Vorwürfe gegen Hertha-Investor Lars Windhorst

Sollte Werner Gegenbauer rausgedrängt werden? © Foto: Christian Zschiedrich

Hat er oder hat er nicht? Lars Windhorst eilt nicht unbedingt der Ruf voraus, ein top-seriöser Geschäftsmann zu sein. Alteingesessenen Hertha-Fans hat schon ein gewisses Magengrummeln befallen, als es hieß, Lars Windhorst steigt mit seiner Firma Tennor als Investor bei der „Alten Dame“ ein. Sportlich rettete sich Hertha in letzter Sekunde. Präsident Werner Gegenbauer trat anschließend zurück. Wurde da nachgeholfen?

In der Zeitschrift „Financial Times“ erschien ein Artikel, dass die in Tel Aviv ansässige „Shibumi Strategy Limited “ eine einjährige verdeckte Operation durchgeführt haben soll, um Gegenbauer aus dem Klub zu drängen, in dem Windhorst der Mehrheitseigentümer ist.“ Unter dem Code Namen „Euro 2020“ sollen Informationen gesammelt worden sein, um Gegenbauer zu diskreditieren.

Der Vorgang kam ans Tageslicht durch die eingereichte Klage vor einem israelischen Gericht. Laut „Financial Times“ habe Windhorsts Firma Tennor „einen Vertrag gebrochen .., wonach sie Shibumi eine Million Euro für acht Monate Arbeit sowie eine angeblich mündlich vereinbarte Erfolgsprämie von vier Millionen Euro schulde“.

Tennors Unternehmenssprecher Andreas Fritzenkötter dementierte und bezeichnete die Vorwürfe als Unsinn.

Hertha veröffentlichte am Freitagabend, 30.09. eine Presseerklärung: „Nach dem gestern veröffentlichten Artikel in der Financial Times über eine in Tel Aviv erhobene Klage gegen Lars Windhorst und eine Gesellschaft seiner Tennor Holding B.V. hinsichtlich eines Auftrags betreffend Hertha BSC haben unsere Gremien beschlossen, die dort erwähnten Vorgänge durch eine Kanzlei aufarbeiten und beurteilen zu lassen. Zudem wurde Tennor zur detaillierten Stellungnahme aufgefordert.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns bis zu einer umfassenden Klärung und Bewertung des Sachverhalts durch die beauftragten Experten in der Öffentlichkeit dazu nicht weiter äußern.“

Es wird eben nie langweilig bei Hertha BSC. Die ganze „Affäre“ könnte bereits beendet sein, denn die Zeitung „Welt“ berichtet: „Kurios: Kurz nach Bekanntwerden des Vorgangs wurde am Donnerstag um 13.13 Uhr die Gerichtsakte geschlossen, was auf eine Einigung zwischen Windhorst und „Shibumi Strategy“ hindeuten könnte.“

Alles klingt wie eine Geschichte aus dem Tollhaus. Dafür soll soviel Geld ausgegeben worden sein? Gegenbauer war als Präsident schon vorher schwer angeschlagen. Am 25. Oktober 2020 wurde er, mit 421 Gegenstimmen und nur 542 Stimmen für ihn, erneut zum Präsidenten von Hertha BSC gewählt. Das war das schlechteste Ergebnis während seiner Amtszeit, die im Jahr 2008 begann.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Aufregung nicht auf die sportlichen Leistungen auswirkt. Am 8. Spieltag wird Hoffenheim im Olympiastadion erwartet.

Hans-Peter Becker

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