Die Eisernen erwarten den Spitzenreiter

Egal wie das Spiel am Samstag, 23. November ausgehen wird, die Borussia aus Mönchengladbach würde selbst im Fall einer Niederlage Berlin trotzdem wieder als Tabellenführer verlassen. Beide Mannschaften konnten vor der Länderspielpause einen Dreier landen, Gladbach gewann daheim gegen den SV Werder Bremen, während der 1. FC Union in Mainz den ersten Bundesliga-Auswärtssieg feiern konnte. Am besten gleich richtig nachwaschen mit einem Sieg wird man sich in beiden Lagern sagen. Es treffen zwei Mannschaften aufeinander, die vor Selbstbewußtsein nur so strotzen.

Beide Trainer haben keine größeren personellen Probleme. Die Mönchengladbacher müssen ohne den gelb-rot gesperrten Ramy Bensebaini auskommen, außerdem fehlen Tony Jantschke, Tobias Sippel und Andreas Poulsen verletzungsbedingt. Auf der anderen Seite fehlt Robert Andrich wegen einer Gelbsperre, außerdem nicht dabei die angeschlagenen Suleiman Abdullahi und Joshua Mees. Grischa Prömel, Akaki Gogia und Laurenz Dehl arbeiten nach ihren Verletzungen in der Reha an ihrer Rückkehr. Für den gesperrten Andrich wird aller Voraussicht nach Manuel Schmiedebach in die Startelf rücken und die Rolle auf der Sechserposition einnehmen. Gelingt die nächste Überraschung, der Vorsprung der Gladbacher Borussia könnte bis auf einen Zähler schrumpfen.

Es wird darauf ankommen, wie es den Eisernen gelingen wird, das gute Umschaltspiel der Gladbacher in den Griff zu bekommen. Allzu viele Standards, Freistöße und Eckbälle, sollten vermieden werden. Im bisherigen Saisonverlauf konnten die Fohlen aus solchen Gelegenheiten einige Treffer erzielen, sind darin das statistisch erfolgreichste Team.

Müßig, darauf hinzuweisen, dass es das erste Aufeinandertreffen in der Bundesliga ist. Ein Blick in die Geschichte verzeichnet lediglich eine einzige Begegnung, am 6. Februar 2001, da machten die Eisernen die Finalteilnahme nach einem Sieg über Borussia Mönchengladbach klar. Im Elfmeterschießen wurde Torwart Sven Beukert zum großen Held. Er meisterte zwei Elfer von Arie van Lent und Max Eberl, dem heutigen Sportdirektor der Gladbacher. Das ist Geschichte. Das Stadion war damals mit 18.500 Zuschauern restlos ausverkauft und das wird auch am Samstag so sein. Schiedsrichter der Partie wird Dr. Felix Brych sein. Das Spiel beginnt um 15:30 Uhr.

Hans-Peter Becker

Auswärtspremiere in Augsburg

Am 2. Spieltag der Fußballbundesliga treffen in Augsburg die beiden Mannschaften aufeinander, die die Saison mit einer Klatsche begonnen haben. Der FC Augsburg verlor in Dortmund mit 1:5 und schleppt zudem die Hypothek des Ausscheidens gegen den Regionalligisten SC Verl mit in die Heimpremiere der aktuellen Saison. Auf beiden Seiten ist was gut zu machen.

Auf Seiten der Augsburger werden die beiden aktuellen Neuzugänge, der Ex-Schweizer Nationalspieler Stefan Lichtsteiner sowie der 20fache kroatische Nationalspieler Tin Jedvaj mit von der Partie sein. Sie verstärken die Defensive der bayerischen Schwaben. „Alles auf Anfang“ das ist die Devise der Augsburger, die wie der Neuling aus Berlin von einem Schweizer trainiert werden.

Die Eisernen müssen in diesem Spiel alles daran setzen, wenigstens durch eine gute Leistung, nachzuweisen, dass sie in der Bundesliga nicht chancenlos sind. Es wird dabei auf die Mentalität ankommen. Die Fehlleistung aus dem ersten Spiel muss aus den Köpfen. Vielleicht hilft es, sich jetzt in der Fremde beweisen zu müssen. Auf keinen Fall werden die Eisernen die Flinte ins Korn werfen. Allerdings räumte Urs Fischer auf der Pressekonferenz zum bevorstehenden Spiel ein, „dass das Adaptieren uns noch eine Weile begleiten wird“ mit anderen Worten, Union ist noch nicht in der Bundesliga angekommen.

Für das Spiel am Samstag, 24.08. wurden aktuell 2.517 Karten für den Gästeblock verkauft. Damit sind die Stehplätze vergriffen, Sitzplätze allerdings sind noch einige zu haben. Es wird in Bayern eine kleine Hitzeschlacht, der Wetterbericht sagt 27 Grad während des Spiels voraus, angenehme Bedingungen für die Zuschauer.

Es stehen 33 Profis im Kader des Neulings. Nicht einsatzfähig sind Innenverteidiger Florian Hübner und Mittelfeldmann Maurice Opfermann Arcones, der zuletzt für Unions Nachwuchs im Baltic Sea Cup spielte und einen sogenannten Pferdekuss abbekam. Ein Fragezeichen steht hinter Christian Gentner, der sich im Training eine leichte Blessur zuzog. Entsprechend der Philosophie des Trainers wird sich in der Mannschaftsaufstellung nicht viel ändern. Beginnt er mit zwei oder wie gegen Leipzig mit drei defensiven Mittelfeldspielern ? Kommt in der Innenverteidigung Neven Subotic zu seinem ersten Einsatz für die Berliner ? Die Abwehr könnte dringend mehr Stabilität gebrauchen, gegen Leipzig war dort jede Position eine Problemzone. Allerdings ist es im modernen Fußball so, dass alle Mannschaftsteile in der Defensive mitwirken müssen. Werden sie schnell überspielt, kommt es auf die letzte Verteidigungslinie an.

Urs Fischer, so wird spekuliert, könnte mit einer ähnlichen Taktik wie zuletzt gegen Leipzig die Aufgabe angehen. Als einzige Sturmspitze könnte Anthony Ujah für Sebastian Andersson in die Startelf rücken. Sollte Gentner nicht spielen, bietet sich eine Chance für Manuel Schmiedebach. Ein besonderes Spiel wird es für Marvin Friedrich, der ja eine Vergangenheit in Augsburg hat. In der vergangenen Saison spielte er auf Leihbasis für die Eisernen und wurde erst vor Kurzem in Berlin fest verpflichtet.

Der Druck liegt mehr auf Seiten des FC Augsburg. Unions Trainer bemühte sich auf der Pressekonferenz diesen Eindruck zu verstärken. „Augsburg hatte ebenfalls keinen perfekten Start, für sie ist das kommende Spiel ein Pflichtsieg. Das ist ein Verein, der seit zehn Jahren in der Bundesliga spielt.“ Das Spiel in der WKK-Arena am 24.08. wird um 15:30 Uhr angepfiffen und steht unter der Leitung des Hannoveraner Schiedsrichters Robert Schröder.

Hans-Peter Becker

Die Aufstiegschance ist gestiegen !

Der 1. FC Union hat den VfB Stuttgart mächtig geärgert und die Ausgangssituation für dem Relegationsrückspiel zu seinen Gunsten verändert. Nach dem überraschenden 2:2 im Hinspiel griffen die Stuttgarter zu Durchhalteparolen. „Es ist erst Halbzeit und die Entscheidung fällt erst nach dem nächsten Spiel.“ Der Verlauf des Spiels war so nicht erwartet worden. Die Eisernen hatten das knappe Scheitern in Bochum erstaunlich gut weggesteckt, ein Kompliment an die sportliche Leitung, die die Psyche der Spieler wieder aufgerichtet hatte.

Ein Blick in die Spielstatistik zeigt, zwar hatten die Stuttgarter mehr Ballbesitz, gewannen mehr Zweikämpfe, in der Laufleistung dagegen hatten die Köpenicker klar die Oberhand. Die Spieler des 1. FC Union liefen in der Endabrechnung fast 2 Kilometer mehr als die Stuttgarter. Sie mussten das Spiel nicht machen, konnten auf den Gegner reagieren und das tat ihnen sichtlich gut. Ein 4-2-3-1 im flexiblen Wechsel mit einem 4-3-3 war bei den Offensivaktionen zu sehen. In der Sturmspitze, als Zielspieler verdiente sich Sebastian Andersson Bestnoten, für den 1: 1 Ausgleich durch Suleiman Abdullahi lieferte er die Vorlage. Es waren kleine Änderungen die Urs Fischer vornahm, auf der linken Offensivseite bekam Marcel Hartel mal wieder einen Startelfeinsatz. Er hatte es schwer gegen den französischen Weltmeister Benjamin Pavard und wurde gegen Joshua Mees ausgetauscht.

In der Schlussphase waren die Eisernen sogar einer Sensation nahe, zwei Riesenmöglichkeiten zum Siegtreffer boten sich. Im Verlaufe des Spiels kassierten Kapitän Christopher Trimmel und der für Manuel Schmiedebach eingewechselte Felix Kroos, gelbe Karten mit Folgen. Das Rückspiel können sie nur von der Tribüne aus verfolgen, auf dem Rasen nicht mithelfen.

Eines ist klar, gewonnen haben die Eisernen noch nichts, die Chancen stehen jetzt 50 zu 50, haben sich verbessert. Im Rückspiel wird es spannend, Stuttgart mehr zu verlieren, sie müssen gewinnen oder mindestens drei Tore schießen und höchstens drei zulassen. Die Spannung steigt jetzt von Tag zu Tag. Es könnte was ganz Großes in der Luft liegen.

Hans-Peter Becker

Eine Art Endspiel – der HSV in der Wuhlheide

Der 31. Spieltag führt den Hamburger Sportverein weiter ostwärts nach Berlin in die „Alte Försterei“. Als sie das letzte Mal in Berlin ein Pflichtspiel zu absolvieren hatten, spielten sie noch eine Klasse höher und verloren am 28. 10. 2017 mit 1:2 im Olympiastadion. Beide wollen eine Klasse höher und der gastgebende 1. FC Union braucht einen Sieg. Ein Unentschieden würde mehr den Hamburgern helfen.

Es kribbelt, das Spiel ist seit Wochen restlos ausverkauft. Selbst auf der Pressetribüne muss zusammengerückt werden, ein Vorgeschmack auf eventuell kommende Erstligazeiten. Ein Spiel, das es lange nicht gab, für den 1. FC Union, es geht um viel. Keine einfache Situation, beide Vereine schwächeln, sind seit dem 26. Spieltag ohne Sieg. „Das wird ein Duell auf Augenhöhe,“ so lautete ein Statement vom Hamburger Trainer Hannes Wolf und ähnlich sieht es sein Kollege auf der Seite der Eisernen Urs Fischer.

Besondere Maßnahmen, wie Mannschaftshotel oder ähnliches soll es nicht geben, alles so normal wie immer, die Anspannung kommt von ganz allein. Im Kasten der Unioner wird wohl Rafal Gikiewicz stehen, der Kopftreffer aus dem letzten Spiel ist wohl ohne weitere Nachwirkungen geblieben. In der Innenverteidigung steht ein Fragezeichen hinter Florian Hübner, der an muskulären Problemen laboriert. Für den Ersatz stünden Michael Parensen und Marc Torrejon bereit. Der in Fürth geschonte Manuel Schmiedebach dürfte wieder in die Startelf rücken. Er ist allerdings mit neun gelben Karten belastet. Er könnte den Unterschied zum HSV beim Spielaufbau ausmachen. Urs Fischer erwartet den HSV als Mannschaft, die mitspielt und nicht nur kontern will. Das müsste den Eisernen entgegenkommen.

Im Sturmzentrum darf man gespannt sein, wie das Duell Pierre-Michael Lassoga gegen Sebastian Polter ausgeht. Hannes Wolf hat angekündigt, ein paar neue Varianten im Angriff geübt zu haben. Wie beim Auswärtsspiel in Köln, wird der HSV das Spiel in eine 4-1-4-1 Staffelung beginnen, während die Eisernen dem ein 4-3-3 entgegensetzen könnten. Oder hat sich Urs Fischer was ganz anderes ausgedacht ? Die Personalsituation ist in Hamburg etwas angespannter. In der Abwehr wird Kyriakos Papadopoulos vermisst und die Frage ist: Wie fit ist Aaron Hunt ?

Das Spiel am Sonntag, 28.04. wird unter der Leitung von Schiedsrichter Sascha Stegemann stehen. In dieser Saison sein erster Einsatz in der „Alten Försterei“. Er leitete allerdings bereits zwei Auswärtsspiele des 1. FC Union, in Heidenheim und Regensburg. Hoffen wir auf Spannung Fairness, es geht buchstäblich um die Wurst.

Hans-Peter Becker

Am Schluss alles verloren

Schiedsrichter Guido Winkmann, Polizeibeamter aus Kerken ist für die Eisernen in dieser Saison wahrlich kein Glücksbringer. Er kann natürlich nichts dafür dass er, wie im Pokalspiel gegen Dortmund, in der Nachspielzeit, einen Foulstrafstoß verhängen musste. Suleiman Abdullahi zerrte oben und berüherte Paulis Christopher Buchtmann unten, direkt neben dem Schiedsrichter. Der hätte mehr als nur großzügig sein müssen, um das zu übersehen. Den Elfer verwandelte Alex Meier, der Sieg für St. Pauli war perfekt. So ist das manchmal im Fußball, da gewinnt nicht immer das bessere Team, sondern es entscheidet das Matchglück.

Die Eisernen egalisierten innerhalb von 85 Sekunden einen 0:2 Rückstand, das Unentschieden war fast eingebucht, da kam der Elfer mit dem nervenstarken Neuzugang Alex Meier. Die Unioner, lautstark unterstützt vom mitgereisten Anhang, boten ein gutes Auswärtsspiel und mussten trotzdem mit leeren Händen die Heimreise antreten. Sie insgesamt mehr Ballbesitz und Torschüsse. Es fehlte die letzte Präzison beim Abschluss. Felix Kroos, der für den gesperrten Christopher Trimmel, die Mannschaft als Kapitän anführte, hatte zwei Riesengelegenheiten.

Urs Fischer beorderte Carlos Mane gleich in die Startformation. Ihm fehlte noch die Bindung zum Team. Leider kassierte Manuel Schmiedebach seine fünfte Gelbe. Für das kommende Spiel am Samstag, 9. Februar gegen den SV Sandhausen ist Urs Fischer erneut zu Umstellungen gezwungen. Etwas länger ausfallen wird Sebastian Polter, auf Grund der erlittenen Verletzung im Heimspiel gegen Köln.

Diese Niederlage tut weh, das Saionziel ist nicht Gefahr, mit drei Punkten Rückstand auf Platz zwei. Auf dem Relegationsplatz liegen jetzt die Kölner allerdings mit einem Spiel Rückstand.

Hans-Peter Becker

Spieldaten

FC Sankt Pauli:
Himmelmann – Kalla, Carstens, Avevor, Buballa – Flum, Knoll – Möller Daehli (84. Miyaichi), Allagui (76. Buchtmann), Sobota – Meier (90.+5 Hoogma) 

1. FC Union Berlin:
Gikiewicz – Ryerson (78. Taz), Friedrich, Hübner, Lenz – Rapp, Schmiedebach (65. Abdullahi), Kroos – Mané (69. Gogia), Andersson, Hartel

Schiedsrichter: Guido Winkmann, Christian Bandurski, Nikolai Kimmeyer, Henry Müller

Zuschauer: 29 546 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Allagui (23.), 2:0 Meier (62.), 2:1 Prömel (84.), 2:2 Abdullahi, 3:2 Meier (90.+4)


Persönliche Grüsse an unsere Leser

Christian Zschiedrich Foto: Hans-Peter Becker

Die Mecklenburgische Seenplatte gehört einfach zu Deutschlands Naturschönheiten. Allerdings läd die Jahreszeit nicht unbedingt zum Baden ein. Das kostete ich intensiv als Jugendlicher mit 18 Jahren aus. Von Grünau Schmöckwitz aus paddelte ich der Spree entlang nach Mitte durch die Schleusen nach Spandau in die Havel. Dann die Havel hoch bis zum Plauer See und schließlich bis zur Müritz. Die Gegend, wo ich jetzt zur Reha bin, kenne ich also mehr vom Wasser her. Die nach der Wende neu gebaute und 1994 eröffnete Klinik Plau am See ist modern eingerichtet und medizinisch auf dem neuesten Stand. Man kann sich, die Gesundheit stets im Visier, sehr wohlfühlen. Ich rase von Anwendung zu Anwendung, versuche, etwas abzuschalten.

Kann man das als engagierter Sportjournalist überhaupt? Zu Zeiten von TV Sport in Berlin konnte ich nach meinen vielen Operationen das in Berlin nicht. Erinnere mich, dass Sebastian Bruch mit der Kamera in die Klinik kam und ich vom Krankenbett aus meine Berichte und Kommentare sprach. Das muss ich zum Glück nicht mehr. Hans-Peter Becker und Frank Toebs legen sich ordentlich ins Zeug, um unser Internetportal weiterhin aktuell zu gestalten. Und ich habe mir einen Internetzugang in einem diesbezüglich vernachlässigten Gebiet verschafft.

Heute bringe ich meine Gedanken – Hertha BSC und dem 1.FC Union betreffend – zu Papier. Bald rollt in der Bundesliga der Ball wieder. Die Aussichten für beide Berliner Clubs sind ja gar nicht unübel. Ach wäre das wunderbar, hätte Berlin in der nächsten Saison zwei Bundesligaclubs in der Eliteliga. Und wenn Hertha BSC wieder im Internationalen Geschäft mitmischen könnte, das wäre für unsere Hauptstadt sehr zu begrüßen.

RB Leipzig brauchte letzte Saison 53 Punkte für die Europa League. Hertha hat derzeit 24 Zähler. Pal Dardai wäre in der Rückrunde ebenso mit 24 Punkten zufrieden. Die dann 48 Punkte werden vermutlich in der Endabrechnung nicht reichen. Aber, warum nicht einmal anders als gewohnt die Rückrunde bestreiten. Die Spieler wissen angeblich, worum es geht. Am 20. Januar ist Rückrundenstart in Nürnberg. Außerdem wird das Pokalspiel gegen die Bayern in einem vollen Stadion zum Saisonhöhepunkt.

Der 1. FC Union könnte den Aufstieg schaffen. Ja, die Eisernen gehen mit Aufstiegschancen ins Jahr 2019. Bis zum 18. Spieltag blieben sie ungeschlagen. Ausgerechnet in Aue riss die Erfolgsserie. Sieben Siege, eben diese einzige Niederlage und zehn (10) Unentschieden bescheren 31 Punkte, Tabellenplatz vier. Die unverhältnismäßig vielen Unentschieden sind gleichzeitig der Grund für nur 15 Gegentore. Der Verein vollbrachte den größten Umbruch seit dem Abschied von Trainer Uwe Neuhaus.

Trainer Urs Fischer gelang der Erfolg mit neun Neuzugängen und zwei Rückkehrern, von denen oft fünf bis sieben Neuzugänge in der Startelf standen. Voll eingeschlagen haben Torwart Rafal Gikiewicz aus Freiburg und die beiden aus Hannover kommenden Innenverteidiger Florian Hübner und auf der Sechserposition Manuel Schmiedebach (aus dem Nachwuchs von Hertha BSC). Die Defensive wurde beachtlich stabilisiert, wurde beste Abwehr der Liga. Der Ex-Lauterer Sebastian Andersson macht mit sechs Toren im Sturm auf sich aufmerksam.

Am Donnerstag, 31. Januar, 20.30 Uhr kommt zum Start nach der Winterpause der 1. FC Köln, ein Publikumsmagnet in die Alte Försterei. Der geschilderten Konstellation wegen hat die Partie diesmal besondere Anziehungskraft und Bedeutung. Bis dahin dürfte auch ich wieder auf den Damm sein. Euch sendet beste Grüße

Christian Zschiedrich

In letzter Minute den Punkt gerettet

Rettete den Punkt – Unions Torwart Rafal Gikiewicz Foto: © Hans-Peter Becker

Späte Tore, die entweder einen Punkt retten oder gar den nicht mehr erwarteten Sieg bedeuten sind im Fußball am schönsten. In dieser Saison haben die Eisernen ihren Anhängern dieses Erlebnis öfter geboten. Die Partie des 9. Spieltages hielt diesen Glücksmoment wieder bereit. Es lief bereits die vierte Minute der Nachspielzeit, die erste Saisonniederlage stand kurz bevor, da köpfte Rafal Gikiewicz den Ball ins Tor. Seine Planstelle bei 1. FC Union ist des Torwartes, äußerst selten tragen sie sich in die Torschützenliste ein. Meist nur dann, wenn sie als sichere Elfmeterschützen gelten. Es war ein Freistoß aus dem Halbfeld, den Sebastian Andersson per Kopf verlängerte bis zu seinem Torwart, der sich im gegnerischen Torraum aufhielt. Heutige Torhüter sind fußballerisch gut ausgebildet. Unions Keeper gewann das Kopfballduell gegen einen Heidenheimer Innenverteidiger. Entsetzen bei den Heidenheimern, während die Eisernen samt Anhang ihr Glück kaum fassen konnten.

Der 1. FC Heidenheim bot bis dahin eine clevere Auswärtspartie. Union gehörte die Anfangangsviertelstunde, dann bekamen die Gäste das Spiel in den Griff. Der Sechser Manuel Schmiedebach wurde in Manndeckung genommen und schon fehlten dem Aufbauspiel wesentliche Impulse. Das 1:0 für die Gäste in der 57. Minute spiegelte den Spielverlauf wieder. Ein Ballverlust von Marcel Hartel war der Ausgangspunkt, der die Situation in gefährlicher Nähe zum eigenen Strafraum klären wollte. Es wäre besser gewesen, den Ball einfach ins Seitenaus zu spielen.

Für Freunde der Taktikanalyse war dieses Spiel ein interessantes Studienobjekt. Heidenheims Trainer Frank Schmidt hatte hier gegenüber seinem Kollegen die Nase vorn und fand die bessere Lösung. Sie hätte fast zum zweiten Auswärtssieg der Saison geführt. Es wäre wohl ein anderes Spiel geworden, wenn Schiedsrichter Benedikt Kempkes in der 5. Minute einen vertretbaren Elfer für die Eisernen nach einem Foul an Ken Reichelt gegeben hätte. Auch in der 85. Minute hätte es nach einem Handspiel Strafstoß für die Eisernen geben müssen. Andererseits hatten sie auch Glück, als Kapitän Christopher Trimmel für seine Notbremse nur mit Gelb bestraft wurde.

Den Fans im Stadion, sofern sie Anhänger des 1. FC Union sind, wird das alles herzlich egal gewesen sein, schöner kann man einen Punkt kaum retten. Die Serie hält, der 1. FC Union bleibt in dieser Saison weiter ungeschlagen und nimmt dieses Gefühl mit in die jetzt bevorstehende Länderspielpause. In der Tabelle stehen sie aktuell auf Platz 2, punktgleich mit dem Hamburger Sportverein, dank des besseren Torverhältnisses.

Hans-Peter Becker

Gelungene Startphase

Der Berliner Profifußball bietet gerade eine hübsche Momentaufnahme. Die Alte Dame vom Olympiastadion hat nach neun Jahren mal wieder die übermächtigen Bayern besiegt und belegt punktgleich mit den Münchnern den Tabellenplatz 3. Eine Klasse tiefer legte der 1. FC Union eine gelungene Startphase hin.

Am Montag, 01.10. gelang in Ingolstadt der erste Auswärtssieg der Saison. Mit 2:1 wurde im Audi-Sportpark gewonnen. Nach der 1:0 Führung durch einen verwandelten Foulelfmeter, Schütze war Sebastian Andersson, gelang es diesmal, ein weiteres Tor nachzulegen. Der sehr agile Akaki Gogia traf in der 73. Minute zum 2:0. Zwar konnten die Ingolstädter durch einen Elfer, verwandelt durch den eingewechselten Stefan Kutschke, verkürzen. Es bleib beim verdienten Auswärtssieg. Vor allem in der ersten Hälfte boten die Eisernen ein fast perfektes Spiel. Ingolstadt fand nicht statt. Ein gellendes Pfeifkonzert begleitete die Schanzer in die Halbzeitpause. In der zweiten Halbzeit stand das Spiel im Zeichen der Abwehrreihen und Ingolstadt sah besser aus. Der 1. FC Union bleibt als einziges Team der 2. Bundesliga weiter ohne eine Saisonniederlage. Am kommenden Sonntag, 7. Oktober empfangen die Eisernen zum Abschluss der englischen Woche und vor der Länderspielpause den 1. FC Heidenheim.

Was ist passiert mit den beiden Berliner Proficlubs? Ohne eine stabile Abwehr gibt es keine Chance, oben mit zu spielen. Jedes Gegentor, dass verhindert wird, muss nicht erst aufgeholt werden. In sechs von bisher acht absolvierten Saisonspielen gelang dem 1. FC Union das erste Tor im Spiel. Lediglich beim Auswärtsspiel in Köln (1:1 am 2. Spieltag) mussten sie einen Rückstand aufholen. Mit nur sechs Gegentoren stellen die Eisernen aktuell die stärkste Abwehr. Bei der Alten Dame aus Charlottenburg ist es ähnlich. Die 1. Liga hat erst sechs Runden absolviert und sieben Gegentore hat Hertha dabei kassiert, drei Spiele (gegen Nürnberg, Schalke und zuletzt Bayern) wurden zu null gewonnen.

Stabilität in der Abwehr und ein verbesserter Spielaufbau mit mehr Tempo, da sind Verbesserungen erkennbar. Im defensiven Mittelfeld, der Schaltstation zwischen Abwehr und Angriff, konnten sich die Eisernen mit Manuel Schmiedebach qualitativ verbessern. Zusammen mit Grischa Prömel, der sich in bemerkenswerter Form befindet verfügen die Eisernen über ein defensives Mittelfeld, das in der Liga seinesgleichen sucht.

Mit Blick auf Hertha BSC ist ebenso das defensive Mittelfeld, besonders dabei die stabilen Leistungen von Arne Maier, hervorzuheben. Das erst 19jährige Eigengewächs hat alle sechs Saisonspiele über die volle Distanz absolviert. Dabei zwei Torvorlagen gegeben und seine Passquote liegt bei 88 Prozent. In der vergangenen Saison wurde er mit der A-Jugend der hertha Deutscher Meister. Gut, dass gelang seinen Vertrag im Februar bis 2022 zu verlängern.

Im Moment bieten sich rosige Aussichten für die Fans der Berliner-Profivereine. Die Saison ist noch lang und die Zielstellungen können jederzeit entsprechend korrigiert werden.

Hans-Peter Becker

Nullnummer in Sandhausen

Beim Abgang der Mannschaften im Stadion am Hardtwald zeigte die Kamera Unions Manuel Schmiedebach in Großaufnahme. Er schüttelte den Kopf und schien innerlich zu fluchen. Das gerade zu Ende gegangene Spiel des 4. Spieltages war in jeder Hinsicht eine Nullnummer. Die Eisernen fanden nie so richtig in das Spiel. Der Plan bestand wohl darin, Sandhausen den Gegner kommen zu lassen, Fehler zu provozieren und mit Kontern den Erfolg zu suchen. Der eingangs erwähnte Schmiedebach sollte dabei mir seiner Spielübersicht eine entscheidende Rolle übernehmen. Er hatte 40 Ballkontakte, spielte 30 Pässe und davon waren 11 Fehlabspiele. Fußball ist ein Mannschaftsspiel und lag nicht nur an Schmiedebach.

Der SV Sandhausen, bisher ohne Punkt, bot von Anfang an einen bedingungslosen Kampf. Trainer Kenan Kocak hatte in der Abwehr auf eine Dreierkette umgestellt, davor ein sechs Mittelfeldspieler, so wurden die Räume eng im Mittelfeld. Eine Maßnahme die fast zu mehr als nur einen Punkt geführt hätte. Unions Aufbauspiel wurde empfindlich gestört und über den Kampf kreierte der SV Sandhausen gute Tormöglichkeiten. Es dauerte bis zur 31. Minute, da ergab sich erst die erste Möglichkeit zu einem Treffer für die Gäste aus Berlin. Sebastian Andersson vergab nur knapp. Mir einer ähnlichen Taktik des Gegners hatten die Eisernen bereits im ersten Saisonspiel, daheim gegen Aue ihre Probleme. Ein Freistoß des eingewechselten Felix Kroos in der Schlussphase sorgte für den Sieg.

In der zweiten Halbzeit bot sich das gleiche Bild. Die Eisernen fanden nicht in das Spiel und hatten Riesenglück, dass in der 52. Minute Kevin Behrens eine „tausendprozentige“ nicht verwandeln konnte und der eingewechselte Andrew Wooten seine Chance nicht nutzen konnte. Die Eisernen hätten in der 81. Minute fast den Glücksgott des Fußballs auf ihrere Seite gehabt. Eine unglückliche Abwehraktion von Sandhausens Verteidiger Jasper Verlaat brachte Grischa Prömel in eine gute Einschuss-Position. Beim Abschluss geriet er in Rücklage, so dass der Ball in Richtung Tribünendach flog. Es wäre des Guten zu viel gewesen. So blieb es bei der Punkteteilung und Sandhausen erwies sich wieder als schwieriges Pflaster für die Eisernen. Die mitgereisten Anhänger könnten neben der guten Stimmung wieder für eine zusätzliche finanzielle Belastung ihres Vereins gesorgt haben. Im Gästeblock wurden Pyro-Artikel gezündet. Der rot-weiße Nebel zog wegen der günstigen Windrichtung recht schnell aus dem Stadion.

Trainer Urs Fischer schickte die Eisernen in einer 4-4-2 Formation auf den Rasen. Gegenüber dem Spiel gegen St. Pauli  spielte Kenny Redondo für Akaki Gogia. Opfer der taktischen Umstellung wurde zunächst Felix Kroos. Neben Andersson kam Robert Zulj zu seinem ersten Startelfeinsatz. Er wurde in der 82. Minute für Kroos ausgewechselt. Eine aussichtsreiche Freistoß-Position, wie eingangs erwähnt im Spiel gegen Aue, ergab sich nicht.

Der 1. FC Union bleibt weiter ohne Niederlage und ist aktuell mit 8 Punkten auf Platz 3 der Tabelle. Die Liga macht eine Pause. Am nächsten Spieltag empfängt der 1. FC Union am Freitag, 14.09. das nächste Problemkind der Liga, den bisher noch punktlosen MSV Duisburg in der Alten Försterei. In der Länderspielpause gibt ein Freundschaftsspiel gegen den Schweizer Erstligisten Grasshopper Club Zürich mit dem deutschen Trainer Torsten Fink. Anstoß ist am kommenden Mittwoch, 05.09. ab 18:00 Uhr in der Alten Försterei.

Hans-Peter Becker

Geglückter Saisonstart und wieder kein Losglück

Erster Startelfeinsatz für Florian Hübner Foto: Hans-Peter Becker

Der Start in die neue Saison ist bei den Eisernen geglückt. Nach drei Spieltagen sind sie zusammen mit dem 1. FC Köln Tabellenführer, wie immer ist das eine hübsche Momentaufnahme und abgerechnet wird am Schluss. Gegen den FC St. Pauli war das Ergebnis besser als das Spiel. Der Doppelschlag vor der Halbzeitpause (44. und 45. Minute) war die Vorentscheidung in einer bis dahin offenen Partie. Die Handschrift von Urs Fischer wird immer deutlicher. Er will mehr Dominanz und Kontrolle. Der Kader scheint gerüstet für den Kampf um die oberen Tabellenplätze. Zusammen mit der neuen Nummer 1 im Tor Rafal Gikiewicz standen fünf Neuzugänge in der Startformation. Gegen St. Pauli kam Florian Hübner zu seinem ersten Einsatz und machte seine Sache, laut seinem Trainer, sehr gut. Erstaunlich, es sah aus als würden Marvin Friedrich und Florian Hübner bereits länger zusammenspielen.  St. Pauli hatte elf Torschüsse, davon waren drei hochkarätig. Das war eine Abwehrleistung der Eisernen, die sich sehen lassen konnte. Von den anderen Neuzugängen spielte Ken Reichel auf der Position des linken Außenverteidigers souverän. Einen deutlichen Qualitätsgewinn bringt auch Manuel Schmiedebach auf der Sechser-Position in das Spiel. Es ist fast verwunderlich, dass Hannover 96 keine Verwendung mehr für ihn hatte. Neben defensiven Stärken, er schont sich in keinem Zweikampf, ist er sehr wertvoll für den Spielaufbau.

Das Ergebnis gibt den Spielverlauf nicht korrekt wieder. Der FC St. Pauli wurde unter Wert geschlagen, der 4:1 Sieg für den 1. FC Union fällt etwas zu hoch aus. Über weite Strecken der ersten Halbzeit wurde deutlich, woran weiter gearbeitet werden muss. Den Fans im ausverkauften Stadion „An der Alten Försterei“ skandierten „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ und was will man mehr, als vier Tore von der eigenen Mannschaft.

Unterdessen wurde die 2. Hauptrunde im DFB-Pokal aus gelöst. Im Lager der Eisernen hatten sie so auf ein Heimspiel gehofft. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Zu Hause gegen Schalke 04, das war der heimliche Wunsch der Fans, Steven Skrzybski hätte sich auch gefreut. Stattdessen wurde es der Konkurrent, oh nein, wie im vergangenen Jahr, müssen sie nach Dortmund und sind wieder nur der krasse Aussenseiter. „Borussia Dortmund ist natürlich ein attraktiver, aber zugleich auch schwieriger Gegner. Wir haben uns vor zwei Jahren dort sehr gut präsentiert, das ist auch jetzt unser Ziel. Es wird ein interessantes Spiel mit einer besonderen Atmosphäre, die unsere Spieler genießen sollen und werden. Unsere Aufmerksamkeit darf allerdings nicht nur auf dem Pokalspiel liegen. Wir müssen auch weiterhin die Spiele in der Liga konzentriert angehen“, so äußerte sich in einer ersten Reaktion Oliver Ruhnert, der Geschäftsführer Profisport des 1. FC Union.
Hans-Peter Becker