Bei der Informationsfülle, die die Englische Woche beschert, klingt diese Mitteilung schon fast überholt: In der Regionalliga Nordost läuft der Saisonstart für drei Berliner Teams gar nicht gut. Dem Aufsteiger des letzten Jahres BFC Preussen gelang auch im zweiten Heimspiel gegen den 1. FC Lok Leipzig kein Dreier. In der letzten Meisterschaftsrunde lief es noch anders für die Lankwitzer Adlerträger. Die Lok holte in zwei Partien nicht einen Punkt, denn selbst im Bruno-Plache-Stadion vor mehr als 6000 Besuchern siegten die Preussen 3:1.
Diesmal gab es im Preussenpark vor etwa 600 Leipziger Anhängern (insgesamt 1013 Zuschauer) der Lok im Mittwochspiel einen 2:1-Erfolg der Gäste. Und der tat weh. Erstens vermisste die Preussen-Elf schmerzlich ihren Kapitän und Aufstiegshelden Lenny Stein. Der sonstige Turm in der Schlacht soll sich in der Wochenendbegegnung beim Chemnitzer FC (0:3) einen komplizierten Fußbruch zugezogen haben. Seine Kameraden feierten den einzigen Preussentreffer mit seinem Shirt. Zweitens war aufgrund einer schönen Steigerung nach der Halbzeit durchaus eine Punkteteilung gegen einen der Aufstiegsfavoriten drin. Der unbedingte Wille zum Torerfolg zeigte sich aber zu selten. In der Spitze war Nikolas Frank oft zu sehr auf sich gestellt. Den Ausgleichstreffer durch einen harmlosen Kopfball von Charmaine Häusl muss Andreas Naumann, Leipzigs Keeper, auf seine Kappe nehmen. „Er hat uns schon einige Spiele mit seinen Aktionen gerettet. So ein Fauxpas sollte aber in Zukunft nicht zu oft vorkommen“, sagte Leipzigs Trainer Torsten Ziegner. Naumann ließ den Ball durch die Beine über die Linie kullern. Nach zwei Minuten war das Missgeschick bereits wieder Vergangenheit. Ayodele Adetula sorgte prompt für den nächsten Leipziger Treffer.
Vier Minuten Nachspielzeit gestattete der gute Unparteiische Sirko Müke. Mit der letzten Szene setzte der für Frank eingesetzte Philipp Kühn einen Kopfball zu hoch an. Dann war Schluss. Die sangesfreudigen Leipziger Anhänger setzten zu einer ihrer üblichen Choreographien an, die Spieler hüpften mit. Die Reise hatte sich gelohnt. Wie Sportick vor Anpfiff von zwei Lok-Fans erfuhr, übernachteten einige anschließend in Berlin. Der Tag wäre bei Abfahrt Leipziger Hauptbahnhof um 13:50 Richtung Berlin wohl sonst zu lang gewesen. Was tut man nicht alles – auch unter der Woche – für seinen Lieblingsklub.
Für die Mannschaft des BFC Preussen steht die nächste große Reise am Sonntag an. Der Gegner: Drittligaabsteiger Erzgebirge Aue. Beim Schwergewicht aus Sachsen werden die Trauben wohl auch sehr hoch hängen. Sodass man den Lankwitzern nur alles Gute und eine Wiederholung des Überraschungserfolges der letzten Spielzeit gegen Lok Leipzig wünschen kann. Ansonsten sieht es nach dann viertem Spieltag schon etwas brenzlig aus.
Gleiches gilt für den SV Tasmania, Aufsteiger aus der Oberliga/Staffel Nord in dieser Saison. Weiter ohne Punkt auch nach der Klatsche gegen Rot-Weiß-Erfurt (0:6) muss gegen das Team vom FSV Luckenwalde unbedingt gepunktet werden. Wenn das aber so einfach wäre. Der FSV hat am dritten Spieltag gegen die Zweitvertretung des 1. FC Magdeburg seine ersten Punkte eingefahren, wird also entsprechend selbstbewusst die Partie im heimischen Werner-Seelenbinder-Stadion angehen.
Die U23 von Hertha BSC ist ebenfalls miserabel in die Saison gestartet. Null Punkte nach drei Spieltagen sind allerdings für die stets sich erst zum Saisonende steigernden – von manchen Hertha-Bubis genannten – Jungspunde vom Zweitligisten aus dem Olympiastadion keine Riesenüberraschung. Lok Leipzig wird wohl nicht gern Aufbaugegner für die Nachwuchskicker sein. In deren Stadion müssen sich die Herthaner nämlich am Sonnabend präsentieren.
Text und Fotos Frank Toebs

Fotogalerie
