Kommentar: Videobeweis und Supervisor

Lutz Michael Fröhlich steht jetzt in der Verantwortung. Foto: Christian Zschiedrich

Um es gleich vorweg zu nehmen, der Videobeweis ist eine gute Sache und seine Einführung in der 1. Bundesliga war überfällig. Bis jetzt haperte es bei der Umsetzung. Eindeutige Regularien sind nötig, es muss verständlich sein, was genau passiert, wenn der Schiedsrichter auf dem Platz mit seinen Händen ein Viereck zeichnet. Was entscheidet der Videoschiedsrichter und was nicht ? Von Lutz Michael Fröhlich wurde das nochmals eindeutig festgestellt. Der Video-Assistent wird nur dann eingeschaltet, wenn in entscheidenden Szenen ein Wahrnehmungsfehler vorliegt.

So undurchsichtig wie die Steuererklärung des DFB aus dem Jahre 2006 ist die Rolle des Supervisors. Braucht man den überhaupt ? Sie konnten, durch eine eher heimliche Änderung des Verfahrens, während der Spiele wohl Einfluss auf die Video-Assistenten nehmen.

Der DFB ließ erklären: „Für ihn gilt ebenso wie für die anderen Supervisoren, dass sie künftig während der Spiele keine direkte Kommunikation mehr mit den Video-Assistenten haben werden.“ Mit „für ihn“ ist Hellmut Krug gemeint, der bisherige Projektleiter „Videoassistent“. Er wurde abgelöst. Es stand der Vorwurf im Raum, dass er am 10. Spieltag bei der Begegnung Schalke 04 gegen den VfL Wolfsburg eine strittige Elfmeter Entscheidung zugunsten der Schalker beeinflusst haben soll. Der gebürtige Gelsenkirchener Hellmut Krug war als Supervisor eingeteilt. Zu seinen aktiven Zeiten als Schiedsrichter durfte er nie ein Spiel mit Schalker Beteiligung pfeifen.

Seit dem 6. November ist der Berliner und ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich als Leiter für das Projekt zuständig. Hellmut Krug „bleibt in dem Projekt engagiert und wird sich auf die inhaltliche Analyse und die fachliche Dokumentation konzentrieren sowie wie bisher die Berichterstattung an das internationale Regelboard IFAB leisten.“ Verschwurbelter kann man wohl die Degradierung nicht begründen. Man schmeißt ihn nicht direkt raus, ab sofort darf er nur noch im Archiv arbeiten.

Jetzt hat sich auch die Deutsche Fußball-Liga DFL eingeschaltet. Über ihren Präsidenten Reinhard Rauball ließ sie ausrichten: „Wir brauchen einen strukturellen Neuanfang im Schiedsrichterwesen. Die Pilotphase des Video-Assistenten hat schonungslos Probleme offengelegt, die es an einigen Stellen schon lange gibt und nun endlich behoben werden müssen.“

Lutz Michael Fröhlich der neben der Projektleitung „Videoassistent“ auch die sportliche Leitung der Eliteschiedsrichter beim DFB inne hat, ist um seinen Job nicht zu beneiden. Im Profifußball geht es um viel Geld und es wäre wohl angebracht, über die Einführung des Profitums auch bei den Schiedsrichtern nachzudenken. Wäre das nicht ein struktureller Neuanfang ? Es darf nur die Leistung zählen, im sportlichen Wettkampf ist es doch auch so.

Hans-Peter Becker

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