Tasmania sendet nach zwei Niederlagen ein Lebenszeichen, Preussen bleibt im Aufwind – doch in Lankwitz läuft die Uhr.
Die Standortbestimmung nach dem 10. Spieltag bringt bei den beiden Berliner Teams vom BFC Preussen und Tasmania aus der Regionalliga Nordost unterschiedliche Erkenntnisse. Nach dem 1:1 vom Samstag (19.09.) steht der Aufsteiger aus Berlin-Neukölln zunächst weiter auf dem vorletzten Platz der Tabelle. Dabei war die Punkteteilung im rein Berliner Duell – ebenfalls mit rein Berliner Beteiligung bei den Unparteiischen – dem Spielverlauf angemessen. Für die Tasmanen ist das Resultat daher eine schöne Richtigstellung der eigenen Leistungsfähigkeit; die Niederlage in der Mitte der Englischen Woche (2:5 vs. BSG Chemie Leipzig) hätte auch mehr Spuren hinterlassen können. Dabei hatte es zu Beginn den Anschein, dass Pleiten, Pech und Pannen sowie Punktverluste ihre Fortsetzung auch im Duell mit den Preussen finden würden: Keine Minute war gespielt, als nach einer Ecke durch Ede Gramberg Preussens Charmaine Häusl zum Kopfball kam. Leicht abgefälscht durch einen Abwehrspieler landete der Ball im Tor. 1:0 zu einem rekordverdächtigen Zeitpunkt! „Das ist schon keine Überraschung mehr. Diese frühen Gegentore sind trotzdem einfach ärgerlich“, sagte einer der „Tasmanischen Teufel“, aus der Anhängergruppe der Neuköllner. Die hatten diesmal auch ihre erst kürzlich angeschaffte Fahne mit dem Teufelskopf in zweifacher Ausführung dabei – während die früher etablierte kleine Schar der Preussen-Anhänger, die Preussen-Adler, von der Bildfläche verschwunden scheinen. Nur ganz zaghaft waren im Verlauf einmal wenige Anfeuerungsrufe neutral gekleideter Besucher zu hören.
Anschließend an den frühen Führungstreffer folgten weitere Möglichkeiten der Hausherren, unter anderem durch Distanzschüsse auf das Tor von Elias Höftmann (22). Der hütete statt Mateusz Mika (38) wieder den Kasten. Mika waren aber zuvor beim Heimspiel gegen die Leipziger die fünf Gegentreffer – geht man nach den Fernsehbildern – kaum anzukreiden. Preussen mit dem Selbstbewusstsein der zuletzt gut geführten Meisterschaftspartien (zwei Siege, eine Punkteteilung) schien auf dem richtigen. Der beeindruckende Start wurde jäh durch einen robusten Körpereinsatz des Tasmanen Pedro Cruz Magalhaes beendet. Der war schon zweimal Oberliga-Meister geworden, einmal für Preussen, aber auch 2025/26 mit Tasmania. Nach seiner langwierigen Verletzung nahm ihn Trainer Pardis Fardjad-Azad zum ersten Mal von Beginn an in die Elf. Gegenspieler Nino Lessel noch umkurvend, traf er ins lange Eck. Von Jubel wollte der Brasilianer als ehemaliger Preusse allerdings nichts wissen. Mit 1:1 ging es in die Pause.
Nach einer Stunde eine Szene, die größeren Einfluss auf das Resultat hätte haben können: Gramberg, der Vorlagengeber zur Führung der Lankwitzer, tritt Luka Janes um. Schiedsrichter Kai Kaltwaßer zeigt ihm sofort seine zweite Gelbe Karte, die bekanntlich die Hinausstellung bedeutet. Mehr als eine halbe Stunde müssen die Preussen in Unterzahl den nun heftigeren Angriffen der Gäste standhalten. Den letzten Auftritt in dieser Begegnung hat der sehr ballsichere Tasmane Tahsin Cakmak. Sein Distanzschuss hat aber zu wenig Druck. Es bleibt bei der Punkteteilung.
Gegen die können beide Trainer nichts haben, denn Preussen hatte einige Verletzte – wie z.B. Leo Sommerfeld (Kreuzbandriss) aus der Verteidigung und Nikolas Frank im Sturmzentrum – zu beklagen, während die Elf von Fardjad-Azad den eindeutigen Niederlagen gegen den BFC Dynamo (1:3) und gegen die Chemiker diesen guten Auftritt folgen ließ. Der sollte bei noch acht verbleibenden Spieltagen der ersten Saisonhälfte die Zuversicht, auf einem Nichtabstiegsplatz zu landen, wieder gesteigert haben. Das Startelf -Debüt von Cruz Magalhaes verlief aber nur zum Teil so, wie es sich der Torschütze erhofft haben dürfte: mit einer Fleischwunde am Mund musste er mit einem bereitstehenden Ambulanzfahrzeug in die Klinik gefahren werden. „Die Müdigkeit aus den letzten Wochen hat man uns auf jeden Fall stark angemerkt. In der Defensive haben wir zu wenige Wechselmöglichkeiten, das macht sich bemerkbar“, erklärte Preussen-Trainer Daniel Volbert. Es sei am Samstag ein Lauf auf dem Zahnfleisch gewesen.
Wo der Lauf für den Aufsteiger der vergangenen Saison, den BFC Preussen, weiter gehen soll, wenn die Klasse auch in dieser Spielzeit gehalten werden kann, war in der Öffentlichkeit lange offensichtlich. Der vereinseigene Sportplatz an der Malteser Straße mit Halle, Kunstrasen, und daneben liegenden Gewerbebetrieben hält schließlich in Berlin sein Alleinstellungsmerkmal. Wenn da nur nicht das Provisorium wäre – ein Stadion ohne Flutlichtanlage. So müssen im Winterhalbjahr z. B. Wochentagsspiele viel früher beginnen, als eigentlich vorgesehen. Fans gegenüber eine Zumutung. Das weiß man eigentlich alles seit langer Zeit. Vom Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) bestimmungsgemäß nur zwei Jahre geduldet, läuft die Uhr hier nun im kommenden Sommer ab. Erschwerend ist: Regionalliga-Nachbar RSV Eintracht (aus Stahnsdorf) nutz das Gelände provisorisch ebenfalls, denn in Stahnsdorf kann gar kein regionalligatauglicher Fußball angeboten werden. Bei den Preussen dagegen hat man für Spiele, die es nötig haben, hier zumindest einen eingezäunten Gästeblock geschaffen. Der Bauantrag für eine benötigte Flutlichtanlage soll noch nicht fertig ausgearbeitet sein. Vom Bezirk ist nichts zu erwarten, denn dem gehört das Gelände ja nicht. Die Forderung des NOFV ist laut Geschäftsführer Till Dahlitz nicht verhandelbar, daher für alle Klubs gleich. „Ohne Flutlicht gibt es keine Zulassung für die kommende Regionalliga-Spielzeit“, wird Dahlitz bei rbb24 zitiert. Die Kosten sollen laut Vereinspräsident Uwe Utz bei etwa 200.000 Euro liegen. Finanziert werden soll das Bauvorhaben durch Sponsoren, der Antrag im vierten Quartal des Jahres noch gestellt werden.
Bei erst einem Sieg in zehn Partien dieser Saison, ist zumindest die Frage nach der Beleuchtung im Werner-Seelenbinder-Sportpark nicht im Fokus. Dafür hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen 2023 bereits Mittel in Höhe von 2,2 Mio. Euro bereitgestellt. Insgesamt sollten für ein umfassendes Bauvorhaben auf dem Tasmania-Sportplatz sechs Mio. EUR investiert werden. Parallel dazu wurden die Außenanlagen regionalligatauglich gestaltet; dazu kam 2024 auch eine moderne Flutlichtanlage. Der überall meist Käfig genannte Gästeblock ist ebenfalls längst aufgestellt. Für einen weiteren und langfristigen Auftritt von Tasmania in der vierthöchsten Spielklasse sind die Rahmenbedingungen auf dem alten Neuköllner Platz also vorhanden. Für den Rest müssen die Akteure auf dem Spielfeld sorgen. Almir Numic, Sportlicher Leiter und 1. Vorsitzender in Personalunion, glaubt, „dass wir sehr gute Chancen haben, am Ende die Klasse zu halten“. Weiter sagt er in einem Interview mit dem RBB: „Ab dem 1. Oktober bekommen wir einen eigenen Gästeeingang.“ Ferner wolle der Verein eine achtzig Meter lange Überdachung zu beiden Seiten errichten. „Wir planen unabhängig von der jetzigen sportlichen Situation, sehr langfristig mit der Regionalliga in Neukölln“, wird der 1. Vorsitzende weiter zitiert.
Die Baupläne für das Preussen-Stadion sollten möglichst bald realisiert werden. Nach anfänglichen dicken Brocken hat sich die Mannschaft gut gefangen. Der unterschätzte Aufsteiger ist man schließlich nicht mehr. Und nach dem 10. Spieltag nimmt man sogar einen Platz vor den lokalen Größen von Hertha BSC II und SV Babelsberg 03 ein. Wenn es erhebliche Verzögerungen beim Thema Flutlicht geben sollte, hat die Regionalliga Nordost unabhängig vom Tabellenstand zum Ende zwei Zwangsabsteiger – BFC Preussen und RSV Eintracht. Am heutigen Freitagabend (25.09.2026) geht es für den Aufsteiger SV Tasmania am 11. Spieltag gegen FC Carl Zeiss Jena, einen der Ligafavoriten. Preussen ist am Tag darauf in Halle dran.
Frank Toebs

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