Eiserner Aufstieg – Fußball pur in der Bundesliga

Berlin freut sich, was in München einige Zeit gang und gäbe war, trifft jetzt in der kommenden Saison in der Fußball-Bundesliga auf die Hauptstadt zu. Bist du Blauer oder Roter ? Gesunder Konkurrenzkampf und ein bisschen Abgrenzung, das gehört einfach dazu, meinte Unions Geschäftsführer Kommunikation und Stadionsprecher Christian Arbeit in einem Radiointerview zu früher Stunde nach fast durchfeierter Nacht. Leichtsinniger Weise hatte das versprochen, genauso wie er im Wintertrainingslager geäußert hatte, dass er im Aufstiegsfall seine langen Haare opfern würde. Der Aufstiegsfall trat dann tatsächlich ein.

Montagabend, 27. Mai 2019 um exakt 22:28 Uhr war es vollbracht. Unzählige Märchen wurden wahr, der 1. FC Union Berlin spielt in einer Liga mit Borussia Dortmund, Bayern München, Schalke 04 und, und, aus dem Aschenbrödel wurde eine Goldmarie. Zwei Unentschieden reichten dem Zweitligisten zum Aufstieg und für den VfB Stuttgart endete eine Katastrophen-Saison in einem Desaster. Das Spiel bot logischerweise keine fußballerische Feinkost, vielmehr wurde geackert, dass es einem Wunder gleich kam, das einige Akteure nach dem Spiel noch feiern konnten.

In der Anfangsphase durften die Eisernen sich von den Vorzügen des Videobeweises überzeugen lassen. Stuttgart hatte mit einem sehenswerten Freistoßtreffer die frühe Führung erzielt. Ohne Videobeweis hätte der Treffer gezählt. Trotz klarer Abseitsstellung, wenn auch zunächst passiv, blieb die Fahne des Assistenten unten. In den Fernsehbildern war deutlich zu erkennen, dass Stuttgarts Nicolas Gonzales die Sicht des Torwartes behindert hatte. Warum er dort überhaupt hinging ?

Urs Fischer, der Aufstiegstrainer © Foto: Hans-Peter Becker

In der ersten Hälfte hatten die Eisernen Glück, dass den Gästen kein regulärer Treffer gelang. Nach vorn brachten sie nichts zustande. In der zweiten Hälfte verstärkten die Stuttgarter ihre Angriffsbemühungen. Mario Gomez kam für den Unglücksraben Gonzales. Die Spieluhr lief herunter und Eisern stand die Null. Ein gefährlicher Spielstand, je näher der Schlusspfiff rückte. Fast wären die schlimmsten Befürchtungen Realität geworden. Union traf zweimal nur den Pfosten, während Benjamin Pavard in der 89. Minute Rafal Giekewicz zu einer Parade zwang. Der Schiedsrichter zeigte fünf Minuten Nachspielzeit an. Urs Fischer hatte sich einen Spieler für einen taktischen Wechsel aufgespart. Michael Parensen, der einzig verbliebene Akteur des Zweitligaaufstiegs von 2009 kam für Robert Zulj. So wurde es für ihn eine ganz besondere Geschichte. Schiedsrichter Christian Dingert beendete die Partie, torlos in Berlin und 2:2 in Stuttgart, das reichte.

Die Ränge leerten sich, alles strömte aufs Spielfeld. Einige sicherten sich ein Stück Rasen. Zuvor hatte Mannschaft historisches vollbracht. Präsident Dirk Zingler erlebte den Schlusspfiff und somit den größten Moment seines Vereins auf der Toilette. Es waren wohl die Nerven, die mächtig auf die Blase drückten. Als er 2004 von seinem Vorgänger Jürgen Schlebrowski das Amt übernahm folgte gleich der Abstieg von der Regional- in die Oberliga. Der Verein fast am Ende, es begann eine Sisyphosarbeit. Zingler erinnerte daran, dass es in der schweren Zeit zwischen 2004 bis 2007 Menschen gab, die den Verein nicht untergehen ließen. Teilweise wurde ohne Gehalt weiter gearbeitet. All denen sollte gedankt werden.

Der 1. FC Union ist jetzt ganz oben angekommen. Die Bundesliga darf sich auf einen etwas anderen Verein in ihren Reihen freuen. Das inzwischen viel zu kleine Stadion bietet zu den Heimspielen nur soviel Kommerz wie nötig und dabei so viel Fußball wie möglich. Union ist heute bereits das, was hip und cool genannt wird.

Hans-Peter Becker

Bundesliga, die Ossis kommen © Foto: Hans-Peter Becker

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