Viel Kampf und Krampf beim Hauptstadtderby und Feuer auf dem Dach

Mal abgesehen von der Anfangsphase, war das Spiel für die Zuschauer eine Zumutung, einfach nur schlecht. Spielten da hoch bezahlte Profis? Es wirkte streckenweise wie die Aufzeichnung eines Spiels der Berlin-Liga, mit der Abspielgeschwindigkeit von 110 %. Weder Pal Dardai noch Oliver Ruhnert redeten irgendwas schön. „Wir sind noch 14 Punkte vor Hertha. Wir sind nicht unzufriedener, als es sicher der Gegner ist.“ Richtig, Hertha enttäuschte mehr: „Ich habe meine Mannschaft nicht wieder erkannt. Wir haben nicht nach vorn verteidigt, waren nicht dynamisch. Wir müssen froh sein, nicht verloren zu haben. Wir müssen reden, wie so etwas sein kann.“

Wieder spielte der bei Hertha BSC ausgebildete Robert Andrich eine Rolle. Geht es gegen seinen Ausbildungsverein, hat er noch ein zusätzliches Messer zwischen den Zähnen. Seine Werte in diesem Spiel können sich sehen lassen. Er hatte 91 Ballkontakte, spielte 74 Pässe, wovon 64 ankamen und er traf in der 10. Minute passend zum Wochentag ins Tor. Die Gäste aus Charlottenburg, immerhin, fighteten zurück. Die Belohnung erfolgte in der 35. Minute, ein berechtigter, wenn auch kurioser Foulelfmeter, den Marvin Friedrich an Matteo Guendouzi verursacht hatte, verwandelte Dodi Lukebakio sicher. Das war es denn mit Fußball. Schlussendlich wurden die Punkte geteilt.

Foto: © Hans-Peter Becker

Für zusätzliche Schlagzeilen sorgten einige Fans, die sich vor dem Stadion versammelt hatten. Sie feuerten eine ganze Batterie Pyrotechnik in Richtung des Stadiondachs und dabei wurde eine Imbissbude in Brand. Wie dämlich ist das denn, es könnte ein teures Nachspiel haben. Zumal, wie die Bild berichtet, das Feuerwerk auf dem Dach des Stadions platziert war und per Fernzünder gestartet wurde. Es wird wohl ein Geheimnis der Verursacher bleiben und zeugt von eher geringer Intelligenz, die Gefahr heraufzubeschwören, das eigene Stadion abzufackeln. Das braucht nun wirklich keiner.

Der beste Mann des Spiels war Schiedsrichter Sascha Stegemann, der bei allen Zweikampfbewertungen richtig lag und sich bemühte, das Spiel nicht zu verpfeifen. Dass nach der Halbzeitpause der Spielfluss mehr und mehr versiegte, konnte er natürlich nicht beeinflussen.

Bleibt als Fazit, die Eisernen setzen ihre erfolgreiche Saison fort, haben weiter die Chance, in der kommenden Saison international zu spielen und Hertha? Die „Alte Dame“ hat bisher nur eine Menge Geld versengt und muss weiter um den Klassenerhalt bangen. Der nächste Gegner im Olympiastadion ist Borussia Mönchengladbach. Die Eisernen müssen zum FC Bayern nach München reisen.

Hans-Peter Becker

Fußball-Bundesliga 27. Spieltag

1. FC Union BerlinHertha BSC 1:1 (1:1)

04.04.2021 18:00 Uhr Stadion „An der Alten Försterei“

1. FC Union Berlin: Luthe – Friedrich, Knoche, Schlotterbeck – Trimmel, Andrich, Gentner, Prömel (74. Ingvartsen), Ryerson – Musa (83. Pohjanpalo), Kruse 3-4-3

Hertha BSC: Schwolow – Klünter, Stark, Torunarigha – Zeefeuik, Tousart, Guendouzi (79. Khedira), Mittelstädt – Lukebakio (62. Ascacibar), Cordoba (90. Piatek), Cunha 4-3-3

Schiedsrichter: Sascha Stegemann, Frederick Assmuth, Philipp Hüwe, Nicolas Winter 

Tore: 1:0 Andrich (10.), 1:1 Lukebakio (35. FE)

Unentschieden in der Wuhlheide und Fanproteste

Der 1. FC Union Berlin hat am 24. Spieltag Zähler Nummer 30 geholt. Es kam zustande nach einem 2:2 in der Partie gegen den VfL Wolfsburg. Trotz eines verspielten 2:0 Vorsprung sprach Trainer Urs Fischer von einem wichtigen Punkt, über den er sehr froh ist. In der wieder restlos ausverkauften „Alten Försterei“ ging seine Mannschaft zunächst mit 2:0. Es waren zwei Freistöße von Kapitän Christopher Trimmel, die per Kopf von Sebastian Andersson und später von Marvin Friedrich (sein erster Saisontreffer) ins Tor buggsiert wurden. Aus dem Spiel heraus lief für die Eisernen wenig. Die Wolfsburger hatten gutes Rezept gegen die Angriffsversuche der Eisernen. Es haperte lediglich in der finalen Abschlusshandlung. Da bekamen die Eisernen meist rechtzeitig einen Fuß an den Ball.

In der ersten Halbzeit fiel ein Tor und das Spiel musste wegen einer Protestaktion der Fans zwei Mal unterbrochen werden. Ein Teil Fans protestierte gegen die Sprerre von Dortmunder Fans Auswärtsspielen ihres Vereins in Hoffenheim. Das Banner “ 2017, Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht! Fick Dich DFB ! Über die Wortwahl lässt sich streiten, Fußballer-Sprache. Als freie Meinungsäußerung geht das noch durch. Leider war das nicht alles, es wurden die Plakate mit Hopp im Fadenkreuz gezeigt und auf einem anderen wurde er als Hurensohn bezeichnet. Die Plakate mussten verschwinden und Spiel wurde fortgesetzt.

Gefordert war Stadionsprecher und Kommunikationschef Christian Arbeit, der auf Nachfrage in der Pressekonferenz nach dem Spiel zu den Vorgängen Stellung nahm. Es wurde am selben Tag auch eine Erklärung des Präsidenten Dirk Zingler verbreitet.

„Die Diffamierung von Menschen verurteile ich aufs Schärfste, so etwas ist nicht tolerierbar. Die Verrohung des Umgangs miteinander in unserer Gesellschaft, die sich auch rund um Fußballspiele widerspiegelt, ist äußerst besorgniserregend. Vor der Herausforderung, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, stehen wir alle. Jeder Einzelne ist aufgefordert, ihr entgegenzuwirken“, positioniert sich Dirk Zingler grundsätzlich und wirbt darüber hinaus im konkreten Kontext des Fußballs für eine differenzierte Sicht.

Aus eigenem Erleben kann ich schildern, dass die Aktion der Waldseite in den anderen Sektoren des Stadions kontrovers diskutiert wurde. Von Zustimmung bis kompletter Ablehung reichte das Spektrum der Meinungen. Es steht zu befürchten, dass es am kommenden Spieltag weiter gehen könnte und dazwischen liegt das Viertelfinale im Pokal.

Spieldaten

1. FC Union Berlin: Gikiewicz –Friedrich, Hübner, Subotic– Trimmel, Andrich, Gentner (73. Prömel), Lenz – Malli (66. Ingvartsen), Andersson, Bülter (83. Ryerson)

VfL Wolfsburg: Casteels – Mbabu, Knoche, Brooks, P. Otavio – Steffen (63. Mehmedi), Gerhardt, Arnold, Brekalo (88. Klaus) – Ginczek (77. Victor), Weghorst

Tore: 1:0 Andersson (41.), 2:0 Friedrich (56.), 2:1 Gerhardt (60.), 2:2 Weghorst (81.)

Zuschauer: 22 012