„Dit war wohl nüscht“ auf gut berlinerisch, so lassen sich die Ergebnisse der „Alten Dame“ sowie der Eisernen vom 22. Spieltag zusammenfassen. Beide beendeten ihren Arbeitstag mit einer 2:3 Niederlage. Dabei hatten sie sich doch so viel vorgenommen. Hertha wollte nach dem unglücklichen Ausscheiden aus dem DFB-Pokal weiter aussichtsreich im Aufstiegsrennen bleiben. Der Ortsrivale aus Köpenick hat eine Klasse höher das rettende Ufer noch nicht erreicht und wollte alles daransetzen, die Sieglosigkeit im neuen Fußballjahr endlich zu beenden. Die Aufgaben waren für beide anspruchsvoll. Hannover 96 ist in der 2. Bundesliga die Mannschaft der Stunde und Bundesligaaufsteiger HSV hat seine Punkte vor allem in Hamburg geholt. Immerhin waren es 16, bevor die Baumgart Schützlinge dort auftauchten. Vor dem Spiel begrüßte der Trainer des 1. FC Union viele alte Bekannte in der Clubkleidung mit der Raute. Dann war es auch genug mit seinem Herzensverein.
Das Spiel ging, wie zuletzt von den Eisernen gewohnt, in die Hose. Von der Spielanlage sind beide Mannschaften ähnlich. Sie sind nicht unbedingt erpicht auf den Ballbesitz. Ein Blick in die Statistik zeigt, der HSV hat im Durchschnitt 49 % Ballbesitz, die Eisernen bringen es nach 22 Spielen nur auf 41 %. Das ist der geringste Wert alle Erstligisten. Dem Gegner den Ball überlassen, Umschaltmomente kreieren oder Fehler erzwingen und eiskalt zuschlagen. Man spricht inzwischen von Antifußball, den Baumgart verordnet. Egal wie man es nennt, bei Erfolg fragt keiner weiter nach. In Hamburg scheitert Union mal wieder an den eigenen Fehlern. „Der Mann des Spiels“ war für mich Andrej Ilic. Wurde er am Kopf erwischt oder nicht, es war wohl ein Wahrnehmungsirrtum des Schiedsrichters, der Elfer durch Leopold Querfeld saß. Einen Riesenbock vom HSV-Torwart konnte Ilic wenig später nicht nutzen, traf schlicht das leere Tor nicht und als er dann traf, war es zu spät, lediglich der Anschlusstreffer zum Endergebnis. Am Einsatz mangelte es nicht, wie gewohnt ließen die Berliner alles auf dem Rasen. Das allein bringt keine Punkte. Es stellt sich die Frage nach der Qualität im Kader und der taktischen Grundausrichtung.
Die taktische Grundausrichtung soll hier überleiten zu einer kurzen Betrachtung des Spiels der Hertha gegen Hannover. Im Gegensatz zur Partie gegen Freiburg im Pokal, kehrte Stefan Leitl, der für das Spiel gesperrt, nur auf der Tribüne saß, nach einem 5-3-3 wieder zum gewohnten 4-2-3-1 zurück. Hannovers Trainer Christian Titz hatte Herthas Pokalauftritt gründlich studiert und fand die bessere Lösung. Das Verteidigen von Standards ist im Training zu intensivieren. Hertha kam schwer in das Spiel, Hannover verdichtet das Mittelfeld, sodass sich in Halbzeit 1 wenig Tormöglichkeiten für die Hertha ergaben. Die 2:0 Führung zur Halbzeitpause für die Gäste ging in Ordnung.
Bereits zur Pause reagierte die sportliche Führung und wechselte in der Offensive. Ein erfolgreich verwandelter Foulelfer von Fabian Reese brachte wieder Hoffnung in das mit über 41.000 Zuschauern gefüllte Olympiastadion. Hannover gelang in der 71. Minute der dritte Treffer und das war bereits ein bisschen mehr als nur die Vorentscheidung. Es fehlt Hertha an Beständigkeit und einem Knipser. Die Situation im Unterhaus ist eine andere. Die Niederlage ist ein Rückschlag und verschlechtert weiter die Ausgangsposition im Aufstiegskampf. Es ist noch einiges möglich, angesichts der Tabelle, allerdings wird jetzt jedes Spiel mehr und mehr zu einem Endspiel.
Hans-Peter Becker
