
Das königliche „Duell der Giganten“ hielt alles, was man sich im Vorfeld versprochen hatte: Großartige Stimmung von 6.307 Zuschauern, umkämpfte Ballwechsel, die Entscheidung erst nach 130 Minuten. Nur das Ende hatte man sich auf Berliner Seite anders vorgestellt: Mit 2:3 (22:25, 25:23, 23:25, 25:18, 12:15) unterlagen die BR Volleys im Hinspiel des Playoff-12 der CEV Champions League dem weiterhin ungeschlagenen Team des VfB Friedrichshafen. Gegen den frisch-gebackenen Pokalsieger vom Bodensee vertraute Stelian Moculescu auf die Dienste von Adam White, Steven Marshall, Graham Vigrass, Aleksandar Okolic, Paul Carroll, Pierre Pujol und Libero Luke Perry. Nach ausgeglichenem Beginn, in dem beide Teams ihren Side-Out halten konnten, gelang es zunächst den Gästen aus Friedrichshafen sich erstmals abzusetzen (6:9). Konnten die BR Volleys in Person von Adam White das noch kontern (8:9), schlichen sich danach Ungenauigkeiten in der Annahme ein, die der VfB geschickt zu nutzen wusste (9:13). Ein Moculescu-Kniff, der im Block Kyle Russell für Pierre Pujol einwechselte, machte der Saisonrekordkulisse noch einmal Hoffnung (19:21). Ausschlaggebend am Ende: Während Friedrichshafen weitgehend fehlerfrei auftrat, profitierten sie von insgesamt sechs Aufschlagfehlern der Berliner im ersten Satz. Exemplarisch dafür: Ein verschlagener Aufschlag Pujols besiegelte letztlich den Satzverlust (22:25).
Zu Beginn des zweiten Durchgangs erleichterte hoher Druck im Aufschlag die Blockarbeit (8:4). Der immer stärker werdende Carroll entschied nun auch die längeren Ballwechsel für sein Team (10:6), im Anschluss brach die Zeit der Mittelblocker an: Vigrass im Angriff und Okolic im Block sicherten den Vorsprung ab (20:16). Am Ende des Satzes sollten sechs Blockpunkte auf Berliner Seite zu Buche stehen, von davon gingen auf das Konto des kanadisch-serbischen Duos. Bevor Tomas Kocians Aufschlag im Netz landete (25:23), unterbrachen beide Trainer mit insgesamt drei Auszeiten den dramatischen Spielverlauf. Nach dem so wichtigen Satzausgleich starteten die Berliner mit Oberwasser in den dritten Durchgang. Ein Block Pujols und das erste Ass der Hauptstädter durch Adam White zwangen Heynen zur frühen Auszeit (4:3). Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch (8:9, 14:12), in dem beide Seiten viele Fehler produzierten. In den entscheidenden Momenten waren es aber die Berliner, die sich die Patzer leisteten. Erneut landete ein Aufschlag Pujols im Netz, die Friedrichshafener gingen mit 2:1 in Führung (25:23).
Für Steven Marshall schickte Moculescu zu Beginn des vierten Satzes Kapitän Robert Kromm dauerhaft auf die Platte. Die Anfangsphase des vierten Satzes blieb ausgeglichen, nach einem Angriff von Protopsaltis waren die Häfler zur ersten technischen Auszeit knapp in Führung (8:7). Gute Blockarbeit von Kromm und Carroll sorgte dafür, dass diese wechselte, Adam White ließ ein Servicewinner folgen (11:8). Topscorer Carroll (25 Punkte) machte wenig später eine Taktikbesprechung der Friedrichshafener notwendig (19:16). Beeindrucken ließen sich die Hauptstädter davon nicht: Mit White hinter der Aufschlaglinie blieb der Druck hoch, Blockpunkte von Kromm und Carroll bauten den Vorsprung entscheidend aus (21:16). Robert Kromm verwandelte mit einem Angriff gleich den ersten Satzball (25:18). Im Tiebreak gelang es zunächst keinem Team sich abzusetzen. Beim Seitenwechsel noch in Führung (8:7), kassierte der Gastgeber kurze Zeit später das vorentscheidende Break zum 11:12. Auch zwei Auszeiten durch Moculescu trugen keine Früchte mehr, in den finalen Momenten fehlte den Berlinern die Durchschlagskraft (12:14). Der entscheidende Punkt blieb dem durchschlagkräftigsten Spieler der Friedrichshafener, Athanasios Protopsaltis (24 Punkte), überlassen, der das Spiel für die Gäste vom Bodensee entschied (12:15).
BR Volleys-Trainer Stelian Moculescu zeigte sich nach der knappen Niederlage gefasst: „In so einem Duell muss man damit rechnen, dass das Spiel so einen Verlauf nehmen wird. Wir haben uns heute im Aufschlag und Block weiter verbessert und gut gespielt. In den entscheidenden Situationen waren wir dann aber nicht geduldig genug. Dennoch ist die Mannschaft auf dem Weg, auf dem ich sie haben möchte“. Paul Carroll schob mit Blick auf das Rückspiel am nächsten Donnerstag hinterher: „Heute haben nur Kleinigkeiten den Unterschied ausgemacht. Aber man hat gesehen, dass wir mittlerweile auf Augenhöhe mit Friedrichshafen sind. Das macht Mut für das Rückspiel.“ Dieses findet nach dem Bundesliga-Spiel am Bodensee (18. März um 14.30 Uhr) ebenfalls in der ZF Arena statt (22. März um 20.00 Uhr).
Christof Bernier
