Hall of Fame des deutschen Sports

Ein Webinar des VDS fasste neue Erkenntnisse zusammen

Täve Schur, das DDR-Radfahrer-Idol, bleibt weiterhin kein geeigneter Kandidat für die Liste in der Hall of Fame (HoF) des deutschen Sports. Diese war von der Stiftung Deutsche Sporthilfe 2006 initiiert worden. Für eine solche Wissensvermittlung hätte es kein Webinar des Verbandes der Sportjournalisten (VDS) gebraucht. Schließlich sind bereits zwei Versuche – mit sportlich guten Gründen für eine Aufnahme der Radsport-Ikone – gescheitert. Für eine der Anmerkungen dieses einstündigen Online-Seminars Anfang November war seine Person aber eine geeignete Anschauung, welche Kriterien zukünftig wahrscheinlich gelten sollen.

Die Sporthilfe als Initiatorin der HoF hatte bereits Mitte September 2025 die Ergebnisse einer Expertenkommission vorgestellt. Da ging es in erster Linie um die Aufarbeitung und eine Diskussion, die die Historiker und andere Fachleute zu Mitgliedern aus der NS-Zeit geführt hatten. Damaliges Ergebnis nach kontroverser Einschätzung: Es soll keinen Ausschluss von Mitgliedern, die bereits in der Ehrenliste aufgeführt worden sind, geben. „Wenn man diese Personen aus der HoF ausschließt, würde das wie ein Purgatorium (Fegefeuer oder Läuterungsort, Anm. d. Verf.) wirken, bei dem der deutsche Sport sich im Nachhinein selbst reinigt und das politisch Verstrickte von sich abkapselt“, heißt es in der Stellungnahme der fünfköpfigen Kommission. Vielmehr seien durch Offenlegung und Kommentierung die Personen transparenter darzustellen.

Max Hartung, Sprecher des Sporthilfe-Vorstandes, fand im Webinar des VDS ähnliche Worte wie auf der Webseite des Verbandes: „Ich musste mich selbst erst in ein Thema einarbeiten, das nicht unbedingt als Spezialdisziplin vorhanden war…nun hilft die getätigte Arbeit der Kommission… die Botschaft der HoF und ihre Werte zu bewahren.“

Die Diskussion war nach einem Hinweis des Historikers und Filmemachers Armin Jäger ins Rollen gekommen. Sein Hinweis auf ungenügende Art und Weise der Darstellungen von einigen Mitglieder-Biografien weckte daraufhin so manchen. Ein Auftrag an den Historiker Erik Eggers, Dokumente und zugängliche Quellen zu sichten, folgte. Der sprach davon, dass die Hürden beim Sichten („im Maschinenraum des Historikers“) erstaunlich schnell übersprungen werden konnten. Ginge es nach ihm, hätte zum Beispiel die Reitlegende Hans-Günter Winkler (+2018) keine Aufnahme verdient. Das hätten seine Recherchen zur NS-Zeit zweifelsfrei belegt.

Die Träger Deutscher Olympischer Sportbund, Sporthilfe und VDS wollen die Erkenntnisse nutzen, um nun auch das aktuelle Leitbild der HoF zu überprüfen. Die virtuelle Ruhmeshalle mit im Moment 131 Persönlichkeiten wird in Zukunft vermutlich nicht so rasch mit neuen Mitgliedern ergänzt werden. Die Erfüllung von sportlichen Kriterien allein ist nicht ausreichend. Die diffizile Betrachtung der Vergangenheit ist für VDS-Vorstand André Keil ein Grund, sich ein wenig zurückzulehnen: „Wo gibt es das sonst in der Welt, nicht nur NS-Vergangenheit zu prüfen, sondern auch nach Staatsdoping in beiden deutschen Staaten zu fragen?“, merkte er an. Man sei froh über die Leitlinien, die immer angepasst werden müssten.

Täve Schur habe sich nie von früheren Äußerungen und Verhalten distanziert. Ähnlich sei der Fall auch bei einer Spitzensportlerin wie Kristin Otto, der bisher erfolgreichsten deutschen Schwimmerin, gelagert. Hier stehen die nicht ausreichend kommentierten Dopingvorwürfe und überhaupt neuzeitliche Stellungnahmen dazu weiterhin aus. Die Leitlinien für eine Auswahl in die HoF gelten seit 2017. Welche angepassten Leitlinien ab wann demnächst auf der Liste stehen sollen, ist noch nicht konkret ausgemacht.
Die Gründung der Ehrenhalle habe Geburtsfehler gehabt, Nominierungen waren nicht gut nachzuvollziehen. So hieß es einvernehmlich beim Webinar des VDS. Eggers: „Es war leichtfertig, das Thema so anzugehen.“

Aktuell sind es, durch sechs Neuaufnahmen am 6. November 2025, nun 137 Persönlichkeiten des Sports in der Hall of Fame.

Greta Blunck (Hockey) / Kathrin Boron (Rudern) / Britta Heidemann (Fechten) / Philipp Lahm (Fußball) / Dirk Nowitzki (Basketball) / Maria Riesch (Ski Alpin)

Text und Foto: Frank Toebs

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