TuS Makkabi holt den Berliner Pokal und schafft Historisches

Die Teilnehmer der nunmehr 77. Auflage des Endspiels im Berliner Landespokalfinale waren allein bereits eine Überraschung. Der Berlin-Ligist Sparta Lichtenberg schaltete im Halbfinale sensationell mit einem 5:1 Sieg den ambitionierten Regionalligisten BFC Dynamo aus und dass Viktoria gegen den Oberligaaufsteiger TuS Makkabi ausscheiden würde, war nicht unbedingt zu erwarten.

Eine weitere Überraschung war die Zuschauerresonanz im Mommsenstadion. Der Reiz des Unbekannten mag eine Rolle gespielt haben, so fanden sich zur ungewöhnlichen Anstoßzeit, 12:15 Uhr, etwa 4.600 zahlende Zuschauer ein. Bereits im Vorverkauf waren über 3.000 Karten abgesetzt worden, um so unverständlicher, dass nur zwei Eingänge neben der Haupttribüne geöffnet wurden. Die verstärkten Sicherheitskontrollen sorgten zudem dafür, dass die letzten Eintrittskarteninhaber nicht pünktlich zum Anpfiff zu ihren Plätzen gelangen konnten. Dabei wurde Anpfiff um ein paar Minuten nach hinten verschoben, allzu viel ging nicht, um die Liveübertragung der ARD nicht zu sehr durcheinander zu bringen.

Foto:© Hans-Peter Becker

Bei meiner Anreise mit der S-Bahn aus Kaulsdorf, stiegen, unerwartet, doch einige Fahrgäste mit Sparta-Fanutensilien zu. Der Anmarsch vom S-Bahnhof Messe-Süd, durch den Eichkamp-Wald vermittelte ein Feeling analog zu den Heimspielen des 1. FC Union in der Wuhlheide. Im Stadion waren die Fanlager zahlenmäßig ausgeglichen, wobei in Bezug auf die Lautstärke Sparta die Nase vorn hatte.

Das Spiel bot beachtliches Amateurfußball-Niveau. Der Oberligist hat Feldvorteile und kam in der Anfangsphase besser in das Spiel. Der Führungstreffer für Sparta in der 13. Minute fiel buchstäblich aus dem Nichts. Daniel Hänsch verwandelte einen umstrittenen Foulelfmeter und diese Führung hielt bis zur 51. Minute. Der Torschütze für Makkabi war, mit Tim Häusler, ausgerechnet der Akteur, dessen Einsatz gegen Saloun Toure in der 13. Minute von Schiedsrichter Kai Kaltwaßer als strafstoßwürdig beurteilt wurde. Ein zur kurz abgewehrter Ball wurde zur Vorlage und mit einem satten Schuss, flach und platziert ins Eck, ließ er Tim Erdmann im Tor der Spartaner keine Chance der Abwehr. Der Ausgleich war verdient, das unermüdliche Anrennen des Oberligisten wurde belohnt. Zunächst erkämpften sich die Sandhowe Schützlinge damit nur die Verlängerung. Die Regularien des Berliner Verbandes sehen eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten vor. Vielleicht bedenkenswert, hier gleich eine Entscheidung per Elfmeterschießen herbeizuführen.

Foto:© Hans-Peter Becker

Die Verlängerung war ein Abnutzungskampf, die Kräfte schwanden, die Entscheidung fiel erst in der 118. Spielminute. Der eingewechselte Can Sakar zirkelte einen Freistoß über die Mauer, der Ball sprang vom Pfosten zurück und wurde vom Rücken des Abwehrspielers Lukas Noack ins eigene Tor gelenkt. Ein tragischer Moment für Sparta.

Es wurden fünf Minuten nachgespielt in der Verlängerung, bei den Sparta-Akteuren war keiner mehr in der Lage dem Spiel eine Wendung zu geben. Die endgültige Entscheidung fiel mit dem Schlusspfiff, der ebenfalls eingewechselte Kiyan Soltanpour konnte ins leere Tor treffen. Das Spiel wurde nicht wieder angepfiffen.

Foto:© Hans-Peter Becker

Dem TuS Makkabi Berlin ist historisches gelungen. Erstmals holte ein jüdischer Verein solch eine Trophäe und zieht in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals ein. Sparta bleibt der Trost, Berliner Meister und Aufstieg in die Oberliga, man sieht sich wieder zu den Spielen um die Punkte. Makkabi darf sich zusätzlich über einen warmen Regen für die Vereinskasse freuen. Man stellt sich ambitionierte Ziele, mittelfristig heißt das Ziel Regionalliga. Sicherlich hätte sie sich bei Sparta ebenso über das Geld gefreut, einen Einfluss auf die Planung für die nun bevorstehende Oberligasaison hat das nach Aussagen von Spartas Trainer Dragan Kostic nicht. Jeder Spieler des aktuellen Kaders hat es verdient, in der Oberliga seine Spielzeit zu bekommen.

Für den Trainer-Oldie Wolfgang Sandhowe fürs Erste nur noch feiern angesagt, in der Pressekonferenz war von „richtig einen saufen“ die Rede. Das hätte er dem Vorstand im Präsidium von Makkabi Michael Koblenz versprochen. Es sei Ihnen gegönnt, allerdings ist Saison in der Oberliga für Makkabi noch nicht beendet, am Samstag, 10.06.2023 steht das letzte Saisonspiel beim FC Mecklenburg Schwerin an.

Hans-Peter Becker

COSY WASCH Pokal Finale

03.06.2023 12:15 Uhr Mommsenstadion Berlin

TuS Makkabi Berlin – SV Sparta Lichtenberg 3:1 (0:1/1:1/2:0) nach Verlängerung

Zuschauer: 4.673

Mannschaftsaufstellungen

Makkabi: Krause – Häußler – Oellers – Lopes de Olivera – Lenz – Tokgöz – Körber – Stahl – Conteh – Bruck – Özcin (4-3-3)

Trainer Wolfgang Sandhowe

Auswechselungen: Sakar – Voahariniana – Cheung – Ceesay – Soltanpour

SV Sparta: Erdmann – Noack – Polster – Saberdest – Rehbein – Toure – Toktumur – Konrad – Dujkovic – Hänsch – Lang (4-4-2)

Trainer Dragan Kostic

Auswechselungen: Günaydin – Karupovic – Gudzevic

Schiedsrichter: Kai Kaltwaßer

Assistenten: Marcel Richter – Lutz Meyer Richter – Felix Gensrich

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