In der 2. Bundesliga wird es das 16. Aufeinandertreffen der beiden ostdeutschen Traditionsclubs. Dazu feiern beide ein Jubiläum sowohl für die Veilchen aus dem Erzgebirge, wie für die Eisernen wird es das 400. Spiel in dieser Spielklasse sein. Nach der Wende spielte man gemeinsam in der Regionalliga Nordost und Nord und gehörte 2008 zu den Gründungsmitgliedern der 3. Liga. In der Saison 2003/04 spielten beide erstmals zusammen in Liga 2.
Erzgebirge Aue kommt als drittletzter der Tabelle nach Berlin und braucht jeden verdammten Punkt. Der 1. FC Union ist in einer ähnlichen Situation. Die Pressekonferenz vor dem Spiel war mit reichlich 25 Minuten fast doppelt so lang wie gewöhnlich. Unter der Woche hatte eine Meldung, dass Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht zur kommenden Saison neuer Trainer in der Wuhlheide werden soll für Verwunderung und einiges Aufsehen gesorgt. Da war nichts dran und Hofschneider hat nochmals bestätigt, dass Torsten Lieberknecht ihn daraufhin angerufen hat. Eintracht Braunschweig hat sogar mit rechtlichen Konsequenzen gedroht, sollte diese wüsten Spekulationen in der Öffentlichkeit nicht aufhören.
Viel interessanter ist die Frage, wie viel Zweitligaspiele für den 1. FC Union wohl noch dazukommen werden? Auf jeden Fall sind es bis zum Saisonende deren 9. Dazu kämen, eventuell, zwei Spiele in der Relegation, dabei ist offen, wohin ? Der Aufstiegsrelegationsplatz ist 6 Punkte und der um den Abstieg ist sogar nur 5 Punkte entfernt. Mit direkten Auf- oder Abstiegsplätzen sollte man sich in der Wuhlheide nicht beschäftigen müssen.
Die Zielstellung vor der Saison war eine Andere. Es sollte ein Platz unter den besten 20 Mannschaften in Deutschland werden. Der zur Verfügung stehende Kader hat dafür das Potential. Das Spiel gegen Aue ist – zum wiederholten Mal in dieser Saison – eine Nagelprobe. Mit einem Sieg, flankiert von anderen günstigen Spielausgängen wären sie wieder dicht dran. Es ist sehr spannend in dieser Liga.
Gegen Aue wird es darauf ankommen, den Ausfall von Sebastian Polter zu verkraften. Er war mit seiner körperlichen Präsenz in der zentralen Sturmmitte enorm wichtig. Als Ersatz steht Philipp Hosiner bereit. Ein Fragezeichen steht hinter Simon Hedlund, er wird eher nicht spielen können. In der Verteidigung bzw. im defensiven Mittelfeld muss Michael Parensen ersetzt werden. Wie Polter verletzte er sich beim Auswärtsspiel in Kaiserslautern. Akai Gogia und Marcel Hartel, die in Kaiserslautern nicht einmal im Kader standen, sollten wieder in die Startformation rücken. In der Abwehrkette könnte Marvin Friedrich den Vorzug vor Toni Leistner bekommen.
Das Stadion wird am Sonntag ausverkauft sein. Aus dem Erzgebirge werden über 2.000 Anhänger nach Berlin kommen. Der Wetterbericht sagt frühlingshafte Bedingungen voraus. Mal sehen, für wen es nach 90 Minuten ein Frühlingserwachen geben wird. Für die Leitung der Partie ist der Stuttgarter Schiedsrichter Martin Petersen eingeteilt. In dieser Saison darf man ihn als sehr union-erfahren einstufen. In dieser Saison leitete er bereits den 3:1 Heimsieg gegen Greuther Fürth und die 1:2 Niederlage in der „Alten Försterei“ gegen Ingolstadt.
Hans-Peter Becker
