Während Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin ihre Aufgaben in der ersten Runde im DFB-Pokal erfolgreich lösen konnten, wurde bis auf die Begegnung BFC Alemania vs Pfeffersport der zweite Spieltag des Landespokals Berlin absolviert. Es setzten sich, bis auf wenige Ausnahmen, die höherklassigen Vereine in den bis zum Sonntag, 23.08.2026 ausgetragenen 62 Spielen durch.
Unsere Redaktion hatte entschieden, sich zwei dieser Spiele etwas intensiver zu widmen. Unser Redakteur Frank Toebs hatte bei seiner Auswahl Glück und erwischte ein Spiel mit nicht unbedingt erwartetem Ausgang.
Die Fans von Polar Pinguin haben auch nach dem Abstieg in die Landesliga nichts von ihrer Stimmgewalt verloren. Beim 8:6-Pokalerfolg (4:4 n. V.) nach Entscheidungsschießen gegen den Sport Club Charlottenburg (SCC) aus der Berlin-Liga begleiteten sie die Partie von der ersten Minute an lautstark.
Die stärksten Akteure kamen aber weder vom SCC noch von Polar. Schiedsrichter Julius Hanft war der überragende Mann auf dem Feld. Ohne Fehl und Tadel empfahl er sich für Höheres.
Die Begegnung mit vier Treffern auf jeder Seite in der Spielzeit hatte einigen Unterhaltungswert. Allein drei Tore leitete für die Pinguine Kapitän Nikolai Matt mit seinen Standards ein. Die entscheidenden Impulse kamen in der Endphase des Spiels aber von Pinguin-Torwart Mohamed Mahawech, der nicht immer der gesetzte Keeper ist. Erst konnte er nach einer zu kurzen Abwehr den Ausgleichstreffer zum 3:3 nicht verhindern. Dann wehrte er in der Lotterie des Elfmeterschießens zwei Versuche der Charlottenburger ab; einen Elfer verwandelte er zusätzlich noch sicher selbst. Die zweite Runde war unter Jubeltänzen erreicht.
(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
Neben dem Überflieger Delay Sports gehört Polar Pinguin nach dem beeindruckenden 5:0-Auftakt in der Landesliga II vermutlich zu den stärksten Konkurrenten des Influencer-Klubs, wenn es um deren nächsten geplanten Schritt in die Berlin-Liga geht.
Der am 12. Juli 2021 gegründete Influencer-Club Delay Sports sorgte zunächst für ein ungewohntes Zuschaueraufkommen an der Sportanlage am Teterower Ring in Berlin Kaulsdorf. Ursprünglich war geplant, das Spiel im 4.000 Zuschauer fassenden Stadion Wuhletal auszutragen. Wegen nicht ausgeführten Reparaturarbeiten war die Anlage gesperrt, so wurde das Spiel auf dem vereinseigenen Kunstrasen-Trainingsplatz des Fußballvereins FV Rot-Weiß 90 Hellersdorf e. V. ausgetragen. Zum Glück war das Fassungsvermögen gerade ausreichend. Schätzungsweise hatten sich etwa 300 bis 400 Interessierte und ein Hund bei bestem Fußballwetter dafür entschieden dem Spiel persönlich beizuwohnen. Kompliment an die Ehrenamtler des Vereins, die für eine reibungslose Organisation des Events sorgten. Es waren sogar Akkreditierungen vorbereitet und sehr ausreichend für das leibliche Wohl gesorgt. Der Einlauf der Mannschaften wurde formvollendet mit Einlaufkindern zelebriert.
Der FV Rot-Weiß 90 Hellersdorf wurde in der Wendezeit gegründet, hat heute 550 Mitglieder und 25 Mannschaften im Spielbetrieb. Besonders stolz ist man auf die 1. Herren, in der vergangenen Saison gelang der Aufstieg in die Bezirksliga. Das erste Punktspiel konnte gegen die Zweite von Hertha 03 mit 5:4 gewonnen werden. In der ersten Runde des Landespokals kamen sie kampflos weiter. Der Gegner FC Arminia Heiligensee 77 konnte zu dem Spiel nicht antreten.
Mit dem Daueraufsteiger Delay Sports kam ein zu harter Brocken auf die Hellersdorfer zu. Körperlich und spieltechnisch waren die Hellersdorfer hoffnungslos unterlegen. Da spielten Amateure mit zweimal in der Woche Training gegen Kicker, mit teilweise Profivergangenheit. Erstaunlicherweise gingen die Hellersdorfer in der 27. Minute mit 1:0 in Führung. Mittelfeldspieler Lukas Schönfeld erzielte den Treffer. Zuvor waren die tapferen Hellersdorfer mehrfach in die Abseitsfalle getappt.
Noch in derselben Minute glichen die Delay-Kicker aus und demonstrierten fortan ihre Überlegenheit. Bis zur Pause erhöhten sie auf 4:1. In der 2. Halbzeit fielen gegen die überforderten Hellersdorfer die Tore wie reife Früchte. Am Ende hieß es 14:1 für den Influencer-Club von Elias Nerlich und Sidney Friede. Der inzwischen 28-Jährige musste bereits früh seine Profikarriere an den Nagel hängen. Heute ist er als Livestreamer, Webvideoproduzent und Mitgründer des Vereins Delay Sports erfolgreich. Bei dem Spiel saß er nur auf der Bank, stand fast pausenlos für Selfies und Autogramme zur Verfügung. Dass, das anwesende Publikum sehr jung war, ist wohl sein Verdienst.
Bilder und Text
Frank Toebs/Hans-Peter Becker
