Nicht gewonnen und doch um einen Platz verbessert

Füchse spielen gegen Hannover 30:30

Wechselbäder, also das Hin und Her zwischen warm und kalt, sind in der Medizin eine seit langem bewährte Therapieform. Damit sollen sowohl das vegetative, als auch das Herz- und Kreislaufsystem trainiert werden. Welche Auswirkungen dagegen Wechselbäder während eines Handballspiels, ein langes Hin und Her zwischen Sieg oder Niederlage, auf die Gesundheit der Fans haben, ist noch nicht ausreichend erforscht. Beim Spiel zwischen den Füchsen und dem TSV Hannover Burgdorf hätten dazu interessante Studien durchgeführt werden können.

Die Gastgeber, ganz darauf fixiert im Kampf um Platz zwei Boden gutmachen zu können, da Konkurrent Flensburg in Magdeburg spielte, begannen konzentriert und warfen einen drei-Tore-Vorsprung heraus – 6:3/12. Diese Führung hatten sie auch den überragenden Aktionen von Torhüter Lasse Ludwig zu verdanken (17 Paraden insgesamt), der einige freie Würfe der Niedersachsen entschärfte und damit die Dysfunktion seiner Abwehr ausbügelte. Allein zweimal parierte er Bälle von Burgdorfs Kreisläufer Justus Fischer. Statt der Fortsetzung des erfolgreichen Beginns mussten die 8.601 Zuschauer jedoch registrieren, dass die Füchse nicht nur den Spielfaden aus der Hand gaben, sondern, dass er ihnen komplett gerissen war.

Missverständnisse im Angriffsspiel, dazu Fehlwürfe in Reihe, von Arino über Hakun West und Marsenic sogar bis zu Gidsel, waren die Folge. In dieser Black-out-Phase der Gastgeber wandelte die Hannoveraner ihren drei-Tore-Rückstand in einen vier-Tore-Vorsprung – 15:11/30. Das Erlebte fasste Trainer Nicolej Krickau später so zusammen. „Wir waren heute gar nicht in der nötigen Verfassung. Kollektiv sowie individuell waren wir zu weit entfernt von unseren Stärken“.

Der Wille auf Veränderung war den Berlinern mit Wiederanwurf anzumerken. Durch Treffer von Lichtlein, Freihöfer und Gidsel wurde binnen sieben Minuten der Ausgleich erzielt und beim 19:18/43. erstmals seit der 14. Minute wieder eine Führung er-reicht. Da die Gastgeber sich jetzt auf ihre Stärke, den variablen Tempohandball besannen, wurde daraus in den besten Momenten sogar ein drei-Tore-Vorteil – 26:23 (49.) Die Gäste wankten, aber fielen nicht, weil es den Füchsen an Konsequenz mangelte, was sich in des Trainers Kritik niederschlug. „Bei einem Drei-Tore-Vorsprung müssen wir das Momentum auf unserer Seite behalten. In dieser Phase waren wir erneut nicht effektiv genug“.

Nach wechselnder Führung in der Crunchtime, bot sich 45 Sekunden vor Schluss doch noch die Chance auf den Sieg. Dass nach einer Auszeit ausgerechnet Welthandballer Mathias Gidsel den Wurf versemmelte, passte zu diesem aus Berliner Sicht durchwachsenen Abend. Das 30:30 entsprach am Ende durchaus dem Spielverlauf. Einen etwas positiveren Anstrich bekam das Ergebnis erst Stunden später, als die Flensburger Niederlage in Magdeburg (30:31) feststand. Dadurch kletterten die Füchse dank des besseren Torverhältnisses auf Platz zwei vor den punktgleichen Flensburgern, die am letzten Bundesliga-Spieltag (7. Juni 2026) zur wohl entscheidenden Partie in der Max-Schmeling-Halle aufkreuzen. Zuvor müssen die Berliner zweimal auswärts ran – in Eisenach und Melsungen.

Für die Füchse erfolgreich: Andersson (4), Grøndahl (2/1), Lichtlein (4), Gidsel (9), Freihöfer (4/3), Langhoff (1), av Teigum (1), Marsenić (5).

Herbert Schalling

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