Gianni Infantino sollte schnellstens seinen Hut nehmen

Es reicht, was sich der FIFA-Präsident erlaubt. Er ist nicht bereitzuerklären, wer ihn über acht Monate lang sein Wohnen in Katar bezahlt, verbietet aber verantwortlich am Montagmittag, kurz vor Beginn der WM-Partie England gegen Iran acht Spielführern europäischer Mannschaften das Tragen von „One Love“-Armbinden bekanntlich gegen Rassismus, Antisemitismus und für Toleranz und Menschenrechte. Insofern blieb kaum Zeit, sich mit den weiteren sieben Nationen abzusprechen und zu einigen. Gespannt war man über das Vorgehen der Engländer, weil Kapitän Harry Kane von den Tottenham Hotspur vorher unmissverständlich erklärte, natürlich mit der Binde aufzulaufen.

Die korrupte Fifa drohte den Nationen, die sich nicht an die Verbote halten, mit „sportlichen Konsequenzen“, ohne anzudeuten und gar zu nennen, welche das sein werden. Der Konflikt wurde damit eindeutig auf dem Rücken der Sportler ausgetragen. Immerhin hatte Deutschland sofort angekündigt, eine Finanzstrafe oder eine Gelbe Karte für den Kapitän in Kauf zu nehmen. So war man gespannt, wie die Engländer wohl im Spiel gegen den Iran reagieren würden. Die Engländer knickten ein und gefährdeten Harry Kane nicht. Das wiederum wurde von einem Großteil der Interessenten als untypisch für England bezeichnet.

Man stelle sich vor, acht Nationen hätten gegen die Bedrohung der Spieler Rückgrat bewiesen und wären bei Sanktionen gegen einen Kapitän der Armbinde wegen geschlossen nicht aufgelaufen. Das hätte meiner Meinung nach Präsident Infantino nicht „überlebt“. Es fragt sich, ob die WM in Katar damit gestorben wäre? Reglementierungen hin oder her, die Welt hat sich mit Kriegsbeginn, mit den Angriffen der Russen gewaltig geändert. Das früher existiert nicht mehr. Denn in den sozialen Medien ist von einigen zu lesen, die WM sei ja Sport und keine politische Veranstaltung. Von wegen, Sport habe mit Politik nichts zu tun. Wie ungebildet kann man nur sein.

Entscheidend war also die Furcht und Angst vor der sportlichen Strafe. Oliver Bierhoff: „Man kann uns die Binde wegnehmen, aber nicht unsre Werte, die wir weiterhin vertreten“. Die FIFA hat die Diskussion über ihr erneut unverstandenes Handeln in die Schlagzeilen gebracht. So viel Aufmerksamkeit hätte es sonst nie einer Armbinde wegen gegeben. Die FIFA hat ihr wahres Gesicht gezeigt und uns wachgerüttelt.

Große Achtung habe ich vor DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Bereits vor einer Woche hatte er verkündet, keine Unterstützung für die Wiederwahl von Infantino zu geben. Das ist kein Einknicken. Angebracht scheint mir jetzt, die Abberufung des FIFA-Präsidenten zu fordern. Und Hochachtung habe ich vor den Spielern des Iran. Ohne groß anzukündigen, haben sie bei der Hymne nicht eine Lippe bewegt. Das ist großartiger, geschlossener Protest ohne Angst vor persönlichen Repressalien, wenn sie nach den Spielen wieder zu Hause im Iran sein werden, wo die Regierung während der WM auf das eigene Volk schießt und mordet. Unsere Pflicht wird es sein, die Entwicklung nicht nur zu verfolgen.

Christian Zschiedrich

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Christian Zschiedrich

Er kann von sich mit Fug und Recht behaupten, immer ein Leben für und durch den Sport geführt zu haben. Er spielte Fußball, nicht mal untalentiert, brachte es dabei zu einigen Ehren, studierte Sport in Leipzig, arbeitete als Sportlehrer und trainierte Fußballmannschaften. Zwischendurch erwarb er beim DFB seine Trainerlizenz. Nach und nach entdeckte er dabei sein Herz für den Sportjournalismus, schrieb Artikel für verschiedene Zeitungen und hob in Berlin eine eigene Sportsendung im Lokal-TV aus der Taufe. Über 2.000 Sendungen wurden unter seiner Leitung produziert. An`s Aufhören verschwendet er keinen Gedanken, schließlich bietet das Internet viele neue Möglichkeiten.

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