Marcel Noebels erlöste die Schicksalsgemeinschaft am angebrochenen Sonntagabend in der Arena am Ostabahnhof. Sage und schreibe 100 effektive Spielminuten waren vergangen, die dritte Verlängerung hatte begonnen, da zappelte der Puck im Mannheimer Tor. Die Eisbären hatten das bisher längste Spiel, das in Berlin ausgetragen wurde, gewonnen. Gegen 14:00 Uhr hatten 14.008 Zuschauer ihre Plätze eingenommen, um Spiel 6 des Viertelfinales der Eisbären gegen die Adler Mannheim zu sehen. Die Eisbären waren zum siegen verdammt, eine Niederlage wäre das Aus und der Beginn der Sommerpause. Mannheim wäre im Halbfinale.
Das erste Tor fiel bereits nach 2 Minuten und 16 Sekunden, Nicholas Petersen verwandelte einen Penalty. In der 7. Minute fiel das 2:0 im Powerplay – Mirko Höfflin saß auf der Strafbank – Marcel Noebels war der Torschütze. Nach 10 Minuten stand es bereits 3:0 für die Eisbären, erneut war es Petersen. Die Eisbären hatten 2 Mann mehr auf dem Eis. Die Mannheimer fanden im 1. Drittel nicht statt und die Eisbären hatten glanzvolle Spielminuten.
Den Beginn des 2. Spielabschnittes konnten die Mannheimer nicht erwarten, ungewohnt früh, bereits 4 Minuten vor dem Ablauf der Pause waren sie auf dem Eis. Das schien geholfen zu haben, ein Doppelschlag in der 29. und 31. Minute brachte die Adler zurück in das Spiel. (Torschützen waren Chad Kolarik und Matthias Plachta) Die Eisbären verloren den Spielfaden und Mannheim drückte auf den Ausgleich. Der nun knappe Vorsprung hielt bis zur nächsten Pause. Im Schlussdrittel wogte das Spiel hin und her. Mannheim drückte auf den Ausgleich und die Eisbären wollten die wohl endgültige Entscheidung im Spiel.
In der 53. Minute hatten es die Adler geschafft. Die Eisbären waren in Unterzahl – Jamie Macqueen musste von der Strafbank zu sehen, wie erneut Plachta den Puck in das Tor beförderte. Es blieb beim 3:3 nach den regulären Spieldritteln. Die Entscheidung musste in der Overtime fallen. Es wird weitergespielt bis ein Tor fällt, dann ist das Spiel entschieden. Das kann brutal werden, vorallem für die Spieler, verlangt ebenso einiges von den Zuschauern. Bei so manchem Fan dürfte der Blutdruck in bedenklichen Höhen gestiegen sein.
Es vergingen 20 effektive Zusatzminuten ohne das sich am Stand der Tore etwas veränderte. Nach 15 Minuten Pause ging es weiter. Die Ortszeit in Berlin bewegte sich auf die 18 Stunde des Tages. Das Spiel hatte seit fast 48 Minuten kein Tor mehr gesehen. Wieder ein Torschrei kurz vor dem Ende des zweiten Drittels der Verlängerung, in 99. Spielminute. Daniel Fischbuch hatte abgezogen, traf aber nur den Pfosten und rutschte anschließend mit in das Tor. Es wurde aus der Verankerung gerissen. Die Schiedsrichter bemühten den Videobweis, es blieb beim 3:3. Erneut ging es in eine Drittelpause.
Sämtliche Pläne für Gestaltung des Sonntagabends gerieten durcheinander, es wurde weitergespielt. Die Erlösung kam 28 Sekunden nach dem Eröffnungsbully zum nun insgesamt 6. Spieldrittel. Die Eisbären begannen in Überzahl. Charles Linglet schickte den Puck queer, Noebels stand genau richtig und lenkte die schwarze Schiebe an Mannheims Goalie vorbei in das Tor.
Der Sieg, der schwer erkämpfte, bedeutete den Ausgleich in der „best of seven“ Serie. Am Dienstag, ab 20:00 Uhr gibt es ein allesentscheidende Spiel 7 in Mannheim. Kompliment an die Eisbären, mehr Playoff geht nicht oder doch ?
Spiel 7, die verflixte Sieben, alles ist möglich. Nach dem Spiel waren die Akteure schnell von der Eisfläche verschwunden. Regeneration war angesagt.
Hans-Peter Becker
