Dass Volleyball spektakulär sein kann, beweisen die BR Volleys seit vielen Jahren. In der letzten Saison gelang ihnen jedoch etwas Besonderes. Beim entscheidenden fünften Spiel der Finalserie gegen Friedrichshafen Ende April 2022 kamen 8500 Besucher in der Max-Schmeling-Halle – ein „Weltrekord“. In keiner anderen Liga weltweit waren mehr Zuschauer bei einem Volleyballspiel zugegen.
Das ist nur ein kleiner Teil der BR Volleys-Erfolgsgeschichte. Von den zehn letzten Meisterschaften (2020 wurde kein Titel vergeben) gewann der Hauptstadtklub neun. Daran wollen sie auch in der neuen Saison (erstes Heimspiel am 16.10. gegen Friedrichshafen) anknüpfen. „Es wäre nicht zu erklären, wenn wir jetzt sagen würden, unser Ziel sei Platz vier oder das Erreichen der Finalserie“, sagte Volleys-Geschäftsführer Kaweeh Niroomand auf der Pressekonferenz zum Saisonstart.
Trotzdem sehen sich die Volleys diesmal in einer veränderten Situation. Prägende Spieler haben den Verein verlassen. Sergej Grankin ging zurück nach Russland, Benjamin Patch nimmt sich eine Auszeit vom Volleyball, Samuel Tuia beendete seine Karriere. Andre Spieler verdienen ihr Geld künftig in finanzstärkeren Ligen, wie der polnischen zum Beispiel.

Das Gesicht der Mannschaft hat sich deshalb sichtbar verändert, sechs Neue gehören zum 13 Spieler umfassenden Kader. Der 2,14 m große Slowenen Saso Stalekar wurde als neuer Mittelblocker verpflichtet. Mit dem Spanier Angel Trinidad und dem deutschen Nationalspieler Johannes Tille muss Trainer Cendric Enard zwei neue Zuspieler integrieren. Schließlich soll der Finne Antti Ronkainen für Power im Außenangriff sorgen. „Dieser große Umbruch war so nicht geplant“, meint Niroomand. „Jetzt müssen wir mit dieser Situation umgehen.“
Von der spielerischen Substanz her, betonen die Verantwortlichen, ist der Kader, in den nach einjähriger Verletzungspause auch Aton Brehme zurückkehrt, den Meisterteams der letzten Jahre ebenbürtig. Was sich neue herausbilden muss, ist „eine Hierarchie, eine Hackordnung“ findet Niroomand. Das werde entscheidend sein in Meisterschaft und Pokalwettbewerb und auch in der Champions League, in der der Deutsche Meister natürlich auch mitmischen will. „Große Spiele verlangen große Spieler“, formuliert der Geschäftsführer das Motto. Wie schnell es gelingt, zur spielerischen Klasse auch die mentale Stabilität zu erreichen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.
Wirtschaftlich steht der führende Berliner Volleyball-Verein auf sicherem Fundament, (Etat zwischen 2,5 bis 2,8 Mio. Euro) trotz der Einbußen durch die Corona-Pandemie und der neuen Belastungen durch die Energiekrise, deren Kosten Niroomand durchaus im sechsstelligen Bereich erwartet.
Der BR-Volleys-Kader für die Saison 2021/22: Adam Kowalski, Satoshi Tsuiki, Antti Ronkainen, Nehemiah Mote, Johannes Tille, Anton Brehme, Timothee Carle, Angel Trinidad, Cody Kessel, Saso Stalekar, Ruben Schott, Marek Sotola, Matheus Krauchuk
Herbert Schalling
© 2022 Pressefoto Credit: Andreas Gora
