
Zum Glück wurde zum Saisonauftakt gegen Nürnberg 1:0 im Berliner Olympiastadion gewonnen. Hertha offenbart sich Besserung gelobend mit zwei Gesichtern. Sportlich wird mit großer Wahrscheinlichkeit das (wischi-waschi)-Saisonziel „einstelliger Tabellenplatz“ erreicht. Andere Clubs formulieren das etwas konkreter und mutiger. Weit mehr zu kritisieren ist die menschliche Seite im Umgang mit bestimmten Presseorganen. Der Berliner konnte sich jahrelang mit seinem Hauptstadtclub nicht identifizieren, was nicht etwa am Berliner lag, sondern an dem, wie Hertha sich den Menschen gegenüber gab, oft als großkotzig gebrandmarkt. Die Erkenntnis, dass am Image gearbeitet werden müsse, setzt sich allmählich sogar in der Vereinsführung durch. Fragt sich, wie erreiche ich den Berliner und wie verbessere ich die Arbeit an der Basis und mein Image insgesamt? Ein richtiger Schritt ist das Vorhaben der Profiabteilung mit Veranstaltungen im Kiez. Heißt näher am Volk zu sein. Werder Bremen zum Beispiel kämpft um jeden Zuschauer. Die Heimat von Hertha BSC ist Berlin, also muss und sollte die Arbeit im Detail an erster Stelle in der Hauptstadt Früchte tragen. Jeder, der über den Hauptstadtsport schreibt ist ein Multifunktionsträger und sollte dementsprechend bedient werden. Uns von TV-Sport-in-Berlin wurde sogar bescheinigt, ein Sympathieträger besonderer Wertstellung zu sein. Der hohe Bekanntheitsgrad ging als Werbeträger für gezielte Maßnahmen einher. Dass wir bei Hertha in Ungnade gefallen sind, bedauern in offenen Bekundungen inzwischen viele Berliner. Was soll ich denen antworten, die mich nach dem Warum fragen (soll ich lügen), weshalb ich in Verantwortung unseres bekannten Internetportals nicht mehr persönlich bei Hertha gesehen werde. Sogar Pressevertreter schütteln den Kopf, denn das Warum kann ich nicht erklären und weshalb Hertha auf meine Anträge nicht antwortet, das hat natürlich etwas mit Anstand und Kinderstube zu tun, entzieht sich ansonsten meiner Kenntnis, ist aber Tatsache.
Im Umgang miteinander, „wie kann man nur solche Selbsttore fabrizieren“ ist oft die Feststellung der Insider. Ja, das grenzt an Schikanen und lässt tief blicken. Da steckt aber auch eine ganze Portion Selbstherrlichkeit dahinter. Vielleicht soll es Trost sein, mir dann mitzuteilen: „So wichtig ist Hertha doch gar nicht“. Da sind wir eben genau an dem Punkt des Miteinander wieder angekommen. Aber, es öffentlich beim Namen zu nennen, ist meiner Meinung nach schon angebracht.
Selbstkritisch gestehe ich, gern die Finger auf die Wunde zu legen. Dabei stellt sich die Frage, meint er es gut, will er damit sogar helfen? Wenn angebracht überwiegen meine Lobgesänge, Tadel gibt es nicht nur in der Schule und Kritik wird bei mir immer fachlich begründet sein. Was die Beiträge im Internet anbelangt, die werden ja in der Regel nie gelöscht, sind also jahrelang abrufbar und immer wieder kontrollierbar vor Augen zu führen. Und Ankündigungen sich zu ändern, liebe Hertha, setzt voraus, dass man es auch tut. Es umzusetzen ist oft schwerer als gedacht. An alten Strukturen gebunden sind Veränderungen kaum zu schaffen. Und an unserem, mit diesem Beispiel darf befürchtet werden, Hertha wird es in Berlin nicht als der beliebte, akzeptierte Club der Herzen schaffen. Ein Grund mehr, künftig verstärkt die Finger auf die Wunde zu legen.
Christian Zschiedrich
