Der 1. FC Union rüstet auf – weitere Geschäftsführer berufen

Das Präsidium des 1. FC Union Berlin nimmt die Entwicklung des Vereins und seiner Tochtergesellschaften in den vergangenen Jahren zum Anlass, die Geschäftsführung inhaltlich und personell zu erweitern.

Den Geschäftsbereich Marketing und Vertrieb, der zuletzt von Thomas Stäpke, Geschäftsführer Finanzen, kommissarisch geleitet wurde, verantwortet künftig Jan Boysen. Der 40-jährige Diplom-Ökonom leitete bisher das Team Sponsoring und Vermarktung des 1. FC Union Berlin und übernimmt die neue Aufgabe nach Übergabe der bisherigen Tätigkeit an einen neuen Teamleiter.

Neu geschaffen wird der Geschäftsbereich Digitalisierung. Für diesen zeichnet ab 01.10.2021 die 45-jährige Anja Kasper verantwortlich. Die Diplom-Betriebswirtin bringt langjährige Erfahrung bei der Leitung digitaler Projekte der Daimler AG mit und wird sich künftig den digitalen Herausforderungen für Union annehmen.  

Thomas Stäpke wird sich als Geschäftsführer Finanzen ab sofort mit besonderem Augenmerk der Finanzierung und dem Baukostencontrolling für die anstehenden Bauprojekte Neubau des NLZ und Ausbau des Stadions An der Alten Försterei widmen. 

„Den Anforderungen an einen schnell wachsenden Bundesliga-Club wollen wir uns auf allen Ebenen stellen, um den gesamten Verein und seine Tochtergesellschaften kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Professionalisierung und Spezialisierung der Geschäftsbereiche ist dafür unabdingbar, deshalb freuen wir uns, mit Anja Kasper und Jan Boysen künftig zwei neue ausgewiesene Fachleute in unseren Reihen zu wissen“, so Union-Präsident Dirk Zingler. „Mein Dank gilt zudem Thomas Stäpke, der die kommissarisch übernommene Aufgabe erfolgreich gemeistert hat und den Bereich Marketing und Vertrieb nun an Jan Boysen übergibt.“

Komplettiert wird die Geschäftsführung von den Präsidiumsmitgliedern Oskar Kosche (Lizenzierung) und Lutz Munack (Nachwuchs- und Amateurfußball), sowie Oliver Ruhnert (Profifußball) und Christian Arbeit (Kommunikation).

Quelle: 1. FC Union Berlin/Petra Mattuscheck

Unentschieden in der Wuhlheide und Fanproteste

Der 1. FC Union Berlin hat am 24. Spieltag Zähler Nummer 30 geholt. Es kam zustande nach einem 2:2 in der Partie gegen den VfL Wolfsburg. Trotz eines verspielten 2:0 Vorsprung sprach Trainer Urs Fischer von einem wichtigen Punkt, über den er sehr froh ist. In der wieder restlos ausverkauften „Alten Försterei“ ging seine Mannschaft zunächst mit 2:0. Es waren zwei Freistöße von Kapitän Christopher Trimmel, die per Kopf von Sebastian Andersson und später von Marvin Friedrich (sein erster Saisontreffer) ins Tor buggsiert wurden. Aus dem Spiel heraus lief für die Eisernen wenig. Die Wolfsburger hatten gutes Rezept gegen die Angriffsversuche der Eisernen. Es haperte lediglich in der finalen Abschlusshandlung. Da bekamen die Eisernen meist rechtzeitig einen Fuß an den Ball.

In der ersten Halbzeit fiel ein Tor und das Spiel musste wegen einer Protestaktion der Fans zwei Mal unterbrochen werden. Ein Teil Fans protestierte gegen die Sprerre von Dortmunder Fans Auswärtsspielen ihres Vereins in Hoffenheim. Das Banner “ 2017, Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht! Fick Dich DFB ! Über die Wortwahl lässt sich streiten, Fußballer-Sprache. Als freie Meinungsäußerung geht das noch durch. Leider war das nicht alles, es wurden die Plakate mit Hopp im Fadenkreuz gezeigt und auf einem anderen wurde er als Hurensohn bezeichnet. Die Plakate mussten verschwinden und Spiel wurde fortgesetzt.

Gefordert war Stadionsprecher und Kommunikationschef Christian Arbeit, der auf Nachfrage in der Pressekonferenz nach dem Spiel zu den Vorgängen Stellung nahm. Es wurde am selben Tag auch eine Erklärung des Präsidenten Dirk Zingler verbreitet.

„Die Diffamierung von Menschen verurteile ich aufs Schärfste, so etwas ist nicht tolerierbar. Die Verrohung des Umgangs miteinander in unserer Gesellschaft, die sich auch rund um Fußballspiele widerspiegelt, ist äußerst besorgniserregend. Vor der Herausforderung, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, stehen wir alle. Jeder Einzelne ist aufgefordert, ihr entgegenzuwirken“, positioniert sich Dirk Zingler grundsätzlich und wirbt darüber hinaus im konkreten Kontext des Fußballs für eine differenzierte Sicht.

Aus eigenem Erleben kann ich schildern, dass die Aktion der Waldseite in den anderen Sektoren des Stadions kontrovers diskutiert wurde. Von Zustimmung bis kompletter Ablehung reichte das Spektrum der Meinungen. Es steht zu befürchten, dass es am kommenden Spieltag weiter gehen könnte und dazwischen liegt das Viertelfinale im Pokal.

Spieldaten

1. FC Union Berlin: Gikiewicz –Friedrich, Hübner, Subotic– Trimmel, Andrich, Gentner (73. Prömel), Lenz – Malli (66. Ingvartsen), Andersson, Bülter (83. Ryerson)

VfL Wolfsburg: Casteels – Mbabu, Knoche, Brooks, P. Otavio – Steffen (63. Mehmedi), Gerhardt, Arnold, Brekalo (88. Klaus) – Ginczek (77. Victor), Weghorst

Tore: 1:0 Andersson (41.), 2:0 Friedrich (56.), 2:1 Gerhardt (60.), 2:2 Weghorst (81.)

Zuschauer: 22 012

 

Eine bittere Niederlage

Ist der Fußball gerecht ? Die Anhänger der Eisernen werden diese Frage nach dem Spiel gegen Bayer Leverkusen mit einem klaren Nein beantworten. Die wohl beste spielerische Leistung der Saison reichte nicht, um wenigstens einen Zähler in Berlin zu behalten. Eine turbulente Schlussphase mit offiziell sieben Minuten Nachspielzeit sorgte für Riesenjubel bei den Gästen.

Es wurde gezündelt im Gästeblock, übrig gebliebene Silvesterknaller und bengalische Feuer hüllten das Stadion teilweise in Rauchschwaden. Es wurde oligatorisch durch den Stadionsprecher Christian Arbeit darauf hingewiesen, dass das nicht erlaubt sei und die Waldseite skandierte „Pyros sind kein Verbrechen“. Das Spiel war unterbrochen, in der 64. Spielminute forderte Schiedsrichter Harm Osmers die Mannschaften auf, das Spielfeld zu verlassen. Beide Trainer, vorallem der Leverkusener, nutzten die Gelegenheit für taktische Hinweise. Anschließend war klar, dass es eine längere Nachspielzeit geben würde. Genau das wurde den Eisernen zum Verhängnis. In der 83. Minute nahm das Unheil seinen Lauf. Der zur Halbzeit eingewechselte Moussa Diaby schloss einen Konter zur 2:1 Führung für die Gäste ab. Christopher Trimmel war als rechter Außenverteidiger weit aufgerückt und rutschte tragischerweise aus. Er hatte keine Absicherung, die Abstände stimmten nicht, das finale Zuspiel passte und der Ball landete im Tor.

Die Eisernen schlugen nochmals zurück, es war Marius Bülter der Lukas Hradecky im Leverkusener Tor überwinden konnte. Da lief bereits die 87. Spielminute. Es war an diesem Spiel noch nicht der Haken dran. In der 94. Minute erzielte Karim Bellarabi ein unmögliches Tor, spitzer Winkel, Torwart ausgetrickst und lähmendes Entsetzen im Lager der Eisernen. Fast hätte es ein Happy End gegeben. Die letzte Aktion im Spiel, ein Eckball und Rafal Gikiewicz war aus seinem Kasten geeilt und kam tatsächlich an den Ball, doch sein Leverkusener Kollege war rechtzeitig unten und konnte den Ball sichern.

Es machte sich eine große Leere breit. „Es ist schon brutal, nach so einer Leistung mit leeren Händen dazustehen“, so Christian Gentner, der das 1:0 für die Eisernen erzielt hatte. War es der Kräfteverschleiß, war es Naivität ? Es gibt Gegentore die nicht vermeidbar sind, die drei Gegentore der Eisernen fallen nicht in diese Kategorie.

Es ist nach dieser Niederlage nicht viel passiert, Punkte gegen Leverkusen zu holen, kann nicht ernsthaft geplant gewesen sein, allerdings muss immer wieder mit einer Schwächephase des Gegners gerechnet werden und nächste Favoritensturz in der „Alten Försterei“ war möglich.

Fußball-Bundesliga 22. Spieltag 16.02.2020 15:30 Uhr

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Friedrich, Schlotterbeck, Subotic  (86. Polter) – Trimmel, Gentner (76. Prömel), Andrich, Lenz – Malli (76. Ingvartsen), Andersson, Bülter

Bayer 04 Leverkusen: Hradecky – Tah, S. Bender, Tapsoba – Weiser (45. Aránguiz), L. Bender, Amiri (76. Bellarabi), Wendell – Havertz, Volland, Bailey (45. Diaby)

Tore: 1:0 Gentner (7.), 1:1 Havertz (22.), 1:2 Diaby (83.),  2:2 Bülter (87.), 2:3 Bellarabi (90. + 4)

Zuschauer: 22.012


Eisern in München oder man hat immer eine Chance

Christian Arbeit leitete die Doppelpressekonferenz, nach München in der Bundesliga steht ja bereits drei Tage später das Pokalspiel in Freiburg an, gleich mit der richtigen Fragestellung ein: „Haben wir überhaupt eine Chance in München.“ Man hat immer eine Chance und außerdem die Hoffnung, den FC Bayern auf dem falschen Fuß zu erwischen. Am Ende des Tages wäre alles andere als ein deutlicher Sieg des amtierenden Meisters, trotz aktueller Probleme, eine Sensation. Bereits ein Punkterfolg würde den 1. FC Union erstrangig in die Schlagzeilen bringen. Das Spiel beginnt bei Null.

Der FC Bayern hat ein paar Personalsorgen, beim 1. FC Union werden Akaki Gogia, Grischa Prömel und Suleiman Abdullahi fehlen. Für die Motivation gab es einen Filmabend für die Mannschaft mit Bildern vom Aufstieg. Wie es sich anfühlt als haushoher Favorit in ein Spiel gehen zu müssen, kann Urs Fischer aus seiner Zeit beim FC Basel nachvollziehen. Es wird erwartet, nicht einfach nur zu gewinnen sondern dazu auch noch schön. Das Stadion in München ist den Eisernen, Fans und einigen Spielern, nicht unbekannt, zu Zweitligazeiten der Münchner Löwen ging es dort bereits um Punkte.

Bleibt Trainer Fischer bei der zuletzt erfolgreich praktizierten 3er bzw. 5er Kette in der Abwehr ? Da Bayern wahrscheinlich in dem von Nico Kovacs bevorzugtem 4-2-3-1 auflaufen werden, bietet sich wohl mehr eine Rückkehr zu einer 4er Abwehrkette an. Neben Marvin Friedrich soll der wieder einsatzfähige Neven Sobotic in der Innenverteidigung Tore für die Bayern verhindern. Bei den Bayern können die zuletzt angfeschlagenen Serge Gnabrý und Javi Martinez aufgestellt werden. Für die Startelf wird es wohl nicht reichen.

Eines haben ja beide Clubs gemeinsam, die rot-weißen Vereinsfarben. So werden die etwa 7.500 Fans der Eisernen sich optisch nicht unterscheiden, aber sicherlich eine Rabatz machen, sollte sich eine Sensation abzeichnen. Das Spiel im Münchner Stadion steht unter der Leitung von Marco Fritz.

Nach dem Spiel geht es für die Wuhlheider nicht zurück nach Berlin, sondern gleich weiter in Richtung Freiburg zur Vorbereitung auf das Pokalspiel.

Hans-Peter Becker

1. FC Union verliert ein hektisches Spiel

Sie hatten sich mehr ausgerechnet die Eisernen im Heimspiel gegen die ersatzgeschwächte Mannschaft des SV Werder Bremen. Dass es am Ende nicht einmal für einen Punkt reichte war auch der Mangel an Erfahrung beim 1. FC Union. Es war über die gesamte Spieldauer eine zerfahrene und hektische Partie. „Ein Fußballspiel, das ganz schön genervt hat“, wie Unions Pressesprecher Christian Arbeit in der Pressekonferenz die Sache auf den Punkt brachte.

Es könnte als Videospiel in die Geschichte dieser Saison eingehen. In der ersten Viertelstunde des Spiels zeigte Schiedsrichter Tobias Welz zwei Mal auf den Elfmeterpunkt. Den Strafstoß für Bremen hätte man nicht geben müssen, da wurde Bremens Kapitän Klaassen von Torwart Gikiewicz und Verteidiger Lenz in die Zange genommen. Er wollte eine etwas verunglückte Rückgabe abfangen. Das Foul war eher schwalbenartig. Die Ausführung des Strafstoßes stand bevor, der Schiedsrichter griff sich ans Ohr, der Kölner Keller, Entscheidung überprüfen und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Welz blieb bei seiner Entscheidung und Bremen ging mit 1:0 in Führung, der Gefoulte verwandelte selbst. Kopfschütteln im Stadion und andernorts, was hatte der Schiedsrichter gesehen. Die ausgleichende Gerechtigkeit kam nur ein paar Minuten später, ein berechtigter Handelfmeter, der zunächst nur im Keller in Köln registriert wurde. Sebastian Andersson trug sich mit Saisontreffer drei in die Liste der Torschützen ein.

Bis zur Halbzeitpause versuchten beide Fußball zu spielen. Ein Spielrythmus fanden beide nicht. In der zweiten Halbzeit erkämpften sich die Eisernen mehr Spielanteile. Die Gäste blieben gefährlich und gingen in der 55. Minute in Führung. Zunächst hielt Gikiewicz einen Elfer, daraus resultierte ein Eckball und der war genau getimt, ein wuchtiger Kopfstoß von Füllkrug saß. Union lag hinten und versuchte das zu verändern. Die Spieluhr lief runter und die Hektik nahm zu. Der Torstand blieb. Zwei Spieler flogen noch mit gelb-rot vom Platz. Vor allem die letzten 10 Spielminuten hatten nicht mehr allzuviel mit Fußball gemein. Spiele dieser Art gewinnt meist die Mannschaft mit der größeren Erfahrung in der Spielklasse, die Eiseren zahlten Lehrgeld. Die nächste Aufgabe wartet in Leverkusen.

Hans-Peter Becker

Spieldaten:

1. FC Union Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Subotic, Lenz – Becker (73. Gogia), Andrich, Gentner (84. Abdullahi), Bülter – Andersson, Ujah (67. Polter) 4-4-2

SV Werder Bremen: Pavlenka – Lang, Selassie, Groß, Friedl – Klaassen, Sahin, Eggestein (84. Pizzarro) – Osako (68. Sargent), Füllkrug, Bittencourt (90. Goller) 4-3-3

Zuschauer: 22.012

Tore: 0:1 Klaassen (5.), 1:1 Andersson (14.), 1:2 Füllkrug (55.)

Eiserner Aufstieg – Fußball pur in der Bundesliga

Berlin freut sich, was in München einige Zeit gang und gäbe war, trifft jetzt in der kommenden Saison in der Fußball-Bundesliga auf die Hauptstadt zu. Bist du Blauer oder Roter ? Gesunder Konkurrenzkampf und ein bisschen Abgrenzung, das gehört einfach dazu, meinte Unions Geschäftsführer Kommunikation und Stadionsprecher Christian Arbeit in einem Radiointerview zu früher Stunde nach fast durchfeierter Nacht. Leichtsinniger Weise hatte das versprochen, genauso wie er im Wintertrainingslager geäußert hatte, dass er im Aufstiegsfall seine langen Haare opfern würde. Der Aufstiegsfall trat dann tatsächlich ein.

Montagabend, 27. Mai 2019 um exakt 22:28 Uhr war es vollbracht. Unzählige Märchen wurden wahr, der 1. FC Union Berlin spielt in einer Liga mit Borussia Dortmund, Bayern München, Schalke 04 und, und, aus dem Aschenbrödel wurde eine Goldmarie. Zwei Unentschieden reichten dem Zweitligisten zum Aufstieg und für den VfB Stuttgart endete eine Katastrophen-Saison in einem Desaster. Das Spiel bot logischerweise keine fußballerische Feinkost, vielmehr wurde geackert, dass es einem Wunder gleich kam, das einige Akteure nach dem Spiel noch feiern konnten.

In der Anfangsphase durften die Eisernen sich von den Vorzügen des Videobeweises überzeugen lassen. Stuttgart hatte mit einem sehenswerten Freistoßtreffer die frühe Führung erzielt. Ohne Videobeweis hätte der Treffer gezählt. Trotz klarer Abseitsstellung, wenn auch zunächst passiv, blieb die Fahne des Assistenten unten. In den Fernsehbildern war deutlich zu erkennen, dass Stuttgarts Nicolas Gonzales die Sicht des Torwartes behindert hatte. Warum er dort überhaupt hinging ?

Urs Fischer, der Aufstiegstrainer © Foto: Hans-Peter Becker

In der ersten Hälfte hatten die Eisernen Glück, dass den Gästen kein regulärer Treffer gelang. Nach vorn brachten sie nichts zustande. In der zweiten Hälfte verstärkten die Stuttgarter ihre Angriffsbemühungen. Mario Gomez kam für den Unglücksraben Gonzales. Die Spieluhr lief herunter und Eisern stand die Null. Ein gefährlicher Spielstand, je näher der Schlusspfiff rückte. Fast wären die schlimmsten Befürchtungen Realität geworden. Union traf zweimal nur den Pfosten, während Benjamin Pavard in der 89. Minute Rafal Giekewicz zu einer Parade zwang. Der Schiedsrichter zeigte fünf Minuten Nachspielzeit an. Urs Fischer hatte sich einen Spieler für einen taktischen Wechsel aufgespart. Michael Parensen, der einzig verbliebene Akteur des Zweitligaaufstiegs von 2009 kam für Robert Zulj. So wurde es für ihn eine ganz besondere Geschichte. Schiedsrichter Christian Dingert beendete die Partie, torlos in Berlin und 2:2 in Stuttgart, das reichte.

Die Ränge leerten sich, alles strömte aufs Spielfeld. Einige sicherten sich ein Stück Rasen. Zuvor hatte Mannschaft historisches vollbracht. Präsident Dirk Zingler erlebte den Schlusspfiff und somit den größten Moment seines Vereins auf der Toilette. Es waren wohl die Nerven, die mächtig auf die Blase drückten. Als er 2004 von seinem Vorgänger Jürgen Schlebrowski das Amt übernahm folgte gleich der Abstieg von der Regional- in die Oberliga. Der Verein fast am Ende, es begann eine Sisyphosarbeit. Zingler erinnerte daran, dass es in der schweren Zeit zwischen 2004 bis 2007 Menschen gab, die den Verein nicht untergehen ließen. Teilweise wurde ohne Gehalt weiter gearbeitet. All denen sollte gedankt werden.

Der 1. FC Union ist jetzt ganz oben angekommen. Die Bundesliga darf sich auf einen etwas anderen Verein in ihren Reihen freuen. Das inzwischen viel zu kleine Stadion bietet zu den Heimspielen nur soviel Kommerz wie nötig und dabei so viel Fußball wie möglich. Union ist heute bereits das, was hip und cool genannt wird.

Hans-Peter Becker

Bundesliga, die Ossis kommen © Foto: Hans-Peter Becker

Bleiben oder Aufsteigen – 1. FC Union spielt die Relegation

Vor der Saison war es das erklärte Ziel, nach Köln und Hamburg als Drittplatzierter die Saison abzuschließen. Nach der Saison sah es etwas anders aus, es wurde die Chance verpasst, sogar direkt aufzusteigen. Jetzt heißt die letzte Ausfahrt für den Urlaub in der 1. Bundesliga die Relegation gegen den VfB Stuttgart.

Am Donnerstag, 23.05. kommt es in Stuttgart zum ersten Aufeinandertreffen und am darauffolgenden Montag wird die Frage geklärt sein, wer das Adverb „noch“ vor seiner Liga-Zugehörigkeit durch das Adjektiv „neuer“ ersetzen darf. Oder bleibt jeder da, wo er vorher war. Wird der Reflex von Bochums Keeper in der 96. Minute im letzten Saisonspiel mit dem ersten Aufstieg in die oberste Bundesliga vergessen gemacht oder bleibt im Falle des Scheiterns ein kleines Trauma übrig. Die Niedergeschlagenheit unmittelbar nach dem Abpfiff in Bochum in positive Energie umleiten, das würde sich Unions Trainer Urs Fischer so sehr wünschen.

Zur Pressekonferenz vor der Abreise nach Stuttgart fand sich eine rekordverdächtige Zahl von Journalisten ein und es dauerte fast eine Halbzeit lang, bis Pressesprecher Christian Arbeit sich für die Teilnahme bedanken durfte. Der Sonderzug für die Fans war schon vorher bestellt und 3.000 Tickets für Stuttgart wurden zügig verkauft. Es werden wohl bis zu 5.000 Anhänger der Berliner, die in Stuttgart ihre Mannschaft unterstützen werden.

Die Ruhe selbst scheint Urs Fischer zu sein. Mit der Zuverlässigkeit der schweizerischen Bundesbahn spult er die Vorbereitung ab und lässt nicht in die Karten gucken. Personell hat er keine Sorgen, lediglich in der Innenverteidigung muss er eine Alternative für den gelb-gesperrten Florian Hübner finden. Die Erfahrung dürfte für Michael Parensen sprechen. Die Eisernen gehen als Außenseiter in die Relegation. Wie stehen die Chancen ? Alles abrufen und dabei auf eine gehörige Portion Matchglück hoffen. Vielleicht unterschätzt der VfB ja die Eisernen ein bisschen.

Die Stuttgarter haben ebenso keine größeren personellen Probleme und sie nicht erst im letzten Augenblick in die Situation gerutscht. Ihr letztes Saisonspiel in Gelsenkirchen war bereits eine Vorbereitung auf den Relegations-Pokal, wie es Stuttgarts Trainer Nico Willig ausdrückte. Er hat die Mannschaft wieder stabilisiert.

Eine TV-Liveübertragung gibt es nur im Pay-TV, wer in Berlin diese Kosten sparen will, sollte sich am Donnerstag ins Stadion in der Wuhlheide begeben. Es gibt dort wieder kostenfreies Public-Viewing. Das Spiel beginnt am 20:30 Uhr und wird mit Videoschiedsrichter und Torlinientechnik unterstützt. Hoffen und Bangen, stehen die Chancen bei 50 zu 50 oder ungünstiger ?

„Union Berlin hat genug Qualität, um dem VfB weh zu tun, wenn die Stuttgarter nicht ihre Leistung bringen.“ (TV Experte und Ex-Profi u.a. beim VfB Stuttgart Matthias Sammer)

Hans-Peter Becker

Auswärts in Heidenheim

Es beginnt der Endspurt in der 2. Liga, neun Spiele und somit 27 Punkte sind noch zu vergeben. Vor dem Gang in die Stadt an der Brenz, einem Nebenfluss der Donau, gab sich Unions Übungsleiter Urs Fischer gewohnt zurückhaltend. Im bisherigen Saisonverlauf gab es eigentlich keinen Durchhänger. Ungeschlagen absolvierten sie die 17 Spiele der ersten Halbserie, erst am 18. Spieltag verloren sie erstmals, auswärts in Aue.

Seitdem ist nur eine weitere Niederlage, die beim FC St. Pauli, dazugekommen. Es klang ein bisschen so, als würde Urs Fischer warnen, dass es die Eisernen bald erwischen könnte, mit einem Durchhänger. Er käme jetzt sehr ungelegen. Die Tabelle hat sich weiter begradigt. Der HSV und der 1. FC Köln konnten sich leicht absetzen, während die Unioner den Platz drei festigen konnten.

Auswärts in Heidenheim, nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte, es gelang nur ein Sieg und dreimal fuhr man als Verlierer heim. Wie sieht es für den kommenden Spieltag aus. Im defensiven Mitteld sind Grischa Prömel und Nicolai Rapp gelb gesperrt. So wäre es eine Option, mal die taktische Grundordnung zu ändern. Sicherlich wird Fischer über ein 4-1-4-1 nachdenken. Verletzt ausfallen wird weiterhin Sebastian Polter, Fragezeichen stehen hinter den Personalien Carlos Mane und Michael Parensen.

Größere Verletzungssorgen hat sein Gegenüber Frank Schmidt nicht. Verzichten muss er auf seinen Mittelfeldspieler Robert Andrich, der zuletzt mit rot-gelb vom Platz flog. Es machten Schlagzeilen von einer Grippewelle in der Heidenheimer Mannschaft die Runde. Das haben sie wohl im Griff. Gegen den 1. FC Union wollen sie erneut ihre Heimstärke unter Beweis stellen.

Das Spiel am Freitag, 15. März beginnt um 18:30 Uhr in der Voith-Arena Heidenheim und wird unter der Leitung von Schiedsrichter Sascha Stegemann stehen. Nach Aussage von Unions Pressesprecher Christian Arbeit werden etwa 1.000 Schlachtenbummler zur Unterstützung der Eisernen in Heidenheim erwartet. Wer von Berlin aus die 580 Autobahnkilometer auf sich nehmen will, es sind wären noch Eintrittskarten vorhanden.

Der SV Sandhausen kommt

Nach den beiden Spitzenteams zum Auftakt in das neue Punktspieljahr ist am Samstag, 9. Februar mit dem SV Sandhausen eine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte der Gegner. Eine Aufgabe, die dadurch nicht leichter ist. Die Sandhäuser haben zuletzt durch den 3:0 Heimsieg über den VfL Bochum neues Selbstvertrauen im Kampf um den Klassenerhalt getankt.

In der Alten Försterei gab es in der Vergangenheit für den SV Sandhausen nichts zu holen. In Zweitligazeiten gestatteten die Eisernen den Gästen aus Baden-Württemberg nicht einmal einen einzigen Punkt, lediglich in der bisher einzigen gemeinsamen Saison in der 3. Liga gab es ein Unentschieden. Die bevorstehende Aufgabe für die Eisernen hat Parallelen zum Spiel gegen St. Pauli. Sandhausen wird für den eigenen Spielaufbau wenig tun, vorallem werden sie versuchen, den fast durchgehend besser besetzten Berlinern die Spielfreude zu nehmen. Sandhausens Trainer Uwe Koschniat setzte auswärts in Hamburg und im Heimspiel gegen Bochum auf ein 4-2-3-1 System. Im offensiven Mittelfeld ist er zu Umstellungen gezwungen, weil Rurik Gislason und Phillip Förster nach ihrer fünften gelben Karte gesperrt sind.

Bei den Eisernen trifft das auf Manuel Schmiedebach für das defensive Mittelfeld zu. Für ihn könnte Michael Parensen in die Startelf rücken. Auf den Außenbahnen sollten wieder Kapitän Christopher Trimmel und Ken Reichel beginnen. In der Offensive könnte Akaki Gogia für Marcel beginnen. Winterneuzugang Carlos Mane sollte erneut in der Startelf stehen und da Sebastian Polter weiter verletzt ausfällt, ist Sebastian Andersson in der Sturmspitze gesetzt.

Unions Trainer Urs Fischer erwartet eine kampfbetonte Auseinandersetzung und dafür müssen spielerische Lösungen gefunden werden. Wer am Schluss der Saison auf einen der begehrten Plätzen 1-3 landen will, sollte gegen die sogenannten Kleinen möglichst wenig Federn lassen. Der hauhohe Favorit steht fest für das Spiel, alles andere als drei Punkte für den 1. FC Union wäre eine Überraschung.

Das Spiel beginnt um 13:00 Uhr und wird von Schiedsrichter Tobias Stieler geleitet werden. Für das Spiel sind noch Restkarten verfügbar. Der Gästeblock wird nicht, wie in der Vergangenheit öfter geschehen, geteilt. Nach Aussage von Unions Pressesprecher Christian Arbeit fehlen noch einige Kartenkäufer, damit der Sandhausener Anhang im Stadion eine dreistellige Größe erreicht. Sandhausens Pressesprecher Marcus Beer sprach davon, dass, obwohl es keinen Fanbus geben wird, Berlin immer eine Reise wert ist und so der kleine, feine Auswärtszuspruch da sein wird.

Hans-Peter Becker

Vorschau 1. FC Union – die Zebras kommen

Der 1. FC Union empfängt am Freitag, 14. September den MSV Duisburg zum dritten Heimspiel in der aktuellen Saison. Die Pressekonferenz zum Spiel fand erneut in einem Hotel unweit der Alten Försterei statt. Es werden im Stadionhauptgebäude Schäden festgestellt und repariert. Am Spieltag selbst werden wieder Zelte für die Presse und einige VIP-Gäste aufgestellt. „Zurück in die Zukunft“ und mit Containern und Zelten haben wir ja Erfahrung, so versuchte Pressesprecher Christian Arbeit, den Maßnahmen ein bisschen Ironie abzugewinnen. Betroffen ist auch die Mannschaft der Gäste, die sich in einem Container an der Stirnseite der Haupt-Tribüne umziehen und duschen werden.

Mit dem MSV Duisburg kommt die bisher einzig punktlose Mannschaft zu den Eisernen. Nach dem SV Sandhausen, dort gab es ein glanzloses 0:0, kommt Problemmannschaft Nummer zwei zum Vergleich. Es ist schon schlimm genug, dass die Zebras aus Duisburg bisher alle Spiele verloren, sie haben dabei auch keinen einzigen Treffer erzielt. Das Torverhältnis beträgt 0:7, da schaut man am besten nicht auf die Tabelle. Mal muss anfangen werden zu punkten und für die Duisburger ist die Länderspielpause gerade richtig gekommen. Diese Gefahr sieht Unions Trainer Urs Fischer und bemüht, wie schon vor dem Sandhausen-Spiel, die Metapher vom angeschlagenen Boxer. Er wurde gefragt, wie groß den die Enttäuschung wäre, sollte dieses Spiel nicht siegreich enden. Es muss berücksichtigt werden, dass Duisburg meist besser gespielt hat, als es das Ergebnis nach 90 Minuten ausdrückte. Auswärts verloren sie in Dresden und zuletzt in Fürth unglücklich jeweils mit 0:1 und waren nach Aussagen der Experten sogar die bessere Mannschaft. In diesem Zusammenhang erinnerte Fischer an das Auftaktspiel gegen Aue. „So ein Spiel kannst du, wenn es unglücklich läuft, verlieren..“ Der Tritt auf die Euphoriebremse scheint notwendig. In dieser Liga gibt es keine einfachen Gegner und vielleicht war es ganz gut, das Spiel in Sandhausen als wichtigen Erfahrungswert mitnehmen zu können. Es wird ein schwieriges Spiel werden, „wir sind bei weitem noch nicht da wo wir hin wollen“, um hier nochmals Urs Fischer zu zitieren. Trotzdem sind die Rollen klar verteilt, der Gastgeber ist der Favorit.

Aus dem Lager der Zebras war zu erfahren, dass die Pause genutzt wurde, die Fitness und Dinge im taktischen Bereich zu verbessern. Ein Punkt soll es in Berlin mindestens werden. Es werden etwa 500 Fans ihre Mannschaft in die Alte Försterei begleiten. Im Tor könnte es bei den Zebras einen Wechsel und ein Wiedersehen mit Daniel Mesenhöler geben. Mesenhöler war zu Saisonbeginn die Nummer Zwei in Duisburg. Die bisherige Nummer Eins Daniel Davari ist in die Kritik geraten.

Personell hat sich bei den Eisernen nicht viel neues ergeben. Sebastian Polter und Marc Torrejon sind nicht einsatzfähig. Das trifft auch auf Suleiman Abdullahi zu. Was die mögliche Aufstellung betrifft, da hat der Trainer wieder die Qual der Wahl. Erfreulich, dass drei Spieler aus dem Kader, Marcel Hartel, Julian Ryerson und Lennard Maloney in Auswahlmannschaften ihrer jeweiligen Heimatländer berufen wurden.

Beide Mannschaften sind in der Liga alte Bekannte. Es ist das insgesamt 19 Aufeinandertreffen, die Bilanz spricht leicht für die Eisernen, mit 7 Siegen, 6 Unentschieden und 5 Niederlagen. In Berlin hat Duisburg zuletzt 2010 gewonnen.

Das Spiel, das am Freitagabend um 18:30 Uhr beginnen wird, steht unter der Leitung des jungen Schiedsrichters Michael Bacher. Für den 27jährigen Referee aus Bayern wird es das erste Zweitligaspiel in seiner Laufbahn sein. Seit der Saison 2016/17 wurde ausschließlich in der 3. Liga eingesetzt

Hans-Peter Becker