Nach dem Untergang vor exakt einem Jahr soll noch 2026 eine Probeausgabe erscheinen
Fußball in der Rummelsburger Bucht? Das war eine der Schlagzeilen in der 42. Ausgabe der Fußball-Woche (FuWo) von 2025. Im 103. Jahrgang gab es diese vorläufig letzte Ausgabe für 3,50 Euro am Kiosk und in anderen Verkaufsstellen. Zum Oberliga-Fußball des NOFV hieß es auf der Titelseite: Viktoria, zwischen Problemen und Optimismus. Probleme hatten Verlag und Redaktion des Berliner Fachblattes schon länger. Als die letzte Ausgabe unter alter Leitung am Montag, den 13. Oktober 2025 – vor einem Jahr – bei den wenigen verbliebenen Abonnenten eintraf, waren die ebenso geschockt über die Mitteilung „in eigener Sache“ auf Seite drei wie die Mitarbeiter. Dass es nach 102 Jahren in derartiger Geschwindigkeit zu Ende gehen sollte, hatte wohl kaum jemand, der nicht zum inneren Kreis gehörte, erwartet. Ein Montagmorgen ohne Fußball-Woche? Für die Gruppe der älteren Leser, die nur die Papierausgabe kannten, ein Ding der Unmöglichkeit; das Ende einer Legende.
Die Spendenkampagne der FuWo hatte Erfolg

Wie viele typische Leser nach exakt einem Jahr noch mit den gleichen Entzugserscheinungen zu kämpfen haben wie Ende 2025 lässt sich nur vermuten. Einige haben bereits das Spielfeld für immer verlassen. Der langjährige Redakteur Ulrich „Ulli“ Mayer ist einer von ihnen. Er verstarb im Alter von 62 Jahren. Als Journalist tätig war er in letzter Zeit nicht mehr, aber noch Käufer des Blattes. Die Zeit in denen Mayer und die anderen Mitarbeiter die FuWo in einem altbekannten Layout produzierten, ist wohl endgültig abgelaufen. Ein jüngeres Käuferpublikum war bereits länger nicht mehr zum Kauf zu bewegen. Dass manche nur mal eben zur „Tanke“ gingen, um einen Text rasch mit dem Handy zu kopieren, war längst kein Geheimnis. So ließen sich nach der besonders sorgenvollen Zeit der Corona-Pandemie keine großartigen Veränderungen mehr durchsetzen. Zuvor war das Kerngeschäft der Zeitung – die Berichte über aktuelle Spiele – durch Absagen weggebrochen. Dann kam der beschriebene Knall von einem Tag zum anderen. Dem folgten viele Fragezeichen. Der Kaufmann Tino Loest war es schließlich, der mithilfe einer Spendenkampagne bereit war (brachte etwas mehr als 100.000 Euro), nach der fußballerischen Sommerpause etwas zu versuchen.
Der Drahtseilakt Jüngere und Ältere gleich anzusprechen
In der neu gegründeten GmbH läuft im Oktober 2026 durch zu viele Baustellen und Unwägbarkeiten noch nicht alles nach Wunsch. Ein geplantes Fußball-Woche-Sonderheft – sonst veröffentlicht beim Start der Berlin-Liga – hat es nie gegeben. Dafür sind seit einiger Zeit wöchentliche Newsletter unterwegs. Die alte Fangemeinde und Jüngere, die den Fußball aus einer anderen Perspektive anschauen, sollen gleichermaßen angesprochen werden. Sicher ein Drahtseilakt in Zeiten des siechenden Printbusiness. Aber allein der Versuch, etwas zu bewegen, um die bereits länger beim Qualitätsjournalismus unterversorgte Klientel wieder zu informieren, ist lobenswert. Um überhaupt ohne größeres Risiko an alte Zeiten anknüpfen zu können, brauchen die neuen Macher Unterstützung durch altbekannte Journalisten, die jahrelang für die FuWo tätig waren. Rainer Fritzsche und Harri Ramin wissen, wie es geht, betreuen daher die Seiten im Newsletter und in der FuWo-App, die mit Berichten über den Regionalliga-Fußball und den professionellen Frauenfußball gefüllt sind.
Frei verkäufliche FuWo wird es wahrscheinlich nie wieder geben

Über den neusten Stand sind zurzeit zwei junge neue Mitarbeiter bestens informiert, denn sie gehören zur Gründungsmannschaft einer moderneren Fußball-Woche. Can Rose und Lennart Nerlich stehen vor einem Berg von Organisation. Was die Aufgabe des Parlamentarischen Rates bei Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1948/49 war, nämlich die Grundlagen einer neuen Ordnung mitzuerarbeiten, mussten sie im Kleinen innerhalb von wenigen Wochen leisten. Ein sicher etwas übertriebener Vergleich. Aber genau wie das „Auferstanden-aus- Ruinen“ im einstmals anderen deutschen Staat ist es ein völliger Neustart. Die alte Form trägt es nicht mehr. Und die Planung ist noch nicht beendet. Eine Aufgabe, die es in sich hat. Wie oft, geht es dabei neben Inhalten auch um Kosten. Nun blüht aber bereits das erste zarte Pflänzchen. Es gibt endlich ein ausführliches Redaktions- und Produktkonzept. Dieses soll laut Can Rose für „die kommenden Testwochen die Grundideen zusammenfassen“. In einer „Testwoche“ vom 19. – 25. Oktober sollen Fragen nach konkreten Spielbesuchen und Berichten, vor allem nach Verfügbarkeit von Mitarbeitern geklärt werden. Betont werden soll in der Anfangsphase die Abbildung von Regional-, Oberliga und Berlin-Liga. „Der Frauenfußball soll fester sportlicher Kern bleiben“, teilen die jungen Redakteure mit. In ein bis zwei „Null-Ausgaben“, die bis zu 32 Seiten haben könnten, sollen Inhalte und Formate sowie Längen getestet werden. Automatisiertes Zuliefern soll weitestgehend vermieden werden, dennoch soll es ein Themenfeld „Neue Fußballkultur“ geben. Vor allem sollen reine Statistiken wegfallen. Ein „Spiel der Woche“ soll auf einer Doppelseite erscheinen. Dass die Zeitung jede Woche verlässlich erscheinen kann, bleibt noch eine Herkulesaufgabe. Angestrebt wird – wie früher bereits bekannt wurde – eine Zahl von etwa 700 Abonnenten. Eine Druckausgabe, die auf alte Art am Bahnhofskiosk oder ähnlich erworben werden kann, wird es sehr wahrscheinlich nie wieder geben.
„Wenn es nicht läuft, haben wir es wenigstens versucht“
Fest steht: Es gibt keinen Stillstand. In naher Zukunft können die bohrenden Fragen der Zuschauer auf den Plätzen Berlins und Umgebung konkreter beantwortet werden. Wenn die Frage wieder heißt: „Wie steht es denn bei der Fußball-Woche?“, kann spontan gesagt werden, dass es n i c h t bei der Idee bleiben wird. Die Gründer und ihre Mitarbeiter mögen den Aufwand etwas unterschätzt haben. Es wird aber vermutlich noch in diesem Jahr eine echte Probeausgabe der gedruckten Fußball-Woche geben; die Online-Berichterstattung sowieso. Das Warten wird sich dann hoffentlich gelohnt haben. Und es wäre doch schön, wenn das umfangreiche (Papier-) Archiv der „FuWo“ nach einem Jahr Unterbrechung ab 2027 auch wieder aufgefüllt werden könnte. Vor Monaten sagte Tino Loest, heute einer der Inhaber: „Wenn es nicht läuft, haben wir es wenigstens versucht“. Dem muss nichts hinzugefügt werden.
Frank Toebs

Fotos: © Becker/Sportick
