Die Torfolge:
0:1 Haraguchi (31.)
1:1 Eigentor Baumgartl (49.)
1:2 Prömel (53.)
1:3 Becker (74.)
1:4 Michel (85.)

Der 1. FC Union erzielt im Derby fünf Tore. Auch ohne das Eigentor ist das der höchste Sieg in der Bundesliga von den Köpenickern – ausgerechnet gegen Hertha BSC. Fatal: die Alte Dame bleibt bei 26 Punkten und jetzt sind es nur noch fünf Partien in dieser Saison. Union hat jetzt 44 Punkte und spielt weiter ums internationale Geschäft mit. Einerseits finde ich das natürlich sehr gut, andererseits wäre mir zumindest, entgegen meiner Prognose, ein Unentschieden für eine bessere Situation für die Hertha lieber gewesen. Einen anderen Ausgang getippt zu haben, hätte ich verkraftet. Wäre es doch bloß anders gekommen.
Mir geht es wie den Union-Spielern. Hertha soll den Klassenerhalt schaffen! Berlin braucht so ein Fest vor ausverkauftem Haus. Den Unionern muss tatsächlich bescheinigt werden, genauso äußerte sich auch Felix Magath, Union war ganz deutlich die bessere Mannschaft. Ihr Sieg ist also hochverdient. Und hätte Herthas Keeper Lotka nicht so hervorragend gehalten, bei Halbzeit hätte es den Chancen nach durchaus 0:4 stehen können.
So muss das Urteil vor den letzten fünf Spielen einfach heißen: Erkennen wir die Übermacht an. Union war ja schon vor diesem Match der Stadtmeister mit zwei gewonnen Spielen, setzte sich gegen Hertha auch im Pokalderby als Sieger durch. Ich traue der Mannschaft um Trainer Urs Fischer zu, das Pokalfinale im Berliner Olympiastadion zu erreichen – zumindest das, wenn nicht sogar …
So hoffnungsvoll sieht es für Hertha nicht aus. Die Schlappe 1:4 nagt bestimmt am Selbstvertrauen. Die sich offenbarenden Defizite sind schon peinlich. Wie energisch Union unmittelbar nach dem unglücklichen Eigentor den Gleichstand ausbügelte und innerhalb von vier Minuten erkennen ließ: „Wir wollen gewinnen“, das war schon imponierend zu zeigen, wer Herr im fremden Hause ist. Nämlich die Nummer 1 in Berlin!
Wenn Hertha in den nächsten drei Spielen nicht die Wende schafft, wird die Mitgliederversammlung im Mai, oh Gott, ein Fiasko. Die Spieler wurden nach dem 1:4 von den eigenen Fans aufgefordert, die Trikots auszuziehen, sie wären nicht würdig für Hertha zu spielen. Nicht alle, aber einige kamen der Aufforderung nach.
Beim Freudenfest des 1. FC Union im Olympiastadion kam mir plötzlich in den Sinn, dass die Eisernen auch einmal eine andere Zeit erlebten und ich bestrebt war, zu helfen. Der Sargdeckel war so gut wie drauf. Seitens der Hertha war mir dann die Pressekonferenz wieder deutlich vor Augen und Ohren, als einst Otto Rehhagel vorgestellt wurde. Ein mir bekannter Journalist vom Weltexpress wurde des Saales verwiesen. Dummerweise mochte er wahrscheinlich keine „alten Trainer“ und stellte, selbst nach meinem heutigen Empfinden eine „unmögliche“ Frage. Das war bei Hertha natürlich nicht angebracht.
Christian Zschiedrich
