Zweimal nüscht und Union feuert den Trainer

Berliner Profifußball im Überblick

Bei frühlingshaftem Wetter hatten über 50.000 Zuschauer den Weg ins Olympiastadion gefunden, ein Traditionsduell stand an, Hertha BSC empfing den FC Kaiserslautern. Beide Mannschaften sind Tabellennachbarn im eigentlich nicht so richtig vorhandenen Mittelfeld der 2. Bundesliga. Mit 47 Punkten nahm Hertha den Kampf auf und verharrt nach den 90 plus Spielminuten weiter auf diesem Stand. Eine unglückliche Niederlage, eine Menge Pech, hier und da gewürzt mit einer Prise Unvermögen, die Gäste aus der Pfalz nahmen alle Punkte mit. Held des Tages war Julian Krahl, gebürtig in Forst, im Land Brandenburg, spielte einst für Viktoria Berlin in der 3. Liga, er brachte Herthas Stürmer zur Verzweiflung. Bei ihm war Endstation. Hertha kam auf 19 Torschüsse und führte die Spielstatistik an. Nur zählt die B-Note gar nichts im Fußball. Das Ding muss rein und das schafften nur die Roten Teufel, nach einem Eckball, gleich nach Wiederbeginn der zweiten Spielhälfte. Ein unglücklich geklärter Ball und schon war’s passiert.

Die Hoffnungen auf einen der begehrten drei ersten Tabellenplätzen sind auf ein maximales Minimum geschrumpft. Vergeigt wurden sie aber nicht an diesem 29. Spieltag, das ist bereits vorher geschehen. Einfach weitermachen, die gezeigte Leistung kann in der B-Note noch halbwegs positiv bewertet werden. In Anbetracht von lediglich nur noch fünf ausstehenden Spielen und der fast zugeschlagenen Tür zum Aufstieg darf bereits über den kommenden Kader in der 2. Liga nachgedacht werden. Es drängt sich der Eindruck auf, dass mal wieder von vorn angefangen werden muss. Wie bekommt man erneut einen Kader zusammengestellt, der nicht nur oben, sondern ganz oben mitspielen kann? Hertha muss Auflagen zur Lizenzerteilung erfüllen, Schuldenabbau und Transferüberschüsse erwirtschaften. Welche Leistungsträger können gehalten werden? Da stehen große Fragezeichen über dem Olympiastadion.

Die Zuschauer kommen, es wird zum Teil attraktiver Fußball geboten, es drücken die Schulden und Sünden der Vergangenheit, verdüstern die Zukunft. Ein Aufstieg könnte helfen, die Probleme kleiner werden zu lassen. Angesichts der Ausgangslage erscheint die Aufgabe für eine kommende, höchstwahrscheinlich, weitere Zweitliga-Saison wie die sprichwörtliche Quadratur des Kreises. 

Nach der “Alten Dame” mussten, eine Klasse höher, die Eisernen beim bereits vorgefertigten Absteiger 1. FC Heidenheim ran. Das Spiel in der Voith-Arena kam dem Niveau der 2. Liga bedenklich nahe. Es läuft einfach nicht so richtig in dieser Spielzeit beim 1. FC Union. Ein bisschen was hatten sie sich schon ausgerechnet, völlig punktlos wollten sie nicht nach Köpenick zurückkehren. Dafür reicht ein Blick in das Restprogramm. Es stehen noch fünf Spiele aus. Am 30. Spieltag, 18.04.2026 kommt der VfL Wolfsburg in die Alte Försterei und dann wartet RB Leipzig. Für Wolfsburg die vielleicht letzte Chance, den direkten Abstieg zu vermeiden. Union hat erst die Hafeneinfahrt erreicht, ganz angelegt haben sie noch nicht. 

Die Eisernen gestatteten den Heidenheimern nach 15 sieglosen Spielen endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis. Ein verdientes 3:1 stand als Endergebnis fest. Die Baumgart-Elf agierte pomadig und war für die Verteidigung der Hausherren leicht auszurechnen. Gegen die Mannschaft mit dem aktuell schlechtesten Torverhältnis (-36) gelang den Eisernen nur ein einziges Tor. Bemerkenswert war die Einwechslung des erst 16-jährigen Linus Güther. Für sieben Minuten durfte Bundesligaluft schnuppern. Kaum auf dem Platz kassierte er gleich eine gelbe Karte. Der Rest ist schweigen, frei nach Shakespeare.

 Bis hierin war das der fertige Text bis Samstagabend. Kurz vor Mitternacht, 23:46 Uhr verschickte der 1. FC Union eine Pressemeldung. Das ungeschriebene Gesetz der Branche trat in Kraft, bei anhaltender Erfolglosigkeit feuere den Trainer. Mit dem üblichen Bla-Bla wurde die Begründung geliefert.

„Wir spielen bisher eine absolut enttäuschende Rückrunde und lassen uns vom Tabellenstand nicht blenden: Unsere Lage ist nach wie vor bedrohlich und wir benötigen dringend Punkte, um den Ligaverbleib zu sichern. Zwei Siege aus vierzehn Spielen seit der Winterpause und die gezeigten Leistungen in den letzten Wochen geben uns nicht die Überzeugung, dass uns eine Trendumkehr in der bisherigen Konstellation noch gelingt. Wir haben daher entschieden, jetzt noch einmal neu anzusetzen. Ich freue mich, dass Marie Louise Eta sich bereit erklärt hat, diese Aufgabe interimistisch zu übernehmen, bevor sie im Sommer wie geplant Cheftrainerin der Profimannschaft der Frauen wird“, erklärt Horst Heldt, Geschäftsführer Profifußball Männer des 1. FC Union Berlin. „Steffen Baumgart, Danilo de Souza und Kevin McKenna gilt unser Dank für die geleistete Arbeit, der wir den sicheren Klassenerhalt in der Vorsaison und eine gute Punktausbeute in der Hinrunde verdanken. Wir wünschen ihnen beruflich und privat alles Gute.“ 

Zitiert wird hier Horst Heldt, er ist an der Situation nicht ganz unschuldig.  

Hans-Peter Becker

Avatar von Hans-Peter Becker

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert