr druckvollem Service legte der Deutsche Meister gegen den Pokalsieger vor (5:3). Der Entscheidungssatz schaukelte sich hoch und auf den erneuten Ausgleich des VfB (7:7) antwortete Reichert mit einem Ass (10:8). MVP Tuia hielt sein Team auf Kurs und die BR Volleys ließen sich den Sieg nicht mehr nehmen (14:12). Kyle Russell belohnte sich, sein Team und den Volleyballtempel für eine berauschende Performance (15:13).

Nach 139 intensiven Spielminuten waren die Berliner also die umjubelten Sieger. Kaweh Niroomand war entsprechend glücklich: „So ist der Playoff-Rhythmus. Wer bekommt das Momentum auf seine Seite? Heute waren es wir. Phasenweise hat die Cleverness gefehlt, aber am Ende des zweiten Satzes haben wir sie wiedergefunden.“ Kyle Russell, mit 26 Punkten Topscorer des Spiels, sagte: „Friedrichshafen hat sehr konstant gespielt, deshalb war es ein großer Kampf. Die Kulisse hat uns unheimlich geholfen. 7.000 Menschen können auch nur helfen.“

Damit steht es nun 1:1 nach Siegen und man reist am Sonntag (05. Mai um 14.30 Uhr live im SWR Stream) wieder an den Bodensee zur dritten Begegnung. Am nächsten Mittwoch (08. Mai um 18.30 Uhr live auf SPORT1) haben die BR Volleys ein letztes Mal Heimrecht und hoffen auf einen nicht minder spektakulären Volleyball-Abend.

Quelle: Christoph Bernier / BR Volleys

Gemeinsam zum Ausgleich

Es ist ein Match von besonderer Bedeutung! Wenn am 02. Mai um 18.30 Uhr im Volleyballtempel im zweiten Playoff-Finale 2019 die BR Volleys und der VfB Friedrichshafen aufeinandertreffen, steht für die Gastgeber viel auf dem Spiel. Das Auftreten von Berlins Volleyballteam Nr. 1 muss sich gegenüber dem Auftaktmatch und der 0:3-Niederlage am Bodensee stark verändern, will man gemeinsam mit den eigenen Fans die Finalserie in der heimischen Max-Schmeling-Halle ausgleichen.

„Der Zuschauerzuspruch ist riesig und natürlich haben wir für unser Publikum mal wieder etwas Besonderes vorbereitet, um die Atmosphäre schon beim Anpfiff richtig zum Knistern zu bringen. Dies und der Anspruch, sich für den enttäuschenden Auftritt am Samstag in der ZF Arena zu rehabilitieren, sollte unsere Mannschaft bis in die Haar- und Fingerspitzen motivieren“, kündigt BR Volleys Geschäftsführer Kaweh Niroomand vor dem zweiten Finale ein weiteres großes Heimspielerlebnis an. Deutlich mehr Leidenschaft, also genau das, womit die BR Volleys in den Playoffs bisher überzeugen und begeistern konnten, müssen Sebastian Kühner und seine Mitspieler an den Tag legen, wenn man mit dem Kontrahenten auch sportlich mithalten will.

Optimistisch stimmt zum einen, dass die BR Volleys auch im Playoff-Halbfinale nach einer Auftaktniederlage gegen einen starken Gegner vor ihrem Publikum in die Spur gefunden haben, und zum anderen die jüngste Serie an Heimsiegen. Zuletzt war der Volleyballtempel wieder eine echte Festung. Sieben Matches in Folge gewannen die Berliner vor ihren Fans – darunter ein entscheidendes Duell drei gegen Düren und eben auch das besagte Halbfinale Nummer zwei gegen Unterhaching. Mit der stimmungsvollen Kulisse und dem Druck hat das Heimteam im Verlaufe der Saison umzugehen gelernt.

Der VfB Friedrichshafen um Trainer Vital Heynen kennt sich aber ebenfalls mit beidem aus. Die im Vergleich zum Vorjahr kaum veränderte Mannschaft zeigt sich gefestigter denn je. Insbesondere am Aufschlag haben die Häfler in nahezu identischer Besetzung gegenüber der letztjährigen Finalserie einen gewaltigen Sprung gemacht. Beim ebenso deutlichen wie verdienten 3:0-Heimerfolg setzte man die BR Volleys damit gehörig unter Druck. Ob gegen Boladz, Sossenheimer oder Takvam, die Annahme der Hauptstädter hatte während der gesamten 85 Spielminuten hinweg große Probleme. Auch wenn die Berliner in der Statistik letztlich ein Ass mehr verbuchten, so machte es der VfB dem Gegner deutlich schwerer, aus dem Sideout zu punkten.

„Wir benötigen dringend mehr Stabilität und Kontrolle in unserem Spiel. Das fängt in der Annahme an, zieht sich aber durch alle Elemente, die in Friedrichshafen leider zu fehlerhaft waren“, wünscht sich Niroomand. Wie dies dem Titelverteidiger gelingt, wird am SPORT1 Experten-Mikro auch Robert Kromm gemeinsam mit Hans-Joachim Wolff beurteilen. Für Niroomand ist aber noch eine andere Stellschraube existenziell: „Fans und Team müssen – wie bisher immer in den Playoffs – vom ersten Ballwechsel an eine starke Gemeinschaft bilden.“ Denn nur zusammen kann man den Ausgleich schaffen und sich ein weiteres Heimspiel sichern.

Quelle: Christoph Bernier / BR Volleys

Dämpfer zum Auftakt

Mit einer 0:3-Niederlage (22:25, 23:25, 17:25) sind die BR Volleys in der ZF Arena denkbar schlecht ins Finale um die Deutsche Meisterschaft gestartet. Viel zu selten konnten die Berliner ihre Annahme stabil zusammenhalten und waren so zum Auftakt der Endspiele dem VfB Friedrichshafen klar unterlegen. Am Donnerstag (02. Mai um 18.30 Uhr) müssen die Hauptstädter ihrem Publikum in der Max-Schmeling-Halle definitiv ein ganz anderes Gesicht zeigen, um in dieser Finalserie wieder für Spannung zu sorgen.

Samuel Tuia, Moritz Reichert, Georg Klein, Jeffrey Jendryk, Benjamin Patch, Sergey Grankin und Libero Nicolas Rossard bekamen von Cheftrainer Cedric Enard zunächst das Vertrauen beim Auftakt der Finals 2019.

In dieser Besetzung hatte man sich viel vorgenommen, doch konnte man davon wenig in die Tat umsetzen. Friedrichshafen war in heimischer Arena sofort dominant und schlug vor allem in Person von Boladz brillant auf. Grankin musste lange Wege gehen und im Angriff gab es so kein Durchkommen (2:6, 4:11).  Mit sich stabilisierender Annahme kamen die BR Volleys endlich ins Spiel und sammelten regelmäßig Breakpunkte. Kyle Russell ersetzte dauerhaft Patch und fand nun einige Lücken in der Block-Abwehr des starken VfB (15:19). Aber der Rückstand war nicht mehr aufzuholen und Heimtrainer Vital Heynen hatte nach einer halben Stunde Grund zur Freude (22:25).

In Satz zwei begegnete man sich von Anfang an auf Augenhöhe. Bis zum 10:10 sah der mitgereiste Fanclub „7. Mann“ ein Ass von Russell und eines von Tuia. Das Spiel wog jetzt hin und her und es entwickelten sich lange Ballwechsel mit dem meist besseren Ende für die Berliner (13:10, 17:15). Doch die Häfler wendeten das Blatt, weil sich beim Titelverteidiger erneut Unsicherheiten einschlichen (18:20). Adam White ersetzte Reichert. Collin blockte entscheidend (23:21) und dann kam einmal mehr in den Playoffs Kapitän Sebastian Kühner und servierte aus der Kalten heraus das Ass (23:23). Boladz gab mit breiter Brust die Antwort und entschied auch Durchgang zwei mit einem Aufschlag perfekt ins Eck (23:25).

Nun war der VfB komplett oben auf. Beim Stand von 1:5 mussten die BR Volleys bereits drei direkte Blockpunkte gegen sich hinnehmen. Enard versuchte alles, nahm die frühe Auszeit und wechselte Nicolas Le Goff ein. Ob Tuia in der Annahme oder Russell im Angriff, das Berliner Spiel war nun viel zu fehlerhaft (3:10). Linus Weber durfte daher für Russell weitermachen und Kühner durfte zuspielen. Friedrichshafen ließ die Hauptstädter aber nicht mehr zurückkommen (7:14, 11:20). Bezeichnenderweise kamen die Männer in Orange selbst ohne Block nicht durch und Sossenheimer beendete das Spiel mit einem erstklassigen Winkelschlag (25:17).

Topscorer und MVP Boladz (18 Punkte) bekam man letztlich zu keinem Zeitpunkt in den Griff. Bester Berliner Punktesammler war Samuel Tuia (11). „Wir waren in keinem Element annährend am Optimum. Die Annahme war sicher ein Punkt, aber wir haben auch unsere Eigenfehler nicht in den Griff bekommen“, legte Spielführer Sebastian Kühner den Finger in die Wunde. „Zwei Sätze haben wir nicht gut gespielt und es im dritten Satz komplett aus der Hand gegeben. Aber: Niederlagen gehören dazu und wir müssen diese jetzt aufarbeiten.“ Der 32-Jährige weiß, was bis zu Spiel zwei am Donnerstag zu tun ist: „Wir schlafen eine Nacht über das Spiel, gehen in die Analyse und zeigen dann ein anderes Gesicht. Zuletzt waren wir sehr heimstark. Mit unseren Fans können wir den Rhythmus wiederfinden!“ Dazu benötigen die BR Volleys jede Unterstützung.

Quelle: Christof Bernier / BR Volleys

Die Trümpfe in der Hand

Das Blatt hat sich gewendet und nach zwei Siegen aus drei Spielen haben die Berlin Recycling Volleys am Samstag (20. Apr um 17.30 Uhr live auf SPORT1) in ihrem Volleyballtempel die erste Chance, das Playoff-Finalticket zu buchen. Auch weil Trainer Cedric Enard im Verlauf der Halbfinalserie gegen die Hypo Tirol AlpenVolleys Haching immer einen Joker im Ärmel hatte, hält man nun gute Karten, mit einer erneuten Energieleistung vor eigenem Publikum die Endspiele zu erreichen.

In einer „best of five“-Playoff-Serie kann es kein Protagonist allein richten und meist auch keine aus sechs oder sieben Spielern bestehende Stammformation. Die kräftezehrenden Duelle auf Topniveau, wie sie sich die BR Volleys und die AlpenVolleys seit nun gut zehn Tagen liefern, erfordern die richtige Steuerung von Energie- und Konzentrationslevel. Die Breite des Berliner Kaders hat sich schon im Viertelfinale gegen Düren als Trumpf erwiesen und trägt auch im Halbfinale regelmäßig Früchte. Ob bei der engen Auftaktniederlage, dem Heimerfolg vor Wochenfrist oder dem so imminent wichtigen Auswärtssieg am Mittwochabend – die Wechselspiele von Trainer Cedric Enard gingen nahezu komplett auf. Immer wieder brachten Kyle Russell und Sebastian Kühner in entscheidenden Momenten wertvolle Impulse. Nach seiner Hereinnahme schwang sich Georg Klein in Match drei zu einem der wichtigsten Spieler auf und im Außenangriff hatte Enard oft die Qual der Wahl zwischen Moritz Reichert, Adam White und Samuel Tuia. Hilfreich waren auch die taktischen Kurzeinsätze der Youngster Egor Bogachev und Linus Weber.

„Ich freue mich, dass unsere Wechselstrategie zuletzt funktioniert hat. Egal wer reinkam, er hat überzeugt“, weiß Enard um die Breite seines Kaders. Beim weiterhin brandgefährlichen Kontrahenten handhabt Coach Stefan Chrtiansky dies etwas anders. Er baut auf seine eingespielte „Starting Seven“, deren Aufschlagstärke den BR Volleys in dieser Serie phasenweise große Probleme machte. Erst, wenn es mal nicht läuft, reagiert Chrtiansky mit Personalwechseln. Eine Wende konnte der erfahrene Trainer damit bei Rückstanden jedoch noch nicht einleiten, sondern rotierte meist zügig in seine Ursprungformation zurück. „Vielleicht haben wir in diesem Punkt wirklich einen Vorteil“, sagt Enard.

Es ist aber zu erwarten, dass die schlaggewaltigen AlpenVolleys in Berlin noch lange nicht am Ende sind und erneut alles in die Waagschale werfen werden. Wie das Match laufen kann, wenn sich das BR Volleys Team eine Schwächephase leistet, während Halaba und Co alles treffen, war beim Auftakt der Serie und im dritten Durchgang am Mittwoch (16:25) zu sehen. Die Hauptstädter wissen, man ist noch nicht im Ziel. „Wir dürfen die Spannung und unseren guten Rhythmus nicht verlieren, sondern müssen dort weitermachen, wo wir in Innsbruck aufgehört haben. Dann sehe ich eine gute Chance auf den Finaleinzug“, zeigt sich Moritz Reichert gewohnt zurückhaltend. Etwas kerniger formuliert es Mittelblocker Georg Klein, der zuletzt gemeinsam mit Jeffrey Jendryk in der Olympiahalle eine schier unüberwindbare Mauer bildete (acht direkte Blockpunkte): „Zuhause schlagen wir nochmal besser auf und das kann uns zum Sieg verhelfen. Wir wollen ins Finale!“

Dort würde einmal mehr der Dauerrivale vom Bodensee warten. Der VfB Friedrichshafen fegte im anderen Halbfinale in drei Spielen über die SVG Lüneburg hinweg. Das „Duell der Giganten“ ist allerdings noch ferne Zukunftsmusik. Zuvor müssen die kampfstarken AlpenVolleys ein drittes und letztes Mal besiegt werden – und das idealerweise schon am Samstagabend in der Max-Schmeling-Halle. Dazu bedarf es abermals eines bebenden Volleyballtempels, dessen Atmosphäre erneut live im Free-TV auf SPORT1 zu erleben sein wird.

Quelle: BR Volleys / Christof Bernier