Sammeln wir mal einige Argumente: Wenn es um den Marktwert der Mannschaften geht, heißt es 11 : 0 für Hertha. Als, wenn es so leicht gehen würde. Allein der Blick auf die Tabelle nach neun Spielen lässt staunen. Union hat 16 Punkte, Hertha die Hälfte und das keineswegs grundlos. Hertha hat im letzten Spiel in Leverkusen mit dem 0:0 endlich zu einer defensiven Stabilität gefunden. Das zeichnete bisher Union aus. Obwohl, gegen Frankfurt ließen sie ausgerechnet die ein bisschen vermissen. Die Fans sehen lieber ein 3:3 statt ein 0:0. Union hat bisher 21 Tore geschafft, Hertha bringt es auf 15 Treffer. Dennoch gibt es Experten, die auf Hertha tippen.
Die Taktik „hinten dicht, vorne schießt der liebe Gott vielleicht ein Tor“, könnte dazu führen, dass sich die Mannschaften im Derby gegenseitig neutralisieren. Wer verliert schon gern in so einem Spiel? Also, es geht 0:0 aus oder? Wer schießt eher ein Tor: Der Gott bei Union heißt Max Kruse – bei Hertha Matheus Cunha. Piatek ist noch nicht so weit. Marcel Reif: „Kruse gehört in die Nationalelf“. Da gehe ich voll mit. Jogi darf weitermachen. Ihm sei unter die Nase gerieben, dass früher Bundestrainer sich über die Form der Spieler auch Auskunft bei seinen Bundesligakollegen einholten. Es sollten stets die Besten nominiert werden!
Herthas Spielstruktur ist mit Mittelfeldakteur Matteo Guendouzi, Leihgabe von Arsenal, besser geworden. Carsten Schmidt hat sein Amt als Vorstandsvorsitzender angetreten. Angeblich wird jetzt aufgeräumt. Michael Preetz hat jetzt einen Vorgesetzten. Die Idee dazu soll der Präsident gehabt haben. Wollte er Manager Preetz entlasten, zumal Arne Friedrich als Sportdirektor ja auch etwas tun möchte? Man darf auf die weiteren Entwicklungen gespannt sein. Was ist eigentlich aus dem ehemaligen Pressesprecher Peter Bohmbach geworden? Vom Archiv-Keller hört man nicht viel.
Unions Vorzüge in Sachen Personal liste ich lieber nicht auf. Das könnte mir als Rache ausgelegt werden. Das Hauptstadtderby muss erneut ohne Zuschauer auskommen. Im März spielten beide in der Riesenschüssel schon ohne Fans, leider.
Die eigens für das Derby von den UCOH Allstars feat. Frank Zander kreierte neue Hertha-Melodie wird so ohne Zuschauer auskommen müssen. Nach dem ersten Anhören ist das nicht für jeden Geschmack ein Ohrstreichler. Die in der Stadt verteilten Hertha-Fahnen waren gelungener. Vielleicht gehen ja die Zahlen für kostenfreie Probe-Abos nach oben. Das ist eine Mindestvoraussetzung für all jene, die das Spiel live sehen wollen. Rein sportlich gesehen stellt sich die Sache so dar, Hertha darf nicht weiter verlieren und die Eisernen können in der Gunst nur gewinnen. Alles ist drin.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sitzt, was die Live-Berichterstattung betrifft, nur noch am Katzentisch. Um so mehr Mühe gibt er sich in der Vor- und Nachberichterstattung. In der späten Nacht, einen Tag später, darf dann das alt-ehrwürdige Sportstudio was bringen. Da wird ein gewisser F. Z. über das Derby berichten, vielleicht passiert ja nach dem Spiel was Aktuelles.
Christian Zschiedrich
