Wie im Jahr zuvor, heißen die Berliner Teilnehmer an der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals, BFC Dynamo, 1. FC Union Berlin und Hertha BSC. Erst- und Zweitligisten sind automatisch qualifiziert, der Regionalligist BFC Dynamo rutschte erneut als Landespokal-Sieger in den Wettbewerb. Die Weinroten treten gleich als erster an und werden versuchen, am Sonntag, 19.08. ab 15:30 Uhr im Olympia-Stadion, dem 1. FC Köln das Leben so schwer wie möglich zu machen. Der Umzug vom heimischen Jahn-Sportpark in die Heimstätte von Hertha BSC wurde notwendig, wegen der vom 20. -26. August dort ausgetragenen Para Leichtathletik Europameisterschaft.
Erfahrungen im DFB-Pokal sind beim BFC vorhanden. Im vergangenen Jahr zogen sie sich mit einer 0:2 Niederlage gegen Schalke 04 achtbar aus der Affäre. Ob das in diesem Jahr auch gelingen kann ist mehr als fraglich. Trainer Rene Rydlewicz musste einige Abgänge verkraften, die wohl einiges an Substanz kosteten. Der katastrophale Saisonstart – lediglich am ersten Spieltag konnte in Auerbach gewonnen werden, dann folgten drei derbe Schlappen mit einem Torverhältnis von 0:10 – lässt nicht viel gutes erahnen. Mit Rufat Dadashov und Matthias Steinborn, beide erzielten zusammen 41 der 63 Saisontore, verließen gleich zwei Torjäger den Verein und konnten bisher nicht gleichwertig ersetzt werden. Pech zudem, dass sich Vincent Rabiega, der in die Bresche hätte springen können, in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss zuzog. Insgesamt sind vor dem Pokalspiel fünf Verletzte zu beklagen, das kann auch eine Chance für die Anderen im Kader sein.
Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gab sich BFC-Trainer Rene Rydlewicz entspannt. „Es ist sehr angenehm, dass wir dieses Spiel machen können, schließlich haben wir uns das durch den Berliner Pokalsieg erarbeitet. Wir freuen uns und werden alles versuchen.“ Die Frage, ob er mit Unions Trainer Urs Fischer telefoniert habe, gab er zur Antwort: „Das Spiel habe ich im TV verfolgt und selbst genug Erfahrung im Profi-Geschäft.“ Es wäre sehr ungewöhnlich gewesen, wäre ein solches Gespräch zustande gekommen. Der BFC hat nichts zu verlieren, der Druck liegt aufseiten der Kölner. Im Vorverkauf wurden bereits über 8.000 Eintrittskarten abgesetzt, es besteht die Hoffnung, die Zuschauerzahl aus dem letzten Jahr – es waren über 14.000 – zu übertreffen.
Drei Stunden nach dem Anpfiff im Berliner Olympia-Stadion wird – etwa 260 Autobahnkilometer entfernt – in Jena die Partie zwischen dem FC Carl-Zeiss und dem 1. FC Union angepfiffen werden. Ein Spiel, dass es bereits in der Vorbereitung gab und es ging in Berlin 1:1 aus. Es ist Pokal und ein Unentschieden ist ausgeschlossen, spätestens im 11m-Schießen wird die Entscheidung fallen. „Ich gehe davon aus, dass es sehr schwer werden wird. Der Unterschied zwischen 2. und 3. Liga ist nicht so groß, die Voraussetzungen für einen Sieg sind nicht anders als gegen Aue oder Köln.“ In Jena hoffen sie auf eine Pokalüberraschung im restlos ausverkauften Ernst-Abbe-Sportfeld. Unter den 10.600 Zuschauern werden 1.500 Fans der Eisernen sein und zur Feier des 50jährigen Jubiläums des Gewinns des FDGB Pokals (1968 gegen den FC C.Z. Jena in Halle) werden auch drei der damaligen Pokalhelden, Torwart Rainer Ignaczak, Mittelfeldspieler Harald Betke und Stürmer Ralf Quest mit nach Jena reisen.
Einen Tag später startet Hertha BSC in Braunschweig in den Pokal und damit in die neue Saison. Eintracht Braunschweig hat die Hertha bereits aus dem Wettbewerb geworfen, schlimmer, die Alte Dame konnte bisher kein Pokalspiel gegen die Eintracht aus Braunschweig gewinnen. Zwei Spiele liegen bereits länger zurück, 1965 verloren sie 1:5 im Olympia-Stadion, 1974 gab es ein 1:4 nach Verlängerung und 2004 eine 2:3 Schlappe in Braunschweig. Pal Dardai stand damals als Spieler auf dem Platz. Die Braunschweiger sind überraschend abgestiegen und waren gezwungen ihren Kader für die 3. Liga komplett umzukrempeln. Insgesamt 17 Spieler aus der Zweitliga-Saison verließen den Verein. Dass der neu-formierte Kader mit Problemen in die Saison starten würde war vorauszusehen. Die 3. Liga hat bereits vier Spieltage absolviert und Braunschweig ist noch ohne Sieg, lediglich drei von zwölf möglichen Punkten konnten geholt werden. Es ist eine lösbare Aufgabe für den Erstligisten. Wie fast alle anderen Erstligisten startet Hertha gewissermaßen „aus der kalten“, es ist für die blau-weißen das erste Pflichtspiel in der neuen Saison. In Braunschweig wird ein volles Stadion erwartet und auf eine Überraschung gehofft. Das Spiel beginnt am Montag, 20.08. um 18:30 Uhr.
Hans-Peter Becker
