
Späte Tore, die entweder einen Punkt retten oder gar den nicht mehr erwarteten Sieg bedeuten sind im Fußball am schönsten. In dieser Saison haben die Eisernen ihren Anhängern dieses Erlebnis öfter geboten. Die Partie des 9. Spieltages hielt diesen Glücksmoment wieder bereit. Es lief bereits die vierte Minute der Nachspielzeit, die erste Saisonniederlage stand kurz bevor, da köpfte Rafal Gikiewicz den Ball ins Tor. Seine Planstelle bei 1. FC Union ist des Torwartes, äußerst selten tragen sie sich in die Torschützenliste ein. Meist nur dann, wenn sie als sichere Elfmeterschützen gelten. Es war ein Freistoß aus dem Halbfeld, den Sebastian Andersson per Kopf verlängerte bis zu seinem Torwart, der sich im gegnerischen Torraum aufhielt. Heutige Torhüter sind fußballerisch gut ausgebildet. Unions Keeper gewann das Kopfballduell gegen einen Heidenheimer Innenverteidiger. Entsetzen bei den Heidenheimern, während die Eisernen samt Anhang ihr Glück kaum fassen konnten.
Der 1. FC Heidenheim bot bis dahin eine clevere Auswärtspartie. Union gehörte die Anfangangsviertelstunde, dann bekamen die Gäste das Spiel in den Griff. Der Sechser Manuel Schmiedebach wurde in Manndeckung genommen und schon fehlten dem Aufbauspiel wesentliche Impulse. Das 1:0 für die Gäste in der 57. Minute spiegelte den Spielverlauf wieder. Ein Ballverlust von Marcel Hartel war der Ausgangspunkt, der die Situation in gefährlicher Nähe zum eigenen Strafraum klären wollte. Es wäre besser gewesen, den Ball einfach ins Seitenaus zu spielen.
Für Freunde der Taktikanalyse war dieses Spiel ein interessantes Studienobjekt. Heidenheims Trainer Frank Schmidt hatte hier gegenüber seinem Kollegen die Nase vorn und fand die bessere Lösung. Sie hätte fast zum zweiten Auswärtssieg der Saison geführt. Es wäre wohl ein anderes Spiel geworden, wenn Schiedsrichter Benedikt Kempkes in der 5. Minute einen vertretbaren Elfer für die Eisernen nach einem Foul an Ken Reichelt gegeben hätte. Auch in der 85. Minute hätte es nach einem Handspiel Strafstoß für die Eisernen geben müssen. Andererseits hatten sie auch Glück, als Kapitän Christopher Trimmel für seine Notbremse nur mit Gelb bestraft wurde.
Den Fans im Stadion, sofern sie Anhänger des 1. FC Union sind, wird das alles herzlich egal gewesen sein, schöner kann man einen Punkt kaum retten. Die Serie hält, der 1. FC Union bleibt in dieser Saison weiter ungeschlagen und nimmt dieses Gefühl mit in die jetzt bevorstehende Länderspielpause. In der Tabelle stehen sie aktuell auf Platz 2, punktgleich mit dem Hamburger Sportverein, dank des besseren Torverhältnisses.
Hans-Peter Becker
