Sprödes Eisen gegen Stuttgart

Fußball-Bundesliga

8. Spieltag 21.10.2023 15:30 Uhr Stadion Alte Försterei

1. FC Union Berlin – VfB Stuttgart 0:3(0:1)

Es läuft im Moment nichts beim 1. FC Union, die Alte Försterei ist keine Festung mehr, seit dem 3. Spieltag geht es abwärts. Gegen Stuttgart setzte es eine 0 : 3 Niederlage, die erste Halbzeit war die bisher schwächste der Saison. Es war nicht eine einzige klare Torchance zu notieren, dagegen gnadenlos effektive Stuttgarter, sie hatten die bessere Raumaufteilung und strotzten dazu vor Selbstvertrauen. Ihr Mittelstürmer Serhou Guirassy, trifft zuverlässig, in den bisher acht Saison-Spielen hat er 14 Tore erzielt. Sein Treffer in der 7. Minute leitete Unions Niederlage ein.

Nach längerer Verletzungspause waren Rani Khedira und Robin Knoche wieder dabei. Im Angriff durfte sich Kevin Volland in der Startformation beweisen. Die drei Genannten waren mitnichten bei 100 % und verbesserten in der Spielanlage nichts. Angesichts der Niederlagenserie fehlt das Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen. Zudem hat es den Eindruck, dass der Matchplan dem Gegner bereits vor dem Spiel bekannt zu sein scheint.

Die Abwehr macht den einen Fehler zu viel, die Gegentoren fallen zu leicht. Das früher viel gerühmte Anlaufverhalten hat jegliche Aggressivität verloren. Gegen den VfB konnten so gut wie kein Ball mal „fest gemacht“ werden, um eine Chance zu kreieren. Wenn sich mal eine Möglichkeit im schnellen Umkehrspiel bot, wurde unmotiviert aus großer Entfernung auf das Tor geschossen. Der Sweater von Stuttgarts Torwart Alexander Nübel dürfte keinen Grasfleck gehabt haben.

“In der ersten Halbzeit lief gar nichts zusammen. Gegen den Ball waren wir nicht aggressiv genug und hatten auch insgesamt kaum Zugriff. Nach dem Seitenwechsel war es besser und schon eher ein ausgeglichenes Spiel, in dem wir auch Chancen zum Ausgleich hatten. Bei den Gegentoren stellen wir uns nicht wirklich gut an und stehen nun am Ende wieder mit leeren Händen dar. Jetzt haben wir zwei Tage Zeit, um uns auf die nächste Aufgabe vorzubereiten”, so das Fazit von Cheftrainer Urs Fischer nach dem Abpfiff.

„Wenn wir das, was wir im Vorfeld analysieren, auf dem Platz falsch machen, können wir keine Spiele gewinnen. Natürlich macht auch der Kopf nach so einer Niederlagenserie etwas mit dir, da lässt es sich nicht so einfach befreit aufspielen wie sonst. Aber wir bleiben dennoch ruhig und sachlich und gehen die Aufgaben gemeinsam an. Jeder in der Mannschaft arbeitet hart und auch die Kommunikation untereinander ist da. Wenn ich irgendwo Resignation erkennen würde, würde ich mir Sorgen machen, aber das ist nicht der Fall“, so Robin Knoche.

Betretene Gesichter der Akteure nach dem Spiel. Schlussendlich drohten die Eisernen in der Schlussphase des Spiels sogar auseinanderzufallen, da wird es ihnen gutgetan haben, dass die treuen Fans sie trotzig feierten, fast surreale Bilder. In Köpenick wurden schon ganz andere Krisen überstanden. Urs Fischer ist jetzt vor allem als Psychologe gefordert. Vielleicht ist das am Dienstag, 24.10.2023, dann im Olympiastadion angesetzte Spiel in der Champions-League ein erster Schritt für eine wirksame Therapie.

Eine Trainerdiskussion wird es wohl noch nicht geben. Einen Rücktritt schloss Urs Fischer in einem Interview direkt nach dem Spiel aus. Die Suche nach den Ursachen sollte schnell erfolgreich sein. Der Sky-Experte Didi Hamann deutet in einem Nebensatz seiner Spielanalyse an, dass einige der Neuverpflichtungen, angesichts der Qualifikation für die Champions League, das Gehaltsgefüge durcheinander gebracht haben könnten. Die Geschlossenheit auf allen Ebenen war bisher eine der großen Stärken der Eisernen.

Hans-Peter Becker

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